Viel zu viel

zu tun für zu wenig Zeit!

Ich war mal wieder für ein (sehr) langes Wochenende bei meinen Eltern und hab da so einiges erlebt, über das ich bei Gelegenheit mal schreiben muss. Außerdem spannen mich die Artikel meines Reiseblogs ordentlich ein, da ich mir vorgenommen habe, diese in beschwingt-leichter Form zu verfassen, ich aber nicht immer in der passenden Stimmung bin. Dann arbeite ich an zwei längeren Texten, einer davon über Boris. Der ist, im Gegensatz zum zweiten Text, schon fertig in meinem Kopf und muss eben nur noch zu Papier auf den Bildschirm gebracht werden.

Organisatorisch hängt auch einiges in der Warteschleife. Der Urlaub war teurer als gedacht und ich muss dringend zur Bank. Dooferweise war der erste Versuch daran gescheitert, dass ich den kontoauszuggleichen Wisch, der nach Aussage des Bankangestellten mein Sparbuch repräsentiert, nicht bei mir hatte. Vor einem Jahr ging es zwar auch ohne, wenn auch mit dem eindringlichen Hinweis, dass es ohne das Sparbuch nicht geht, letztendlich fand aber die nette Schalterdame doch einen Weg. So muss ich jetzt also wieder mitten in die Stadt.
Wir müssen noch das Schreiben an unsere Wunschschule fertig machen, damit der Große im nächsten Jahr dort und nicht in der bronxnahen Einrichtung eingeschult werden kann. Mein Mann macht sich diesbezüglich schlau, stolpert dabei jedoch ständig über neue Hindernisse. Aktuell geht es darum, alle Argumente zusammenzutragen, da nachträglich angebrachte Gründe nicht berücksichtigt werden.
Der in Italien passierte Hagelschaden muss auch noch begutachtet werden. Ich kann dazu zwar jederzeit wochentags bei der Dekra vorbei schauen, muss aber vorher mit dem Auto in die Waschanlage. Hab ich ewig nicht mehr gemacht. Ich hoffe, ich weiß noch, wie das geht und vor Allem hoffe ich, dass das Auto dabei nicht auseinander fällt, denn insgeheim denke ich, dass es größtenteils nur noch durch den Dreck zusammen gehalten wird. Wie auch immer, es hat heute so dolle geregnet, dass sich eine Wagenwäsche überhaupt nicht gelohnt hätte und jetzt kann ich das frühestens freitags nachholen, da ich morgen zur Bank will, weil die am Freitag nur bis 12 Uhr geöffnet hat.

Die Katzen wollen bespaßt werden, so richtig verkraftet haben die unsere 3-wöchige Abwesenheit noch nicht. Und auch wir wollen unseren Spaß und deswegen habe ich meinem Mann die Erweiterung für Diablo 3 gekauft. Da es aber blöd ist, wenn er alleine das spielt und mir die ganze Zeit den Mund wässrig macht mit den tollen Neuerungen und Items und überhaupt und das ganze gerade im Angebot war, hab ich mir die Erweiterung auch gekauft und würde jetzt am liebsten die ganze Zeit zocken. Tja, wären da nicht die ganzen oben stehenden Punkte und mein süßes Mädchen.

Das nämlich lenkt mich durch ihr Süßsein und ihr rasantes Wachstum von allen anderem ab und so sitze ich lange neben ihr und schau ihr beim Turnen und Glücklichsein zu.

Härtetest

Ich war mal wieder für ein langes Wochenende mit den Kindern bei meinen Eltern zu Besuch. Was an sich wie eine gute Sache klingt, war in mehrfacher Weise ein echter Härtetest. Ich konnte viele Verhaltensweisen bei meiner Mutter beobachten, die mich tatsächlich dankbar sein lassen, dass wir relativ weit weg voneinander wohnen. Mehrmals gab es Situationen, die kurz vor der Eskalation standen und ich war heilfroh, als ich wieder nach Hause fahren konnte.

