Schiebetermin

In dem Prozess, bei dem ich derzeit als Schöffe eingesetzt bin, stand heute ein sogenannter Schiebetermin an. Solche Termine werden immer dann nötig, wenn man den Prozess um mehr als 3 Wochen unterbrechen muss, weil bspw. Zeugen nicht schnell genug herangeschafft werden können oder Experten etwas länger für Gutachten brauchen oder ganz schlicht Terminfindungsschwierigkeiten zwischen den Beteiligten bestehen. Da aber ein Verfahren nicht länger als drei Wochen unterbrochen werden darf, müssen sich eben in schöner Regelmäßigkeit alle Beteiligten vor Gericht einfinden. Und für eine halbe Stunde kriegt man alle eher zusammengetrommelt als für ganztägige Termine.

Um 8:30 Uhr sollte besagter Termin heute stattfinden und wir, also Mann, zwei Kinder und ich, saßen pünktlich um 8 Uhr im Auto. Und pünktlich zu diesem Zeitpunkt fand sich auch die Müllabfuhr bei uns ein. Nun muss man dazu wissen, dass wir in einem kleinen Wohnpark wohnen, wo es nur eine Zufahrt zum hinteren Bereich gibt, wo der Großteil der Autos und eine Hälfte der Mülltonnen steht. Zum problemlosen Wenden gibt es ein schickes Rondell, welches aber fast immer von Fremdfahrzeugen zugeparkt ist. Wir warteten also, bis die Müllmänner die Mülltonnen hinten geleert hatten, dann in den vorderen Bereich übersiedelten, um den Rest zu leeren. Die Jungs machen nur ihren Job, aber heute früh hätte ich gerne darauf verzichtet.

Als der Weg endlich frei war, düste ich gen Gericht und fand zum Glück gleich einen Parkplatz. Die Kinder überließ ich meinem Mann, der eh den Großen im zwei Straßen entfernten Kindergarten abliefern wollte und hechtete los. Etwas außer Atem kam ich 5 Minuten vorm Termin an, wo ich vom Richter und der zweiten Schöffin begrüßt wurde. Da der Richter bei meiner Ankunft in ein vertrauliches Gespräch verwickelt wurde, wurden wir Schöffen gebeten, vor dem Richterzimmer zu warten. Die Schöffin kam auch direkt zur Sache und meinte, dass wir ja eigentlich 15 Minuten vor Beginn da sein sollten und ich die 15 Minuten doch recht großzügig ausgelegt hätte.

Blöde Kuh! Als wenn ich die Müllmänner absichtlich um die Zeit bestellt hätte. Und überhaupt war ich froh, dass wir um 8 Uhr aus dem Haus waren, denn wer schon mal versucht hat, einem 5-jährigen die Grundzüge von Pünktlichkeit zu vermitteln, weiß, wie schwierig das ist, egal, wie viele Pufferzeiten man einbaut. Wenn der Richter was gesagt hätte, ok, aber die?

Na, egal, kurz nach halb Neun betraten wir den Sitzungssaal, wo uns der Verteidiger darauf hinwies, dass sich sein Mandant um wenige Minuten verspäten würde. In der Zwischenzeit unterhielten sich der Richter und der Staatsanwalt über zwei abgeschlossene Langzeitfälle, aber so kryptisch, dass für Außenstehende nix Brauchbares rauszuhören war. Schade.
Mit 10-minütiger Verspätung traf der Angeklagte ein und wir konnten mit dem offiziellen Teil beginnen. Für den heutigen Termin hatte sich der Richter das Verlesen des Auszugs aus dem Bundeszentralregister vorgenommen, also welche Vorstrafen der Beschuldigte bereits vorzuweisen hat (oder eben nicht). Das dauerte nicht lang und schon war die Sitzung wieder geschlossen.

Mein Mann und meine Tochter holten mich vorm Sitzungssaal ab, ich fuhr meinen Mann noch fix auf Arbeit und dann sind wir zwei Mädels ab nach Hause, erstmal ganz in Ruhe frühstücken.

Nächster Termin ist am 5.1., auch wieder ein Schiebetermin. Mal schauen, was da spannendes verlesen wird.

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