Nur mal kurz

Gestern war ein echt anstrengender Tag auf Arbeit. (Warumwiesoweshalb werde ich eventuell später in einem Artikel verraten.) Zum Feierabend wollte ich eigentlich nur noch nach Hause und auf die Couch fallen, die Ruhe genießen, bis der Rest der Familie ebenfalls heim kommt. Doch eine Kollegin hatte vor zwei Tagen erwähnt, dass es was ganz Tolles in einem der Familienklamottenläden gibt, also wollte ich nur mal kurz dahin. Zum Glück ist eine Filiale der Kette nebenan in unserem kleinen Einkaufscenter und anstatt auf die Couch, wankte ich in den Laden. Natürlich gab es dieses Tolle nicht mehr, aber dafür waren gerade andere Sachen im Angebot, von denen ich zwei Stück erwählte. Artig stellte ich mich hinter die Frau, die bereits an der Kasse wartete. Die einzige Verkäuferin beriet lautstark eine Kundin, die sich nicht entscheiden konnte. Sie wanderten von Regal zu Regal und die Verkäuferin pries einen Artikel nach dem anderen an, erklärte ausführlich die Vorzüge des Produkts und empfahl Alternativen. Die Kundin fand jedoch immer etwas, das ihr nicht passte. Die wartende Frau vor mir und ich wurden langsam ungeduldig, da wir unsere Lebenszeit doch gerne mit anderen Dingen zubringen wollten, als dieser Schnepfe beim Unschlüssigsein zuzuhören.

Nach langen zehn Minuten hatte sich die Kundin entschieden, die Verkäuferin stürmte zur Kasse und die Schnepfe stellte sich direkt vor mich. Weil mir echt der Nerv fehlte, deswegen jetzt noch eine Diskussion vom Zaun zu brechen, ließ ich sie gewähren.

Schwerer Fehler.

Während die an vorderster Stelle bar zahlte, musste Schnepflein natürlich mit Karte zahlen und vertippte sich prompt bei der PIN-Eingabe. Die Verkäuferin reagierte sehr freundlich und verständnisvoll, zeigte, wie man die Eingabe korrigierte und startete nach der trotzdem fehlerhaften Eingabe den Zahlvorgang neu. Die Schnepfin entschuldigte sich wortreich, dass sie gerade erst die Bank gewechselt hätte und da eine neue Karte mit neuer PIN bekomme habe und die sich nicht merken könne. Wenn sie aber jetzt fix ihr Handy rauskrame …

Während sie sich sämtliche Zähne lockerquatschte, wurde ich immer verzweifelter. Ich bedauerte, nicht doch die Couch genommen zu haben. Endlich war ich dran und 30 Sekunden später auch abgefertigt, während die Schnepfe immer noch dabei war, ihre zwei gerade gekauften Sachen in ihrer überdimensionalen Einkaufstasche zu verstauen, immer noch was vom Bankwechsel vor sich hin murmelnd.

Am Ende der Einkaufspassage ist ein Euroshop und mir fiel ein, dass ich der Süßen noch einen Haarreif für Weihnachten besorgen wollte. Und ein Euro ist echt ein Schnäppchen, wenn der Haarreif das Auspacken vermutlich nicht länger als 2 oder 3 Stunden überleben würde. Schnell fand ich einen und begab mich zur Kasse. Vor mir stand ein Mann samt 10-jährigen Kind und überschaubarer Warenselektion. Das Ausrechnen der Gesamtsumme ist im Euroshop jetzt nicht sonderlich schwer, aber der Kunde vor mir brauchte es extra kompliziert und hat jeden Artikel einzeln bezahlt, jeweils mit eigenem Kassenbon. Dann fiel dem Mädchen auf, dass noch ein Paar Socken vergessen wurde. Und dann packte das Mädchen noch ihre Sachen auf den Tisch. Sie versuchte, die geforderten 3 Euro mit ihrem Kleingeld zu bezahlen, scheiterte aber bei 2, 50€ und kramte dann umständlich einen 10-Euro-Schein hervor. Sie legte die mühsam vorher herausgesuchten Münzen einzeln wieder in ihre Geldbörse zurück. Sie wird mal ein echt vorbildlicher Rentner!

Ich zeigte den Haarreif, gab der Verkäuferin den Euro, verzichtete auf den Kassenbon, eilte nach Hause, verstaute die Einkäufe und sank auf die Couch, nur um 2 Minuten den Schlüssel in der Wohnungstür zu hören. Soviel zum Ausspannen auf dem Sofa.


