A New Trip down Memory Lane

Der Vorteil von ersten Malen ist, dass man meist nicht genau weiß, was auf einen zukommt.
Der Nachteil von Wiederholungen ist, dass man meist ziemlich genau weiß, was auf einen zukommt.

Nun hatte ich ja das Problem, dass ich von der Geburt des Großen nicht mehr allzu viele Details wusste. Zum einen, weil das mittlerweile 5 Jahre her ist und zum anderen, weil ich in der entscheidenden Phase ziemlich umnebelt von einer schmerzlindernden Morphinspritze war. Hinzu kam noch die generelle Aufregung. Ich nahm mir also für die zweite Geburt vor, so viel wie möglich mitzuschreiben und hier ist er nun, der umfassende Bericht:

8:50 – erste heftige Wehe, die mich die Luft anhalten lässt, 2 Buscopan zum Überprüfen genommen [Buscopan entspannt den Unterleib, so dass Übungswehen weniger, richtige Wehen aber verstärkt werden, wird auch in Kliniken bei Geburten eingesetzt]

9:00 – die nächste Wehe meint es auch ernst, abwarten

9:10 – ok, es scheint ein 10-Minuten-Abstand zu sein

9:17 – da mogelt sich eine Wehe dazwischen

9:25 – ok, das war kein Mogeln, das ist ein neuer Abstand, 7-8 Minuten, Zeit für den Wannen-Check

9:33 – trotz Bewegung und Stehen eine Wehe, das ist neu [sonst sind die Wehen immer weg gegangen], ab in die Wanne

10:30 – wieder aus der Wanne raus, Wehen diesmal geblieben, wenn auch schwächer geworden

10:50 – Frühstück, Wehen sind fast weg

11:30 – Wehen wieder da, und auch wieder knackig, aber unregelmäßiger Rhythmus

11:50 – beim Einräumen des Geschirrspülers reicht es mir, ich kann nicht mehr aufrecht stehen, ich rufe meine Hebamme an, sie will in einer halben Stunde vorbei kommen und nachschauen

12:10 – ich packe die letzten Sachen zusammen und informiere vorsichtshalber den Papa

12:15 – Schleimpfropf geht ab

12:24 – Hebamme klingelt genau dann, als ich eine heftige Wehe habe, ich hoppel so schnell ich kann zur Tür

12:35 – meine Hebamme lauscht nach dem Kind und tastet den Bauch ab, alles gut, danach tastet sie nach dem Muttermund, 2 cm auf, es tut sich definitiv was

12:42 – ich bekomme Wehen-Massageöl, soll den Bauch massieren, danach einen Spaziergang in der Sonne machen, aber nicht zu weit weg und zu lang (muss eh noch zum Briefkasten)

12:45 – Hebamme verabschiedet sich wieder, wir verabreden, in 3 Stunden nochmal miteinander zu sprechen

12:50 – kaum ist die Hebamme weg, kommt die nächste Wehe, während ihres Besuchs war nicht eine

13:10 – ich koch mir Wintertee [Apfel-Zimt-Tee, Zimt ist wehenfördernd], setz mich aufs Sofa und schaue Biathlon, während ich mir den Bauch einreibe, Wirkung fast sofort

13:20 – Wehen aller 2 Minuten, sehr heftig, ziehen gut nach unten

13:45 – ich ruf den Papa an, beorder ihn nach Hause, er will in einer Stunde da sein und er verständigt unseren Freund, das Kind aus dem Kindergarten zu holen

14:00 – ich zieh mich um für den Spaziergang

14:24 – hab dauernd das Gefühl, aufs Klo zu müssen

15:00 – wieder zurück vom Spaziergang

15:10 – Mann kommt nach Hause

15:17 – mein Mann ruft die Hebamme an, wir dürfen ins Geburtshaus kommen

15:35 – Ankunft im Geburtshaus

15:55 – Bett beziehen mit unserer Bettwäsche und es wird nach den Herztönen des Kindes gelauscht

16:24 – Wehen heftiger, mehr nach unten

16:45 – Muttermund bei 5-6 cm

17:08 – vermehrter Pressdrang

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Hier endet mein „Liveticker“ und ich schreib aus der Erinnerung weiter 🙂

12:24 – 15:00 Uhr (ungefähre Zeiten zur besseren Zuordnung zu den Tickermeldungen)
Als meine Hebamme bei mir zu Hause war, meinte sie, dass alles bisher noch in die sogenannte Latenzphase fallen würde und damit auch nicht wirklich zur eigentlichen Geburt gehört. Sie könne auch nicht sagen, wie lange ich schon mit dem etwas geöffneten Muttermund rumlaufen würde und kann deswegen auch keine Aussagen zum weiteren Geburtsverlauf bzw. der weiteren Dauer machen.

Die 2-Minuten-Wehen seit dem Weggang der Hebamme taten zwar schon weh, aber waren für mich noch gut verarbeitbar. Bei meinem Spaziergang hatte ich immer wieder Wehen, aber ich glaube nicht, dass dies einer der zahlreichen Außenstehenden mitbekommen hat. Dooferweise bin ich direkt durch das Einkaufszentrum bei uns nebenan gelaufen, wo sich jede Menge Menschen tummelten und denen wollte ich nun wirklich kein Schauspiel der besonderen Art bieten. Also keine Miene verziehen und einfach weiter laufen.

