Stolz wie Oskar!

Freitags, 16 Uhr ist das Fußballtraining des Großen. Also eile ich kurz nach 15 Uhr zur Schule, hole den Kurzen vom Hort ab, hoffe inständigst er hat seinen Turnbeutel nicht im Klassenzimmer vergessen, dann gehen wir kurz nach Hause, ich packe den Turnbeutel mit seinen Fußballsachen voll und dann ab zur Turnhalle, wo im Winter das Training stattfindet.

Diesen Freitag nun das gleiche Spielchen, alles klappte soweit, wir waren pünktlich beim Training und während ich es mir auf einem Stapel Turnmatten in der eher spärlich geheizten Halle gemütlich machte, kam der Trainer an und wünschte der neben mir sitzenden Mutter und mir ein gesundes neues Jahr und fragte dann im gleichen Atemzug an, ob unsere beiden Kinder denn am nächsten Tag an einem Turnier teilnehmen können. Start um 9 Uhr, Treff 8:15 Uhr.

Mein erster Impuls war, abzusagen, da der Termin noch mitten in meiner Tiefschlafphase lag. Doch dann dachte ich, es wäre eine coole Möglichkeit, das Kindlein zum einen wertvolle Spielerfahrung sammeln zu lassen und andererseits stellte ich mir vor, dass bei solchen Turnieren Talentscouts der großen Vereine zu finden sind, die nach talentiertem Nachwuchs schauen.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob mein Kind mal Profifußballer oder Elektriker wird, Hauptsache er kann das machen, was ihm wirklich Freude bereutet. Und aktuell ist sein größter Wunsch, Fußballer zu werden. Glücklicherweise haben wir in der Stadt einen Klub, der ihm dies ermöglichen könnte und der Verein hatte im Dezember relativ kurzfristig einen Talentsichtungstermin für die 2009er Jahrgänge angesetzt, zu dem ich den Großen angemeldet hat. Denn er möchte nicht irgendein Fußballer werden, sondern ein Fußballer bei eben jenem Verein. Die letzten Trainings waren ganz gut verlaufen, er machte gut mit, war konzentriert und immer auf den Ball und die generelle Spielsituation fokusiert – so gut dass eben ein 6-jähriges Kind hinbekommt.
Beim Sichtungstermin allerdings holte er sich beim Aufwärmen eine Schürfwunde am Knie, daraufhin störten ihn seine kurzen Hosen, deren unterer Saum ständig über diese Schürfwunde schabte und er war mehr damit beschäftigt, die Hosenbeine hochzuziehen als wirklich Fußball zu spielen. Zudem hatte er nach einer Stunde keinen Bock mehr, hampelte rum, hörte den Trainern nicht mehr zu, führte die Übungen nur halbherzig oder gar nicht aus und bei den Testspielen lag (!) er lieber im Tor rum, als sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Entsprechend kam eine Woche später die Absage, allerdings mit dem Zusatz „wir werden ihn im Auge behalten“. Ob das nur eine abmildernde Floskel ist oder die jetzt mein Kind für die Zukunft auf dem Zettel haben, weiß ich nicht.

Jedenfalls wollte ich kein Risiko eingehen und dem Kind die Gelegenheit geben, zu zeigen, was wirklich in ihm steckt, falls es eben nicht bloß eine Floskel war. Außerdem war der Trainer die letzten Male ganz angetan von seine Leistungen, steckte ihn aber durch Zufall immer wieder mit den Schwächsten zusammen in eine Gruppe.
Es gibt in der Bambinigruppe des Vereins zwei Kinder, die sind einfach nur unmöglich. Der eine Junge kann nur Gewalt, er tritt, er beißt, er schlägt, klaut anderen Kindern den Ball, oder semmelt volle Kanne gegen den Ball, wenn ein anderes Kind ihn aufheben will. Mein Großer hat dadurch schon diverse blaue Flecken abbekommen, weil sie eben wie gesagt bei jedem Training in das gleiche Team gesteckt werden.
Beim zweiten Jungen bin ich mit immer noch nicht sicher, ob er geistig beeinträchtigt oder einfach nur so doof ist. Wenn man dem Kind was sagt, dann starrt es einen verständnislos an und macht dann irgendwas, meist das Gegenteil vom Gesagten. Selbst wenn ihn der Trainer an die Hand nimmt, die Abläufe Schritt für Schritt erklärt und außerdem noch vormacht, weiß das Kind hinterher nicht, was es tun soll. Ständig müssen ihm Oma, Mutter oder Vater erklären, was es zu tun hat. Es peilt nicht mal, auf welches Tor es zu spielen hat. Und tja, dieses Kind war auch jedes Mal im Team des Großen.