Solche Dinge passieren natürlich immer dann, wenn man entweder völlig geschafft ist oder absolut keine Zeit hat.

So wie vor gut 1,5 Jahren, als wir mit dem Großen zu seinem ersten echten richtigen Fußballturnier angemeldet waren. Weil es das erste war und der Große noch nicht so lange im Verein trainierte, wollten wir einen guten Eindruck hinterlassen und pünktlich sein.

Der Vorsatz wurde aber direkt dadurch torpediert, dass die Batterie unseres Autoschlüssels den Geist aufgegeben hatte und sich das Auto nicht mehr öffnen ließ. Öffentliche Verkehrsmittel waren keine Option, also eilte ich nur mal kurz ins Einkaufszentrum nebenan. Der große Supermarkt hatte auch welche vorrätig und ich stellte mich an der aussichtsreichsten Kassenschlange an.

Wie es aber so ist, sind kürzeste Schlangen oder Wartende mit nur wenigen Begierdeobjekten ein Garant dafür, sehr lange warten zu müssen. Die erste in der Schlange hatte natürlich vergessen, ihr Obst zu wiegen, brauchte 3 Anläufe, um die Ersatzkasse im Kassenbereich zu finden und schlenderte dann gemütlich alle Zeit der Welt habend zur Kasse zurück. Der nächste Kunde, mein direkter Vorgänger, legte zwei Blumensträuße aufs Band. Was sollte da schon schief gehen, außer dass die Sträuße beim Empfänger wohl nicht sonderlich gut ankommen würden, weil die Qualität ebenbürtig mit den Tankstellensträußen ist?

Dieser Umstand hielt den Käufer jedoch nicht davon ab, umfangreich mit der Kassiererin zu diskutieren, was die Sträuße denn nun kosten würden. Die Diskussion wogte wie ein Tennismatch hin und her und wollte kein Ende nehmen. Irgendwann fragte ich nach, ob sie sich heute noch einig werden würden oder ob ich in der Zwischenzeit kurz meine Batterie bezahlen könnte. Die Kassiererin biss sich auf die Lippe, um ein breites Grinsen zu unterdrücken, während der Kunde sprachlos vor sich hin stotterte und dann die gewünschten 12(!) Euro zahlte.

Ich eilte mit meiner Batterie zum Auto, lud die Familie ein und düste, auf keine Blitzer hoffend, quer durch die Stadt. Wie es sich gehört, hatten wir die rote Welle erwischt und durften an jeder einzelnen Ampel warten. Am Ziel angekommen suchten wir verzweifelt einen Parkplatz. War ja klar, dass am Wochenende alle Anwohner da parkten und noch dazu die Fußballeltern. Ich erspähte einen Parkplatz auf der anderen Straßenseite. Da dieser aber durch einen dicken Grünstreifen abgetrennt war, musste ich erst ans Ende der Straße fahren, konnte dort wenden, nur um den eben noch freien Parkplatz besetzt vorzufinden. So kreisten wir einige Male ums Karree, bis sich dann doch jemand erbarmte und einen Parkplatz für uns frei machte. Pünktlich waren wir nicht mehr, aber immerhin zeitig genug, damit sich der Große noch mit aufwärmen konnte.

 

Von wegen nur mal kurz: aber ihr kennt das ja auch!

Menschliches Nadelkissen und strahlende Windeln

Am Donnerstag stand – mal wieder – eine Kontrolluntersuchung bei meiner Süßen an. Das Wetter dazu hätte nicht besser sein können, Schneesturm genau in den 20 Minuten, die ich brauche, um von der Wohnung zur Uniklinik zu laufen. Auto nützt nichts, da es vor Ort um diese Zeit eh keine freien Parkplätze mehr gibt und ich am Ende vermutlich genauso weit hätte laufen müssen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen und hätte trotzdem noch die halbe Strecke laufen müssen.

Da ich glücklicherweise den Kinderwagenregenschutz sehr gut aufgeräumt hatte, mussten wir oben ohne durch das Mistwetter. Ich kam also kurz vor 8 Uhr mit durchweichtem und grummelnden Kind an und kaum hatte ich uns beide einigermassen trocken gelegt, durften wir auch schon zur Anmeldung. Dort ging alles fix, wir wurden erwartet. Dann im Blindflug zur Radiologie, ich brauche mittlerweile nicht mal mehr die lilanen Lurche zur Orientierung.