15:00 – 16:00 Uhr
Als mein Mann dann da war, packten wir noch die letzten Sachen zusammen und ich warf mir kurz vorm Verlassen der Wohnung eine erste Paracetamol ein. Der Taxifahrer bot uns (im Scherz) an, vorm Geburtshaus zu warten, aber ich lehnte das Angebot ab. Im Geburtszimmer tigerte ich ein wenig planlos rum und suchte mir Stellen, an denen sich die Wehen gut aushalten ließen. Zu Hause lehnte ich mich auf meinen Bürostuhl, dessen Lehne die optimale Höhe für mich hatte. Im Geburtshaus probierte ich den Wickeltisch, der eine ähnliche Höhe hatte, aber da nervten mich die Heizdecke auf dem Tisch und der eingeschaltete Heizstrahler darüber, da mir so schon warm genug war.

Das Zimmer selbst war abgedunkelt, alle Vorhänge zugezogen und überall brannten Kerzen und Teelichter. Es war recht heimelig und es schadete auch nicht, dass die Sonne trotz der Vorhänge ins Zimmer schien. Ich lief zwischen den Wehen immer wieder im Zimmer herum, ich wollte mich einfach nicht hinsetzen. Kam eine Wehe, warf ich mich an ein von der Decke hängendes Tragetuch und krallte mich darin fest. Danach lief ich weiter rum. Meine Hebamme animierte mich immer wieder, zwischen den Wehen etwas zu trinken und irgendwann musste das auch wieder raus. Im Geburtszimmer gibt es einen Nassbereich, der mit Vorhängen vom Rest abgetrennt werden kann, aber das war trotzdem nix für mich.

„Ich kann nicht, wenn jemand guckt“, sagte ich und verschwand aufs Klo überm Gang. (Ich bin da echt ein wenig seltsam und hab davon sogar manchmal Alpträume.) Meine Hebamme guckte etwas erstaunt und fragte mich, ob Kind kriegen in ihrer Gegenwart ginge.
Ja klar, damit hab ich kein Problem 😉

16:00 – 16:45 Uhr
Ich lief immer noch rum und ertrug die Wehen im Stehen, merkte aber, wie mir langsam die Kräfte schwanden. Meine Hebamme bot mir einen Peziball an, den ich auch dankbar annahm. Ich wippte also auf dem Ball rum und krallte mich bei einer Wehe wieder ins Tuch. Das Tuch mutierte zu meiner Rettungsleine, die ich nicht mehr los ließ. Ich krallte und biss in das Tuch, lehnte mich dagegen, zog mich daran hoch. Als ich einmal in einer Wehenpause zum Wasserglas griff, merkte ich, dass meine Hand vom Reinkrallen völlig verkrampft war und so heftig zitterte, dass ich kaum das Glas halten konnte.

16:45 – 17:30 Uhr
Sobald ich auf dem Ball saß, wurden die Wehen heftiger. Sie drückten mehr nach unten und ich hatte auch das Gefühl, als müsse ich mitpressen. Dem entgegen stand aber der Befund der Hebamme, dass der Muttermund erst bei 5-6 cm sei, eine Geburt könne frühestens bei 8 cm, besser erst bei 10 cm stattfinden. Sie sah, dass ich teilweise mitpresste und machte sich entsprechende Sorgen. Sie fragte mich, wo ich die Wehen spüre und ob es weh tut, wenn ich mitpresse und es kostete mich extrem viel Kraft, mich bei den nächsten Wehen darauf zu konzentrieren, wo es ziept und drückt. Die Wehen waren mittlerweile richtig heftig und ich hatte tierische Probleme, überhaupt mit denen klar zu kommen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass es mir zu viel wird, dass meine Nerven überlastet sind und die ganzen Eindrücke mich komplett überfordern. Außerdem waren die Wehenpausen nur noch sehr kurz, oft kamen gleich zwei Wehen hintereinander. Ich fragte, ob es ok ist, wenn ich noch eine Paracetamol nehme. War es, also warf ich mir schnell die zweite Tablette ein.

Ich wechselte irgendwann in dieser Zeit vom Ball auf den Geburtshocker, was ich viel angenehmer fand, da der Hocker von sich aus sicher stand und ich ihn nicht wie den Ball mit den Beinen stabilisieren musste. Bei jeder Wehe versuchte ich, nicht mit aller Macht mitzupressen, immer noch den nicht vollkommen offenen Muttermund im Hinterkopf, aber so richtig gelang mir das nicht. Meine Hebamme versuchte, meine Bemühungen zu bremsen, in dem sie forderte, ich solle wie eine Lokomotive schnaufen. Schoo-schoo-schoo. Super. Jetzt musste ich bei jeder Wehe an Thomas die Lokomotive, Percy und Gordon denken, während ich so vor mich hin schnaufte. Fehlte nur noch der Rauch aus meinen Ohren.

