Xayriel orakelt: ESC 2018

Heute nur ein ganz kurzes Orakel zwischen Bundesligaabschluß (ällerbätsch Hamburg), Feiertag und ESC.

Gewinnen wird Tschechien, dicht gefolgt von Ungarn. Deutschland und Großbritannien streiten sich um Platz 3. Israel, Moldau, Slowenien und die Niederlande folgen auf den nächsten Plätzen.

Der große Favorit Zypern und der unvermeidliche Alexander Rybak für Norwegen runden die Top 10 ab.

Advertisements

Wenn einer eine Reise tut …

… dann kann er was erzählen, sach ich dir!

Wie bereits öfter erwähnt, wohnen meine Eltern 120km von uns entfernt, wollen aber dennoch ihre Enkel so oft es geht, sehen. Das finde ich grundsätzlich ok, bringt aber ein paar Schwierigkeiten mit sich.

So kann der Große nur noch in den Schulferien, oder wenn mal ein langes Wochenende ansteht und die Schule (oder das Land) passenderweise einen Brückentag einlegt, seine Großeltern besuchen. So geschehen am 1.-Mai-Wochenende. 4 Tage, in denen die Großeltern doch die Enkel bespaßen könnten. Aber bitte nur, wenn ich die Kinder zu ihnen karre; die Rückführung würden sie übernehmen.

Na gut, 4 Tage kinderfrei klangen schon verlockend. Die Fahrt dorthin allerdings nicht. Langes Wochenende, die Heimkehrrichtung Tausender Wochenendpendler, eine supergünstig gelegene Baustelle direkt nach einem Autobahndreieck. Selbst die Automobilclubs warnten vor langen Staus.

Aber hey, kinderfreies Wochenende.
Die Kinder ins Auto gepackt, losgefahren, zweimal einem Beinahe-Crash entkommen, dem Stau ins Auge blickend noch von der Autobahn gefahren und mit nur einer Stunde Verspätung, aber dennoch reichlich geschafft, bei meinen Eltern angekommen. Nach 2 Stunden Regeneration wieder den Heimweg angetreten, entgegen dem Strom, echt relaxed.

Dieses Wochenende sollte das nächste Großelternwochenende stattfinden, diesmal nur mit dem Großen. Kann ich sehr gut verstehen, beide Kinder zusammen sind wie Uran und Plutonium: jedes Element für sich ist harmlos, zusammen erreichen sie eine kritische Masse und Bumm! Totales Chaos.

Nur hatte ich so gar keinen Bock, mir schon wieder diese Strecke anzutun, zumal die Vorzeichen genau gleich, vielleicht sogar ein wenig schlimmer als beim letzten Mal, waren. Immer noch Heimreisependelverkehr, immer noch Baustelle.
Zum Glück fiel mir rechtzeitig zur Verabschiedung ein, meine Eltern zu fragen, ob es in Ordnung wäre, wenn ich den Großen in den Flixbus setzen würde, um mir diese olle Fahrerei zu sparen. Sie waren einverstanden und der Große auch.

Kaum zuhause angekommen, schaute ich auf der Flixbus-Webseite nach und es gab sogar noch eine halbwegs passende Verbindung für Kinder, wo der Fahrer auf minderjährige Fahrgäste aufpasst. Schnell meine Eltern angerufen und nachgefragt, ob sie um die angegebene Ankunftszeit den Großen auch abholen könnten.

Um es mit Sender Eriwan zu sagen: im Prinzip ja!
Aber, meine Eltern fanden nicht zu unrecht, dass einem Bus ein ähnliches Schicksal drohte wie einem PKW, also Stau und eine unbekannt lange Verzögerung. Ob es denn nicht besser wäre, den Zug zu nehmen.

Gut, ich also die Seite der Bahn aufgerufen und nach Verbindungen geschaut. Es gab eine ICE-Verbindung, die knapp eine Stunde benötigte, im bevorzugten Zeitfenster ankommen würde und für die es noch Sonderangebote gäbe. Na dann, gesucht, gebucht, mit Sitzplatzreservierung, weil meine Eltern unbedingt darauf bestanden. Mit 18 Euro ungefähr so teuer wie die Benzinkosten für die Fahrt. (Die rückwärtige Leerfahrt fahre ich gerne ein wenig schneller, kann aber dann das gierige Schlürfen des Benzintanks hören.)