Der freundliche Empfangsmitarbeiter dort stellte mich vor die zweite große Herausforderung des Tages, indem er mich fragte, wie schwer mein Mädchen sei. Ich schaute ihn mit leerem Blick an und zuckte mit den Schultern. Mein Rücken meint eh immer, dass sie schon mindestens 20 Kilo wiegt, wohingegen mein verliebt-verblendetes Mutterherz nicht wahrhaben will, dass die Kleine schon so groß ist und Stein und Bein schwören würde, dass es kein Gramm mehr als 4 Kilo sind.
Am Ende zeigte ein kurzes Nachmessen: 9,5 Kilo inklusive Klamotten und Windel.

Den Ultraschall fand das Kindlein wie gewohnt sehr doof und protestierte lautstark und mit viel Umherwinden, mit dem Ergebnis, dass sich das glitschige Kontaktgel überall auf ihrem Körper und der Unterlage verteilte und den nur hochgezogenen Body ordentlich verschmodderte. Dass sie auch noch schwungvoll auf die Unterlage pinkelte, rundete diese erste Untersuchung ab.

Zur Abwechslung wurden wir diesmal gleich in die Urologie geschickt, ohne vorher noch auf den Bericht warten zu müssen, welcher direkt in die Abteilung gefaxt würde. Wir wurden sofort ins Behandlungszimmer gerufen und ich freute mich, dass es so schnell ging. Diese ewige Warterei schlaucht nämlich enorm. Der Arzt zerstörte jedoch meine Hoffnungen, an diesem Nachmittag vielleicht noch zum Friseur gehen zu können (in meinen Träumen feierte ich bereits Ostern mit hübschem Haar), indem er mir mitteilte, dass für heute eine Sonderuntersuchung angesetzt sei und diese beinhaltet eine 4-stündige Wartezeit.

Yeah, was’n Glück.

Mein leichtes Aufstöhnen bemerkte eine der Schwestern und fragte mich, ob mir das denn nicht vorher gesagt worden sei.
Offensichtlich nicht, denn DAS hätte ich mir mit Sicherheit gemerkt.
Aber nützt ja alles nix, da müssen wir jetzt durch.

Da die Fachabteilung, die die Spezialuntersuchung namens Szintigrafie macht, so spezial ist, legen die nicht mal einen Zugang, durch den das Kontrastmittel gespritzt wird, sondern überlassen das den anderen Abteilungen. So versuchte der Arzt sein Glück und suchte eine brauchbare Vene an meiner Süßen. Da sie aber nicht nur meine blauen Augen und blonden Haare, sondern auch die schlechten Venen geerbt hat, waren die Bemühungen nur von mittelmäßigem Erfolg gekrönt.

Der Weißkittel piekste einmal in den rechten Fußknöchel, stocherte dort wild herum, bis endlich Blut floss und füllte damit ein Röhrchen zur Blutuntersuchung. Da der Zugang für das Kontrastmittel nicht über diese Einstichstelle erfolgen konnte (medizinisches Fachpersonal unter meinen Lesern kann mir eventuell erklären, warum das so ist), musste jetzt auch noch der linke Fuß gepiekst werden.

Mein Mädchen fand das nur bedingt toll, nicht mal unbedingt wegen der Nadeln und Schmerzen, sondern einfach, dass ihr jemand permanent die Füße festhielt, mit denen sie doch so gerne strampelte.
Der linke Fuß war allerdings noch weniger geeignet für das Vorhaben und so gab der Arzt nach zwei vergeblichen Versuchen auf und zitierte telefonisch einen versierteren Kollegen herbei. Meine Süße hatte sich mittlerweile so in Rage geschrien, dass eine wunderhübsche Vene dick am Kopf hervor trat, welche der neue Arzt umgehend anzapfte. Das ging schnell, tat nicht sonderlich weh und resultierte in einem schicken Turban, damit der Zugang von kindlichen Grabschehänden nicht sofort wieder herausgerissen wird.

