Rosa ist scheiße

Ich habe mich ja auch hin und wieder schon aufgeregt, dass meine Tochter für einen Jungen gehalten wird, weil sie keine rosanen Klamotten trägt. Nicht, weil ich rosa nicht mag, aber weil mir dieses Rollenklischee gehörig auf die Nüsse geht und es teilweise sehr schwierig ist, überhaupt ansprechende Kinderkleidung zu finden, die eben nicht stereotypisch blau mit Autos oder rosa mit Herzen ist.

Neulich beim Schlüpferkauf – und ja, diese Teile heißen Schlüpfer oder Unterhosen, aber auf gar keinen Fall Schlübbis – ist mir das auf absurdeste Weise wieder aufgefallen. Es standen zur Auswahl: Grundton weiß, rosa oder pastelllila; Motive: Elsa aus Frozen oder Disney-Prinzessinnen oder Minnie Maus, in der Nicht-Markenabteilung kotzesüße Katzenbabies. Es fehlten: normale einfarbige Schlüpfer in bunt. Bei den Jungs geht das komischerweise. Der Große hat Unterhosen in knallbunt in orange, rot, grün, blau, grau, schwarz, mit Smileys oder Streifen, eher selten mit Autos oder Raketen.

Nun bin ich nicht die Einzige, die das nervt und jetzt hat es eine Journalistin professionell auf den Punkt gebracht:
Rosa ist scheiße

Noch ein wenig amateurhaft ärgert sie sich im Beitrag, dass sie sich entweder ständig erklären muss oder für merkwürdig gehalten wird. Da ich auch ohne Kinder für merkwürdig gehalten werde, prallten solche Resentiments schon immer an mir ab. Mit dem restlichen Artikel spricht sie mir allerdings voll aus der Seele. Vor allem, was den unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungs angeht.

Unser Mädchen hat die Bagger- und Traktorensammlung ihres großen Bruders geerbt. Sie hat mehr Schrammen an Knien und Schienbeinen als ihr Bruder, nicht weil sie ungeschickter ist, sondern wagemutiger und damit auch öfter mal auf die Nase fällt. Der Große wollte früher lange Haare haben, damit er Haargummis und – spangen verwenden kann, hat er bekommen. Nagellack wollten beide, haben auch beide bekommen. Ich ermahne meine Tochter nicht, dass sie sich nicht schmutzig machen soll, sondern ziehe ihr stattdessen robuste, erdfarbene Klamotten an. Ihr Lieblingsshirt ist grün und hat ein Kermitbild drauf. Das Lieblingsshirt des Großen ist gelb und trägt den Schriftzug „Auf Forschungsreise, bitte nicht stören“.

Es sind Kinder, sie wollen die Welt entdecken, auf ihre Weise, ungestüm oder beobachtend, immer neugierig, neuen Sachen grundsätzlich aufgeschlossen, solange immer genügend Gummibärchen vorrätig sind. Warum sollte dieser Forschungsdrang in eine Geschlechterrolle gepresst werden, wo Mädchen nur mit Puppen und Jungs nur mit Autos spielen dürfen? In dieser ganzen Diskussion muss ich dauernd an zwei Memes denken, die in schöner Regelmäßigkeit in meiner Facebooktimeline auftauchen:

  • „Das ist aber ein süßer Junge.“
    „Das ist ein Mädchen.“
    „Aber es trägt blau.“
    „Ja, wir erziehen unser Kind zweifarbig.“
  • „Vorsicht, dein Junge spielt mit einer Puppe, er könnte schwul werden.“
    „Ja und? Er könnte auch einfach ein guter Papa werden.“

Leider wird, und das wird im Artikel auch angesprochen, sehr viel Einfluß von der Umgebung ausgeübt. Im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, wo auch immer, überall werden die Kinder mit den althergebrachten Stereotypen konfrontiert und müssen sich dann rechtfertigen. So kam mein Großer letztens sehr geknickt aus der Schule. Nach einigem Herumdrucksen rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass ihn die anderen Kinder in der Schule ausgelacht hatten, weil er Glitzersachen mag. Seitdem will er partout nichts glitzriges oder glänzendes mehr haben und seine Bilder verziert er nicht mehr wie sonst mit Glitter, nur noch mit Buntstiften und da ja keine Pastelltöne. Und seine Winnie-Pooh-Brotdose findet er doof, weil ein Junge ihn deswegen gehänselt hat.

Mich macht das sehr sehr traurig.

Wie schaffen die anderen das?!

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe und völlig gleich, auf welche persönlichen Belange ich verzichte, am Ende des Tages sind immer noch zu viele unerledigte Aufgaben übrig.

Ein typischer Wochentag sieht derzeit bei mir so aus:

