Nächtliche Ruhestörung

Eines der Dinge, die man direkt mit der Geburt geliefert bekommt – abgesehen vom Baby – und von denen einem vorher niemand erzählt, sind ultrafeine Antennen für Kindergeräusche. Fortan arbeiten diese Antennen 24 Stunden 7 Tage die Woche auf Höchstleistung und scannen die Umgebung und schlagen sofort Alarm, wenn etwas anders als gewohnt klingt oder sogar gar nicht klingt.

Besonders fein sind die Antennen allerdings in der Nacht, da wird noch mal 50% mehr Leistung drauf gegeben. Dass Mama dadurch nur noch bedingt gut schläft muss man wohl in Kauf nehmen, ich habe leider noch keine offizielle Beschwerdestelle gefunden, vom Ehemann vielleicht mal abgesehen.

An sich eine sinnvolle Einrichtung von Mutter Natur, denn es ist unmöglich, das Kind immer im Auge zu haben. Vor allem wenn es schläft, will die Ruhe ja auch genutzt werden und dann ist es eben hilfreich, wenn man ein unnatürliches, leises Röcheln im Zimmer nebenan hört, auch wenn der Fernseher läuft – so passiert, als der Kleene damals mit Pseudo-Krupp mitten in der Nacht wach wurde.

Wenn Kind größer wird, wird es im Allgemeinen auch lauter und so brüllt es einen gut hörbar durch zwei Türen und 3 Zimmer weiter hellwach, gerade dann, wenn das Bett endlich auf Kuscheltemperatur gebracht wurde und man sich süßen Träumen hingibt. Wobei mit zunehmendem Alter auch die Bandbreite der Themen, warum Kind ausgerechnet jetzt mütterlichen Beistand braucht, zunimmt.
Das kann von einem komplett in alle Ecken zugekotzten Bett über Nachtschreck/Alpträume bis zu ganz dringend aufs Klo müssen reichen, wobei zur Verteidigung des Kindes gesagt werden muss, dass die wirklichen Notfälle bei Weitem überwiegen.

So richtig gut schlafen wird Mama erst können, wenn Kind ausgezogen ist und vermutlich dann auch nicht sofort, weil die fehlenden Geräusche eine ganze Zeit die Antennen durcheinander bringen werden. Deswegen ist es hilfreich, wenn die Antennen anderweitig entlastet werden. Aktuell geschieht dies, wenn mein Mann die morgendliche Kinderbetreuung übernimmt oder wenn das Kind im Kindergarten oder bei einem Großelternurlaub ist. Dann muss nicht mehr auf Höchstleistung gescannt werden und der Nachtschlaf wird schlagartig besser, es sei denn, der dauerschnarchende Partner sorgt für ausreichende Störgeräusche.

Um also nicht innerhalb kürzester Zeit zu einem nervlichen, weil völlig unausgeschlafenem Wrack zu mutieren, empfiehlt es sich, die Kunst des Mittagsschlafs oder auch des Power Nappings zu erlernen.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Sachen, die man als Kind total doof fand, so verlockend und wertvoll im Erwachsenenalter werden 🙂