Nun meinten meine Eltern nicht zu unrecht, dass ich dem Großen doch für sein Handy eine SIM-Karte holen sollte, nur für den Fall der Fälle, man weiß ja nie, die Züge halten immer so kurz an den Bahnhöfen und ein Stromausfall kann jederzeit passieren. Oder so.
Da mir früher Prepaidkarten förmlich hinterhergeworfen wurden, (ich glaube, ich hab noch 2 oder 3 ungenutzte ca. 8 Jahre alte Prepaidkarten in irgendeiner Schublade rumfliegen) fand ich das nicht den größten Aufwand und versprach, mich darum zu kümmern.

Heute hatte ich im benachbarten Einkaufszentrum zu tun und jenes beherbergt auch einen Handyladen für alle Anbieter. Ich stapfte also hinein und verlangte eine Prepaid-SIM-Karte. Sowas verkaufen sie nicht, bekam ich als Antwort. Ich schaute sparsam und die Verkäuferin erklärte mir, dass Prepaidkarten seit Inkrafttreten des Antiterrorgesetzes nicht mehr einfach so gekauft werden könnten.
Der Kiosk keine 20 Meter weiter würde aber welche verkaufen, und ich müsste mich entsprechend legitimieren, Ausweis oder so.

Nun gut, ich kannte den Kiosk und seine Mitarbeiter als freundlich und hilfsbereit und steuerte dorthin. Da war auch ein Ständer mit Prepaidkarten aller gängigen Mobilfunkanbieter und ich suchte mir eine Karte mit einer einprägsamen Nummer meines Anbieters aus und ging zur Kasse.
Dort erklärte mir der Verkäufer, dass ich die SIM-Karte noch aktivieren müsse. Entweder über Post-Ident mit langwierigem Hin- und Hergeschicke von irgendwelchen Ausweiskopien oder aber Online per Videochat mit meinem Ausweis.

Postweg schied schon mal aus, ich brauchte die aktivierte Karte morgen. Dann also online.
Ich loggte mich bei meinem Provider ein und wollte über mein Konto die SIM-Karte aktivieren. Ging aber nur für postalisch bestellte Karten, nicht für in Hintertupfingen am Kiosk erworbene.
Ich rollte genervt mit den Augen, folgte dann aber den Schritten in der Bedienungsanleitung. Webseite aufgerufen, Karte verifiziert, fehlte nur noch die Aktivierung.
Wieder die Auswahl zwischen Post-Ident auf dem Postweg oder Online per Videochat.

Dazu musste ich nur eine App runterladen, den 12-stelligen Code eingeben, ein Foto meines Persos machen und einem, in gebrochenen Deutsch sprechenden Videoagenten im (wörtlichen Sinne, doofe Dachgeschoßwohung) Schweiße meines Angesichts mein Angesicht und zum Vergleich jenes auf meinem Personalausweis in meine Handycam halten.

Der Agent klickerklackerte meine Daten ins System, bedankte sich für die Nutzung dieses Services und würde die nun verifizierten Daten an meinen Mobilfunkanbieter weiterleiten. In bis zu 24 Stunden würde meine Karte dann aktiviert.

Uff! Das könnte knapp werden.

10 Minuten später checkte ich meine Emails und tatsächlich war da bereits die Prepaidkarte aktiviert. Fand ich gut. Ehrlich!

Ich hab dann die Karte in das Handy des Großen gebastelt, habe alle wichtigen Telefonnummern (Mama, Papa, Oma, Opa, Großeltern Festnetz) eingespeichert, den ganzen anderen Rotz, den SIM-Karten so mitbringen gelöscht, dem Kinde die Benutzung des Telefons erklärt und die Telefonnummer an alle Beteiligten verteilt.

Die Großeltern mussten natürlich sofort anrufen, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich die richtige Nummer übermittelt hatte.
Hatte ich. Überraschung!

Wir besprachen noch letzte Details, nahmen dem Großen etwaige Ängste („ist eh Endstation, dich kehrt das Bordpersonal raus“), verabredeten die Situationen, wo SMS oder Anrufe sinnvoll wären (vornehmlich Verspätungen auf der einen oder anderen Seite [man weiß ja nie, wann der „berühmte“ Personenschaden eintritt]) und das schon alles gut gehen wird.