Also ein weiterer Grund für das Turnier, weil dann die AKs nicht dabei sein werden, sondern nur die eher besseren Spieler und der Große bei den Spielen nicht so frustriert ist. Mein Mann fand die Idee nicht so toll, hauptsächlich wegen der Uhrzeit und weil wir eigentlich schon andere Pläne hatten. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Sonnabend morgen ein wenig zu spät auf den Weg, wurden mit Turnierklamotten versorgt, der Trainer gab noch kurze Anweisungen und dann ging das Turnier los. Es gab zwei Gruppen, die in der Vorrunde die Teilnehmer des Halbfinales ermittelten. 1. und 2. jeder Gruppen kamen ins Halbfinale.

Für unseren Verein ging es fantastisch los, das erste Spiel wurde 2:0 verloren. Das zweite Spiel  endete 0:0. Da die anderen Spiele ganz gut für uns liefen, reichte ein Sieg im dritten und letzten Spiel der Vorrunde, um noch das Halbfinale zu erreichen. Jedoch waren sowohl Trainer als auch Eltern ob der bisher gezeigten Leistung mehr als skeptisch, dass die Kleinen das schaffen würden. Aber die knieten sich voll rein und schafften tatsächlich einen 1:0 Sieg und zogen als Gruppenzweite ins Halbfinale ein. Dort trafen sie auf den Gruppenersten der zweiten Gruppe und der hatte in der Vorrunde alle Gegner mit mindestens 2:0 platt gemacht.

Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, aber erneut überraschten uns die Kinder. Sie spielten konzentriert und als Team, passten aufeinander und den Gegner auf und kassierten erst in den letzten Sekunden der Spielzeit ganz unglücklich den Gegentreffer. Der Trainer lobte sie trotzdem und zu Recht über den grünen Klee und immerhin bestand ja noch die Chance auf Platz 3, wenn sie den Verlierer des zweiten Halbfinales im kleinen Finale schlagen sollten.

Im Unterschied zu früheren Turnieren hatte der Trainer dieses Mal sogar eine taktische Aufstellung gebastelt. Es gab zwei Spielerblöcke, da wir zu viele Spieler hatten und damit jeder mal dran kommt, wurde ein Auswechselplan geschmiedet, bei dem es fliegende Wechsel wie beim Eishockey geben sollte. Zu Anfang jedoch stand immer die stärkste Mannschaft auf dem Platz. Taktisch wurde in einem 1-2-2 System gespielt, also Torhüter, davor ein Verteidiger, dann zwei Mittelfeldspieler und dahinter zwei Stürmer. Meiner Erfahrung nach war eine solche Aufstellung bisher immer völlig sinnlos, denn in dem Alter spielen die Kinder Fußball, in dem sich alle auf den Ball stürzen und schauen, was dann passiert.

Mein Großer jedenfalls wurde als Verteidiger im ersten Block gesetzt, was ich schon mal gut fand. Mir war in den Trainings aufgefallen, dass er ganz gut in die Gegner grätschen kann und durchaus Talent bei der Balleroberung hat. Wenn er dann allerdings den Ball hat, weiß er nicht, was er damit machen soll und ihm fehlt bislang jeglicher Zug zum Tor, was ihn als Stürmer eher unbrauchbar macht.
Es ist nun einem Kind eher schwierig beizubringen, dass ein Verteidiger ebenso ein ganz wichtiger Spieler ist, wenn bei den Profis fast immer nur die Stürmer oder Torhüter im Fokus stehen. Dementsprechend fand mein Kind das auch eher doof und vorm letzten Spiel – dem alles entscheidenden Spiel um Platz 3 – fragte er den Trainer, ob er nicht auch mal als Stürmer spielen darf. Der Trainer meinte daraufhin, dass er den Wunsch versteht, aber ihn ganz unbedingt als Verteidiger braucht und nicht auf ihn in dieser Position verzichten kann.

