Frohe Weihnachten!

Verbringt ein paar schöne Stunden im Kreise eurer Lieben, futtert euch richtig die Bäuche rund, reißt das Geschenkpapier von den Präsenten, als wenn es kein Morgen gäbe und verschenkt so viele Umarmungen und Küsse, wie ihr nur könnt.

Denn Weihnachten ist nur einmal im Jahr!

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Bildungsauftrag

Heute morgen sitze ich mit der halben Kollegenmannschaft in der Kantine. Alle noch ein wenig müde, kauen wir schweigend auf unseren Frühstücksbroten herum. Ich lasse meinen Blick schweifen und er fällt auf unsere Weihnachtsdekorationsecke, in der neben allerlei kitschigen Räuchermännchen, Holzhäuschen und den zwei Teebeutelspendern ein kleiner Weihnachtsbaum steht. Der Weihnachtsbaum ist echt, aber mit geschätzten 10 Christbaumkugeln als alleinigen Schmuck recht dürftig angeputzt.

Weil das gerade so wunderbar passt, bringe ich den Spruch: „Früher war mehr Lametta.“

Ich hatte mit Zustimmung, einem Lächeln, vielleicht sogar dem einen oder anderen Lacher gerechnet, aber nicht mit der anhaltenden Stille. Ich stupse meine Nachbarin an, zeige auf den Weihnachtsbaum und wiederhole den Spruch. Ihre Reaktion ist ein verständnisloses „häh“.

Nun gut, sie ist noch ein wenig jung, vielleicht kann einer der anderen Kollegen etwas damit anfangen. Also echauffiere ich mich ein wenig theatralisch, dass man doch diesen Klassiker der deutschen Geschichte kennen muss. Früher war mehr Lametta – ein stehender Begriff. Ratlose Blicke bei sämtlichen Kollegen. Ich frage ungläubig nach: „Weihnachten bei den Hoppenstedts? Schon mal gehört?“ Alle Kollegen verneinen.
„Aber Loriot kennt ihr?“ Endlich vereinzeltes Nicken.

Es stellt sich heraus, dass Loriot allen ein Begriff, die Weihnachtsepisode aber völlig unbekannt ist. Ich bin ehrlich enttäuscht, da hatte ich mehr erwartet. Niedergeschlagen erzähle ich meinem Chef davon, auf Aufmunterung hoffend. Mein Chef ist so vielseitig interessiert, der kennt den Sketch bestimmt. Doch auch hier völlige Ahnungslosigkeit. Langsam beginne ich, vom Glauben abzufallen.

Gegen 11 Uhr kommt unsere Bürosportvorturnerin und quält uns heute nur ein bisschen. Die Sportler hampeln auf dem Gang zwischen den Büros herum, die faulen Kollegen schauen uns wie immer amüsiert durch die Glaswände zu. Wie genau es dazu kam, weiß ich nicht mehr, doch mittendrin ergibt sich zufällig die Gelegenheit, wieder „früher war mehr Lametta“ anzubringen. Keine Regung bei der Trainerin. Erneut äußere ich mein Entsetzen und endlich werde ich erhört: Ein Kollege hört mein Lamentieren und ruft „Genau, früher war echt mehr Lametta!“ Ich strahle ihn an. „Weihnachten bei den Hoppenstedts gehören doch zu jedem Weihnachten dazu.“, schiebt er hinterher. Ich nicke begeistert und wir zeigen uns gegenseitig „Daumen hoch“ durch die Glaswände.

Immerhin einer von 30 Kollegen kennt noch diesen Klassiker. Falls es meiner Leserschaft ähnlich gehen sollte wie den 29 anderen Kollegen und für alle, die den Sketch immer gerne wieder sehen:

 

P.S.: Während des Turnens bekamen wir kleine Gummiringe zum drauftreten. Meines hatte ein Loch und pustete sämtliche Luft beim Drauftreten raus. Mein Kommentar „Meiner ist kaputt! Warum krieg ich den kaputten?“ wurde ebenso ignoriert wie die Hoppenstedts zuvor. Kann vielleicht einer von euch den Zusammenhang herstellen?

Alle Jahre wieder!

Bald nun ist Weihnachtszeit und diese wird wie jedes Jahr von der Jagd nach Geschenken begleitet. Da gibt es plötzlich schwarze Freitage und Cybermontage und alle locken mit kräftigen Rabatten oder superduper Sonderangeboten. Was also liegt da näher, als sich überpünktlich dem Thema Verwandtenbeglückung am Heilig Abend zu widmen.