So verarztet machten wir uns in die nukularnuklearmedizinsche Abteilung auf. Eine Ärztin klärte uns über Risiken und Nebenwirkungen auf und fragte mich im Laufe dieses Gesprächs, wie viel die Kleine denn an dem Tag schon getrunken hätte.
Wieder so eine unmögliche Frage.
Da ich immer noch in nicht unerheblichen Umfang stille, habe ich keine Ahnung, wie viel sie trinkt. Sie bekommt zwar zusätzlich noch Wasser aus ihrer Trinklernflasche, aber die Gesamtmenge ist für mich unmöglich einzuschätzen. Schien aber für den weiteren Fortgang nicht allzu wichtig zu sein, viel wichtiger war der Ärztin, dass ich das Kind kurz vor der für 14 Uhr angesetzten Untersuchung stille, so dies denn mit meinem Stillplan (häh?) vereinbar wäre.

Wir durften dann zwei Sicherheitsschleusen weiter in ein kleines Zimmer, wo das Kontrastmittel gespritzt werden sollte. Hinter einer durch eine dicke Bleitür gesicherten Durchreiche kam das Mittel in einem kleinen Bleiröhrchen und mir wurde Himmel, Angst und Bange. Das Zeug sollte in mein kleines Mädchen rein? Wenn jetzt noch die Ärztin in einem Hazmat-Anzug aufgetaucht wäre, hätte ich mir die Kleene geschnappt und wäre abgehauen. Da die Ärztin aber nur in einem normalen weißen Kittel gewandet das Zimmer betrat und freundlich jeden Handgriff erklärte, den sie tat (erst mit Kochsalzlösung prüfen, ob der Zugang offen ist, dann das Kontrastmittel spritzen, dann mit Kochsalzlösung spülen), blieben wir und vor allem, entspannt.

Wieder zurück auf der Urologie bekam ich den Termin für die nächste Kontrolluntersuchung genannt, irgendwann im Oktober und dann begann die kniffligste Herausforderung, 4 Stunden warten.

Da ich das überhaupt nicht eingeplant hatte, hatte ich weder Spielzeug noch Nahrung dabei, nur die Trinkflasche der Kleenen. Aber ich wusste, wo der kostenlose Wasserspender stand und so strandeten wir zunächst, unseren Jäger- und Sammlergenen Folge leistend und sich nie zu weit vom nächsten Wasserloch zu entfernen, im direkt angrenzenden Wartebereich. Wir tranken uns beide voll und dann nickte die Süße auf mir ein und ratzte trotz der unsäglich lauten automatischen Krankenhaustüren eine knappe Stunde.

Ausgeruht entdeckte ich dann, dass man im ersten Stock ganz wunderbar um den ganzen Innenbereich wie auf einer Galerie herumlaufen kann. Dazu noch bodentiefe Glaswände als Geländer, durch die man die darunterliegende Cafeteria beobachten kann. Das Kindlein lief also eine Runde nach der anderen, begrabschte die Pflanzen, winkte freundlichen Menschen zu und protestierte lautstark, als ich es davon abhielt, sich todesmutig die Treppe hinunter zu stürzen.
Dadurch verging die Zeit recht fix und schneller als gedacht waren wir schon wieder auf dem Weg in die Nuklearmedizin. Zum Glück hatte der Schneeregen just in diesem Moment wieder angefangen und durchweichte uns auf den gut 500 Metern bis zum Ziel.

Vor Ort stillte ich das Kind wie verabredet und überpünktlich holte uns die Schwester zur Untersuchung ab. Meine Süße wurde in eine Backform gelegt, die sie relativ unbeweglich machte, was ihr natürlich überhaupt nicht gefiel. Dazu noch diese riesige Maschine mit den lauten Geräuschen, die sich brummend über und unter ihr bewegte und fertig sind diverse Therapiestunden im Erwachsenenalter. Die Schwester fragte mich, ob ich sie denn irgendwie beruhigen könne, mit einem Schnuller etwa, da es für die Untersuchung wichtig ist, dass sich der Patient möglichst nicht bewegt.

Da die Maschine die Kleene fast vollständig bedeckte, konnte ich meinem Mädchen nur die Hände halten, beruhigend auf sie einreden und ihr die Stirn küssen. Das klappte ganz gut und Mitte des zweiten 10-minütigen Aufnahmezykluses war sie eingeschlafen. Insofern gut, da der dritte Zyklus über 40 Minuten dauerte. Ich hielt also weiter ihre Hände, aber hatte jetzt genug Zeit mich umzuschauen und entdeckte den Monitor, auf dem live die Aufnahmen zu sehen waren.