Ich glaube, wir Großen sind viel aufgeregter als das Kind.
Beispielsweise habe ich sämtliche Szenarien im Kopf durchgespielt und rechne fest damit, zufällig bis zur einzigen Zwischenhaltestelle auf der Strecke mitzufahren, weil ich es nicht geschafft habe, nach Platzierung des Kindes den Zug rechtzeitig zu verlassen.

Wie auch immer, es wird nicht langweilig bei uns.
Wobei ich diese Art Abenteuer all den anderen, eher ungewollten, vorziehe.

Was soll denn da auch schief gehen? 😉

Sie werden so schnell groß

Der Große ist jetzt 9 Jahre alt. Die Kleene 4.

Seit einem guten Jahr geht der Große allein zur Schule und vom Hort wieder nach Hause. Er darf alleine in die Bibliothek um die Ecke gehen, um sich dort Bücher auszuleihen. Eventuelle Strafgebühren darf er von seinem Taschengeld bezahlen.

Sein Taschengeld beträgt 3€ pro Woche, entsprechend seiner Klassenstufe, wird also jeden Sommer automatisch erhöht. Um sein „Einkommen“ aufzubessern, darf er aller zwei Wochen den Hausflur fegen, gibt 2€, falls er anfängt, ihn auch noch zu wischen, bin ich bereit 5€ zu zahlen. Mit seinem Taschengeld darf er machen, was er will. Das letzte Mal hat er 12€ für 3 Lego-Zeitschriften ausgegeben.

In der Woche darf, wenn er seinen Ranzen gepackt und alle Hausaufgaben gemacht hat, runter in den Hof und dort bis 18:30 Uhr spielen. Am Wochenende darf er ebenfalls raus in den Hof, aber dann mit seiner Schwester, muss auf sie ein Auge haben und sie dürfen nur im hinteren Teil spielen. Heimkommzeit ist dann 18 Uhr. Der Hof ist eingezäunt und wenn irgendwas sein sollte, dann reicht Klingeln und wir sind sofort unten.
Bislang funktioniert dieses Arrangement reibungslos.

Heute durfte er das erste Mal zu einem Freund nach Hause gehen. Ich habe ihm extra einen Zettel für den Hort mitgegeben, dass er den Hort, anstatt wie üblich 16:30 Uhr, bereits um 15 Uhr verlassen darf. Er ging dann zu Bruno, zusammen mit Erik, weil Bruno eine Playstation mit 3 Controllern hat. Dort haben sie Minecraft gezockt, bis er um 18:30 Uhr nach Hause musste. Klappte tadellos.

Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ihm auf den Wegen was passiert, er im Einkaufszentrum beklaut wird oder er von einem Auto angefahren wird. Andererseits zog ich, seit ich denken kann, in unserem gesamten Viertel (mal grob übern Daumen gepeilt so um die 9 km²) um die Häuser und besuchte reihum alle meine Klassenkameraden. OK, anderes Land und andere Zeit, aber Autos und doofe Menschen gab es auch schon damals.

Ich erinnere mich an die Infoveranstaltung im Februar, wo über die Schulformen und Bildungswege informiert wurde (Quintessenz: schicke dein Kind nur aufs Gymnasium, wenn es intellektuell und persönlich reif genug dafür ist; Mittelschule ist keine Schande.). Ein Junge, kaum größer und älter als der Rabauke erzählte, wie er jeden Tag mit der Straßenbahn quer durch die Stadt fährt, um in seine Sport(mittel)schule zu kommen. Mir machte das Angst.

Freunde von uns eskortierten ihre Tochter jeden Tag zur Schule, bis sie mit 14 oder 15 sagte, dass es sie nervte. Das Mädchen hatte vor allem Angst, traute sich kaum was zu und war unsicher wie sonstwas.
Wenn ich hingegen meinem Großen sage, dass eine Filiale unseres Lieblingsbäckers keine 100m entfernt aufgemacht hat und er jetzt wochenends die Brötchen holen darf, rollt er mit den Augen und meint, „och nö, das ist langweilig“.

Fazit: Elternsein ist eine ständige Gratwanderung zwischen Freiheiten ermöglichen und Schutz bieten.
Und ja, sie werden viel zu schnell groß!

Verkackt

Ich hab’s verkackt. Mal wieder.

Am 21.03. – einen Tag nach dem Geburtstag meiner Tochter, wo ich mir vorsorglich frei genommen hatte – bekam ich die Kündigung.
Wirklich überraschend kam das für mich nicht, ich selbst hatte damit gerechnet und mir gesagt, dass wenn ich diesen Tag überstehen würde, wäre ich quasi durch – wenn nicht, dann eben nicht.