Oar, das ging runter wie Öl. So ein Kompliment hatte der Trainer noch nie gemacht. Die beiden vereinbarten dann einen Kompromiss, der Große würde zu Anfang wie gewohnt als Verteidiger spielen und wenn er dann erneut eingewechselt wird, darf er als Stürmer ran. Leider hatte der Trainer die Spielzeit nicht im Blick und so konnte mein Großer nicht nochmal eingewechselt werden.

Das Spiel ging übrigens 0:0 aus und wurde im Elfmeterschießen entschieden, wo unsere Schützen zweimal sicher verwandelten und unser Torhüter spektakulär zweimal hielt. Und so belegte die Mannschaft des Großen mit nur einem während der regulären Spielzeit erzielten Tor und insgesamt nur 3 Gegentoren den 3. Platz im Turnier. Effektiver geht’s nicht.

Die Kleinen konnten die Siegerehrung kaum abwarten, sie wollten endlich den Pokal in die Höhe recken, mussten aber noch das Finale abwarten. In der Zwischenzeit diskutierten sie, wer als erstes den Pokal bekam und ob ihn wirklich jeder mal anfassen dürfte.
Bei der Siegerehrung wurden noch der Torschützenkönig und der beste Torhüter geehrt. Den Torschützenkönig stellte der 2.-platzierte, der beste Torhüter kam natürlich von uns.

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Alles in allem ein gelungenes Turnier und vielleicht hat ja doch ein Scout zugeschaut 😉

Schiebetermin

In dem Prozess, bei dem ich derzeit als Schöffe eingesetzt bin, stand heute ein sogenannter Schiebetermin an. Solche Termine werden immer dann nötig, wenn man den Prozess um mehr als 3 Wochen unterbrechen muss, weil bspw. Zeugen nicht schnell genug herangeschafft werden können oder Experten etwas länger für Gutachten brauchen oder ganz schlicht Terminfindungsschwierigkeiten zwischen den Beteiligten bestehen. Da aber ein Verfahren nicht länger als drei Wochen unterbrochen werden darf, müssen sich eben in schöner Regelmäßigkeit alle Beteiligten vor Gericht einfinden. Und für eine halbe Stunde kriegt man alle eher zusammengetrommelt als für ganztägige Termine.

Um 8:30 Uhr sollte besagter Termin heute stattfinden und wir, also Mann, zwei Kinder und ich, saßen pünktlich um 8 Uhr im Auto. Und pünktlich zu diesem Zeitpunkt fand sich auch die Müllabfuhr bei uns ein. Nun muss man dazu wissen, dass wir in einem kleinen Wohnpark wohnen, wo es nur eine Zufahrt zum hinteren Bereich gibt, wo der Großteil der Autos und eine Hälfte der Mülltonnen steht. Zum problemlosen Wenden gibt es ein schickes Rondell, welches aber fast immer von Fremdfahrzeugen zugeparkt ist. Wir warteten also, bis die Müllmänner die Mülltonnen hinten geleert hatten, dann in den vorderen Bereich übersiedelten, um den Rest zu leeren. Die Jungs machen nur ihren Job, aber heute früh hätte ich gerne darauf verzichtet.

Als der Weg endlich frei war, düste ich gen Gericht und fand zum Glück gleich einen Parkplatz. Die Kinder überließ ich meinem Mann, der eh den Großen im zwei Straßen entfernten Kindergarten abliefern wollte und hechtete los. Etwas außer Atem kam ich 5 Minuten vorm Termin an, wo ich vom Richter und der zweiten Schöffin begrüßt wurde. Da der Richter bei meiner Ankunft in ein vertrauliches Gespräch verwickelt wurde, wurden wir Schöffen gebeten, vor dem Richterzimmer zu warten. Die Schöffin kam auch direkt zur Sache und meinte, dass wir ja eigentlich 15 Minuten vor Beginn da sein sollten und ich die 15 Minuten doch recht großzügig ausgelegt hätte.