17:30 – 17:50 Uhr
Aber das Schnaufen half tatsächlich, ich konnte den Pressdrang ein wenig zurück halten. Doch auch das war irgendwann vorbei und ich dachte nur noch „fuck this shit, mir reicht’s“ und presste eben mit. Ich merkte, wie sich der Kopf nach unten schob und dabei die letzten Reste aus meiner Blase rausdrückte. Seltsamerweise empfand ich in dieser Phase die Wehen nicht mehr als schmerzhaft, obwohl sie extrem heftig waren.
Bei der nächsten Wehe war der Kopf schon kurz vorm Ausgang.
Noch eine Wehe später und der Kopf wollte endgültig raus. Ich hörte die Hebamme sagen, dass noch das Kinn fehlte und presste weiter und dann war der Kopf da. Jetzt drückten allerdings die Schultern so dermaßen, dass ich einfach weiter presste, Wehe hin oder her. Die Hebamme wollte mich noch bremsen, ich sollte auf die nächste Wehe warten, aber das schaffte ich beim besten Willen nicht mehr.

Ich spürte, wie der Körper aus mir raus rutschte und der ganze große Rest vom Fruchtwasser hinterher. Ich zitterte am ganzen Körper und dann hörte ich mein Mädchen das erste Mal schreien. Während mir die letzten Sonnenstrahlen des Tages direkt ins Gesicht schienen, stand mein Mann auf und holte schnell das vorgewärmte Handtuch vom Wickeltisch. Die Hebamme fragte mich, ob ich das Kind selber aufheben möchte oder ob sie es mir reichen sollte. Da ich immer noch zitterte, traute ich mir nicht zu, sie unfallfrei hoch zu heben und so wickelte die Hebamme das Baby ins Handtuch und legte sie mir in die Arme. Ich schaute noch total ungläubig. War es das jetzt wirklich? Das ist mein Mädchen? Hab ich das gerade alleine geschafft? Mit nur 2 Paracetamol?
Ich glaube, ich habe eine Minute gebraucht, um das wirklich alles zu begreifen, doch dann traf es mich wie ein Schlag.

17:50 – 18:30 Uhr
Ja, das ist mein Mädchen. Ich zitterte immer mehr und fragte, ob ich mich aufs Bett legen könne. Ich wurde also provisorisch auslaufsicher verpackt und schlurfte dann zum Bett, wo ich mich hin legte, das Baby immer noch an meine Brust und auf meinen Bauch gepresst. Höher ging nicht, da die Nabelschnur dafür zu kurz war. Ich kuschelte ausgiebig mit dem Kind, mein Mann machte Fotos, gab mir etwas zu trinken und schaute auch ganz verliebt auf das Kind.
Mit der letzten Wehe hatte es auch die 2. Hebamme zur Geburt geschafft und beide Hebammen besprachen jetzt leise im Hintergrund den Ablauf und füllten erste Formulare aus.

Immer wieder fühlte eine der beiden, ob die Nabelschnur noch pulsierte und so lange sie das tat, ließen sie uns in Ruhe. Irgendwann ging es dann ans Abnabeln und ich durfte die eine Nabelschnurklemme festklemmen. Ich gab mein Bestes, doch ich hatte nur die linke Hand frei und deren Kraft reichte nicht aus, die Klemme richtig zusammen zu drücken, so dass das von der Hebamme erledigt wurde, genauso wie das Durchschneiden der Nabelschnur.

Mein Mann bekam kurz darauf die Kleine auf seinen nackten Oberkörper gelegt, während ich wieder auf dem Geburtshocker Platz nahm und die Plazenta bei einer Nachwehe rauspresste. Leider löste sie sich nicht komplett, sondern hing an einer Ecke fest und meine Kraft reichte nicht mehr, diese Ecke auch noch heraus zu pressen. Die Hebamme meinte, ich könne auch husten, also hustete ich eben. Ich fand die Situation allerdings so absurd, dass ich einen Lachanfall bekam, welcher aber den gleichen Zweck erfüllte. Ich schlurfte wieder ins Bett, während die Hebammen die Plazenta auf Vollständigkeit untersuchten.

18:30 – 19:00 Uhr
Da alles ok war, kamen sie kurz darauf und gratulierten uns zur Geburt. Ich hatte mein Mädchen wieder auf der Brust liegen, während die Hebammen sich jetzt komplett dem Papierkram widmeten. Sie fragten uns nach dem Namen fürs Kind und füllten die Geburtsurkunde aus.
Danach sollte das Kind bei der U1 untersucht und anschließend gewickelt werden und wir stellten fest, dass die Kleine eine erste Ladung Mekonium auf meinem Bauch hinterlassen hat und munter mit ihren Füßen darin rum strampelte.