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Bereits der Start war holprig. Ich hatte am Dienstag ein Video meiner brabbelnden Süßen bei Facebook gepostet, was meine Mutter daran erinnerte, dass sie ihre Enkel schon ewig nicht mehr gesehen hat. Mittwochs rief sie unvermittelt an und fragte, ob wir am nächsten Tag bis Sonntag vorbei kommen wollten. Nun hat mich die Erfahrung gelehrt, dass die Frage an sich gar keine Frage ist, sondern mehr ein Befehl, dessen Nichtbefolgung mir noch ewig aufs Brot geschmiert werden wird. Ich hatte zwar für den Rest der Woche einige Pläne gemacht, doch konnte ich diese ohne große Probleme verschieben. Spontanität stört mich grundsätzlich nicht, was mir aber sauer aufstieß, war, als mir meine Mutter im Laufe des Wochenendes ihr Leid klagte, dass sie durch ihrer beiden sehr unterschiedlichen Schichtsysteme ihre freien Tage nur ganz selten miteinander verbringen könnten und es sie nervte, wenn sie die Wochenenden alleine zuhause rumsitzen würde, während Papa arbeitet. Und dieses Wochenende wäre seit Ewigkeiten mal wieder das erste, wo sie beide nicht arbeiten müssten. Statt also dieses Wochenende zu zweit zu genießen, laden sie uns ein und machen sich weiteren Stress. Und dass es meine Mutter stresst, war nicht zu übersehen.

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Denn sie kann nicht einfach nur einladen und wir sind dann da und freuen uns an der Anwesenheit des anderen. Nein, es müssen die Essen für die Tage vorgekocht und extra spezielle Wurst oder Süßigkeiten besorgt werden. Die Tage vertrödeln geht auch nicht, da muss jeden Tag ein Programm her, ganz egal, ob meine Mutter nach ihrer Schicht schon völlig alle ist. Im Gegenzug regte sie sich über Freunde auf, zu denen man mal nicht eben spontan zum Grillen gehen kann, weil die Freunde immer so viel vorbereiten. Dass die Freunde das für sie aus dem gleichen Grund machen wie sie für uns, nämlich dem anderen zeigen, dass er wertvoll genug ist, sich eine solche Mühe zu machen und dass die Mühe gerne in Kauf genommen wird, übersieht sie. Außerdem will sie eh nichts mehr mit so verlogenen Menschen zu tun haben. Sollen sie doch frei heraus sagen, wenn sie keine Zeit oder Lust haben, anstatt sich durch den Grillabend zu quälen. Als wenn meine Mutter immer ehrlich wäre.

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Meine Mutter lebt permanent nach Pippi Langstrumpfs Motto „Ich mache mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“. Wenn sie etwas macht, ist das in Ordnung, macht jemand anderes genau das gleiche, dann ist das zumindest kritisierbar. So waren wir unterwegs zu ihrem Lieblingsbiergarten, dieser war aber wegen einer naheliegenden Veranstaltung hoffnungslos überfüllt. Wir zogen also weiter zu einem anderen Biergarten, wo wir entgegen der ersten Annahme auch einen schönen Platz fanden. Allerdings bediente uns dort eine Kellnerin, die vor Jahren mal eine etwas unglückliche Bemerkung meiner Mutter gegenüber gemacht hatte. Sie war also schon bedient, bevor wir überhaupt bestellt hatten. Nun war die Lokalität gut gefüllt, weswegen es zwei Minuten dauerte, bis sich die Bedienung um uns kümmerte. Sie begrüßte uns gut gelaunt, meine Mutter deutete etwas in Richtung „hat ja lang genug gedauert“ an, worauf die Kellnerin, wie ich fand, gekonnt und höflich reagierte. Meiner Mutter allerdings schlief bei der Antwort wortwörtlich das Gesicht ein, ich schaute alarmiert meinen Papa an und wir wussten, dass die nächsten Sekunden entscheidend sind, ob wir dort blieben oder überstürzt und unter lautem Geschimpfe aufbrechen müssen. Wir durften bleiben.