Das Doofe an Depressionen ist, dass sie meist schleichend kommen und gehen, sich zwischendurch immer mal wieder gut getarnt verstecken, nur um dann urplötzlich aus dem Versteck zu springen und laut „Buh“ zu rufen.

An sich war der Job echt cool. Ich hatte spannende Themen, konnte viel Neues lernen und die Kollegen waren größtenteils auch nett. Ich fühlte mich recht wohl, aber war null leistungsfähig.

So sollte ich beispielsweise Ausschreibungen suchen, auf die sich die Firma bewerben konnte. Die entsprechenden Portale und Suchparameter hatte ich mir mühsam zusammengesucht, nun mussten nur noch die Suchergebnisse ausgewertet und die passenden Treffer gelistet werden. Tja, und das hab ich nicht hinbekommen. Ich starrte auf den Bildschirm und 3 Stunden später starrte ich immer noch auf die gleiche Stelle.

Jeden Morgen ging ich auf Arbeit und nahm mir vor: „Heute packst du es, heute stellst du die Liste zusammen.“ Abends nahm ich mir genau das selbe für den nächsten Tag vor, weil ich es mal wieder nicht gepackt hatte. Wenn es hoch kam, habe ich vielleicht 10 Stunden produktiv pro Woche gearbeitet. In einer kleinen Firma mit nur 60 Angestellten fällt das auf, da konnte ich nicht in der Masse verschwinden.

Es war nicht so, dass mich die Aufgaben an sich überforderten, dass ich das Wissen oder die Fähigkeiten nicht hatte. Ich konnte schlicht nicht.
Oft sah ich mir quasi selbst von außen bei meinem Versagen zu. Ich sah das Licht am Ende des Tunnels und wusste, dass das der entgegenkommende Zug war. Und wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrte ich und wartete auf den Aufprall.

Auch, wenn ich das alles geahnt habe, war die eigentliche Kündigung nochmal ein richtiger Tiefschlag. Es zog mir komplett die Füße weg. Wie betäubt wandelte ich die nächsten paar Tage rum. Ich konnte gerade noch so meinen Arbeitslosenantrag stellen, bevor mich meine Kräfte endgültig verließen.

Eine Freundin schickte mir aus heiterem Himmel einen Link zu einem Verein, welcher depressive Menschen beim Kontakt mit Behörden unterstützt, da sie wissen, dass genau solch persönliche Interaktion mitunter eine Sache der Unmöglichkeit ist. Dazu packte sie noch einen Link zu einem Blog, wo ein Betroffener schilderte, wie er erfolgreich einen Antrag auf 50% Grad der Behinderung gestellt hatte.

Immerhin war dies ein Ziel bzw. eine Möglichkeit. Nach langer Überwindungsphase rief ich bei meiner Psychiaterin an (Telefonieren ist ja auch noch so eine Baustelle) und bekam überraschenderweise gleich am nächsten Tag einen Termin. Vermutlich hatte ein anderer Patient abgesagt, weil in unserer Stadt an diesem Tag der Öffentliche Nahverkehr bestreikt wurde.
Die Psychiaterin unterstützte meinen Vorschlag wegen der Behinderung, obwohl sie mir wenig Hoffnung machte, dass es bei mir für 50% reichen würde. Sie schrieb mich zudem krank, damit ich den ganzen Ärger mit dem A-Amt nicht mehr an der Backe hätte und vor allem, damit ich keine Bewerbungen schreiben und Absagen kassieren müsste. Sie erhöhte meine Sertralin-Dosis von 100 auf 150 mg. Und sie setzte mich auf die Warteliste für eine hier sehr renommierte Tagesklinik, wo ich in ca. einem Monat noch mal anrufen und nachhaken sollte. Ob es wirklich tagesklinisch geht, hängt davon ab, wie die Therapeuten meine Bulimie bewerten.

Während der 3 Monate im Job hatte ich immer wieder mal mehr, mal weniger schwere Rückfälle, die aber schlagartig nach der Kündigung aufhörten. Nun ist so eine intensive Therapie recht stressig und kann gut neue Rückfälle triggern. Andererseits möchte ich nicht wirklich stationär gehen, da dann mein Mann die Woche über alleine mit den Kindern wäre und das ist derzeit eine echte Herausforderung.