Weil auch bei uns nicht immer alles schief gehen kann, stellte uns die Hausverwaltung bereits 5 Wochen vor Jahresfrist, und nicht wie sonst üblich erst 2 Wochen eher, die Betriebskostenabrechnung zu. Da wir uns letztes Jahr hartnäckig weigerten, die vorgeschlagene Mietsenkung vorzunehmen, wartet nun eine Rückzahlung von über 700€ auf uns, zeitlich günstig, um sie in Geschenke zu investieren.

Gesagt, getan, schnell mit den Großeltern abgestimmt und so kann ich tatsächlich bereits heute verkünden, bis auf eines sämtliche Weihnachtsgeschenke für dieses Jahr beschafft zu haben. Ich hab sogar schon fast alle Geschenke für die Geburtstagswelle Ende Februar/Anfang März. Mir macht das selber ein wenig Angst, aber irgendwie hatte ich ganz viele Ideen, was denn verschenkt werden könnte.

Falls jemand Inspiration braucht oder einfach nur neugierig ist, das bekommen meine Liebsten (die Links sind bis auf das T-Shirt Affiliates zu Amazon, siehe auch Disclaimer):

das kleine Kind, ein 2 3/4 Jahre altes Mädchen:

das große Kind, ein fast 8-jähriger Junge:

das ganz große Kind, aka Ehemann:

meine Eltern:

  • die CD Hardwired von Metallica
  • 2 Packungen Schwermer Marzipan
  • den jährlichen Kinderfotokalender, ein von uns selbst gestalteter Fotokalender mit den besten Kinderbildern dieses Jahres
  • eine Flasche Limoncello
  • ein Bildband mit historischen Aufnahmen ihrer Heimatstadt
  • den Krimi Binärcode von Christian Gude

Natürlich bekommen alle großen und kleinen Kinder noch Schokoladenhohlkörper in vielen Formen und Größen und jede Menge anderes Naschwerk.

Unschlüssig bin ich noch, ob ich meinem Mann die deutsche Version der Tribute von Panem schenken soll. Er schaut die Filme echt gerne, fragt aber immer wieder nach Details, die Unstimmigkeiten in den Filmen hervorrufen oder nur unzureichend erklärt werden, in den Bücher aber ausführlich abgehandelt worden sind.

Was jetzt noch fehlt ist, alle Geschenke einzupacken. Das werde ich dann vermutlich am 23.12. abends machen, denn wie jedes Jahr kommt Weihnachten doch recht plötzlich. Und ich hoffe, dann sämtliche Geschenke, die in der Zwischenzeit vor neugierigen Kinderaugen versteckt wurden, wieder zu finden 😉

 

Mit spitzem Bleistift

Ende des Jahres ist bei mir immer der finanzielle Notstand angesagt. Aus nicht näher bekannten Gründen sind zum Jahresende die besonders großen Batzen fällig, als da wären Autoversicherung + Steuer, Jahreskarte des ÖPNV und zur Abrundung der Xing-Mitgliedsbeitrag. Weil das insgesamt mit knapp 1.500 € zu Buche schlägt und wir wie üblich keine Chance zum Ansparen haben, bringt mich das in arge Bedrängnis, der ich dieses Jahr nun den Kampf angesagt habe.

Das einfachste war, den Xing-Premium-Account zu kündigen und fortan mit der Basisversion zu leben. Da ich ich mich aktuell nicht im Bewerbungsprozess befinde, bringt mir die kostenpflichtige Variante nichts und mittlerweile habe ich meine Neugierde so gut im Griff, dass ich gut damit leben kann, nicht zu wissen, wer als letztes mein Profil besucht hat.

Das ÖPNV-Ticket war da schon ein wenig komplizierter, da mein eigener Schweinehund ins Spiel kommt. Statt täglich den Bus zur Arbeit zu nehmen, müsste ich aufs Fahrrad umsteigen oder das eigene Auto nehmen, wobei das mangels Parkplätzen nur eine suboptimale Alternative ist. Ich müsste das Auto ziemlich weit weg parken, dann entsprechend weit laufen, wäre dabei Wind und Wetter ausgesetzt und würde wenig bis gar keine Zeit einsparen. Dann doch lieber das Fahrrad, damit bin ich genauso flexibel wie mit dem Auto und es gibt genügend Fahrradabstellplätze direkt vor dem Firmeneingang. Die Sache hat nur zwei Haken: 1. habe ich gar kein Fahrrad und 2. muss ich den ÖPNV-Vertrag kündigen.