  • 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Dies ist der frühestmögliche Zeitpunkt an dem ich so etwas ähnliches wie ausgeschlafen bin und meiner Umgebung nicht mehr zwangsläufig schade. Experimente mit früheren Aufstehzeiten sind grandios gescheitert, entweder weil ich verschlafen hatte oder den ganzen Tag dauergrummelnd und -motzend herumgelaufen bin.
  • 7:10 Uhr wird das große Kind geweckt. Es ist zum Glück mittlerweile in der Lage, selbstständig aufs Klo zu gehen und sich danach die Klamotten anzuziehen, die ich ihm kurz zuvor rausgelegt habe. Experimente, die Auswahl der Anziehsachen dem Kind zu überlassen, scheitern regelmäßig, da bei -10 Grad die kurzen Hosen und bei +35 Grad der Rollkragenpullover gewählt werden. (Kein Scherz, beides exakt so geschehen.)
  • 7:25 Uhr bin ich hoffentlich mit meiner Morgentoilette fertig und kann mich der Draußenwelt präsentieren. Das Kind übernimmt jetzt das Bad, putzt sich die Zähne und befummelt seine Frisur.
  • 7:30 Uhr schmiere ich die Frühstücksbrote für die Schule, fülle die Wasserflasche auf, überprüfe nochmals den Ranzeninhalt.
  • 7:35 Uhr laufen wir los zur Schule.
  • 7:40 Uhr sind wir wieder daheim, weil die Sporttasche vergessen wurde. Manchmal überspringen wir diesen Punkt, weil uns auf dem Schulweg nicht auffällt, dass der Turnbeutel noch daheim liegt.
  • 7:45 Uhr liefer ich das Kind an der Schule/Straßenecke/auf halbem Weg ab und hetzte zurück zur Bushaltestelle.
  • 8:00 Uhr piepse ich mich auf Arbeit ein. Wenn ich den 48er Bus verpasst habe, kann es auch mal 8:10 Uhr sein, wenn der Bus noch Verspätung hat, 8:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich schon, ob ich an diesem Tag Minusstunden (oder -minuten) machen werde.
  • 16:35 Uhr piepse ich mich wieder auf Arbeit aus.
  • 16:38 Uhr kommt der Bus. Sagt der Fahrplan. Die Realität packt 3-10 Minuten drauf.
  • 16:57 Uhr hole ich das Kind aus dem Hort ab. Der Große ist typischerweise das letzte Kind, die Hortnerin hat schon die Handtasche über der Schulter, der Hausmeister wischt gerade den letzten Treppenabsatz.
  • 17:10 Uhr gehen wir im Supermarkt um die Ecke kurz einkaufen, weil wir sonst zum Abendbrot nur trocken Brot haben. Oder trocken Wurst, je nachdem, was gerade ausgegangen ist.
  • 17:45 Uhr kommen wir in der Wohnung an. Der Große bettelt, dass er ganz dringend noch eine Runde im Hof spielen will, also lass ich ihn, bis der Papa mit der Kleenen nach Hause kommt.
    In der Zwischenzeit mache ich mir etwas zu trinken und werfe eine Maschine Buntwäsche an.
  • 18:15 Uhr kommt der Rest der Familie nach Hause. Große Freude ob des Wiedersehens.
  • 18:30 Uhr bereiten wir das Abendbrot vor, decken den Tisch, räumen all die leckeren Sachen aus dem Kühlschrank auf den Esstisch. Die Kinder helfen fleißig mit. Die Süße kippt die offene Wurstpackung aus, der Große muss ganz dringend aufs Klo.
  • 18:45 Uhr gibt es Abendbrot. Die Kleene kann sich nicht entscheiden, was sie haben möchte und heult stattdessen lieber rum. Der Große mault, dass ausgerechnet das nicht da ist, worauf er gerade Appetit hat. Bloß gut, dass wir eine Stunde zuvor im Supermarkt waren, wo wir eben dies hätten mitbringen können. Als ich ihn auf diesen Umstand hinweise, heult auch er.
  • 19:15 Uhr ist die Kleene mit dem Abendbrot fertig und schmiert ihre fettverkrusteten Hände am Sofa ab, während ich ins Bad renne, um einen Waschlappen für eben jene Hände zu holen. Der Große hockt vor zwei belegten Scheiben Brot, offensichtlich pappsatt, aber weil er dies nicht zugeben möchte, knabbert er immer wieder an einer der Brotscheiben herum.
  • 19:30 Uhr räumen wir den Abendbrottisch wieder ab. Der Große starrt immer noch seine Brotscheiben an, die Kleene ärgert die Katze, die daraufhin die Krallen ausfährt und sie kratzt. Die Kleene heult.
  • Um 19:45 Uhr breche ich das Abendbrot ab, von den zwei angeknabberten Brotscheiben sind noch 4/5. übrig. Der Große wird zum Zähneputzen und Schlafanzug anziehen weggeschickt. Ich schnappe mir die Kleene und bereite sie aufs Bett vor.
  • 20:00 Uhr sind beide Kinder bettfertig. Es werden ausgiebige Gutenachtwünsche und Küsse verteilt. Dann bringe ich die Süße ins Bett, während mein Mann den Großen in sein Zimmer bringt und ihm noch eine Gutenachtgeschichte vorliest.
  • 20:15 Uhr beginnt quasi unser Feierabend. Ich checke meine Emails, rege mich über irgendwelchen Unsinn tierisch auf. Überfliege kurz Facebook, rege mich über den Unsinn auf, der da gepostet wird. Nebenbei läuft irgendeine Serie. Es ist völlig egal welche, wir kriegen eh nichts vom Plot mit.
  • 21 Uhr checke ich den Ranzen des Großen, überprüfe das Hausaufgabenheft und die Postmappe, finde einen Elternbrief samt Belehrung, die wir unterschrieben vorgestern hätten abgeben müssen und eine Mathehausaufgabe, die bis morgen erledigt werden müsste. Ich wappne mich für den Eintrag der Lehrerin, dass ich das Schreiben – mal wieder – verspätet abgegeben habe und hoffe inständig, dass der Große am Nachmittag im Hort die Hausaufgaben gemacht hat.
  • 21:30 Uhr fällt mir die Wäsche in der Waschmaschine ein. Mir fällt auch ein, dass beide Wäscheständer mit trockener Wäsche voll belegt sind, ich diese aber nicht wegräumen kann, weil ich dann eines oder beide Kinder wecken würde. So verschiebe ich Wäsche abnehmen und aufhängen auf den nächsten Tag.
  • 22 Uhr lese ich die neuen Blogbeiträge bei WordPress oder den interessanten Zeitungsartikel, der mir per Chat geschickt wurde oder klicke mich durch ein Quiz, dass mir wieder mal sagt, ich wäre ein Hufflepuff, obwohl ich im Innersten genau weiß, dass ich ein Gryffindor bin.
  • Um 23 Uhr stelle ich entsetzt fest, dass es bereits 23 Uhr ist und ich doch vor einer halben Stunde ins Bett wollte. Also lese ich fix den Artikel zu Ende, verkneife mir einen weiteren Kommentar in einer spannenden Diskussion und mache mit bettfertig.
  • 23:30 Uhr liege ich erschöpft im Bett und denke daran, dass ich noch Gymnastikübungen für den Rücken machen wollte, damit die Ischiasreizung nicht wieder kommt. Weil ich aber zu müde bin, reicht es nur, um mein Harry Potter Hörbuch anzuwerfen. Da ich mich nur noch an das Kapitel, aber nicht mehr die genaue Stelle erinnern kann, an der ich am Vorabend eingeschlafen bin, höre ich mir zum 5. Mal den selben Satz an.
  • 23:33 Uhr bin ich eingeschlafen.