Also erstmal Kind sauber machen, dann untersuchen, dann anziehen. Die Untersuchung war bis auf eine eventuelle Hüftfehlstellung ohne Befund. Die Babysachen waren im Wärmeschrank, von dem mein Mann nicht wusste, wo er ist und Hebamme 2 war gerade abwesend, also lief Hebamme 1 los, um die Babysachen zu holen. Als sie nach 5 Minuten nicht wieder da war, schickte ich meinen Mann los, um zu schauen, wo die beiden blieben. Das Kind legten wir in der Zwischenzeit wieder ins Bett. Kurze Zeit später tauchten alle samt Babysachen wieder auf, doch da hatte das Kind die nächste Ladung Kindspech ins Bett gepackt. Hurra!
Kind also wieder sauber machen und dann endlich wickeln und anziehen.

19:00 – 20:00 Uhr
Was noch fehlte, war die Schadensbegutachtung an meiner Person, vor der ich wegen den Erfahrungen bei der ersten Geburt tierische Panik hatte. Die Panik legte sich etwas, als die Hebamme aufs Bett krabbelte und sich eine Stirnlampe, wie sie Höhlenforscher gerne nutzen, umband. Eigentlich war mir zum Heulen zumute, aber bei dem Anblick konnte ich einfach nur lachen und lachte, bis mir die Tränen liefen. Bevor sie endgültig abtauchte, bat ich meine Hebamme noch um einen Gefallen: sie solle doch bitte nicht in die Höhle hinein rufen und versuchen, ein Echo zu erzeugen 😀

Sie gab sich unendlich Mühe, mir nicht weh zu tun und erklärte ausführlich alle ihre Handgriffe. Es war trotzdem alles wund und zwiebelte entsprechend, aber bei weitem nicht so arg wie damals. Ich war wieder gerissen, was mich bei der Heftigkeit und dem Tempo der Geburt überhaupt nicht überraschte, aber auch wieder nicht so arg wie beim letzten Mal und die Abschürfungen fehlten völlig. Sie betäubte die Stelle zuerst mit einem herrlich kühlenden Gel und spritzte dann 2x ein Betäubungsmittel. Das Nähen selbst war schmerzfrei, ich stellte mich aber trotzdem an wie eine totale Memme.

Nachdem das auch erledigt war, wollte ich eigentlich nur noch nach Hause. Also packten wir unsere Sachen zusammen, zogen die Betten wieder ab, zogen uns an, packten das Kind in den Kindersitz. Die Hebammen riefen uns ein Taxi und wir unterschrieben noch ein paar Formulare. Wir bekamen das Kinderheft und die Geburtsurkunde ausgehändigt und wir vereinbarten mit der Hebamme, dass sie am nächsten Tag um 12 Uhr bei uns vorbei schaut.

20:00
Nach einer kurzen Taxifahrt waren wir wieder daheim. Der Papa trug sein Mädchen ganz stolz die Treppen hoch und über die Schwelle. Wir telefonierten noch schnell mit unserem Großen, der noch gar nicht richtig verstand, dass er jetzt eine Schwester hat. Abschließend wurden noch die Großeltern informiert, bevor wir uns alle für eine erste gemeinsame Nacht in unser Bett kuschelten.

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Das Zahlenwerk:

Geburtsdatum: 20.03.2014
Uhrzeit: 17:43 Uhr
Gewicht: 3300 g
Kopfumfang: 34 cm
Länge: 50 cm

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Der Name wieder als Rätsel:

Der Rufname ist lateinischen Ursprungs und ist häufiger im spanischen und osteuropäischen Raum vertreten. So heißt etwa die spanischstämmige Schauspielerin, welche die Tonks in den Harry Potter Filmen verkörpert, so, aber auch die Ehefrau von Vitali Klitschko trägt diesen Namen. Zudem gibt es in meinem Zweitlieblingscomputerspiel eine Protagonistin und eine Rüstung, die so heißen.
Der zweite Name wurde in Anlehnung an eine berühmte antike Seherin vergeben, der niemand ihre Prophezeiungen glauben wollte und was letztendlich zum Untergang einer ganzen Zivilisation führte. Als das Internet noch jung und noch nicht alle schönen Nicknames belegt waren, wählte ich den Namen außerdem als mein Webpseudonym.

Kommando zurück

Hieß es am Freitag noch, dass es so aussieht, als wenn sich der Krümel sehr bald auf den Weg macht, so gab es heute ein ernüchterndes Ergebnis beim CTG.

Der Krümel war heute, im Gegensatz zum Freitag, recht aktiv und das hat sich auch in der Herztonkurve niedergeschlagen. Das war ein einziges Auf und Ab, nichts mehr zu sehen von der sonstigen gemütlich-geraden Linie. Dafür war die Wehenlinie absolut unauffällig, keinerlei nennenswerte Ausschläge, obwohl ich schon immer mal das Gefühl hatte, dass der Bauch hart wird.

Hätten sie doch mal das Gerät gestern Abend an meinen Bauch gedübelt, da wären richtig spannende Linien drauf gewesen.

Wie auch immer, meine Hebamme warf einen Blick auf die Kurve und meinte dann: oh, das sieht aber so aus, als wenn es dem Krümel richtig gut im Bauch gefällt und ich denke nicht, dass es bald los geht.

Ja, sowas will ich hören, nachdem wir seit zwei Wochen mit gepackter Tasche hier rumsitzen. Aber drängeln nützt ja auch nix, das Kind wird sich auf den Weg machen, wenn es eben fertig ist.

