Nachtrag: Xayriel orakelt die WM

War das nicht eine schöne WM? So wenige gelbe Karten, so viele verletzte Spieler, so überaus kompetente Schiedsrichter, so professionelle Kommentatoren.*

Im Ernst, die WM war gerade zu Anfang von Überraschungen geprägt, die mich bei meinen ganzen Tippspielen doch recht alt haben aussehen lassen – genauso wie bei meinen Orakelvorhersagen. Ich geh sie am besten mal im Einzelnen durch:

Weltmeister wurde tatsächlich Deutschland! Yeah! Freudentaumel allerorten!

Vizeweltmeister ist nicht Spanien geworden, sondern Argentinien. Hatte ich außer als Gruppenerster überhaupt nicht auf dem Zettel.

3.platzierter wurde letztendlich die Niederlande und das recht mühelos gegen desolat auftretende Brasilianer.

Überraschungserfolg war nicht Belgien, die zwar recht weit gekommen sind, sondern Costa Rica, welche nicht nur Gruppensieger in einer Gruppe mit 3 ehemaligen Weltmeistern wurden, sondern auch bis ins Viertelfinale vordrangen und dort nur knapp von den Niederlanden im Elfmeterschießen niedergerungen wurden.

Miroslav Klose hat sich allerdings den WM-Torschützenkönig aller Zeiten geholt, tatsächlich mit einem Tor gegen Ghana in der Vorrunde. Allerdings war sein 16. Treffer nicht im Finale, sondern bereits im Halbfinale gegen Brasilien, wo schließlich jeder ein Tor machen konnte, der wollte 😉

Torschützenkönig wurde James Rodriguez aus Kolumbien mit 6 Toren, einem mehr als Thomas Müller. Neymar hat „nur“ 4 Tore geschossen, David Villa hatte durch das frühe Ausscheiden Spaniens keine echte Chance auf den goldenen Schuh.

Die Gruppensieger (tatsächlich, getippt von mir, getippt von meinem bester Freund):

  • Brasilien, Brasilien, Mexiko
  • Niederlande, Spanien, Niederlande
  • Kolumbien, Japan, Griechenland – wer tippt auch schon auf Kolumbien? 😉
  • Costa Rica, England, Uruguay
  • Frankreich, Schweiz, Schweiz
  • Argentinien, Argentinien, Argentinien
  • Deutschland, Deutschland, Deutschland
  • Belgien, Belgien, Belgien

Fazit:

So ganz ungeeignet als Orakel scheine ich nicht zu sein, lag aber bei einigen Tipps ganz weit daneben. Ist aber nicht sonderlich verwunderlich, wenn ein Twitter-Hashtag #dieseWMistuntippbar lautete 🙂

Und was bleibt von der WM?

  • Freistoßspray
  • Torlinientechnik
  • zweifelhafte Schiedsrichtervorgaben mit entsprechend schlechten Schiedsrichterleistungen
  • überragende Torhüter mit unglaublichen Rettungstaten
  • der 4. Stern für Deutschland

 

* Vorsicht, könnte Ironie enthalten.

Auftakt nach Maß*

Vor dem gestrigen Spiel Deutschland gegen Portugal gab es ziemlich viele Unbekannte. Im Vorfeld der WM hatten sich viele Leistungsträger verletzt, deren Einsatz lange fraglich war und bei denen feststand, dass die Tagesform entscheidend sein würde. Man weiß aber auch, dass die Deutschen eine absolute Turniermannschaft sind, die sich auf den Punkt genau vorbereiten können.

Dennoch war die Aufstellung lange und heftig diskutiert worden. Jogi nahm mit Miroslav Klose nur einen echten Stürmer mit nach Brasilien und wenn er in der Anfangsaufstellung fehlt, würde einer der offensiven Mittelfeldkräfte, voraussichtlich Thomas Müller, eine fasche 9 spielen müssen. Im Testspiel gegen Kamerun konnte man sehen, dass dies auch nach hinten los gehen kann. Andererseits hat Klose mittlerweile das für einen Fußballspieler gesegnete Alter von 36 Jahren erreicht und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob er noch fit genug ist. Bei Messi konnte man sehen, dass dieser nicht mehr die Geschwindigkeit von früher hat und ich hoffe, dass dem Miro dieses Schicksal erspart bleibt.