Leider sind diese Tagesabläufe eher theoretisch. Die letzten Wochen war ich Montags immer mit dem Großen in der Stadt, dringende Einkäufe für die Schule erledigen oder Termine wahrnehmen. Dienstags und Donnerstag holt mein Mann den Großen vom Hort ab, da darf ich länger arbeiten. Je nach Einpiepszeit am Morgen schaffe ich 45-55 Minuten extra. Wenn ich länger als eine Stunde mehr arbeite, wird mir ab der 60. Minute 15 Minuten zusätzlicher Pause abgezogen, so dass ich mindestens 9 Stunden und 16 Minuten arbeiten muss, um überhaupt einen Nutzen zu haben. Wie an anderer Stelle erwähnt, bekomme ich Mehrarbeit erst ab Minute 31 gutgeschrieben, so dass ich, wenn ich nach 8 Stunden und 25 Minuten Nettoarbeitszeit auspiepse 25 Minuten der Firma schenke. Völlig beklopptes System, aber wohl rechtlich in Ordnung.

Mittwochs und Freitags hat der Große Fußballtraining, welches um 16:30 Uhr beginnt. Um mein Kind pünktlich zum Trainingsstart in Fußballmontur auf dem Feld stehen zu haben, muss ich spätestens um 15:35 Uhr von Arbeit los. Wenn dann alles passt, kann ich das Kind um 15:55 Uhr aus dem Hort mitnehmen. Sollte er draußen rumtoben und ich ihn erst suchen müssen, kann es sein, dass wir erst 16:10 Uhr vom Hort wegkommen. Dann nach Hause, umziehen, ins Auto, ab zum Sportplatz. Bei optimalem Verlauf sind wir 16:25 Uhr auf dem Trainingsgelände, bei suboptimalem erst 16:45 Uhr, weswegen ich versuche, einen Bus eher zu erwischen, was aber eben auch 20 Minuten weniger Arbeitszeit bedeutet. Da ich es mit viel Glück auf 1 3/4 Stunden Mehrarbeit pro Woche bringe, aber durch die Trainingszeiten jeweils mindestens eine Stunde einbüße, mache ich im Schnitt eine halbe Stunde pro Woche minus.

Zum Glück hat sich die Frau des Trainers bereit erklärt, den Großen Mittwochs aus dem Hort abzuholen und zusammen mit ihrem Sohn zum Training zu bringen. Wir hatten es erst mit den Eltern eines Klassenkameraden, der in der gleichen Mannschaft trainiert, probiert, aber dort gab es Missverständnisse, weil jene Eltern von einer einmaligen Sache ausgingen, während ich der Meinung bin, klar kommuniziert zu haben, dass dies jeden Mittwoch so wäre. Da ich niemandem zur Last fallen möchte und mich zudem noch der Hort wegen des Aufstands der Mutter in der zweiten Woche angerufen hat, fiel diese Option flach. Glücklicherweise sprang die Trainerfrau ein, da sie wohl eh immer Mittwochs in der Gegend wäre und da könnte sie den Großen problemlos mitnehmen. Das rettet mir ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit und wenn es gut läuft, stehen am Ende der Woche +20 Minuten auf meinem Arbeitszeitkonto.

Wenn es gut läuft. Und nichts dazwischen kommt. So wie diese Woche, wo wir die Sporttasche mit den Trainingssachen, der direkt neben dem Schulranzen stand, am Morgen vergessen hatten, mitzunehmen. Weil ich nicht wollte, dass mein Kind ohne Schienbeinschoner spielt – der Rest ist mir absolut rille – bin ich eine halbe Stunde eher als geplant los, nach Hause geeilt, die Sporttasche eingesackt und zum Sportplatz gerast. Nur eine Viertelstunde nach Trainingsbeginn war ich da und echt stolz, es so schnell geschafft zu haben, um dann festzustellen, dass das Kindlein neben einem kompletten Trikotsatz richtige Fußballschuhe und Schienbeinschoner geborgt bekommen hat. Die Mama erzählte mir dann, dass sie mittlerweile 4 komplette Trikotsätze hätten und das überhaupt kein Problem wäre.