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Etwas später fragte uns meine Mutter, wie wir denn den Spruch fanden und wir antworteten wahrheitsgemäß, dass wir ihn ok und gar nicht flapsig oder gar frech fanden. Ich war ehrlich überrascht, dass sie unsere Rückmeldungen einforderte, dies passiert höchst selten, allerdings war sie bitter enttäuscht, dass wir nicht ihre Meinung teilten. Ich versuchte, die Gunst der Stunde zu nutzen und ihr die Perspektive der Bedienung zu zeigen, aber das wollte sie nicht hören. Sie blaffte mich an, ich solle es gut sein lassen. Erst, als ich ihr ein Kompliment machen konnte, wie viel besser sie doch als andere Verkäufer oder Kellner ist, entspannte sich die Situation.

Dieses Verhalten ist mir an diesem Wochenende das erste Mal so richtig bewusst geworden. Meine Mutter kann sich nur gut fühlen, wenn sie sich über andere stellen kann. Sei es, dass sie schlanker ist (und sie ist selber weit entfernt von gertenschlank), oder ihre Klamotten besser sind, oder man bei ihr nicht die Unterwäsche unterm Kleid durchschimmern sieht oder was auch immer. Es muss bei anderen Personen immer etwas schlechtes gefunden werden, einen Menschen einfach so, wie er ist zu akzeptieren, vielleicht sogar sein Anderssein kommentarlos hinzunehmen, geht gar nicht.

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Ich freute mich, als ich ihr von unseren Urlaubsplänen erzählen durfte. Gerne zeigte ich ihr am Computer, wo wir hin wollten, wie unsere bereits gebuchten Unterkünfte aussehen und welche Tagestouren wir vorhaben. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber bestimmt nicht, dass wir nicht so viel herum fahren sollten, dass wir uns doch viel lieber entspannen und „zur Ruhe kommen“ sollten. Ich hab bisher immer noch nicht verstanden, was sie damit meint, denn wir haben nicht das Gefühl, zur Ruhe kommen zu müssen. Wir wollen uns die Gegend anschauen, ein bisschen was erleben und möglichst jeden Abend die eine oder andere Runde am Strand drehen. Wir haben das in der Form bereits in England gemacht und es hat uns allen, auch unserem Kind, sehr gut gefallen. Außerdem waren wir alle ganz wunderbar erholt hinterher. Warum also sollten wir das jetzt anders handhaben?

Wie auch immer, das ganze Wochenende redete sie auf mich ein, dass wir den Urlaub doch anders machen sollten. Nicht so lange, nicht so weite Fahrten, nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Nicht einmal kam „oh, das wird meinem Enkel bestimmt gefallen“, wenn ich von expliziten Kinderaktivitäten erzählte, kein „schreibt uns von dort doch bitte eine Karte oder bringt uns etwas mit“, kein „Rom hat ja so viel zu bieten“, nur ständige Einwände.

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Als ich erzählte, dass meine Cousine mit ihrer Familie dieses Jahr eine zweiwöchige Kreuzfahrt macht, kam als Reaktion „na, die können es sich ja auch leisten, die geben ja auch nichts an ihre Mutter (meine Tante) ab, während diese kaum weiß, wie sie die Miete zahlen soll“. Meine Mutter kennt die Geschichte meiner Cousine genauso gut, vermutlich sogar wesentlich besser als ich, und sollte wissen, dass meine Cousine meiner Tante genau nichts schuldet, aber meine Cousine kann einfach nichts recht machen. Vor einigen Monaten regte sich meine Mutter über meinen Opa auf, über seine Marotten und Ansprüche und dass er sich auch nicht wundern braucht, dass ihn niemand mehr besucht. Jetzt am Wochenende allerdings hieß es, dass sie es unmöglich findet, dass meine Cousine ihren Opa nie besucht oder sich bei ihm meldet. Wie es eben gerade passt.

