Gewohnheitstier

Ich halte mich ja an sich für relativ flexibel, kann mich gut an neue Gegebenheiten anpassen und komme auch mit den Überraschungen des Lebens ganz gut klar, solange ich meine kleinen Gewohnheitsinseln im Alltag habe. Es sind keine großen Sachen, aber allen ist gemein, dass ich sehr lange mit der Suche danach zugebracht habe.

So bin ich, neben jeder Menge anderer Dinge, auf einen sehr häufig genutzten Salbengrundstoff allergisch und musste vor Jahren sehr lange und intensiv suchen, bis ich eine Gesichtscreme und eine Bodylotion gefunden hatte, die ohne diese Zutat auskommen. Ganz zufällig war der Heilsbringer eine Marke aus dem Niedrigpreissegment, was meinen Geldbeutel ganz außerordentlich freute. Nun begab es sich aber, dass der Drogeriemarkt meines Vertrauens sein Sortiment umgestellt hat und diese Marke nicht mehr führt. Kein Problem, gibt ja noch andere Märkte und in einem wurde ich fündig. Warum ich mir die Mühe machte, die Zutatenliste „meiner“ Creme zu prüfen, weiß ich nicht mehr, aber ich musste mit Entsetzen feststellen, dass mittlerweile auch jener Stoff enthalten ist. Nach 20 Minuten intensiver Suche kannte ich nicht nur die Inhaltsstoffe sämtlicher Gesichtscremes am Markt, sondern fand auch genau ein Produkt, welches ohne auskommt. Als Ausgleich ist es drei mal so teuer wie meine bisherige Creme. Yay!
Falls es wen interessiert, der Teufelszeug nennt sich Cetylstearylalkohol oder kurz Cetearyl Alcohol. Ich les auch immer wieder mal Stearyl Alcohol oder Cetyl Alcohol auf den Zutatenlisten und da ich nicht weiß, ob das nur andere Bezeichnungen dafür sindoder doch was komplett anderes, lasse ich diese Produkte vorsichtshalber gleich mit weg. Wer mal Langeweile hat, kann mal schauen, wo das überall drin ist, Bodylotions, Handcremes, Haarkuren, und sogar Fenistil Gel kommen nicht ohne aus.

Vor Jahren hatte ich mir mal in den Kopf gesetzt, Weinexperte zu werden. Jetzt nicht so extrem, um Jahrgang und Hanglage alleine durchs Riechen und Gurgeln bestimmen zu können, aber wenigstens so, dass ich sagen kann, was mir schmeckt, was ich gut vertrage und von dem ich nach dem zweiten Glas keine Kopfschmerzen bekomme. Dazu nutzte ich meinen einjährigen Berlinaufenthalt und den um die Ecke befindlichen Rewe-Markt. Ich ging also ab und zu in den Markt und fing links am Weinregal an, griff mir wahllos eine Flasche Rotwein und arbeitete mich nach rechts durch. Als ich einen sehr leckeren Wein im nicht ganz untersten Preissegment gefunden hatte, hörte ich auf und habe seitdem eine Hausmarke. Er hat zudem den Vorteil, bei Feiern und zum Verschenken genutzt werden zu können, ohne sich finanziell zu verausgaben oder den Beschenkten oder Gäste zu vergiften. Wer auch mal probieren möchte: Mederano Tinto aus dem Hause Freixenet, kostet so um die 5 Euro. Den gibt es auch noch in einer lieblichen Version, welche äußerlich sehr schlecht von der trockenen Variante zu unterscheiden ist, außer dass die Banderole oben mittel- statt dunkelrot ist.

Da das mit dem Wein nun geregelt war, suchte ich mir ein neues Testfeld und entschied mich für Whisky. Ich fand es immer faszinierend, wenn mir Leute erzählten, was sie alles so rausschmecken können. Ich kannte bis dahin nur die üblichen amerikanischen Verdächtigen Johnny und Jim und die haben jetzt nicht so wahnsinnig viel zu bieten, außer einen schnell betrunken zu machen. Ich holte mir dann immer wieder mal im Supermarkt eine Flasche, aber so richtig vom Hocker gehauen hat mich da auch nichts. Meist hab ich außer dem Kratzen des Alkohols nicht viel geschmeckt.
Das änderte sich, als mein Mann mir vor 2 Jahren zum Geburtstag einen sehr leckeren Whisky schenkte. Und das allerbeste war, dass es von dem Hersteller noch andere Sorten gab, und jede einzelne war saulecker. Als ich im Frühjahr diesen Jahres meinem besten Freund anlässlich seiner fantastischen Betreuung des Großen während der Geburt der Kleinen eine Flasche eben jenes Whiskys schenken wollte, eröffnete mir der Verkäufer, dass die Destillerie an einen neuen Besitzer verkauft wurde und dieser hatte das Sortiment komplett umgestellt und ausgedünnt. Damit einher ging eine saftige Erhöhung der Preise. Ich werde mir zum Geburtstag wohl eine Flasche aus dem neuen Sortiment schenken lassen. Viel falsch machen kann ich nicht, der Braumeister ist gleich geblieben.
Trotzdem brauchte ich einen neuen Allerweltswhisky, der mich nicht in die Armut treibt, wenn ich Nachschub brauche, was so ungefähr drei- bis viermal pro Jahr der Fall ist. Die erste Empfehlung des Händlers meines Vertrauens war zwar preiswert, aber sehr holzig vom Geschmack, was mir jetzt nicht so gefiel. Dies sagte ich meinem Dealer heute und erst guckte er ein wenig ratlos, dann dachte er angestrengt nach, dann wühlte er intensiv in einer Ecke und zog letztendlich eine Flasche hervor, die bereits halbleer war. Ui, ich durfte das erste Mal direkt im Laden einen Whisky kosten. Und er hat echt ein glückliches Händchen, der ausgesuchte Tropfen mundete mir sehr. Ich bin jetzt noch auf die wasserverdünnte Verkostung heute Abend gespannt, aber so fürs Erste scheine ich eine neue Marke gefunden zu haben.
Wen es interessiert: die (in meinen Augen bzw. für meinen Geldbeutel) preisintensive Marke ist Bruichladdich, der geht so bei 55 Euro los. Die neue Hausmarke  ist Highland Park 12 Jahre, Kostenpunkt 42 Euro.