Ich stellte mir die Frage, wie sie das machen. Unser Kind hat gerade mal den Trikotsatz vom Verein, aber nicht ein einziges irgendeiner Profimannschaft. Wir können uns die 70 oder mehr Euro für ein Shirt schlicht nicht leisten. Und das, obwohl ich 40 Stunden und mein Mann zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten geht und wir beide mehrere Euros überm Mindeststundenlohn liegen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht, wie ich hier im Blog oft genug erwähnt habe. Dann höre ich, dass die Trainerfamilie (Mutter, Vater, Kind) ein Haus gebaut hat, ein Sky-Abo besitzt, ein Auto aus deutscher Produktion fährt und zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt. Ich gönne ihnen das, ich bin auch nicht neidisch, nur stelle ich mir eben die Frage, wie sie das schaffen. Und warum wir das nicht hinkriegen.

Aufgrund der sehr knappen Zeit in der Woche müssen wir einen Großteil der Dinge am Wochenende erledigen. Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung putzen. Wenn ich dann erzähle, dass ich den Großen am Wochenende eben nicht auch noch zum Ligaspiel fahren kann, weil da ein halber Tag drauf geht, werd ich seltsam angeschaut. Immerhin wurde mir von einer anderen Mama angeboten, den Großen abzuholen und zum Ligaspiel zu fahren. Damit kann ich leben, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, dass wir das nicht selber hinbekommen. So habe ich aus lauter Verzweiflung zugesagt, am kommenden Wochenende das Kind wieder selber zum Spiel zu begleiten. Bedeutet um 7 Uhr aufstehen am Sonntag, um 8 Uhr auf dem Sportplatz sein, um 9 Uhr startet das Spiel, um 10:30 Uhr ist Spielende, um 11 Uhr kommen wir vom Sportplatz weg, um 11:30 Uhr sind wir pünktlich zur Sendung mit der Maus daheim. Dann ist Mittagsschlaf, wo Lärm machen tabu ist. So komm ich erst gegen 16 Uhr dazu, zusammen mit meinem Mann die Wohnung zu putzen. Um 20 Uhr werde ich das Badezimmer feudeln und mir um 20:30 Uhr mein erkaltetes Abendessen aufwärmen und versuchen, die erste halbe Stunde des Sonntagsfilms aus dem Restprogramm zu eruieren.

Sollte an einem solchen Wochenende noch ein Heimspiel des lokalen Bundesligavereins stattfinden, wird jegliche Planung über den Haufen geworfen. Da gehen inklusive An- und Abreise locker 6 Stunden drauf und erfahrungsgemäß können wir an solchen Tagen sämtliche andere Vorhaben vergessen. Da bin ich doch echt dankbar, dass Heimspiele nur aller zwei Wochen vorkommen und dieser Rhythmus durch Länderspiele zusätzlich unterbrochen wird.

Und als wenn die Wochen nicht schon dicht genug gepackt sind, kommen in den nächsten Monaten weitere Zeitfresser hinzu. Wenn ich die Rehasportmaßnahme von der Krankenkasse genehmigt bekomme (Termin dazu am nächsten Montag um 17:15 Uhr), bin ich im nächsten halben Jahr Dienstags und Donnerstag ab 18 Uhr für 1,5 Stunden damit beschäftigt, meinen Rücken zu stärken. Ich benötige einen Routinezahnarzttermin. Ab Herbst, also quasi heute, muss ich mich wieder um die 2. Folge der Hyposensibilisierung kümmern. Das ist immens wichtig, denn mein allergisches Asthma wird mit jedem Tag schlimmer und aktuell röchel ich in bester Darth Vader Manier vor mich hin, Asthmaspray hin oder her. Die Hyposensibilierung geht nur nachmittags, früh schaff ich es wegen Schulstarttermin und Kernarbeitszeit nicht und ich muss bis spätestens 17 Uhr beim Arzt sein, da ich ja jedes Mal eine halbe Stunde vor Ort warten muss, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Entweder ich lege das auf Dienstag oder Donnerstag, wo ich kinderfrei und so mehr Zeit zur Verfügung habe, damit aber riskiere, beim Rehasport nicht richtig mitmachen zu können, weil der Arm wegen der Injektion zu weh tut, oder ich probiere Montag, muss dafür aber eher von Arbeit los, weil ich den Großen ja noch aus dem Hort abholen muss.

Dann merke ich, dass dieser ganze Terminstress mir sehr aufs Gemüt schläfgt und ich würde gerne meine Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin weiter führen. Den spätesten Termin, den sie mir anbieten kann ist 15:30 Uhr. Da sie am anderen Ende der Stadt ihre Praxis hat, müsste ich sogar die Kernarbeitszeit, die bis 15 Uhr geht, verletzen, um den Termin wahrnehmen zu können. Was das mit meinem Arbeitszeitkonto macht, darüber möchte ich nicht mal ansatzweise nachdenken.

Beim letzten Elternabend empfahlen uns die Mathematik- und die Deutschlehrerin, dass wir mit den Kindern üben sollten. Jedes Wochenende ein Diktat, eine Leseübung und eine einseitige Rechenübung. Bei Bedarf gerne mehr. Vor den angekündigten Lernzielkontrollen (früher hieß das Klassenarbeit) müsste der Stoff mit den Kindern wiederholt werden. Dies alles ist nötig, weil die Bewertungsmaßstäbe so extrem hoch angesetzt sind. So gibt es nur bei erreichten 95% eine 1, bis 80% eine 2, bis 65% eine 3, bis 45% eine 4, bis 25% eine 5, darunter 6. Bei einem Diktat oder bei unangekündigten Kurzkontrollen gibt es die 1 nur bei 0 Fehlern.
Nichtüben verschafft uns mehr Luft, verbaut dem Kind aber auch die Chancen, also ist es keine Option. So werden wir dies also auch noch mit ins Wochenende stopfen.

