Bildungsauftrag

Heute morgen sitze ich mit der halben Kollegenmannschaft in der Kantine. Alle noch ein wenig müde, kauen wir schweigend auf unseren Frühstücksbroten herum. Ich lasse meinen Blick schweifen und er fällt auf unsere Weihnachtsdekorationsecke, in der neben allerlei kitschigen Räuchermännchen, Holzhäuschen und den zwei Teebeutelspendern ein kleiner Weihnachtsbaum steht. Der Weihnachtsbaum ist echt, aber mit geschätzten 10 Christbaumkugeln als alleinigen Schmuck recht dürftig angeputzt.

Weil das gerade so wunderbar passt, bringe ich den Spruch: „Früher war mehr Lametta.“

Ich hatte mit Zustimmung, einem Lächeln, vielleicht sogar dem einen oder anderen Lacher gerechnet, aber nicht mit der anhaltenden Stille. Ich stupse meine Nachbarin an, zeige auf den Weihnachtsbaum und wiederhole den Spruch. Ihre Reaktion ist ein verständnisloses „häh“.

Nun gut, sie ist noch ein wenig jung, vielleicht kann einer der anderen Kollegen etwas damit anfangen. Also echauffiere ich mich ein wenig theatralisch, dass man doch diesen Klassiker der deutschen Geschichte kennen muss. Früher war mehr Lametta – ein stehender Begriff. Ratlose Blicke bei sämtlichen Kollegen. Ich frage ungläubig nach: „Weihnachten bei den Hoppenstedts? Schon mal gehört?“ Alle Kollegen verneinen.
„Aber Loriot kennt ihr?“ Endlich vereinzeltes Nicken.

Es stellt sich heraus, dass Loriot allen ein Begriff, die Weihnachtsepisode aber völlig unbekannt ist. Ich bin ehrlich enttäuscht, da hatte ich mehr erwartet. Niedergeschlagen erzähle ich meinem Chef davon, auf Aufmunterung hoffend. Mein Chef ist so vielseitig interessiert, der kennt den Sketch bestimmt. Doch auch hier völlige Ahnungslosigkeit. Langsam beginne ich, vom Glauben abzufallen.

Gegen 11 Uhr kommt unsere Bürosportvorturnerin und quält uns heute nur ein bisschen. Die Sportler hampeln auf dem Gang zwischen den Büros herum, die faulen Kollegen schauen uns wie immer amüsiert durch die Glaswände zu. Wie genau es dazu kam, weiß ich nicht mehr, doch mittendrin ergibt sich zufällig die Gelegenheit, wieder „früher war mehr Lametta“ anzubringen. Keine Regung bei der Trainerin. Erneut äußere ich mein Entsetzen und endlich werde ich erhört: Ein Kollege hört mein Lamentieren und ruft „Genau, früher war echt mehr Lametta!“ Ich strahle ihn an. „Weihnachten bei den Hoppenstedts gehören doch zu jedem Weihnachten dazu.“, schiebt er hinterher. Ich nicke begeistert und wir zeigen uns gegenseitig „Daumen hoch“ durch die Glaswände.

Immerhin einer von 30 Kollegen kennt noch diesen Klassiker. Falls es meiner Leserschaft ähnlich gehen sollte wie den 29 anderen Kollegen und für alle, die den Sketch immer gerne wieder sehen:

 

P.S.: Während des Turnens bekamen wir kleine Gummiringe zum drauftreten. Meines hatte ein Loch und pustete sämtliche Luft beim Drauftreten raus. Mein Kommentar „Meiner ist kaputt! Warum krieg ich den kaputten?“ wurde ebenso ignoriert wie die Hoppenstedts zuvor. Kann vielleicht einer von euch den Zusammenhang herstellen?

Vom Glück des Lebens

Sonntags ist immer Sendung mit der Maus Zeit für alle großen und kleinen Mitglieder unserer Familie. Heut gab es allerdings eine Sondersendung mit dem Titel Vom Glück des Lebens (Link zur ARD-Mediathek), wo im typischen Mausstil die Entstehung eines Babies von der Zeugung bis zur Geburt erklärt und mit tollen Bildern gezeigt wurde. Wir hatten die Hoffnung, dass der Film beim Kleenen Interesse und vielleicht auch Erkennen weckt, warum Mamas Bauch denn immer mehr wird.
Aber leider nix.

Während des Filmes wurden ganz viele Ultraschallaufnahmen gezeigt, unter anderem eine, in der man sieht, wie das Baby im Bauch ins Fruchtwasser pullert, es muss ja schließlich alles üben, also auch das.
Meinen Mann hat diese Szene nachhaltig beeindruckt und er meinte später zu mir: Also, so ein bissl eklig ist das ja schon, oder?

Ich konnte daraufhin nur antworten: Was soll das Kind denn machen? Es kann ja schlecht mal eben fix vor die Tür gehen 😀

Männer!