Der Vertrag läuft als Jobticket, wird von der Firma finanziell mit 1€ (echt jetzt) subventioniert, was mir allerdings einen Rabatt von 10% verschafft. Der Vertrag aber muss sowohl von der Firma als auch von mir selbst gekündigt werden, bis zum 10. des Vormonats, also mit ca. 6 Wochen Vorlauf. Da der Vertrag am 1.11. automatisch um 1 Jahr verlängert worden wäre, ich das alles aber erst Anfang September ausklamüsert und entschieden hatte, wurde es ein wenig eng bei der Kündigung. Erst mal bei der Hotline angerufen, die meinten, ich sollte mir ein Schreiben von der Personalabteilung geben lassen. Bei der Personalabteilung gewesen, die meinten, ich solle mir das Formular aus dem Service Center holen, welches sie dann gerne unterschreiben und abstempeln würden. In die Stadt zum Service Center gefahren, Formular geben lassen, Formular ausgefüllt, am nächsten Tag von der Personalabteilung abstempeln lassen, am übernächsten Tag wieder in die Stadt gefahren und im Service Center die endlich komplette Kündigung abgegeben, am 10.9. – exakt zum Stichtag. Damit sollte dieser große Posten wegfallen.

Jetzt brauche ich nur noch ein Fahrrad. Die einschlägigen Internetportale haben zwar eine riesige Auswahl, aber spielen auch in für mich unerreichbaren Preisklassen. Meine Eltern haben mir signalisiert, dass sie sich mit 100€ als Geburtstagsgeschenk am Fahrradkauf beteiligen wollen, dennoch ist es zuviel für meinen Geldbeutel. Ich erhielt den Tipp, dass das lokale Fundbüro immer wieder mal gefundene Fahrräder versteigert, aber natürlich sind gerade keine Versteigerungen geplant. Wann wieder eine ansteht, konnte mir auch niemand sagen.
Dann also Ebay Kleinanzeigen. Da gibt es viele Fahrräder, viele auch preiswert, die meisten davon aber auch uralt (>25 Jahre). Ab und zu jedoch ist eine kleine Perle dazwischen, bei der ich mein Glück versuchen werde. Ich werde berichten, wie das ausgeht.

Im Gegenzug werde ich selber einige Teile dort einstellen und hoffen, dass sich Käufer für die bei unserer Entrümpelungsaktion übrig gebliebenen Teile finden. Auch wenn dies bedeutet, mich von der heiß und innig geliebten Babyschale im Giraffendesign trennen zu müssen, aber diese für etwaige Enkel aufheben ist auch doof. Vielleicht kommt ja darüber so viel Geld zusammen, um den Autoversicherungsbatzen abfedern zu können.

Denn da flatterte mir am Wochenende die neue Beitragsrechnung in den elektronischen Briefkasten. Obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen, ist der Beitragssatz für Haftpflicht und Teilkasko nur um ganze 7€ gesunken. Weil mir das so gar nicht gefiel, warf ich eines der zahlreichen Vergleichsportale an und das spuckte mir für meinen Tarif bei der gleichen Versicherung einen um 100€ niedrigeren Beitragssatz aus. Da mir das spanisch vorkam, rief ich kurzerhand bei meiner Versicherung an und fragte freundlich nach, wie das kommt. Der ebenso freundliche Mitarbeiter bleib mir eine Erklärung schuldig, bot mir aber einen Nachlass von 15% an. Als ich erstaunt fragte, wie das denn geht, meinte er, in dem man die Hotline anruft und freundlich fragt.
Es scheint wohl, dass Versicherungen einen gewissen Spielraum haben, um Kunden nicht zu verlieren. Diesen Spielraum nutze ich jetzt aus und muss statt 650€ nur noch 550€ zahlen. Kein schlechter Deal für 5 Minuten Telefon.

Insgesamt ist damit die finanzielle Last auf irgendwas um die 600€ + Fahrrad gesunken und lässt uns dieses Jahr ein wenig entspannter auf Weihnachten zugehen. Hoffen wir mal, dass da jetzt nichts unvorhergesehenes reingrätscht.

Adventskalender: Türchen 16 – Negative Weihnachtscharts: Platz 3

Das Kindlein ist immer noch krank, liegt immer noch permanent auf meinem Bauch, ich tippe einhändig, meine Liste mit geplanten Beiträgen liegt unerreichbar auf Arbeit und Flickr hat gerade Serverprobleme, also improvisiere ich heute ein wenig 🙂

Ein gar fürchterbares Lied und deswegen gern und häufig gespielt:

Mariah Carey – All I want for christmas is you.

Damit ich nicht alleine leide, gibt’s heute sogar das Video dazu 😛

P.S. Ich habe mich nicht verzählt und Platz 4 nachgetragen.