Ja, ich weiß, eine Lösung wäre, verkürzt arbeiten zu gehen. Aber das ist finanziell nicht drin. Ich bin Hauptverdiener, von meinem Konto gehen sämtliche Fixkosten (Miete, Internet, Kindergarten, Hort, Versicherungen, Steuer, Kredit, etc.) ab, so dass am Ende nur um die 300 Euro an frei verfügbarem Geld übrig bleiben. Bei Teilzeit würde dieser Betrag gegen Null gehen, es gäbe keine Urlaube mehr, keine Klamotten für die Kinder, keine Fußballdauerkarten, keine Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Und erneut frage ich mich, wie schaffen andere das? Meine Cousine und ihr Mann haben ein Haus gebaut. Er ist angestellter Handwerker, sie Rettungssanitäterin, beides durchaus ehrenwerte Berufe, aber keine, die den großen Reichtum mit sich bringen. Dennoch haben sie das Haus. Und egal, ob meine Mama meint, dass sie das Grundstück billig bekommen haben und er als Handwerker Hinz und Kunz kennt und die kostengünstig beim Bauen mitgeholfen haben, das Haus wird dennoch mindestens um die 100.000 Euro gekostet haben. Ein Betrag, den wir nie aufbringen könnten bzw. bei dem wir uns über 20 Jahre per Kredit an eine Bank binden würden, was mir völlig widerstrebt. Denn wenn mir mein Lebenslauf eins gelernt hat, dann dass nichts so beständig ist wie die Veränderung. Das Maximum, was wir derzeit verkraften ist der Kredit fürs Auto, welcher genau 2 Jahre lang läuft, genauso lang wie mein befristeter Arbeitsvertrag. Mag mein Chef noch so oft sagen, dass er mich so bald es geht entfristet, ich plane aktuell nicht länger als bis Oktober 2017.

Also kämpfe ich mich durch den Alltag, immer gehetzt von einem Termin zu anderen, die aktuellen Busfahrpläne, mein Arbeitszeitkonto, den nächsten Spieltag und die Arztöffnungszeiten im Hinterkopf.
Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal in Ruhe und mit Genuss einen Spielfilm angeschaut haben. Oder etwas mit unseren Freunden unternommen. Oder ausgeschlafen. Oder jenseits des Urlaubs entspannt.
Das letzte Mal mit meinem Mann intim? Ich würde laut loslachen, wäre ich nicht so erschöpft.

Dann sehe ich auf Facebook ein Foto eines Regenbogensmartieskindergeburtstagskuchen, selbstgebacken und wunderschön und breche in Tränen aus, weil wir es nicht mal hinbekommen, eine Kindergeburtstagsfeier zu organisieren, bei der ein solcher Kuchen den Höhepunkt darstellen könnte …

Wer es bis hierhin geschafft hat und ebenso wie ich ein wenig Entspannung benötigt: hier klicken!

Wenn’s mal wieder länger dauert …

Ich habe doch keine Zeit!

Ehrlich, für mich könnte der Tag aktuell 48 Stunden haben und es würde trotzdem nicht für all meine Aktivitäten reichen. Ich schreibe seit mehreren Wochen an der Beziehungsgeschichte meines Mannes und mir. Es ist nicht vergessen, nur benötige ich dafür ein gewisses Maß an Muse und eben Zeit.

Der nächste Blogeintrag für den Reiseblog ist ebenfalls seit mehreren Tagen in Bearbeitung. Dort liegt das Problem nicht an der Muse, so einen Text kann ich jederzeit schreiben. Allerdings möchte ich den Eintrag entsprechend bebildern, doch das Hochladen der Bilder durch unsere Klingeldrahtinternetleitung dauert gefühlte Ewigkeiten. Dann stellte ich fest, dass die Imagedateien zuviel Speicherplatz belegen, aber das WordPress-interne Skalieren nicht die Dateigröße verringert, sondern im Gegenteil noch mehr Speicherplatz belegt, da das skalierte Bild zusätzlich zum Originalbild auf der Medienseite abgelegt wird. Löschen kann man nur beide Bilder komplett, leider nicht selektiv. Heißt also, dass wenn ich den Blog noch eine Weile optisch ansprechend gestalten möchte, muss ich alle bisher hochgeladenen Bilder löschen, durch kleinere Versionen ersetzen und die bisherigen Blogeinträge mit den kleinen Bildern versehen. Dauert vermutlich nur 3-5 Jahre o.O

Dann mausert sich meine Süße derzeit zu einer echten Terrorzicke. Für den ein oder anderen mag es ungwöhnlich klingen, aber ich stille sie immer noch. Nur Abends zum Einschlafen und in der Nacht zum Durchschlafen, manchmal auch Mittags zum Mittagsschlaf. Wenn es nach mir ginge, könnten wir das auch sein lassen, aber sie fordert es, mich stört es nicht sonderlich und sie schläft relativ schnell ein dadurch.
Bisher. Seit ein paar Wochen klappt das nicht mehr so zuverlässig. Sie schläft zwar immer noch ein, doch sobald ich sie ins Bett lege, wacht sie auf und beginnt sofort zu schreien. Dabei ist es egal, ob ich 10 Minuten oder 30 Minuten warte, bis ich sie ins Bett lege, ob sie sich laut schnarchend im Tiefschlaf befindet oder nur friedlich schnuffelnd in meiner Armbeuge liegt. Sie brüllt sich innerhalb kürzester Zeit so in Rage, dass es eine gute Stunde braucht, bis sie einigermassen wieder beruhigt ist. Wir versuchen, sie daran zu gewöhnen, auch mal alleine im Bett einzuschlafen. Dazu lassen wir die Türen zum Schlafzimmer auf und im Vorzimmer das Licht an, so dass sie uns hören kann und nicht in völliger Dunkelheit liegen muss. Funktioniert nur leidlich. Gestern haben wir sie nach 10 Minuten wieder aus dem Bett geholt, da hatte sie sich schon fast komplett wieder ausgezogen. Als wir sie eine Stunde später erneut hinlegten, fing das Brüllen sofort wieder an, hörte aber nach 3 Minuten auf. Vermutlich war sie aus purer Erschöpfung eingeschlafen.
Wie auch immer, dadurch begann mein Feierabend um 22:15 Uhr. Yay!