Blöde Kuh! Als wenn ich die Müllmänner absichtlich um die Zeit bestellt hätte. Und überhaupt war ich froh, dass wir um 8 Uhr aus dem Haus waren, denn wer schon mal versucht hat, einem 5-jährigen die Grundzüge von Pünktlichkeit zu vermitteln, weiß, wie schwierig das ist, egal, wie viele Pufferzeiten man einbaut. Wenn der Richter was gesagt hätte, ok, aber die?

Na, egal, kurz nach halb Neun betraten wir den Sitzungssaal, wo uns der Verteidiger darauf hinwies, dass sich sein Mandant um wenige Minuten verspäten würde. In der Zwischenzeit unterhielten sich der Richter und der Staatsanwalt über zwei abgeschlossene Langzeitfälle, aber so kryptisch, dass für Außenstehende nix Brauchbares rauszuhören war. Schade.
Mit 10-minütiger Verspätung traf der Angeklagte ein und wir konnten mit dem offiziellen Teil beginnen. Für den heutigen Termin hatte sich der Richter das Verlesen des Auszugs aus dem Bundeszentralregister vorgenommen, also welche Vorstrafen der Beschuldigte bereits vorzuweisen hat (oder eben nicht). Das dauerte nicht lang und schon war die Sitzung wieder geschlossen.

Mein Mann und meine Tochter holten mich vorm Sitzungssaal ab, ich fuhr meinen Mann noch fix auf Arbeit und dann sind wir zwei Mädels ab nach Hause, erstmal ganz in Ruhe frühstücken.

Nächster Termin ist am 5.1., auch wieder ein Schiebetermin. Mal schauen, was da spannendes verlesen wird.

Erster Gerichtstermin

Gestern durfte ich also das erste Mal als Schöffe vor Gericht antreten. Mein Mann war der festen Überzeugung, dass er das für einen Tag mit der Kleinen hinkriegt, also habe ich den Termin nicht abgesagt, sondern fand mich wie vorgeschrieben um Dreiviertel Neun vor dem Richterzimmer ein. Der Richter war schon da und auch die zweite Schöffin. Wir stellten uns kurz vor und besprachen dann das Vorgehen. Ich fragte, ob und in welchem Umfang ich darüber bloggen dürfte und der Richter meinte, am Besten gar nicht, zumindest nicht über den Fall. Einerseits ist dieser noch nicht abgeschlossen und andererseits könnte mir auch im Nachhinein aus meinen Beiträgen Befangenheit für andere Fälle vorgeworfen werden. So darf ich also allgemein über die Vorgänge bei Gericht schreiben, jedoch nicht über den verhandelten Fall im speziellen.
Schade, denn wie so oft, schreibt das Leben die interessantesten Geschichten.

Nachdem dies geklärt war, fragte mich der Richter, ob ich denn schon als Schöffe vereidigt worden sei, was ich verneinte. Das wäre gar kein Problem, das müsste dann noch vor dem eigentlichen Verhandlungsbeginn erledigt werden und mit welcher Formel ich denn vereidigt werden möchte.
Gna, ich hatte damit gerechnet, mich sehr im Hintergrund zu halten und dann sollte auf einmal die komplette Aufmerksamkeit auf mich gerichtet sein. Och nö. Nützt ja nix, also den formalen Ablauf geklärt. Ich verzichtete auf die religiöse Formel „so wahr mir Gott helfe“, da ich einerseits nicht viel mit Religion am Hut habe und andererseits im Moment eh nicht sonderlich gut auf den da oben zu sprechen bin. Blieb noch die Frage, ob ich schwören oder geloben möchte. Ich bat den Richter, mir den Unterschied zu erklären, was er auch sehr wortreich tat, ich aber am Ende immer noch nicht wusste, was das nun genau bedeutet. Irgendwie blieb hängen, dass ein Gelöbnis nicht ganz so schwerwiegend wie ein Schwur ist, was aber wohl beim jeweiligen Bruch auch keinen Unterschied macht, so dass ich mich für den Schwur entschied.