Portugal schätzten viele Experten und auch ich als den stärksten Gruppengegner ein, wobei man gerechterweise sagen muss, dass es international keine Kleinen oder leichten Gegner mehr gibt und vor allem die USA in Sachen Fußball ordentlich nachgelegt haben, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Arbeit eines Jürgen Klinsmanns. Und so war das gestrige Spiel dann auch ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel. Wer das gewinnt, ist quasi schon durch, wer verliert, wird sich in den verbleibenden beiden Spielen ordentlich strecken müssen.

Auf dem Papier, welches Deutschland auf Platz 2 der Weltrangliste führt und Portugal nur auf Platz 4, sind wir die stärkere Mannschaft, doch hatte ich starke Zweifel, dass wir dies auf dem Platz auch umsetzen können. Wir können zwar wunderschönen Fußball spielen mit klasse Kombinationen, aber das allein reicht nicht mehr. Gerade Spanien hat im Spiel gegen die Niederlande gezeigt, dass man mit schönem Fußball und Tiki-Taka nicht Weltmeister wird. Entsprechend skeptisch war ich.

Das Spiel begann entsprechend, ein wenig fahrig, niemand wollte ein frühes Gegentor fangen, denn wie immer musste die Devise lauten: Hinten muss die Null stehen. Das Torverhältnis kann in einer so engen Gruppe entscheidend sein. Nach einem groben Schnitzer von Philipp Lahm brannte es auf einmal lichterloh in der Abwehr der Deutschen, doch konnte diese Gefahr schnell gebannt werden. Philipp und die gesamte Mannschaft fingen sich aber sofort wieder und fanden danach endlich zu ihrem Spiel. Die Portugiesen wurden mehr oder weniger in der eigenen Hälfte festgenagelt, doch der entscheidende Pass, die präzise Flanke fehlte. Nur einmal gelang dies und prompt wurde Götze im Strafraum umgerissen und es gab Elfmeter. Der Tradition folgend, dass der Gefoulte nie selbst schießen sollte, legte sich Thomas Müller den Ball zurecht und verwandelte den Strafstoß in der 12. Minute sicher ins linke untere Eck. Der Plan, ein frühes Tor zu erzielen, ist aufgegangen.

Nach diesem Tor konnte die Mannschaft befreit aufspielen und auf einmal gelangen sämtliche Kombinationen, während Portugal zunehmend abbaute. Nach einem wunderbar eingeleiteten Konter wurde der präzise Schuss Götzes von einem Portugiesen ganz knapp am Tor vorbeigelenkt. Die daraus resultierende Ecke verwandelte Hummels mit einem herrlichen Kopfball zum 2:0. Was für Hammer!

Die Portugiesen verloren mehr und mehr den Spielfaden und der dadurch aufgestaute Frust entlud sich in einem ziemlich rüden Foul Pepes an Müller, dem er zuerst seinen Ellenbogen und anschließend seinen Kopf ins Gesicht drückte. Das war mindestens dunkelgelb, aber der Schiedsrichter entschied auf glatt rot und Portugal musste ab der 37. Spielminute mit 10 Mann auskommen. Da wird es schwierig, die Räume für die Deutschen eng zu machen und so beschränkten sie sich aufs Verteidigen. Kurz vor der Pause, zu einem psychologisch für die Portugiesen äußerst ungünstigem Zeitpunkt fiel dann das 3:0 und damit auch die Vorentscheidung.

Nach der Pause plätscherte das Spiel vor sich hin. Deutschland ließ nichts mehr anbrennen, stürmte aber auch nicht mehr in letzter Konsequenz aufs Tor. Portugal versuchte nur noch, einen noch höheren Spielstand zu verhindern. Eigene Torversuche gab es nicht, wohl auch, weil der Mannschaft ein richtiger Leitwolf fehlte, der sie dazu motivieren konnte, nochmal 110% zu geben. Der hochgelobte Cristiano Ronaldo blieb blass, wartete vorne nur auf Bälle, die ihn viel zu selten erreichten. Zudem wurde er von Khedira und Boateng gut ausgeschaltet. Umso bezeichnender war es, als er einen Freistoß in aussichtsreicher Position direkt in die Lahmsche 1-Mann-Mauer zirkelte.

Trotz der haushohen Überlegenheit der deutschen Mannschaft dauerte es bis zur 78. Minute, bis das 4:0 fiel. Wieder war es Thomas Müller, der das Tor machte und sich damit an die Spitze der Torschützenliste setzte.

Alles in allem ein überzeugender Auftritt der Deutschen, die wunderbar ins Turnier gekommen sind. Ich bin gespannt, ob sie dieses hohe Niveau halten können. Wenn ja, dann können sie sehr weit kommen.

 

*Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert vom extra3-WM-Bullshit-Bingo 😉