Ich konnte ganz gut die zwei eiförmigen Gebilde sehen, die die Nieren darstellen sollten und viele kleine Punkte, die grob den restlichen Körper markierten. Im Laufe der Untersuchung kam noch eine dritte heller leuchtende Stelle hinzu und nach anfänglichem Grübeln erkannte ich die Windel, in der das radioaktive Mittel letztendlich landete. Je länger es dauerte, desto deutlicher wurde der Windelabdruck, was ich irgendwie lustig fand. Vermutlich, weil ich mich so langweilte.

Dann war auch diese Untersuchung vorbei und wir durften wieder zurück in die Urologie, den Zugang entfernen lassen. Das ging dank Zaubermittel ganz schnell und ohne großes Ziepen und Meckern und wir konnten endlich nach Hause gehen, wo wir 16 Uhr ankamen und uns beide erstmal eine Runde aufs Ohr hauten, den Stress wegschlafen.

Ergebnisse gibt es irgendwann diese Woche, ich werde berichten.

Vom Warten und Wissen

Im Nachgang der letzten Untersuchung wegen der Doppelniere meiner Süßen wurde ja festgestellt, dass der Ureterozelenrest sehr auffällig im Ultraschall war und die Vermutung im Raum stand, dass die geschlitzten Stellen wieder zusammengewachsen sind. Um dieses abzuklären, hatten wir heute eine außerplanmäßige Untersuchung in der Uniklinik.

Pünktlich um 7 Uhr wurde ich vom Wecker geweckt und durfte das friedlich neben mir schlummernde Kind sanft dazu überreden, es mir gleich zu tun, was allerdings auf wenig Gegenliebe stieß, was ich aus tiefstem Herzen nachfühlen konnte. Nützt ja aber alles nix und was muss, das muss und kaum eine Dreiviertelstunde später bewegten wir uns mit verquollenen Augen und einigermassen grummlig gen Klinik, wo wir pünktlich um 8 Uhr eintrafen. Die Anmeldung fix hinter uns gebracht und mit Freunden festgestellt, dass die Radiologie, unsere traditionell erste Anlaufstation, so gut wie leer war.

Kaum 10 Minuten später durften wir auch zur Untersuchung, aber was ich da auf dem Ultraschall sah, gefiel mir gar nicht. Es ist schon erstaunlich, wie schnell mal zu einem Experten mutiert, noch vor einem Jahr hab ich bei den Babyultraschalluntersuchungen nur graues Gegrissel auf den Monitoren erkannt, heute sah ich auf Anhieb den erweiterten Harnleiter und den Ureterozelenrest, welcher sich zu einer wunderhübschen Blase ausformte und überhaupt nicht mehr schlaff rumwehte, wie in früheren Untersuchungen. Als dann die zur Absicherung hinzugezogene Chefradiologin meinte, dass der heutige Befund fast haargenau so aussieht wie die vorhergehende Untersuchung, war mir eigentlich schon alles klar.

Ziemlich geknickt tapperte ich dann einige Minuten später mit dem schriftlichen Befund zur Kinderurologie, klopfte an der bekannten Tür und sah einen kleinen gelben Klebezettel „sind in der Radiologie und erst gegen 10 Uhr wieder da“. Kurzer Blick auf die Uhr, was ein Glück, Dreiviertel 9. Also dann eben in die Cafeteria. Dort baute gerade ein Haufen geschwätziger WeiberMädel Tische für die halb 10 beginnende Kinderbastelstunde auf. Dazu hatten sie auch einen CD-Spieler aufgestellt und eine CD mit Weihnachtsliedern eingelegt. Schöne Lieder waren das, alle 5. Nach dem 3. Durchlauf klangen die allerdings nicht mehr so schön. Da halfen auch die sich über Nichtigkeiten unterhaltenden Schwesternschülerinnen, die sich mir gegenüber postiert hatten, nicht viel. Die Mütter der lärmend in meinem Rücken spielenden Chantalls und Kevins machten das Kraut dann auch nimmer fett. Aber alles hat ein Ende und so begab ich mich kurz nach 10 Uhr wieder in die Urologie und wartete.