Es gab dann noch ein Update zu einer Mitschwangeren aus dem GVK, mit der ich immer zusammen die Paarübungen machte. Sie hatte am Freitag eigentlichen Termin und entbindet auch im Geburtshaus bei „meinem“ Hebammenteam. Sie kann es ebenso wie ich kaum abwarten, dass es endlich los geht, doch sie hat mit ihren Wünschen ebenso viel Glück wie ich. Mal schauen, am Ende entbinden wir beide noch parallel 😉

Hebammenvorsorge

Heute hatte ich wieder Vorsorge mit meiner Hebamme und einer Praktikantin.

Mein Bauch wurde wieder vermessen, 106 cm Umfang. Es wurde auch noch die Größe des Kindes bestimmt, aber da wurde mir das Ergebnis nicht gesagt. Mein Gewicht kontrolliert, ist auch ok.

Heute sollte ausführlich CTG geschrieben werden und die Praktikantin gab sich ganz viel Mühe, die beiden Pads an brauchbaren Positionen an meinem Bauch zu befestigen, kam aber nicht so richtig mit den Haltebändern klar. Außerdem musste vorher noch die Lage des Kindes ertastet werden, was heute eine besondere Herausforderung war. Der Krümel hatte sich nämlich letzte Nacht so richtig ausgetobt und hin und her gedreht und ich konnte nicht sagen, wie rum er nur lag. Die beiden Mädels diskutierten ausgiebig und am Ende einigten sie sich darauf, dass er wohl mit dem Rücken meiner Wirbelsäule liegt – also völlig falsch.

Mir wurde darauf hin aufgetragen, jetzt immer brav auf der linken Seite zu liegen und, soweit möglich, den Krümel zu animieren, sich wieder in die stabile Seitenlage zu begeben. Außerdem sollte ich per Strichliste die Kindsbewegungen notieren, üblich wären 10 Stück innerhalb von 2 Stunden. Ich hab heute zwar keine richtige Strichliste erstellt, aber immer mal gedanklich mitgezählt. Passt soweit.

Während ich am CTG lag, konnte ich in  Ruhe alle meine Fragen stellen, die in den letzten Tagen so aufgelaufen sind.
Gestern bei der Akupunktur habe ich Nadeln in den kleinen Zeh bekommen und wollte wissen, wofür die sind. Für schöne Wehen. Und ein bisschen Wehen anstupsen. Was mich wunderte, da nach Aussage der nadelnden Hebamme anstupsen nicht vor ET gemacht wird. Meine Hebamme meinte daraufhin, dass die richtigen Anstupsnadeln an der Hand gesetzt werden und es mit denen auch wirklich losgeht.

Mit einer Freundin diskutierte ich die letzten Tage darüber, was man bei einem Nabelschnurvorfall macht. Meine erste Idee war zurückschieben, auch wenn ich mir das Wie nur schwer vorstellen konnte. Da meine Hebamme das in ihrer Praxis bereits einmal erlebt hatte, fragte ich nach.
Sie meinte, Becken hoch lagern, Kind tatsächlich zurück schieben und versuchen, die Nabelschnur am Kopf vorbei zu schieben. Im Extremfall würde nur ein Kaiserschnitt helfen. Und dann erzählte sie ihre Geschichte.

Sie hat eine Weile in Afrika gearbeitet und eine der Schwangeren hatte einen Nabelschnurvorfall. Zum Glück konnte schnell reagiert werden und die Frau landete unverzüglich im OP, wo schon alles für den Kaiserschnitt bereit stand. Meine Hebamme verließ nur ganz kurz den OP, um Tücher für das Baby zu holen und als sie wieder zurück kam, wurde die Frau wieder aus dem OP geschoben und die Ärzte meinten, die Frau könne das Kind doch auf normalem Weg bekommen. Meine Hebamme fiel aus allen Wolken und auch ein wenig in Panik. Sie schnappte sich eine weitere Hebamme, sprach sich kurz mit ihr und der Schwangeren ab und warf sich dann beherzt auf den Bauch der Frau, während die zweite Hebamme bereit stand, das Kind aufzufangen. Ohne Rücksicht auf Verluste drückten sie das Baby aus der Frau raus und schafften es auch irgendwie.
Dem Kind ging es den Umständen entsprechend schlecht und es brauchte eine ganze Weile, bis es sich von der Geburt erholt hatte. Ich erkundigte mich, wie es denn der Frau dabei gegangen ist, ist ja quasi der Horror schlechthin. Meine Hebamme meinte, auf die Frau wird in der Gegend keine Rücksicht genommen, Frauen zählen dort nicht viel. Meine Hebamme hätte aber am liebsten das ganze Krankenhaus zusammen geschlagen, so sauer und fassungslos war sie.

Auch, wenn es in unseren Breiten ein wenig anders zugeht, war ich doch mehr als erleichtert, als mir meine Hebamme mitteilte, dass der Babykopf schön tief und fest im Becken steckt und es keine Gefahr mehr bei einem Blasensprung gibt. Ich müsste nicht mal zwangsweise liegen.