Und jetzt hoffe ich, dass sich alle meine „Hausmarken“ zurückhalten mit Änderungen, weil so viel Veränderung vertrage ich dann doch nicht 😉

Shopping Spree

Eigentlich wollte ich nur kurz in die Stadt. Aufmerksame Leser wissen jedoch, dass wenn ich Sätze mit eigentlich beginne, am Ende etwas völlig anderes herauskommt 🙂

Ich wollte nur kurz in die Stadt, zur Bank, Kontoauszüge und ein bisschen Geld holen, nach Bodies für meine Süße schauen und zum ADAC, mich wegen der Italienreise informieren.

Bis zur Bank funktionierte auch alles nach Plan. Doch dann bei den Bodies eskalierte die Situation ein wenig. Ich habe Kurz- und Langarmbodies gekauft, einen Strampler mit Drache drauf, eine Hose + Jacke, 2 ärmellose Strampler + T-Shirts (einer davon mit Giraffe) und eine Mütze. Für mich fiel noch ein Rock ab, der im Sommerschlussverkauf und nochmaligem 50%-Rabatt nur noch 7,50 Euro kostete. Da muss ich doch zuschlagen, oder? Im Geschäft nebenan steckte ich einen Pullover für den Großen ein und zwei Kleidchen für die Kleene.

Beim ADAC bekam ich wie gewünscht die Straßenkarten mit den netten Reisetipps, die Österreichvignetten und die Videomaut für die Brennerautobahn. Zack, 34 Euro ärmer und wir sind noch keinen Meter in Richtung Italien gefahren. Wo ich schon mal da war, konnte ich wenigstens gleich nach der Auslandskrankenversicherung fragen, die ich letztes Jahr abgeschlossen habe. Der gelbe Engel erklärte mir, dass diese automatisch verlängert wurde und genauso automatisch alle alten und neuen Familienmitglieder versichert sind.

Dann noch fix zum Hauptquartier von einem der örtlichen Fußballvereine, Karten für die erste Runde des DFB-Pokals holen. Die Verkäuferin erspähte meine Süße, die ich aber auch nicht sonderlich gut versteckt im Bondolino vor mir her trug, und verkündete, dass sie neuerdings Babybodies im Angebot hätten. Ich dachte kurz darüber nach und ließ mir ein Exemplar einpacken, morgen ist schließlich das erste Ligaspiel.

Um die Sache abzurunden, bin ich danach zum Whiskyhändler meines Vertrauens gegangen, ich brauchte Nachschub meiner Lieblingssorte. Zu meinem tiefsten Bedauern musste ich feststellen, dass diese nicht mehr hergestellt wird und der Laden auch keine Restbestände mehr führte. Ich wartete daher auf einen kundigen Berater, welcher mir eine neue Marke empfahl, die sogar ein wenig preiswerter als meine alte war. Eine erste Kostprobe hat jedoch ergeben, dass der von ihm so hochgelobte Eichenfassgeschmack für mich zu dominant ist, die Torfnote  nicht vorhanden und die angekündigten Vanillearomen leider nur bei der Geruchsprobe in Erscheinung treten. Werde also weiter nach einem adäquaten Ersatz suchen müssen.

Eigentlich wollte ich noch zu meinem Stammcafé und mir einen großen White Chocolate Mocca für den Heimweg mitnehmen, aber die Kleene war nach mittlerweile drei Stunden so unruhig, dass ich weitere Wartezeiten nicht riskieren wollte.

Tja, und das alles war ein bisschen zuviel für meine Süße. Sie lässt sich den ganzen Abend nicht ablegen, ist völlig übermüdet, findet aber nicht in den Schlaf und schreit stattdessen. Kurz nach Mitternacht ist das erste Mal endlich weggenickt, so dass ich sie auf ihre Decke aufs Sofa legen konnte. Doch leider, leider ist sie nach 10 Minuten vom Klappern meiner Tastatur wieder wach geworden. Vielleicht sollte ich mir eine neue, extra leise Tastatur zulegen …