Adventskalender – Türchen 7: Das Versteck

In einer Zeit, als ich nicht mehr ganz Kind, aber eben auch noch nicht ganz erwachsen war, wandelte sich auch mein Verständnis von Weihnachten. Ich wusste, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und dass meine Eltern die Geschenke kauften. Trotzdem konnte man mich noch mit der „Lieb sein, sonst Rute“-Masche ködern.

Was sich nicht gewandelt hatte, war die Spannung, mit der ich den Weihnachtsabend erwartete. Vor allem den Moment, an dem endlich die Geschenke ausgepackt werden durften.

Während dieser Phase war mir das Warten eines Weihnachtens zuviel und als ich alleine zuhause war, machte ich mich an die Suche nach Geschenken. Ich schaute in allen Schränken nach, im Keller, in Schubladen, hinter Kommoden. Ich fand diverse Geschenke, alle von meiner Wunschliste und ich freute mich diebisch darüber.

Leider musste ich die Freude vorerst für mich behalten, da meine Eltern nicht erfahren durften, dass ich gestöbert hatte. Der Weihnachtsabend kam und mit ihm der Moment, an dem die Geschenke ausgepackt wurden. Ich packte meine Päckchen aus, aber rechte Freude wollte sich nicht einstellen, wusste ich bereits, was drin war. Ich versuchte, Freude und Überraschung zu spielen, um meine Eltern nicht zu enttäuschen, aber das gelang mir nur mässig, zu gewöhnlich waren die Geschenke durch meine Stöberei geworden.

Ohne es zu beabsichtigen, hatte ich mich selbst der größten Freude zu Weihnachten beraubt. Seit dem habe ich nie wieder gestöbert, nie auch nur ansatzweise versucht herauszufinden, was mir denn möglicherweise geschenkt werden würde.

© Foto von Flickr/Kevin Dooley „Christmas from the present’s perspective“, (CC BY 2.0)

Adventskalender: Türchen 4 – Der Wunsch

Meine Mama ist ein Mensch mit relativ wenigen Interessen und keinen Hobbies, wenn man von exzessivem Putzen und Kochen mal absieht. Sie hat auch keine besonderen Vorlieben, was Süßigkeiten oder Knabbereien angeht, sie liest selten bis gar nicht, sie geht nie ins Kino, hat keine Lieblingsmusik oder ist Fan einer Band oder eines Künstlers und sie sammelt nichts oder was auch immer man sonst als Geschenkebasis heranzieht. Diese Konstellation macht es mir seit je her schwer, Geschenke für sie zu finden, die ihr auch gefallen könnten. Diverse Versuche scheiterten und die Enttäuschung war auf beiden Seiten recht groß.

Als ich als Teenager in der Weihnachtszeit mal wieder vor der Frage stand, was ich schenken sollte und mir partout nichts einfallen wollte, wandte ich mich an meine Ma und fragte sie einfach. Als Antwort bekam ich: „eine liebe Tochter“.
Da ich mich im Allgemeinen eher selten wie die Axt im Walde aufgeführt habe, fand ich den Wunsch jetzt nicht so dolle, weil es einfach nichts besonderes war. Immer wieder fragte ich meine Ma in der Adventszeit, ob sie nicht doch noch einen Wunsch habe, während ich mir gleichzeitig nächtelang den Kopf zerbrach. Aber außer dem 10. Küchenmesser oder den 15. Kochlöffel wollte mir einfach nichts einfallen.

Also ließ ich es am Ende drauf ankommen und erfüllte meiner Ma ihren Wunsch und war eine liebe Tochter. Als es am Heiligen Abend zum Verteilen der Geschenke kam, hatte ich kein Geschenk für sie und sie war verständlicherweise wahnsinnig enttäuscht. Auch meine Antwort, dass ich doch ihrem Wunsch entsprechend eine sehr liebe Tochter bin, konnte sie nicht versöhnen. Es folgte ein recht frostiges Weihnachten, nicht das letzte dieser Art.

Aber immerhin äußert meine Ma seitdem jedes Jahr Anfang Dezember mindestens einen Wunsch und es war nie mehr „die liebe Tochter“, die bekommt sie nämlich auch so!

© Foto von Flickr/JD Hancock „Jum-bow“, (CC BY 2.0)

Frohe Festtage

Es ist jedes Jahr dasselbe: Urplötzlich ist wieder Weihnachten!