Tja, so sieht’s derzeit hier aus. Nicht wirklich dolle. Immerhin ist unsere Wohnung Hartz-IV sicher, was – so blöd es klingen mag – eine Menge Druck von mir nimmt.

Letztendlich ist aber dennoch jeder Tag ein elender Überlebenskampf!

Kindernotdienst

Aus aktuellem Anlass habe ich über unsere Geschichte im Zusammenhang mit medizinischen Kindernotfällen nachgedacht. Großzügigerweise sage ich immer, dass der Große 7 Jahre benötigt hat, um das erste Mal ärztliche Notfallhilfe in Anspruch zu nehmen. Aber eigentlich stimmt das so nicht, denn es gab durchaus schon vorher Vorfälle, nur habe ich die gut verdrängt.

Der erste Vorfall ereignete sich – na klar – als ich nicht da war. Ich machte gerade eine Weiterbildung im Norden und hatte meine beiden Jungs für eine Woche alleine gelassen. Mitten in der Nacht bekam ich eine Nachricht, dass der Große sich irgendwas ins Ohr gesteckt hätte und das jetzt ganz furchtbar weh tun würde und was mein Mann machen solle. Nach Ohrennotdienst googeln, dort anrufen und dann hinfahren und nachschauen lassen. Machte mein Mann dann auch, da er aber keinen Führerschein hat und mitten in der Nacht kaum noch Busse und Bahnen fahren, nahm er ein Taxi. Der Arzt schaute ins Ohr, stellte eine massive Rötung fest, konnte aber keinen fremden Gegenstand finden. Dieser war vermutlich in der Zwischenzeit rausgefallen. Es gab Schmerzmittel und eine Belehrung ans Kindlein, sich nichts in Ohren oder Nase zu stecken.

Einige Zeit später, wir waren schon in der neuen Wohnung, aber noch zu dritt, hörte ich kurz vor Mitternacht ein leises Rufen aus dem Kinderzimmer. Als ich nachschaute, fand ich ein nach Luft japsendes Kind, welches kaum reden konnte. Wie er sich überhaupt bemerkbar machen konnte, bleibt bis heute ein Rätsel. Also wieder Google befragt und dann ab ins Auto zu unserer Kinderarztpraxis, die auch Notfallpraxis ist. Wir hatten Glück, es war gerade ein Arzt da, denn ein anderes Kind hatte auch einen Notfall und im Gegensatz zu uns vorher angerufen und sich angekündigt, so dass der Arzt sich auf den Weg zur Praxis gemacht hatte.
Noch bevor wir den Arzt überhaupt zu Gesicht bekamen, hatten wir einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen, auf dem eine ausführliche Erklärung zu Pseudokrupp stand. Der Arzt bestätigte bei der Untersuchung seine Vermutung, gab dem Kind ein Kortisonpräparat und schickte uns wieder heim.

Dann war eine ganze Weile Ruhe mit Notfällen, aber wir hatten ja genug mit der Doppelniere der Kleenen zu tun. Bis sich der Große sein Bein brach.

Tja, und dann fing die Kleene an, die Notfallärzte unserer Stadt aufzumischen. Zuerst kam der Anruf aus dem Kindergarten, dass die Süße sich selbst beim Spielen eine volle Ladung Sand ins Auge geworfen hätte (fragt nicht, wie sie das angestellt hat) und das Auge jetzt sehr rot und geschwollen sei. Ich war zum Glück gerade von der Arbeit freigestellt und konnte den Einsatz übernehmen. Fix nach einem Augennotdienst gegoogelt, direkt um die Ecke einen gefunden und ab dafür.
Da der Unfall im Kindergarten passiert war, wollte die Praxis jede Menge Angaben zur Einrichtung wissen. Ich telefonierte mich durch die Kiga-Verwaltung und bekam letztendlich alle Antworten, die ich benötigte. Die Süße wurde von einer sehr netten Ärztin untersucht, die feststellte, dass keine Fremdkörper mehr im Auge wären, aber eben die Oberfläche angekratzt und deswegen gerötet wäre. Sie gab uns eine Packung Einmal-Augentropfen mit und entließ uns mit guten Besserungswünschen.