Kurze Zeit später fanden sich alle von Klinikseite Beteiligten ein und ich durfte ins Sprechzimmer. Die Kleene wurde gewogen, wozu jedoch erst eine Waage aus Hintertupfingen gebracht werden musste. Es stellte sich heraus, dass sie noch genug wiegt, um mit der jetzigen Antibiotikumdosis weiter machen zu können. Die körperliche Untersuchung ergab keine Auffälligkeiten, ich durfte meine Süße schnell wieder anziehen und mich zum Arzt an den Schreibtisch setzen.

Dort zeigte er mir anhand der Ultraschallbilder, was ich bereits gesehen hatte. Die Ureterozele war ganz prominent und anscheinend gut gefüllt, aber so ganz genau könne man das von außen nicht sagen. Zur Abklärung müsste eine Zystoskopie gemacht werden, unter Vollnarkose und sollte sich dabei herausstellen, dass eine erneute Schlitzung notwendig ist, würde man das dann auch gleich mit machen. Als Termin wurde der 13. Januar festgelegt und wenn alles gut geht, bzw. so bleibt wie jetzt besprochen, dürfen wir direkt von zu Hause zur OP und sparen uns so eine Nacht im Krankenhaus. Allerdings muss das Kindlein diesmal 6 Stunden vor der OP nüchtern bleiben, nicht mehr nur 4, was bestimmte auf große Zustimmung bei selbigen stoßen dürfte. Die Voruntersuchung und die Aufklärungsgespräche finden am 8. Januar statt, sparen uns aber wie erwähnt eine Übernachtung.

Um halb 12 Uhr waren wir wieder zu Hause, wo wir erstmal ausgiebig frühstückten und uns dann noch 3 Stunden aufs Ohr hauten. Diese Krankenhausbesuche schlauchen immer ordentlich, aber wenigstens wissen wir jetzt Bescheid.

Kommando zurück

Hieß es am Freitag noch, dass es so aussieht, als wenn sich der Krümel sehr bald auf den Weg macht, so gab es heute ein ernüchterndes Ergebnis beim CTG.

Der Krümel war heute, im Gegensatz zum Freitag, recht aktiv und das hat sich auch in der Herztonkurve niedergeschlagen. Das war ein einziges Auf und Ab, nichts mehr zu sehen von der sonstigen gemütlich-geraden Linie. Dafür war die Wehenlinie absolut unauffällig, keinerlei nennenswerte Ausschläge, obwohl ich schon immer mal das Gefühl hatte, dass der Bauch hart wird.

Hätten sie doch mal das Gerät gestern Abend an meinen Bauch gedübelt, da wären richtig spannende Linien drauf gewesen.

Wie auch immer, meine Hebamme warf einen Blick auf die Kurve und meinte dann: oh, das sieht aber so aus, als wenn es dem Krümel richtig gut im Bauch gefällt und ich denke nicht, dass es bald los geht.

Ja, sowas will ich hören, nachdem wir seit zwei Wochen mit gepackter Tasche hier rumsitzen. Aber drängeln nützt ja auch nix, das Kind wird sich auf den Weg machen, wenn es eben fertig ist.

Es gab dann noch ein Update zu einer Mitschwangeren aus dem GVK, mit der ich immer zusammen die Paarübungen machte. Sie hatte am Freitag eigentlichen Termin und entbindet auch im Geburtshaus bei „meinem“ Hebammenteam. Sie kann es ebenso wie ich kaum abwarten, dass es endlich los geht, doch sie hat mit ihren Wünschen ebenso viel Glück wie ich. Mal schauen, am Ende entbinden wir beide noch parallel 😉

Im Osten nichts Neues

Mutter und Kind sind immer noch innigst vereint, ich hab immer wieder mal Übungswehen, vorzugsweise nachts kurz vorm Einschlafen.

Ich hatte heute wieder Akupunktur, diesmal auch mit den fiesen Nadeln für die kleinen Zehen – autsch. Ich trinke fleißig Zimttee, obwohl ich davon barbarisches Sodbrennen bekomme, aber so langsam geht mir die Geduld aus.

Mir passt meine Umstandshose nicht mehr, der Bund drückt unangenehm und die Bauchbinde rutscht immer wieder vom Bauch runter. Mein Schwangerschaftsshirt schafft es nicht, den Bauch von oben abzudecken. Schuhe zubinden ist abenteuerlich.

Morgen gibt’s den schriftlichen Räumungsbefehl 😉

Jetzt geht’s los

Haha, schön wär’s.