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Es gab am Wochenende einen Moment, da saß ich alleine mit meiner Mutter relativ entspannt zusammen. Das wäre an sich der perfekte Moment gewesen, vertraulich über Probleme, Wehwehchen, Sorgen und Nöte zu reden, aber ich konnte es mir beim besten Willen nicht vorstellen, ihr mein Herz auszuschütten. Denn anstatt Mitgefühl, Anteilnahme oder auch nur interessiertem Zuhören wären nur Vorwürfe gekommen oder sie hätte gejammert, dass sie sich ja jetzt noch viel mehr Sorgen machen müsse, aber helfen könne sie uns ja doch nicht, weil kein Geld/keine Zeit/keine Ideen/keine Nerven/… Dass die beste Hilfe darin bestehen würde, einfach nur mal über diese Sachen reden zu können, einen Zuhörer zu haben, der einen am Ende in den Arm nimmt und sagt, dass alles gut wird, das wird sie nie verstehen.

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Ein wenig Verständnis für die Leiden eines kleinen Babies könnte auch nicht schaden. Meine Süße zahnt gerade wie wild. Sie sabbert, stopft sich beide Fäuste in den Mund, lutscht voll Inbrunst an eigenen oder fremden Fingern und ist generell eher unleidlich. Sie jammert viel und weint gerne und laut. Dass sich das mit Arbeitsstress und Erschöpfung nicht gut verträgt, ist mir auch klar, nur hat ein Baby leider keinen Ausschalter, den ich nach Belieben umlegen kann. Ich habe mich sehr bemüht, die Kleene zu beruhigen und es ist mir ganz gut gelungen. Was ich allerdings nicht beeinflussen konnte, war ihr Fremdeln. Alles normal, nur das Verständnis der Oma hielt sich in engen Grenzen. Klar versteh ich, dass sie sich auf ihre Enkel gefreut hat und jetzt enttäuscht ist, doch auch ihr sollte mittlerweile klar sein, dass Kinder unberechenbar sind.

Naja, das Wochenende ist vorbei, aber es wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen.

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P.S. Die Fotos sind mit unserer neuen Kamera entstanden und haben nicht wirklich etwas mit dem Text zu tun 🙂

Lazy Saturday Night

Älter werden hat auch seine Vorteile.

Einer davon ist, dass man nicht mehr gezwungen ist – durch sozialen Druck oder gesellschaftlicher Erwartungshaltung – unbedingt am Wochenende etwas zu unternehmen. Man kann auch schlicht einfach mal zu Hause bleiben. Und zum Glück hat in allen deutschen Fußballligen der Spielbetrieb wieder angefangen, so dass es auch immer einen guten Grund gibt, nachmittags vor der heimischen Glotze zu hängen.

Ab 14 Uhr ist der Sportinteressierte in der medialen Dauerbeschallung gefangen. Livestream des Spiel der Lieblingsmannschaft, zwischendurch Zappen zur Leichtathletik-WM in Moskau, ab 16:30 Uhr die Spielberichte auf dem MDR, ab 18 Uhr die Sportschau. Dann gibt es eine kurze Pause, die hervorragend fürs Abendessen und das ins Bett bringen des Kleenen genutzt werden kann, bevor dann per Liveticker die Auslosung der nächsten Runde des DFB-Pokals verfolgt wird.

Zum Abschluss des Tages gibt es noch das aktuelle Sportstudio, heute mit der Jubiläumsausgabe zum 50.

Morgen geht’s auch mal ein bissl raus und das nächste Wochenende ist randvoll mit Aktivitäten gepackt, da muss auch mal so ein Nichtstuntag drin sein 🙂