Seit einigen Wochen sind wir mit dem Umbau des Kinderzimmers vom Großen beschäftigt. Zuerst hatten wir Kleiderschrank und Kommode durch praktischere Modelle ersetzt und jetzt im zweiten Schritt das Hochbett noch höher gebaut. Da mein Mann zwei linke Hände voller Daumen hat, blieb dies fast komplett an mir hängen. Im Urlaub konnte ich tagsüber aus Gründen nichts machen, also habe ich die letzten 3 Tage nach Feierabend jeweils 2 Stunden im Kinderzimmer gewerkelt, bevor ich mich dem Zickenterror stellte.

 

Eigentlich wollte ich heute noch nach Feierabend in den Baumarkt fahren und Klebefolie kaufen, um die Rückseiten der Schränke damit zu bekleben, denn so wirklich hübsch sehen die nicht aus. Heute morgen kam mir spontan die Idee, das nächste Woche zusammen mit dem Großen zu erledigen, wenn ich ihn aus dem Hort abgeholt habe, dann könnte er sich selber die Folie aussuchen. Allerdings benötigt er unbedingt eine Lampe oben an seinem Bett, dass wenn er nachts mal raus muss, das nicht im Dunkeln bewerkstelligen muss. 1,60 m Unterkante sind nämlich ganz schön hoch. Werde ich wohl doch heute losmüssen.

Morgen ist Fussball und natürlich gehen wir dahin, wozu sonst haben wir eine Dauerkarte. Trotzdem geht dadurch der Großteil des Tages flöten. Hinzu kommt, dass ich ganz dringend meinen Personalausweis verlängern lassen muss, was man zum Glück bei uns auch sonnabends machen lassen kann, nur geht damit wieder ein halber Tag weg, aufbrezeln, Passbilder machen lassen, warten und so.

So gerne würde ich auch mal wieder ausgiebig ein nettes Spiel zocken oder in Ruhe ein Buch lesen oder unsere Tatortreiniger-DVDs anschauen, aber dafür bleibt schlicht keine Zeit übrig.

Vom Bürofenster aus kann ich seit zwei Tagen einen jungen Mann beobachten, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Stück Brachland von Steinen bereinigt. Sehr Zen! Vielleicht sollte ich das auch mal probieren.

Nur wann?!

Verlorene Zeit

Das Jahr begann bekanntermaßen mit einigen Tiefschlägen, die meinem eh schon schwer angeschlagenen Selbst den Rest gaben. Jetzt, mit einigem Abstand, erkenne ich das ganze Ausmaß.

Mir fehlt ein ganzer Monat in meiner Erinnerung. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass es dieses Jahr einen Februar gegeben hat, doch kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Ich nehme an, dass ich gegessen und geschlafen habe, mich um die Kinder gekümmert habe. Es gibt Fotos, ich kann mich aber nicht daran erinnern, diese geschossen zu haben.

Erst gegen Ende des Monats setzen meine Erinnerungen langsam wieder ein, als ich funktionieren musste, der Geburtstag meines Mann und meines Sohnes standen an. Ich musste Geschenke besorgen, Feiern planen.

Es gab schon mal eine vergleichbare Zeit, nach meiner ersten stationären Therapie. Als ich entlassen wurde, fühlte ich mich wie ein rohes Ei ohne Kalkschale, nur durch dieses dünne Häutchen darunter geschützt. Zu wenig Schutz für meine Seele, die einfach dicht machte. Damals war ich auch ungefähr einen Monat „weg“, ohne jegliche Erinnerungen.

Ich würde gerne sagen, dass mir diese Blackouts Angst machen, aber das tun sie nicht. Weil ich in dieser Zeit gar nicht mitbekomme, dass ich mich im abgeschalteten Zustand befinde. Das wird mir immer erst einige Zeit später bewusst.

Und nun? Warte ich einfach ab, dass ich in einem Monat meine Therapie beginnen kann und hoffe, bis dahin keinen Blackout mehr zu haben.

Erst oder Schon?

Ist es wirklich erst zwei Wochen her, dass mein Mann die Bombe platzen ließ oder sind es eher schon zwei Wochen. Die Zeit hält sich nicht mehr an ihre gewohnten Gesetzmäßigkeiten. Einerseits fließen die Tage an mir vorbei, monoton wie im Nebel und oft bin ich erstaunt, dass schon wieder so viele Stunden vergangen sind. Andererseits ziehen sich Tage wie Kaugummi, ich schaue auf die Uhr und sehe, dass anstatt der gefühlten 5 Stunden erst 3 Minuten vorbei sind. Genauso wie die Zeit schwanke ich zwischen den Extremen, absolute Hoffnungslosigkeit und gnadenloser Optimismus, manchmal im Minutentakt wechselnd.

