Gedankenstürme

Zugegeben: die letzten Monate waren schon heftig, viele Ereignisse, die auf mich einstürzten und zu wenig Zeit, diese zu sortieren und zu verarbeiten. Und es geht ja auch erstaunlich lange gut, solange immer wieder ein neues Ereignis das andere ablöst und mich beschäftigt hält.

Nur leider habe ich seit dem Beschäftigungsverbot keine Ereignisse mehr, die mich beschäftigt halten und so hat mein Gehirn viel freie Zeit, um sich den vergangenen Erlebnissen zu widmen. Vorzugsweise nachts, wenn ich schlafen möchte. Dann beginnen die Gedankenstürme und halten mich wach. Und es sind nicht ein oder zwei Gedanken, sondern viele, sehr viele.

Meist drängt sich ein Gedanke in den Vordergrund und ich fange an, mich mit dem zu beschäftigen. Doch ich komme nicht dazu, diesen auch bis zu Ende zu denken, da sich nach 2/3 ein anderer Gedanke in den Vordergrund drängelt. Meistens unbemerkt, so dass ich dann den neuen Gedanken verfolge. Manchmal bemerke ich das Reindrängeln und gehe zurück zum alten Gedanken und ab und zu schaffe ich es sogar, diesen „zu Ende“ zu denken. Und er ist zumindest für diese Nacht abgehakt. Doch die nächsten Gedanken lauern schon.

Es ist wie ein großer Raum, in dessen Mitte eine schwache Glühbirne brennt. Direkt unter der Glühbirne kann ich die Gedanken erkennen, die sich in den Vordergrund drängeln, die meinen, sie seien am Wichtigsten, die wie in der Schule mit dem Finger schnippen und rufen: hier, ich! Dann schon ein weniger im Schatten die etwas schüchternen, die geduldig warten, bis die Drängler fertig sind. Und dann die im Verborgenen. Von denen ich nicht weiß, wie viele es genau sind, aber ich kann sie leise tuscheln hören. 

Es sind auch nicht unbedingt die ganz großen Gedanken, die um die Zukunft oder die blanke Existenz. Solche hatte ich auch schon früher, als ich permanent im Dispo war oder als während meiner Therapien mein Innerstes nach außen gekehrt wurde. Es sind die ganz normalen, alltäglichen Sachen, die Nachts in meinem Kopf Samba tanzen. Die um die Dinge, die ich noch vor der Geburt erledigen muss. Oder welcher Arzttermin gerade ansteht und was ich da fragen soll. Oder was ich jetzt mit meinem vermaledeiten Mobilfunkanbieter mache. Manchmal sind auch emotional schwierige Themen dabei wie die Krise im letzten Jahr. Oder eben das Fehlbildungsszenario. Und auch, wenn diese Themen an sich durch sind, tauchen sie immer wieder auf.

Und ich kann derzeit nicht viel dagegen tun. Ich versuche es mit autogenem Training, um meine Gedanken zu beruhigen, aber die Streber unter den Gedanken schnipsen sich einfach dazwischen. Ich denke dann darüber nach, wie ich das in der Vergangenheit lösen konnte. Bei leichten Böen haben Hörbücher ganz gut geholfen, die haben die Gedanken verstummen lassen. Aber bei richtigen Unwettern hilft das auch nicht.

Denn es gab immer wieder mal solche Episoden bei mir. Am schlimmsten war es vor knapp 10 Jahren, da ging es mir richtig schlecht. Ich habe damals pro Nacht nur 2 oder maximal 3 Stunden geschlafen. Bin oft erst um 4 oder 5 Uhr morgens zur Ruhe gekommen, durfte aber je nach Schicht, um 7 oder spätestens um 9  wieder auf der Matte stehen, bei einem Job, denn ich hasste, in einer Stadt ohne Freunde. Ich war völlig alle, Null leistungsfähig und überhaupt nicht belastbar. Ich bin damals zum Arzt gegangen und bat ihn um ein Schlafmittel, welches er mir äußerst widerwillig verschrieb. Ihm wäre es lieber gewesen, ich hätte die Ursachen der Schlafstörung bekämpft, aber dazu sollte es erst 3 Jahre später kommen. Das Schlafmittel half nichts, die Gewitter in meinem Kopf waren zu übermächtig. Es änderte sich erst, als ich einen neuen Job in meiner alten Heimat angeboten bekam. Dann hieß es, innerhalb von 4 Wochen eine neue Wohnung finden und den Umzug über die Bühne bringen. Das beschäftigte mich mehr als genug.

Und diesmal? Kein Umzug. Kein neuer Job. Keine zwingenden Besorgungen für das Baby. Eigentlich wäre ja alles schick und ich könnte meine extra langen Ferien genießen. Wenn ich mir da nicht selber so im Weg stehen würde. Also versuche ich es mit aufschreiben, in der Hoffnung, dass sich die Gedanken genügend gewürdigt fühlen, wenn sie permanent festgehalten werden und dann auch Ruhe geben.