Ich lag ziemlich lange am CTG und es war auch alles unauffällig. Zu unauffällig für den Geschmack meiner Hebamme. Herzfrequenz des Kindes bei 120, es machte ganz gemütlich ein Nickerchen. Aber Schlafen ist nicht, also wurde das Kind immer wieder angeschubst, was es mit mürrischen Tritten und einer erhöhten Herzfrequenz von 140 quittierte. Keine Minute später war der Krümel wieder eingeschlafen und nach 15 Minuten wurde es erneut geweckt.
Ich bin also nicht die Einzige, die das Kindlein ärgert 😉

Mit einem abschließenden Blick auf das CTG meinte meine Hebamme, dass es nicht mehr lange mit der Geburt dauert. Ich fragte, woran sie das erkennt und sie sagte, sie sieht das am CTG, ohne jetzt genau benennen zu können, woran sie das sieht. Es wäre einfach der gesamte Verlauf der Linien. Sowas wollte ich hören, auch wenn ich jetzt doch ein wenig Angst habe. So wie vor einer wichtigen Prüfung, ganz egal, wie gut man gelernt hat.

Ich erkundigte mich als letztes wegen der Rufbereitschaft, da ich durch die Aussagen bei der Geburtsaufklärung ein wenig verunsichert war, wann ich denn anrufen dürfe. Ich hatte die letzten Tage immer wieder mal Wehen, auch regelmäßig und schmerzhaft, teilweise 2 bis 3 Stunden lang und war mir nicht sicher, ob ich da schon anrufen sollte. Immerhin würden sie ja bei Alarm ihre Termine verschieben und das ganze Prozedere anwerfen und ich will da keine unnötigen Umstände machen. Ebenso möchte ich nicht mitten in der Nacht anrufen und meine Hebamme wecken wegen nix.
Sie beruhigte mich aber. Wenn es länger als 3 Stunden dauern und regelmäßig ziepen würde, dann könne ich schon anrufen. Sie würde voraussichtlich eh erst mal bei mir zuhause vorbei kommen und die Gesamtsituation checken, bevor es richtig los geht. Auch nächtliche Ruhestörung wäre kein Problem, sie könne innerhalb von Minuten wieder einschlafen und sie hätte dieses Wochenende Rufbereitschaft, so dass ich mir gar keine Sorgen zu machen brauche.

Tja, und damit waren dann sämtliche Fragen geklärt, alle Werte geprüft, alles für gut befunden worden. Falls es am Wochenende nicht los geht, dann habe ich am Montag den nächsten Termin mit dem CTG, nur um sicher zu gehen.

Im Osten nichts Neues

Mutter und Kind sind immer noch innigst vereint, ich hab immer wieder mal Übungswehen, vorzugsweise nachts kurz vorm Einschlafen.

Ich hatte heute wieder Akupunktur, diesmal auch mit den fiesen Nadeln für die kleinen Zehen – autsch. Ich trinke fleißig Zimttee, obwohl ich davon barbarisches Sodbrennen bekomme, aber so langsam geht mir die Geduld aus.

Mir passt meine Umstandshose nicht mehr, der Bund drückt unangenehm und die Bauchbinde rutscht immer wieder vom Bauch runter. Mein Schwangerschaftsshirt schafft es nicht, den Bauch von oben abzudecken. Schuhe zubinden ist abenteuerlich.

Morgen gibt’s den schriftlichen Räumungsbefehl 😉

Fehlalarm

Letzte Nacht dachte ich – mal wieder – es geht endlich los.

Gegen halb 5, ich lag wegen dieser doofen Rechnungsgeschichte immer noch wach, ziepte es wieder im Bauch. Ich schaute vorsorglich auf die Uhr, versuchte aber trotzdem weiter, einzuschlafen. 10 Minuten später das nächste Ziepen, schon ein wenig heftiger.

Eine halbe Stunde später waren die Abstände auf 5 Minuten verkürzt und das Ziepen wurde richtig unangenehm. So unangenehm, dass ich teilweise in den Schmerz atmen musste, aber noch nicht so dolle, dass ich aufgestanden wäre und ein Schmerzmittel genommen hätte.

Irgendwann drehte ich mich auf die andere Seite und schwupps, schon war das Ziepen weniger heftig und auch die Abstände wurden wieder länger, lagen nun bei 7 Minuten. Scheint wohl doch nicht der große Tag zu sein. Mittlerweile war es halb 7 und ich echt knülle, also versuchte ich es nochmal mit Schlaf.

Leider weckte mich das Ziepen immer wieder aus meinem Schlummer, und erst, als das nach 8 endgültig weg war, konnte ich richtig schlafen.

Da ich derzeit nach der Devise lebe: ich nehm jeden Schlaf, den ich kriegen kann, egal wann, egal wie lange, wer weiß, wann es los geht und ob ich danach noch zum schlafen komme, schlief ich mich gründlich aus. Dass ich dann erst um 15 Uhr zum frühstücken komme, ist eben so. Jetzt etwas daran zu ändern halte ich für sinnlos, in ein paar Tagen wird so ein kleiner Quälgeist meinen Tagesrhythmus bestimmen und wer weiß, wie komisch der dann ist 🙂

Reine Übungssache

Was für eine Nacht!