Als alle Beteiligten eingetroffen waren, begaben wir uns in den Sitzungssaal. Ich hatte das zwar immer wieder im Fernsehen gesehen, dennoch war ich erstaunt, dass alle aufstanden, als der Richter den Raum betrat und sich erst setzten, als dieser dazu aufforderte.
Es wurde die Anwesenheitsliste verlesen, alle, die da sein sollten, waren auch da und dann kam mein großer Moment, ich wurde vereidigt. Der Richter las mir die komplette Formel vor, gab mir dann das Formular und ich durfte ihm die Formel nachsprechen bzw. ebenso vom Blatt ablesen, mit der erhobenen rechten Hand. Wir hatten vorher im Richterzimmer noch schnell geklärt, wo denn rechts wäre, ist ja bei uns Frauen mitunter tagesabhängig. Ich habe das ohne Zwischenfälle hinbekommen und konnte mich danach aufs Zuhören konzentrieren.

Der Staatsanwalt las die Anklageschrift vor, die ungefähr 5 Seiten umfasste. Dies nicht, weil die beiden Angeklagten besonders schlimme Finger sind, sondern weil eben ganz behördenmäßig jedes klitzekleine Detail aufgeführt wurde. So durfte der Staatsanwalt beispielsweise den Inhalt einer halbseitigen Exceltabelle minutiös vortragen. Die Luft in dem Raum war so trocken, dass ich allein vom Zuhören ganz durstig wurde, der Staatsanwalt kämpfte sich aber tapfer und ohne Wasser durch das Schriftstück.

Dann durften sich nacheinander die Angeklagten äußern, dann gab es eine kurze Pause und danach wurden die ersten Zeugen gehört. Alles wurde vom Gerichtsschreiber protokolliert, der fleißig auf einer Tastatur tippte, bei der eine oder mehrere Tasten beim Anschlag quietschten. Das Tastengeklacker hatte ich recht bald ausgeblendet, aber das Quietschen war echt nervtötend.

In einer der Pausen wurde alle Anwälte ins Richterzimmer gebeten, es hatte sich während der Verhandlung herausgestellt, dass der gestrige Verhandlungstag nicht ausreicht, um den Fall abschließend zu klären und so mussten neue Termine gefunden werden. Ich erwartete nun, dass dies ein zähes Ringen wird, denn wenn sich bei mir auf Arbeit 4 Manager auf einen Termin einigen müssen, dann geht das frühestens in einem halben Jahr. Aber hier war das ganz anders. Der Richter nannte zwei Termine in jeweils 3 Wochen Abstand, sogenannte Schiebetermine, die nur dazu dienen, die jeweiligen Fristen zu wahren. Diese dauern maximal eine halbe Stunde, es werden Schriftstücke verlesen und dann der Sitzungstag beendet. Der nächste richtige Termin findet in zwei Monaten Ende Januar statt, bis dahin sind auch alle benötigten weiteren Zeugen eingeladen. Der Terminvorschlag kam wieder vom Richter, die beiden Verteidiger checkten nur kurz ihre Kalender und nickten ihn ab, der Staatsanwalt arbeitet in einem Team und da wird sich immer jemand finden, der an diesem Tag kann. Wir als Schöffen hätten zwar auch intervenieren können, aber dann doch bitte nur mit sehr triftigem Grund wie der eigenen Beerdigung oder so.

Einer der Zeugen war für 13 Uhr geladen und so machten wir eine lange Mittagspause von 12 bis 13 Uhr, die ich mit der anderen Schöffin in der Gerichtskantine verbrachte. Sie hatte schon eine andere Verhandlung erlebt und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen, was ich ganz furchtbar spannend fand. Sie ist Vorruheständlerin und bringt mit der Schöffentätigkeit ein wenig Abwechslung in ihr Leben. Warum auch nicht.

Alle fanden sich pünktlich 13 Uhr wieder im Verhandlungssaal ein, der Zeuge wurde aufgerufen, sagte 5 Sätze und durfte wieder gehen. Da es keine weiteren Zeugen für diesen Tag gab und alles andere bereits geklärt wurde, war damit die Sitzung geschlossen und wir waren entlassen.

Irgendwie total unspektakulär, aber trotzdem sehr spannend. Ich bin neugierig, wie es weiter geht und werde natürlich berichten.