Ich hab aber auch eine Heidenangst vor dem Aufschreiben, vor dem aktiven Beschäftigen damit. Wer weiß, ob wirklich alle Gedanken so harmlos sind, wie sie tun? Vielleicht wühle ich da was auf, was ich so nicht erwarte? Eventuell hilft das Aufschreiben auch gar nicht und die Gedanken besuchen mich weiterhin jede Nacht? Fakt ist, ich muss etwas tun. Durch diese ganze Geschichte hat sich mein Rhythmus bereits völlig verschoben, vor um 12 werde ich gar nicht richtig wach. Ich habe die letzten beiden Tage versucht, mittels Rosskur das Ganze wieder gerade zu rücken, aber nur mit mittelprächtigem Erfolg. Ich machte die eine Nacht durch, schlief dann auf der Couch vormittags 3 Stunden quälte mich dann durch den Rest des Tages. Legte mich dann um 23 Uhr hin und schlief auch sofort ein. Bis ich kurz nach 2 wieder wach wurde. Und die Gedanken wieder kamen und bis früh halb 7.

So kann es definitiv nicht weiter gehen!

Unruhig

Im Moment bin ich total unruhig und weiß nicht so recht, warum. An sich sind ja seit dem Urlaub alle kritischen Themen durch und ich könnte mich jetzt wieder auf die Schwangerschaft und die Arbeit konzentrieren. Aber so recht will mir das nicht gelingen.

Mir geht es seit Freitag körperlich nicht allzu gut, ich hab elendig dick geschwollene Knöchel, die auch übers Wochenende trotz viel Beine hochlegen nicht abgeschwollen sind. Hatte am Freitag schon Probleme mit meinen an sich superbequemen Turnschuhen, die permanent am Rand drückten. Die Rückenschmerzen sind leider auch schlimmer geworden und ich weiß teilweise nicht mehr, wie ich sitzen oder liegen soll.

Zu allem Überfluss zeigte der Kleene gestern Abend wieder Anzeichen einer herannahenden Erkältung, die mitten in der Nacht richtig dramatisch wurden. Ich hörte so gegen 1 Uhr in der Nacht ein leises Wimmern aus seinem Zimmer und als ich nachschaute, saß er auf seinem Bett und japste nach Luft. Seine Atemnot war so groß, dass er nicht mal mehr weinen oder nach uns rufen konnte und er glühte mit über 40 Fieber vor sich hin.

Ich schnappte mir also den Kleenen, gab ihm eine Dosis Fiebersaft, zog ihn fix an und dann am zur Notfallpraxis. Auf dem Weg dahin ging es ihm zum Glück schon etwas besser und er drohte nicht mehr jeden Moment zu ersticken. In der Praxis wurde mir als allererstes ein Zettel zu Pseudo-Krupp in die Hand gedrückt, auf dem tatsächlich alle Symptome meines Kindes beschrieben wurden. Der Arzt hat ihn gründlich untersucht und abgehorcht und bestätigte seinen Verdacht und gab dem Kleenen Cortisonsaft und verschrieb und noch Paracetamolsaft, falls unser gewohnter Fiebersaft das Fieber nicht ausreichend senken sollte.

Sehr erleichtert, aber auch sehr k.o. ging es dann wieder zurück nach Hause, wo der Kleene wieder ins Bett verfrachtet wurde und ich noch ein wenig wach blieb, um immer mal kontrollieren zu können. Er hat zwar ordentlich geschwitzt, aber doch friedlich geschlafen.

Als ich am frühen Morgen ins Bett gegangen bin, konnte ich recht schnell einschlafen, bin aber relativ schnell durch heftige Bauchkrämpfe geweckt worden. Jede Bewegung löste neue Krämpfe aus, aber ich musste mich immer wieder mal umdrehen, weil mir mein Rücken so weh tat. Irgendwann bin ich wieder eingeschlafen, aber nach nur 4 Stunden Schlaf war ich dann endgültig wach, jedoch total abgeschlagen. Habe versucht, heute nachmittag ein wenig zu schlafen, aber dazu war ich zu unruhig.

Mit all diesem Kram denke ich ernsthaft drüber nach, das Angebot der Ärztin nach einem kompletten Beschäftigungsverbot anzunehmen, denn ich habe keine Lust auf weitere Bauchkrämpfe nachts oder sonstwann. Andererseits hab ich ein total schlechtes Gewissen, meine Kollegen im Stich zu lassen, wo noch so viele Aufgaben offen sind. Dann wiederum mach ich mir schon Sorgen um den Bauchbewohner, denn solche Krämpfe haben sicherlich auch etwas zu bedeuten und die Angst, dass die Schwangerschaft ein vorzeitiges Ende finden könnte, ist schon massiv. Zumal es mich auch beunruhigt, dass ich innerlich überhaupt noch nicht auf das Kind eingestellt bin.

In den Foren erzählen sie alle, was sie schon gekauft haben, was sie noch besorgen müssen, wer alles umzieht oder die Kinderzimmer streicht und vom ganzen anderen Nestbaukram. Und ich hock hier und mir steht der Sinn so gar nicht danach. Wir haben ja im Prinzip auch alles da. Das einzige, was wir noch klären müssen ist, wo wir die Babysachen unterbringen und wie wir das Kind nennen.

Obwohl eigentlich alles so einfach sein sollte, finde ich das grad total kompliziert und die Gesamtsituation überfordert mich völlig 😦