Mein Mann gab wieder alles an der Schnarcherfront, so dass ich ihn gegen 4 Uhr aus dem Schlafzimmer verbannt habe. Ich wälzte mich noch ein wenig hin und her, lauschte meinem Hörbuch und war grad dabei, ins Traumzauberland hinüber zu gleiten, als es plötzlich in meinem Bauch zog.
Als erstes verfluchte ich das doofe Sodbrennen, welches mich die letzten Tage fast permanent nervt. Aber für wirkliches Sodbrennen war die Stelle zu weit unten.
Dann verdächtigte ich den Krümel, der sich ja schon öfter durch sein perfektes Timing beim Sambatanzen ausgezeichnet hat. Das Ziehen verteilte sich dann über die gesamte Breite des Bauches, so dass es das als Ursache auch nicht sein konnte.

Es werden doch wohl nicht Wehen sein?
Eine Hebammenweisheit sagt, solange man sich ernsthaft diese Frage stellt, sind es keine echten Wehen.

Also wartete ich ab, nach kurzer Zeit ging das Ziehen wieder weg. Und kam bald wieder. Und dann nochmal.
Schauste mal auf die Zeitabstände, mal sehen, was die so sagen.
5 Minuten Abstand, 3 Minuten, 2 Minuten.

Das ganze pendelte sich bei 2-3 Minuten ein und wurde auch heftiger und ich langsam panisch.

Jetzt Kind kriegen wär ja ganz doof. Wir haben gestern erst die Vollmachten geschrieben, die müssen noch ausgedruckt, unterschrieben und an die Delinquenten Helfer verteilt werden. Außerdem wollte ich doch heute zum Kinderarzt, den Screening-Schrieb abzeichnen lassen und den Termin für die U9 des Großen vereinbaren. Wir haben nicht eine Tasche gepackt oder wenigstens Listen zum Taschenpacken gemacht. Ich sollte dringend duschen. Das Bad und die Fenster müssen noch geputzt werden.

Ernsthaft? Jetzt soll’s losgehen?
Sollte ich tatsächlich in wenigen Stunden so nen kleinen Wurm im Arm haben? Der mich dann fröhlich anschreit. Immer und immer wieder, wenn er Hunger hat? Die Vorstellung war auch irgendwie cool, so dass ich abwechselnd grinste und panisch schreien wollte.

Dann eben erstmal abwarten, solange es nicht nach unten zieht und ich noch dem Hörbuch folgen kann, ist noch Zeit.
Ich überlegte, ob ich aufstehen und mich in die Wanne legen sollte. Echte Wehen bleiben im  warmen Wasser oder werden sogar mehr, unechte verschwinden. Ich entschied mich dagegen, weil ich den Kleenen nicht wecken wollte und wenn ich draußen rumwusel, wird er mit Sicherheit wach.

Nach anderthalb Stunden war der Spuk wieder vorbei, noch 2 mal Ziehen mit großem Abstand, danach Ruhe, nur ich war jetzt munter.

Da heute noch die Vorsorge beim Frauenarzt anstand, quälte ich mich völlig übernächtigt aus dem Bett und unter die Dusche. Dann kurzer Zwischenstopp beim Kinderarzt, Screening-Schreiben abstempeln lassen, U9-Termin vereinbaren (im August, eher ist nix frei o.O ) und noch fix nach den Modalitäten für die U2 und U3 des Krümels fragen. Ich hab nämlich keinen Bock, mit einem frisch geschlüpften, ungeimpften Kind stundenlang zwischen den üblichen Keimschleudern kranken Kindern zu warten, aber die Arzthelferin beruhigte mich und meinte, die Vorsorgen für die ganz Kleinen finden übern Mittag und in einem separaten Bereich statt.
Super, wäre das auch geklärt.

Bei der Vorsorge soweit alles ok, außer meinem Eisenwert. Der hat sich mal glatt ins Bodenlose verabschiedet, je nach Skala 10,5 (11,5 unterer Grenzwert) oder 6,2 (7,5). Also darf ich jetzt wieder Eisentabletten nehmen, die bei mir zu (fast) totaler Verstopfung führen. Als Mittel gegen die Nebenwirkung habe ich Zäpfchen bekommen. Juchuh!
Auf dem CTG prangten wieder hübsche Wehenberge, immer wieder 3-4 Stück in gleichmäßigem Abstand und dann wieder eine Weile nix. Aber den Krümel stört das nicht, sein Herzschlag vorbildlich zwischen 120 und 140 Schlägen.

So, und jetzt bin ich knapp 30 Stunden wach und brauche dringend etwas Schlaf. Könnte ja jederzeit losgehen und auf Geburt als übernächtigter Zombie hab ich jetzt nicht so wahnsinnig viel Lust.

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 2

Immer wieder freitags …

Zu Beginn durften wir per Unterschrift unsere Anwesenheit bestätigen und ich durfte anfangen. Natürlich wollte der Kuli nicht und ich musste erstmal das halbe Blatt vollkrakeln, bis dann auch Tinte kam. Yay! 😀
Wir haben nochmal die Namen geübt und dann sollten wir erzählen, was wir an dieser Schwangerschaft richtig gut finden und was weniger toll ist, Jammern ausdrücklich erlaubt.

