Wer lesen kann …

… ist klar im Vorteil.

Nie war dieser Spruch so aktuell wie heute bei mir auf Arbeit.

Wie bekannt, arbeite ich seit mehreren Wochen an einem Dokument, anhand dessen die Geschäftsführer entscheiden sollen, wie es mit der Microsoft Lizenzierung bei uns im Unternehmen weitergeht.

Bei der Besprechung eines ersten umfangreichen Entwurfs kam es bereits wegen Nichtlesens zu einem Eklat. Im Nachgang hatte ich meinem Chef eine entsprechende Email geschickt, in der ich mich unter anderem beschwerte, dass bevor Anmerkungen zu dem Dokument gemacht werden, dieses doch bitte vorher wenigstens einmal gelesen werden sollte.

Nun gut. Die Wogen glätteten sich, das Dokument wurde weiter von mir überarbeitet, ich habe mit externen Beratern gesprochen, welche das Dokument ebenfalls überprüften und auch alle anderen Beteiligten brachten sich in den Entwurf ein. Gestern konnte ich endlich den finalen Entwurf präsentieren.

Mein Chef wollte, dass in dem Dokument zwei Entscheidungsvarianten aufgelistet werden. Bei meiner Arbeit stellte ich aber fest, dass die gewünschte 2. Option gar keine Option mehr ist, weil sie schlicht viel zu teuer ist. Also nicht nur so ein bisschen teurer, sondern so im mittleren 6-stelligen Betrag teurer. Deswegen liess ich diese weg und erklärte dies in der Informationsmail an alle Beteiligten. Ebenso erwähnte ich in dieser Email, dass ich heute erst ab 12 Uhr im Unternehmen bin, weil hier bei uns die Lehrer streiken und mein Kind erst ab 12 Uhr in den Hort kann.

Ich kam also um 12 Uhr in die Firma und sah mein Telefon wild blinken. Ich solle dringend zurückrufen. Hab ich getan, nur ging keiner ran. In meinem Postfach ebenso eine Mail mit der Bitte um Rückruf.

Als ich endlich die Beteiligten erreicht hatte, beschwerte sich BK (ausgerechnet), dass ich den ganzen Vormittag nicht zu erreichen gewesen wäre. Außerdem beschwerte sie sich, dass sich mein Chef bei ihr beschwerte, dass ich nicht zu erreichen wäre. Ja, beide haben meine Email bekommen.

Mein Chef beschwerte sich außerdem, warum denn nicht wie abgesprochen die 2 Varianten im Dokument wären. Und er wollte eine ausführliche Begründung im Dokument mit konkreten Zahlen und Verlinkungen zu den Beispielrechnungen. Das alles ist aber schon im Dokument drin, auf Seite 2. Hat er also nicht nur meine Email nicht gelesen, sondern auch das Dokument nicht, welches er heute eigentlich der Geschäftsführung vorlegen wollte.

Hab ich gestern noch gefeiert, dass diese leidige Thema endlich vom Tisch ist, darf ich heute nun wieder an diesem beschissenenwundervollen Dokument arbeiten, um die Änderungen einzubauen, die entweder keinen Sinn machen oder aber bereits drin sind.

Ich höre Schilda leise aus der Ferne grüßen …

Interne Reihenfolge

Die letzten Wochen waren gut, was den Stellenmarkt und den Bewerbungsprozess anging. Ich fand tatsächlich diverse Anzeigen, die mich interessierten und auf die mein Profil passte. Ich schrieb wunderbare, witzige, informative Anschreiben und wurde prompt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Die letzten beiden Wochen war ich fast täglich zu einem Interview unterwegs. Bei allen hatte ich ein gutes Gefühl, ging davon aus, überzeugt zu haben. Zumindest konnte ich während der Gespräche keine gegenteiligen Signale wahrnehmen.

In meiner Vorstellung malte ich mir schon aus, wie sämtliche Firmen begeistert von mir sind und mir einen Arbeitsvertrag anbieten wollten. Um gewappnet zu sein, erstellte ich für mich eine Reihenfolge, wo ich denn am liebsten und wo nur im Notfall arbeiten möchte. Ich begann zu träumen und sah eine rosige Zukunft vor mir.

Dann hagelte es Absagen, eine nach der anderen. Meine Liste war hinfällig, am Ende standen gar keine Namen mehr drauf und ich stehe dafür wieder ganz am Anfang.

Die DIS hat heute angerufen und gefragt, ob sie mein Profil auf eine bestimmte Stelle verschicken dürfen. Ich erwiderte, dass ich mich bereits vor 2 Monaten darauf beworben habe und postwendend eine Absage erhielt.

Außerdem nimmt mich die Auseinandersetzung mit meinem alten Arbeitgeber ordentlich mit. Wie sehr merkte ich diese Nacht, als ich einen sehr intensiven Traum hatte. Aus nicht näher definierten Gründen ging ich in meinem Traum durch die Gänge des Unternehmens, traf meine alten Kollegen, plauderte mit diesen und holte mir deren Zuspruch und Bedauern ab. Ich traf irgendwann auf ein hohes Führungstier, einen Mann, der mir immer recht sympathisch war, der mich verwundert ansah und meinte, er hätte mich ja schon eine ganze Weile nicht mehr hier gesehen. Ich klärte ihn darüber auf, dass meine Stelle im Rahmen der Umstrukturierung des IT-Bereichs weggefallen und ich gekündigt worden sei, was ihn sehr erstaunte. Doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten und schleuderte ihm meine ganze Wut entgegen: ABER MEINE ELTERNZEITVERTRETUNG IST IMMER NOCH HIER!
Sprach’s und brach dann schluchzend zusammen.
Entsetzt schaute er zu mir herunter und bot mir dann als Wiedergutmachung an, dass ich doch am Firmensommerfest mit der gesamten Familie teilnehmen könne.
Das allerdings machte mich noch viel wütender, so sehr, dass ich aufwachte.

Ich bin dann mal weg, mal wieder den Stellenmarkt durchforsten 😦

Sour Grapes

Hallo Arbeitslosigkeit!

Wie geht’s, lange nicht gesehen?!

Bin ich sauer, dass meine Elternzeitvertretung immer noch einen Job in meiner alten Firma hat, während ich end- und erfolglos Stellenanzeigen durchforsten und mich dem erniedrigenden Prozess des Bewerbungen Schreibens und Absagen Kassierens stellen muss?

Hell yeah!

Würde ich meinen alten Job wiederhaben wollen?

Hell no!

Dies ist nicht mehr „meine“ Firma, es gibt dort nichts, womit ich mich identifizieren kann oder mit dem ich assoziiert werden möchte. Mein alter, richtig guter Chef ist nicht mehr dort, der vorwärts gerichtete, Innovationen auch gegen den Widerstand der Anteilseigner vorantreibende Vorstandsvorsitzende ist ebenso schon lange fort. Ob dies letztendlich alles so gewinnbringend ist, wage ich zu bezweifeln und hoffe vorsichtig auf deren Untergang. Oder wenigstens einen deftigen Schlag in die Magengrube.

Was ich für die Zukunft geplant habe?

Wenn alles gut geht, darf ich die PRINCE2 Zertifizierung im August machen. Die Nachfrage bei meinem Arbeitsvermittler ergab, dass er auch einer zusätzlichen Weiterbildung im SAP-Bereich nicht im Wege stehen würde, ich müsste mir nur die entsprechenden, für mich passenden Kurse aussuchen.

Es geht.

Voran.

Irgendwie.