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Dresden steht in letzter Zeit wegen Pegida im Fokus der Öffentlichkeit. Gierig stürzen sich die Medien auf sämtliche Nachrichten zu dem Thema, endlich wieder ausländerfeindliche Nachrichten aus dem Osten, nach dem es dort schon seit einiger Zeit ruhig geworden war, könnte man meinen. Warum dabei so viele Menschen an den „Spaziergängen“ mitmachen, ist mir ein Rätsel, da ich Dresden als weltoffene und vielfältige Stadt kenne. Ich vermute, dass die Veranstaltung als das Original viele Anhänger von außerhalb anzieht und ich weigere mich, dies als repräsentativ für die Dresdner Bevölkerung anzusehen.

Was mich aber derzeit richtig wurmt ist die Berichterstattung über ein geplantes Asylbewerberheim in Dresden, welches durch Anwohnerproteste nun doch nicht eröffnet wird. Als indirekter Anwohner, meine Eltern wohnen 300 Meter vom Ort des Geschehens entfernt und ich bin öfter für mehrere Tage dort zu Besuch, finde ich das, was die Medien, allen voran ARD und ZDF, da veranstalten unter aller Sau.

Es wird in jedem zweiten Satz ein Bezug zu Pegida oder zum Rassismus hergestellt. Schaut man sich allerdings die Hintergründe ein wenig genauer an, und dafür muss man gar nicht großartig recherchieren, entsteht ein ganz anderes Bild.

Im Dezember 2014 beschließt die Stadt Dresden, dass sie ganz dringend Flüchtlingsheime braucht und findet ein Dutzend Örtlichkeiten. Diese werden ohne Einbeziehung der Bevölkerung einfach so festgelegt, Hauptsache, man bekommt die gewünschte Quote an Flüchtlingen untergebracht.

Eine dieser Örtlichkeiten ist das 4-Sterne-Hotel „Prinz Eugen“ im Stadtteil Laubegast. Dieses Hotel ist derzeit immer noch als solches in Betrieb und es gab nie Hinweise, dass es in wirtschaftlicher Schieflage oder zu gering ausgelastet war. Die Anwohner von Laubegast fühlen sich ob der Entscheidung ein wenig vor den Kopf gestoßen und möchten gerne informiert werden, wie denn die Unterbringung der Flüchtlinge genau erfolgen soll und welche Betreuungskonzepte es gibt.

Dazu wurde eine Ortschaftsratsversammlung (o.ä.) anberaumt, diese aber kurzfristig und ohne Angabe von Gründen wieder abgesagt. Der Dresdner Stadtrat beschließt kurz danach ganz offiziell, dass der „Prinz Eugen“ Flüchtlingsunterkunft wird. Wenige Wochen danach zieht der Betreiber des Hotels angeblich auf Drängen der Anwohner seine Zusage wieder zurück, dass Hotel bleibt weiterhin Hotel.

Soweit das bisherige Geschehen.

Was aber die Anwohner umtreibt, sind die Dinge, die nicht angesprochen worden.

  • In dem Heim sollten ausschließlich Männer untergebracht werden, über 90 Personen
  • es wird einmal die Woche ein Sozialarbeiter für einen halben Tag zur Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt
  • ein weitergehendes Betreuungskonzept gibt es nicht

Da kommen also Männer aus Kriegsgebieten, die wahrscheinlich schreckliches erlebt haben und traumatisiert sind, in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist. Die Männer gehören verschiedenen Religionen und Bevölkerungsgruppen an, möglicherweise sind diese untereinander verfeindet. Sie sind von ihren Familien getrennt, was sicher nicht zu einer Entschärfung der Lage beiträgt. Diese Menschen werden die meiste Zeit sich selbst überlassen in einer Gegend, in der sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und in der es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten gibt.

Die Anwohner machen sich Sorgen, welche Probleme daraus erwachsen können. Vielen sind die Vorfälle vor wenigen Wochen in Chemnitz noch gut im Gedächtnis, wo 5 männliche Flüchtlinge miteinander in Streit gerieten, dieser eskalierte und am Ende 2 Menschen tot waren. Reicht es, wenn es im Hotel rund um die Uhr einen Wachdienst gibt? Verhindert das solche Situationen?

Meine Eltern berichteten von einer Bekannten, die in einem dörflichen Supermarkt beobachtete, wie ein Flüchtling versuchte, ein paar Sachen einzukaufen. Er suchte sich seine Waren zusammen, ging zur Kasse und hielt der Kassiererin einen 20-Euro-Schein, den er als Taschengeld erhalten hatte, hin. Er verstand aber nicht, dass er noch Wechselgeld zurück bekam und die Kassiererin, gestresst und auf die lange Schlange an der Kasse schauend, reagierte ungehalten und verständnislos. Beide diskutierten einige Zeit lang ergebnislos, bis sich die Bekannte, die hinter dem Mann in der Schlange stand, einmischte, das Wechselgeld nahm, ihre Einkäufe bezahlte und dann dem Mann in Ruhe und mit viel Geduld, aber ohne gemeinsame Sprache, versuchte zu erklären, wie das mit dem Geld funktioniert. Übernimmt der Sozialarbeiter die Einweisung in solch praktische Dinge?