Jedes Jahr zu Weihnachten schenke ich der Familie Fotokalender mit Bildern der Kinder. Diese Bilder wollen natürlich sorgfältig aus denen des vergangenen Jahres ausgesucht werden, was bei der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Fotos alles andere als einfach ist. Doch dieses Jahr war es eine echte Quälerei. Wir haben so viele schöne Bilder von gemeinsamen Erlebnissen, fröhlich lachende Kinder, die Grimassen schneiden und sich des Lebens freuen. Beim Anschauen dieser Bilder freue ich mich mit ihnen, habe die Momente, in denen sie entstanden sind, vor meinen Augen, habe den Geruch in der Nase, spüre die Sonne auf meiner Haut oder den Regen oder den Wind, erinnere mich an die dazu gesprochenen Sätze, höre das Lachen, muss selber lachen und im gleichen Moment versetzt es mir einen Stich ins Herz, wenn ich daran denke, dass wir solche Momente nie mehr zusammen erleben werden. Wir werden nicht mal mehr die Fotos zusammen anschauen und gemeinsam in den Erinnerungen schwelgen. Alles hat den faden Beigeschmack der Trennung an sich.

Viel zu viel

zu tun für zu wenig Zeit!

Ich war mal wieder für ein (sehr) langes Wochenende bei meinen Eltern und hab da so einiges erlebt, über das ich bei Gelegenheit mal schreiben muss. Außerdem spannen mich die Artikel meines Reiseblogs ordentlich ein, da ich mir vorgenommen habe, diese in beschwingt-leichter Form zu verfassen, ich aber nicht immer in der passenden Stimmung bin. Dann arbeite ich an zwei längeren Texten, einer davon über Boris. Der ist, im Gegensatz zum zweiten Text, schon fertig in meinem Kopf und muss eben nur noch zu Papier auf den Bildschirm gebracht werden.

Organisatorisch hängt auch einiges in der Warteschleife. Der Urlaub war teurer als gedacht und ich muss dringend zur Bank. Dooferweise war der erste Versuch daran gescheitert, dass ich den kontoauszuggleichen Wisch, der nach Aussage des Bankangestellten mein Sparbuch repräsentiert, nicht bei mir hatte. Vor einem Jahr ging es zwar auch ohne, wenn auch mit dem eindringlichen Hinweis, dass es ohne das Sparbuch nicht geht, letztendlich fand aber die nette Schalterdame doch einen Weg. So muss ich jetzt also wieder mitten in die Stadt.
Wir müssen noch das Schreiben an unsere Wunschschule fertig machen, damit der Große im nächsten Jahr dort und nicht in der bronxnahen Einrichtung eingeschult werden kann. Mein Mann macht sich diesbezüglich schlau, stolpert dabei jedoch ständig über neue Hindernisse. Aktuell geht es darum, alle Argumente zusammenzutragen, da nachträglich angebrachte Gründe nicht berücksichtigt werden.
Der in Italien passierte Hagelschaden muss auch noch begutachtet werden. Ich kann dazu zwar jederzeit wochentags bei der Dekra vorbei schauen, muss aber vorher mit dem Auto in die Waschanlage. Hab ich ewig nicht mehr gemacht. Ich hoffe, ich weiß noch, wie das geht und vor Allem hoffe ich, dass das Auto dabei nicht auseinander fällt, denn insgeheim denke ich, dass es größtenteils nur noch durch den Dreck zusammen gehalten wird. Wie auch immer, es hat heute so dolle geregnet, dass sich eine Wagenwäsche überhaupt nicht gelohnt hätte und jetzt kann ich das frühestens freitags nachholen, da ich morgen zur Bank will, weil die am Freitag nur bis 12 Uhr geöffnet hat.

Die Katzen wollen bespaßt werden, so richtig verkraftet haben die unsere 3-wöchige Abwesenheit noch nicht. Und auch wir wollen unseren Spaß und deswegen habe ich meinem Mann die Erweiterung für Diablo 3 gekauft. Da es aber blöd ist, wenn er alleine das spielt und mir die ganze Zeit den Mund wässrig macht mit den tollen Neuerungen und Items und überhaupt und das ganze gerade im Angebot war, hab ich mir die Erweiterung auch gekauft und würde jetzt am liebsten die ganze Zeit zocken. Tja, wären da nicht die ganzen oben stehenden Punkte und mein süßes Mädchen.

Das nämlich lenkt mich durch ihr Süßsein und ihr rasantes Wachstum von allen anderem ab und so sitze ich lange neben ihr und schau ihr beim Turnen und Glücklichsein zu.

Wenn es läuft, dann läuft es!

Oder wie der Brite sagt: when it rains, it pours!

Hatte ich mich letzte Woche noch gefreut, dass es mal so gar nichts zum Meckern gibt, so holt das Universum gerade wieder mit der Anti-Keule aus. Ich persönlich glaube ja, dass es ein kleines Männchen gibt, dass guckt, wie es den Leuten geht und wenn es ihnen zu gut geht, dann wird ein Gegengewicht im Schicksal der Leute kreiert. Nur fröhliche Leute hält ja auch keiner aus 😉

Es fing am Freitag Nachmittag an, wie es solche Geschichten üblicherweise tun. Das Kind wird just dann fiebrigkrank, wenn der Kinderarzt gerade ins Wochenende gegangen ist. Das Klopapier geht prompt dann aus, wenn die Supermärkte vor einem langen Wochenende gerade geschlossen haben.
Bei uns war es die Spülmaschine, die kurz nach 18 Uhr einen undichten Abwasserschlauch meldete. Zum Glück war die Pfütze nicht allzu groß und konnte schnell beseitigt werden. Bei der Inspektion unseres fleißigen Helferleins zerbröselte mir der Abwasserschlauch förmlich in den Händen und brach direkt an der Austrittsstelle ab. Eine weitergehende Untersuchung des Geschirrspülers ergab, dass ich es wohl nicht selber reparieren kann, weil ich nicht mal ansatzweise einen Einstieg ins Maschineninnere fand. Wir riefen am Sonnabend einen Reparaturdienst an und verabredeten einen Termin für Montag.