Ich wünsche allen schöne und besinnliche Festtage, ohne Stress und Streitereien, dafür aber mit Geschenken, über die ihr euch wirklich freuen könnt, eventuell ist sogar der eine oder andere langgehegte und endlich erfüllte Wunsch dabei. Haut ordentlich beim Essen rein, aber nicht zuviel, mit Bauchgrimmen auf der Couch liegen ist auch doof. Schaut euch Drei Haselnüsse für Aschenbrödel an (bspw. heute 20:15 auf einsfestival oder morgen 9:00 auf rbb oder 16:25 auf mdr). Sagt euren Lieben, dass ihr sie gern habt und seid ein weniger nachsichtiger als sonst, wenn durch den Vorweihnachtsstress die Nerven einzelner Familienmitglieder blank liegen, vielleicht sind eine Umarmung und ein herzliches Danke hilfreicher als eine bissige Bemerkung.

Alles wird gut 🙂

Alles auf Anfang

Manchmal, wenn ich einen Film anschaue und dieser dann eine unerwartete Wendung nimmt, denke ich mir, ach komm, hört doch auf, das Leben funktioniert niemals so, ihr wollt doch jetzt nur unnötig die Spannung hoch halten, weil ihr noch 10 Minuten Sendezeit übrig habt. Doof nur, wenn dann das wahreechte Leben dann genau solche billigen Wendungen vollführt.

Setzt sich also mein Mann gestern wieder an den Tisch, genauso wie vor zwei Wochen, knetet dabei seine Hände und schaut recht verzweifelt auf die Tischplatte. Haargenauso wie vor zwei Wochen. Ich spiele also wieder meine Rolle als Stichwortgeber und frage, was denn los ist. Er meint nur, später, wenn die Kinder schlafen. Großartig, darf ich mir also wieder nen Kopp darüber machen, was denn jetzt noch kommen möge, was es denn diesmal für eine Katastrophe sei.

Nachdem dann der Große im Bett ist, setzt sich mein Mann neben mich auf die Couch und sagt mit leiser Stimme, dass das alles doof ist und er doch lieber bei seiner Familie bleiben würde und nicht mehr weggehen will. Ganz großes Kino. Ich hatte mich gerade gedanklich soweit in meinem neuen Leben eingerichtet, dass ich Pläne für eine Post-Marriage-Era geschmiedet habe, hatte mich emotional soweit gelöst bzw. wieder gefangen, um auf eigenen Füßen zu stehen, und jetzt kommt dieser (sorry) Idiot an und will nun doch weiter machen?

Was mach ich denn jetzt?

Soll ich den Typ einfach so zurück nehmen? Oder ihn, so wie er es geplant hatte, vor die Tür setzen?

So auf die Schnelle fiel mir nichts Gescheites ein. Dass unsere Beziehung einige Probleme hat, ist jetzt nichts Neues, denn so ganz aus dem Nichts kommen dann zwei Kurzzeittrennungen auch wieder nicht. (Kurze Anmerkung: ich hatte mich vor 2,5 Jahren für 3 Monate getrennt, aus mehr oder weniger den gleichen Gründen, die er jetzt angab.)

Ich habe gestern folgende Bedingung gestellt. Jeder von uns schreibt bis Weihnachten für sich auf, was seine persönlichen Ziele im Leben sind, was er noch vom Leben erwartet, wo er mal hin möchte und wie er sich das zukünftige familiäre Zusammenleben vorstellt. Dabei ist es völlig egal, wie absurd oder unmöglich diese Wünsche sind, es soll alles aufgeschrieben werden. Zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn der Große Urlaub bei den Großeltern macht, setzen wir uns intensiv zusammen und reden darüber und über alles andere, was uns noch so einfällt.
Bis dahin hat sich hoffentlich jeder soweit sortiert, dass man vernünftig, in Ruhe und ohne verletzte Gefühle darüber reden kann.

Und dann schauen wir mal, wo wir so stehen und ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann.

Wenigstens ist jetzt erstmal die Anspannung raus und der Eiertanz hat vorerst aufgehört. Das fand ich mit jedem Tag anstrengender und nerviger und ich hatte ehrlich keine Ahnung, wie lange ich das noch durchgehalten hätte. Und auch das Weihnachten bei meinen Eltern hat seinen Schrecken verloren.

Ich finde es übrigens eine starke Leistung von meinem Mann, zuzugeben, dass er sich geirrt hat, dass er seinen Stolz heruntergeschluckt hat. Ich kenne zu viele Beispiele, wo der Stolz oder das Ego stärker war. Die meisten ehelichen Rosenkriege oder eskalierten Nachbarschaftsstreitereien beginnen so.

Beim Gute-Nacht-Kuss gestern, so flüchtig er auch war, hatte ich so ein leichtes Kribbeln im Bauch. Darauf kann man doch aufbauen, oder?