Das sind ganz praktische Probleme, an die vermutlich die wenigsten, schon gar nicht die Entscheider, denken. Laubegast wurde zwar vor gut einem Jahrhundert eingemeindet, hat sich aber über all die Jahre seine dörfliche Struktur bewahrt. Weder beim Fleischer noch beim Bäcker wird es Verkäufer geben, die Englisch können und ob die Kassierer in den örtlichen Discountern das können, ist auch eher fraglich. Und wer sagt denn, dass die Flüchtlinge mehr als ihre Muttersprache sprechen. Stehen überhaupt genügend und die richtigen Dolmetscher zur Verfügung?

Ich denke, dass sind ganz normale und berechtigte Sorgen, die nichts mit Rassismus zu tun haben. Natürlich gibt es unter den Anwohnern auch welche, die Fremde ganz grundsätzlich ablehnen, aber es werden dort nicht mehr wie anderswo sein. Genauso bin ich der Überzeugung, dass wenn man die Anwohner frühzeitig mit einbezieht, sich ihrer Ängste, Sorgen und Bedenken annimmt und ganz viel erklärt, Stichwort Transparenz, dass man dann auch gemeinsam Konzepte finden kann, wie die Flüchtlinge untergebracht und betreut werden können. Es wird sicherlich Freiwillige geben, die sich um die Menschen kümmern möchten und tatkräftig zur Seite stehen können.
Die Anwohner aber einfach vor vollendete Tatsachen stellen, stößt alle möglichen Helfer vor den Kopf und vergiftet das Klima. Leider passiert dies viel zu oft und nicht umsonst wird dieser Punkt gerne von Pegida aufgegriffen, er kommt nicht von ungefähr.

So beruhigend es für die Flüchtlinge sein mag, eine ordentliche Unterkunft in einem kriegsfreien Land zu haben, so reicht das alleine eben nicht aus für ein menschenwürdiges Leben. Ich bin der Überzeugung, dass die allermeisten Flüchtlinge bereit sind, sich hier ein neues Leben aufzubauen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen. Nur so ganz ohne Hilfe wird dies sehr schwer. Allein die Traumabewältigung dürfte für viele ein unüberwindbares Hindernis sein und die Hilfsangebote stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.

Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Berichterstattung, weil da ein Stadtteil völlig zu Unrecht in Verruf gebracht wird. Viel besser wäre es, wenn die Vorgänge der Dresdner Stadtverwaltung näher beleuchtet und die fehlende Transparenz der Entscheidungen sowie die mangelnden Betreuungskonzepte angeprangert werden.

Aber die rechte Ecke ist so viel quotenträchtiger!

Aufreger des Tages

Der Tag ist noch keine 10 Stunden alt und ich könnt mich schon wieder aufregen.

  • Darüber, dass ich früh um 6 von echt üblem Sodbrennen geweckt wurde.
  • Darüber, dass ich 3 Stunden später von SEHR lauter Musik unserer Nachbarn geweckt wurde.
  • Darüber, dass die ZDF-Olympia-Fahrplan-Informationen einen Tag vorher nicht auf den üblichen Internetseiten verfügbar waren. Durch den Murks hab ich die Abfahrt der Herren verpasst.
  • Darüber, dass das ZDF wieder sehr fähige Reporter hat, die auch mal folgenden Spruch knacken lassen: „Bronze ist das Gold der Minderbemittelten.“
  • Darüber, dass eine meiner Märzmamis für ihr vor 4 Wochen geborenes Frühchen bereits einen Brief vom Finanzamt mit der Steuernummer für den neuen Erdenbürgern erhalten hat und dem dazugehörigen Papa nichts besseres einfiel als „Scheiß BRD“. (Soller halt auswandern.)
  • Über den Terror, den die beiden Katzen heute veranstalten. Können keine 2 Minuten zusammen in einem Raum sein, ohne sich zu bekriegen.

Vermutlich wird die Liste im Laufe des Tages noch weiter ergänzt.

Oder ich krabbel wieder ins Bett und frag mal vorsichtig nach einem neuen Tag.

Nachtrag:

  • Die Kommentatoren des ZDF geben mir echt den Rest. Ständig sabbeln die ihren Rotz dazwischen, anstatt auch einfach mal die Klappe zu halten und die Situation wirken zu lassen, wie aktuell gerade bei der Siegerehrung.
  • Die Programmplanung des ZDF ist immer noch grenzwertig, ich schau jetzt hauptsächlich den Livestream der ARD.