Hier ist absolute Ruhe, nix, nada, niente, nüschd. Keinerlei Anzeichen, dass da bald irgendwas passieren wird. Das Kind strampelt lustig vor sich hin, ich hab wie immer Sodbrennen und meine Hüfte knackt und knirscht bei jeder Bewegung.

Mittlerweile haben wir die Tasche fürs Geburtshaus gepackt, samt Miniwindeln – meine Güte, sind die winzig – und ebenso kleinen Babysachen. Wir werden heute noch ein wenig die Wohnung putzen – also mein Mann putzt die Wohnung, ich putze die Fenster und das große Kind und die Katzen machen alles wieder im Handumdrehen dreckig.

Und sonst bleibt mir nichts anderes übrig, als soviel zu schlafen, wie geht, wobei mehr als 3 Stunden am Stück nicht drin sind und abzuwarten und Tee zu trinken 🙂

Frotteur

Oder auf deutsch Frottierer: ein Mensch, der dadurch sexuell stimuliert wird, dass er sich an anderen Menschen reibt. (Quelle: Wikipedia)

Und was hat das bitteschön in diesem Blog zu suchen? Nun, ich hatte heute das zweifelhafte Vergnügen, beim Bäcker an ein Exemplar dieser Spezies zu geraten.

Ich warte da so morgenmufflig in der Schlange vor mich hin, den germanischen Sicherheitsabstand von einer Armeslänge beachtend, als sich ein Mann einfach so zwischen den vor mir Wartenden und mich drängelt. Ich wollte gerade tief Luft holen, als sich der Typ umdreht, mich anguckt und dann erstaunt fragte, ob ich denn anstehen würde. Ich bejahte, und er meinte, dass es für ihn so ausgesehen habe, als würde ich abseits stehen und nicht warten.

Ich erwiderte daraufhin, dass ich meinen Vordermännern eher selten direkt in den Arsch krieche (hatte ich erwähnt, dass ich morgenmufflig bin?). Er murmelte noch irgendwas unverständliches, aber schob sich immer weiter an mich ran. Unangenehm nah ran. Und die Bedienung trödelte irgendwie extra langsam rum. Oder vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil die ganze Situation so widerlich war. Mein privater Wohlfühlradius war deutlich unterschritten. Und auch beim Nachrücken wurde es nicht besser. Ich konnte permanent seinen Atem in meinem Nacken spüren, buärks.

Man war ich froh, als ich endlich dran war und kurz darauf den Laden verlassen konnte.

Geduld

Wenn man eines beim Kinderkriegen braucht, dann ist es Geduld. Und zwar jede Menge davon!

Ich bin erwiesenermaßen nicht der geduldigste Mensch auf Erden. Eigentlich kann es mir bei vielen Dingen gar nicht schnell genug gehen, weil ich viel zu neugierig auf die Ergebnisse bin. Deswegen verschlinge ich Bücher in einem Rutsch, um zu wissen, wie sie ausgehen, statt einfach die Momente und Atmosphäre zu genießen mit der Gewissheit, dass mir das Ende ja nicht weg läuft.

Nur die Natur lässt sich nicht drängeln. Das fängt beim Warten auf den ersten möglichen Termin für einen positiven Schwangerschaftstest an. Das geht weiter mit dem Warten auf das erste aussagekräftige Ultraschallbild. Dann wird die erste Kindsbewegung im Bauch herbeigesehnt. Dann das erste Mal, dass sich ein Fuß unter der Bauchdecke abzeichnet. Endlich die Geburt und das erste Mal ein echtes Ergebnis.

Doch dann geht es weiter mit dem Warten. Dass der Wurm das erste Mal ohne Schreien ausdrücken kann, was ihm fehlt. Dass er läuft. Dass die Schule startet. Dass die Teenager-Trotzphase vorbei geht. Dass die erste eigene Wohnung bezogen wird. Wann denn die Enkelkinder endlich kommen.

Und bei jedem dieser Schritte ist der innere Zwiespalt da, einerseits endlich am Ziel anzukommen, andererseits aber genau zu wissen, dass ein vorzeitiges Erreichen des Ziels sehr wahrscheinlich negative Folgen haben wird. Und bei jedem Schritt mischt sich die Sehnsucht ein, doch die Zeit anhalten oder zu einem früheren Schritt zurückgehen zu können, weil dass dann doch alles viel zu schnell geht. Die Momente genießen und dennoch loslassen und sich auf neue Momente einlassen zu können ist das Schwierigste überhaupt.