Alle fanden gut, dass sie das Kind spüren können, auch wenn es manchmal unangenehm ist, wenn es gerade auf der Blase oder den Rippen rumtrampelt. Auf der Negativseite die üblichen Beschwerden: Krampfadern, Wassereinlagerungen, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Stimmungsschwankungen. Da fast alle anderen Schwangeren kleine Kinder haben, fanden sie es als besonders anstrengend, dass sie ihre kleinen Kinder noch so viel tragen müssen. Da hab ich Glück, dass meiner schon so groß ist und versteht, dass er zum ausgiebigen Kuscheln neben mich auf die Couch krabbeln und die Treppen alleine hochsteigen muss.

Es folgte eine Übung, um das Becken zu lockern und die eigene Mitte zu finden. Dabei wird das Baby gleichzeitig schön hin und her geschaukelt. Das tat gut und knackte bei mir ordentlich im Gebälk.
Danach wieder Gesprächsrunde, diesmal das Thema, wie wir den Geburtsanfang erlebt haben.

Da einige eine Einleitung hatten, konnten diese dazu nicht wirklich viel sagen. Bei dreien gab es einen Blasensprung, was sich wiederum gut als offizieller Startpunkt eignet. Der Rest hatte wie ich einfach irgendwann so ein Ziehen im Bauch und überlegte, ob es jetzt losgeht oder nicht. Eine rief vorsorglich im Krankenhaus an und ihr wurde dort gesagt, solange sie noch selber anrufen könne, braucht sie auch nicht rein zu kommen. Ich erzählte von meiner Befürchtung, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Beim ersten Mal war ich ja recht früh im Krankenhaus und will jetzt länger daheim in vertrauter Umgebung abwarten, fürchte dabei aber, entweder zu lange zu warten und dann das Kind daheim zu kriegen oder aber nicht lange genug zu warten und dann im Krankenhaus gesagt zu bekommen, Muttermund ist noch zu.

Die Hebamme meinte, dass diese Angst bei ganz vielen Schwangeren vorhanden ist, hätte aber auch keinen Tipp dafür. Sie fragte auch, ob wir denn einen Unterschied zwischen den einzelnen Stadien gespürt hätten, was aber niemand hatte. Vermutlich haben wir das alles verdrängt, was auch gut so ist, weil wir sonst alle völlig panisch vor der neuen Geburt wären. Es könne aber während der Geburt durchaus vorkommen, dass es Momente gibt, wo wir sagen: Ahhhh, jetzt erinner ich mich wieder, ja, das war damals auch schon so (schmerzhaft).
Beruhigt mich jetzt nicht wirklich und den Blicken der anderen zufolge sie auch nicht.

Dann wieder Lockerungsübungen und ein wenig Geburtsmechanik, weil eine der Teilnehmerinnen fragte, warum sie sich während der Geburt immer von links nach rechts und wieder zurück wuchten musste. Dabei ging die Hebamme auch auf verschiedene Formen von Blasensprung ein und die Gefahr eines möglichen Nabelschnurvorfalls und dass dies wirklich nur sehr selten und wenn, dann nur im Moment des Blasensprungs passieren kann (bei Schädellage, bei BEL wirken anderen Mechanismen). Danach ist diese Gefahr praktisch ausgeschlossen. Wir sollten vor allem während der Geburt Kontakt zum Kind aufnehmen, da wir am ehesten spüren würden, wann etwas mit dem Kind nicht stimmt und dann entsprechend Alarm schlagen können.

Wir machten danach eine Partnerübung, bei der sich der Vordermann auf einen Peziball hängen sollte und der Hintermann erst schauen soll, wohin die vor ihm sitzende Person atmet und dann ihre Hände auf die entsprechende Stelle legt. Dann sollten beide spüren, wie sich das anfühlt und der Vordermann kann auch Korrekturen vornehmen (höher, tiefer, seitlicher).
Alle legten die Hände ungefähr in Höhe der Taille, es gab nur wenig Korrekturen. Dann sollten die Hände oben auf die Schultern gelegt werden und wieder sollten wir spüren, wie sich das anfühlt. War total unangenehm, beengend, sagten alle.
Dann sollten die Hände langsam wieder runter zur Taille gelegt werden und wieder nachgespürt werden. Alle vorne Sitzenden fanden das total angenehm, nur zwei der Hintermänner (darunter ich) fanden es unangenehm, weil die eigene Kurzatmigkeit dem Einlassen auf den Atemrhythmus der Vorderfrau entgegenstand.

Diese Übung war insofern interessant, weil diese Spannungen auch bei der Geburt auftreten können. Und die lieb gemeinte auf die Schulter gelegte Hand des Partners bei der Gebärenden heftige Abwehrreaktionen hervorrufen kann, währenddessen die selbe Hand auf den unteren Rücken gelegt als durchaus angenehm empfunden wird.

Und dann war der Kurs auch schon wieder vorbei.