An selbigem Sonnabend fiel mir auf, dass ein Hängeschrank in der Küche, in dem wir unsere sämtlichen Gläser lagern, schiefer als üblich hängt. Die Küchenwand ist arg bröselig, es war schon eine Kunst, da überhaupt 3 Schränke halbwegs sicher in die Wand zu dübeln, doch so recht traute ich dem Frieden nie, vor allem beim Glasschrank. Wir räumten also alle Gläser auf die ohnehin schon mit dreckigem Geschirr volle Anrichte und hängten den Schrank ab. Tatsächlich war der eine Dübel recht locker in der Wand und drehte immer wieder mit. An diesem Tag war es schon zu spät zum Bohren neuer Löcher und am Sonntag wollte ich die Nachbarn mit dem Lärm nicht belästigen.

Am Montag kam der Reparaturmensch und nahm sich unseres Geschirrspülers an. Er brauchte 3 Anläufe, um das Teil an der richtigen Stelle zu öffnen, da das Ding von innen mächtig-gewaltig zugebaut ist. Erschwert wurde die Reparatur durch den Zustand des noch recht jungen Handwerkers. Ganz offensichtlich hatte er die Nacht ordentlich gefeiert und war nur mäßig begeistert, in Bodennähe nach der Schlauchansatzstelle zu suchen. Ich fragte ihn, ob seine Nacht kurz war, aber er antwortete nur: welche Nacht? Er kämpfte sich aber tapfer weiter voran und packte irgendwann sogar die beiden mitgebrachten Ersatzschläuche aus, um dann festzustellen, dass der eine viel zu kurz war und beide vom Ansatzstutzen nicht passten. Ganz großes Kino.
Er fotografierte noch die Seriennummer ab, verschloss notdürftig den Spüler und verabschiedete sich. Sie würden sich melden, wenn der passende Schlauch geliefert würde.

Da mir das genug Handwerkskunst für einen Tag war, verschob ich die Lochbohraktion für den Glasschrank auf den heutigen Dienstag. Ganz vorsichtig bohrte ich mit einer 6er Bohrer zwei Löcher in die Wand und traf einmal Ziegel und einmal festen Putz mit Kiesel. Auf jeden Fall kam mir nicht gleich die halbe Wand entgegen, wie bei den ersten Versuchen. Zuversichtlich bohrte ich mit einer 10er Bohrer nach, klopfte die Dübel in die Wand und machte mich daran, die Schrauben einzudrehen. Das ging soweit gut, bis der Schraubwiderstand meine zarten Frauenhände überforderte. Aber wozu gibt es Göttergatten?

Während der Aktion hatte ich ein wenig das Zeitgefühl verloren und plötzlich war es 14:42 Uhr und um 15 Uhr hatte meine Kleene den nächsten Impftermin beim Kinderarzt. Uff, das könnte jetzt ein wenig eng werden. Ich schnell uns beide in Schale geworfen, die Süße im Kindersitz verstaut und ab ins Auto. 3 nach 3 waren wir in der Praxis, wo mir siedendheiß einfiel, dass ich die Krankenkassenkarte vom Großen vergessen hatte, ich aber eigentlich noch eine Überweisung für den Kardiologentermin von vor 1,5 Wochen brauchte. Muss ich also nochmal hin.

Der Impftermin dauerte länger als gedacht, was insofern doof war, als dass wir um 16:30 Uhr einen Termin mit der Kindergärtnerin des Großen wegen seines anstrengenden Verhaltens hatten. Außerdem war die Kleene übermüdet und schrie eigentlich die ganze Zeit, bei der Schluckimpfung, bei der allgemeinen Untersuchung, bei den zwei gespritzten Impfungen. Als wir endlich fertig waren, packte ich die Kleene schnell wieder ins Auto, welches mangels Alternativen schön in der Sonne vor sich hinbrutzelte.

Um uns schnelle Abkühlung zu verschaffen, bis die Klimaanlage einsetzte, öffnete ich das Fahrerfenster. Als ich es wieder schließen wollte, knirschte es unheilvoll in der Tür und das Fenster blieb auf halber Strecke stecken. Während ich also unter Zeitdruck versuchte, so schnell wie möglich durch den Berufsverkehr zu kommen, schob und drückte ich bei jeder Ampelpause die Scheibe nach oben, doch die letzten 2 Zentimeter wollten einfach nicht gelingen. Ich lud meinen Mann ein, wir fuhren zum Kindergarten und suchten erstmal die Erzieherin im Haus, wo wir uns verabredet hatten. Sie saß nur leider unten im Garten und hatte gehofft, uns vorfahren zu sehen. Das passte irgendwie alles zum Tag. Das Gespräch war sehr angenehm, dazu gibt es einen eigenen Eintrag.

Wieder daheim, schlug mein Mann vor, wir könnten doch nach dem Stress Pizza bestellen. Gesagt, getan, geliefert. Mein Mann will mit EC-Karte bezahlen und kann sich spontan nicht mehr an seine PIN erinnern. Um einer Sperrung seiner Karte zu entgehen, übernahm letztendlich ich den Bezahljob. Hmpf.
Wenigstens hat der Göttergatte die Schrauben mit lautem Schnaufen und Fluchen bis zum Anschlag in die Wand gedreht, so dass wir den Glasschrank – diesmal bombensicher – an die Wand hängen konnten.

Morgen muss ich wegen eines Termins in der Autowerkstatt anrufen und hoffen, dass es bis zur letztendlichen Reparatur nicht regnet. Und ich muss hoffen, dass die Reparaturen nicht zu teuer werden, denn sonst können wir unseren Italienurlaub nämlich vergessen.

Wie gesagt, wenn es einmal läuft, dann läuft’s!