Gestern nun kam wieder ein Anruf aus dem Kindergarten. Die Kleene sei beim Klettern abgerutscht und mit dem Mund auf die Kante der Rutsche geschlagen. Es hätte stark geblutet und wir sollten es vorsichtshalber kontrollieren lassen. Da ich mich gegen Mittag mit seltsamen Magen-Darm-Beschwerden von der Arbeit nach Hause geschleppt hatte und mein Mann seinen Resturlaub aus dem Vorjahr nahm, waren wir beide zuhause, ich allerdings im Dämmerschlaf auf der Couch.
Ich bat meinen Mann, nach einer Kinderzahnarztnotfallpraxis zu googeln, was er auch mit Erfolg tat. Gleich ums Eck war eine solche zu finden. Ich holte noch fix den Großen aus der Schule ab und verfrachtete ihn in die Bibliothek, dann fuhr ich zum Kindergarten.

Ich sah der Süßen an, dass der Aufschlag heftig war. Sie hatte immer noch verquollene Augen und so richtig freuen, dass ich sie abhole, wollte sie sich auch nicht. Sonst kommt sie immer mit offenen Armen auf mich zugestürmt, aber vermutlich saß ihr der Schock gestern noch zu sehr in den Knochen.
Ich schaute in den Mund und sah eine Wunde an einem der oberen Schneidezähne. Also dann doch lieber zum Zahnarzt. Der war schnell gefunden, die Parkplatzsuche dauerte ungleich länger. Am Tresen angemeldet und wieder eine Menge Formulare zum Ausfüllen bekommen. Die benötigten Angaben hatte ich ja alle noch vom letzten Mal parat.

Die Zahnärztin war sehr nett, schaute sich alles genau an und nahm dann folgende Bestandsaufnahme vor: Das Kindlein hatte alle für dieses Alter typische Zähne mitgebracht und alle auch an der richtigen Stelle und in der richtigen Formation. Yay!
Es hatte sich die Ober- und Unterlippe aufgeschlagen, das obere Lippenbändchen sowie das Zahnfleisch an einem der oberen Schneidezähne eingerissen. Alle Zähne wären aber fest, vermutlich weil die Lippen den Großteil des Sturzes abgefangen hätten. Es könnte passieren, dass der eine Schneidezahn grau wird, dann ist beim Sturz die Wurzel beschädigt wurden. Das mache bei Milchzähnen aber nichts. Es kann die nächsten Tage beim Zubeißen etwas weh tun, weswegen wir die richtig harten Sachen wie Äpfel oder Krustenbrot erstmal weglassen sollten.

Also, was haben wir jetzt in Notfall-Summe?

  • Hals-Nasen-Ohren-Arzt
  • Allgemeiner Kindernotarzt
  • Kinderchirurgie
  • Augenarzt
  • Zahnarzt

So wahnsinnig viele Spezialisten bleiben nicht mehr übrig.

Bastelanleitung

Nachdem mein kleines Monster schnurrt wie eine Katze und alles artig tut, was man ihm aufträgt, dachte ich, ich zeige, wie der Rechner zusammengebaut wurde, falls es mir jemand nachmachen möchte 😉
(Dieser Beitrag soll vor allen jenen die Angst vorm Selbermachen nehmen, die sich so etwas nicht zutrauen oder denken, das wäre alles total kompliziert und erweiterte Raketentechnik. Ist es nicht! Ich schau dabei besonders Frauen an, die sich gerne hinter dem Argument „das ist Männersache“ verstecken.
Aber eigentlich schreibe ich den Artikel hauptsächlich, um noch einmal das Erlebnis Rechnerzusammenbau rekapitulieren zu können.)

Man nehme die im Artikel aufgelisteten Zutaten und schüttele sie möglichst wenig. Hilfreich ist ebenfalls, dem Postboten beim Pakete tragen zu helfen, ganz besonders, wenn das neue Gehäuse eine Echtglasscheibe hat, welche erstaunlich schwer ist, und man zudem noch unterm Dach wohnt.

Man packe vorsichtig alle Materialien aus, überprüfe auf Vollständigkeit und vor allen Dingen: man hebe die Bedienungsanleitungen auf und legt sie ein wenig abseits, aber dennoch jederzeit griffbereit ab.

Falls sich irgendwer jemals wieder über die viele Luft in Chipstüten oder ähnliche Mogelpackungen aufregen sollte: das ist alles NICHTS gegen die Chiphersteller! (Bestimmt nur Zufall, dass es beide Male um Chips geht.)
Bild 1 zeigt die geöffnete Verpackung des Ryzen-Prozessors. Ganz unten, am schmalen Rand klebt der Chip. Von außen wird er nur durch etwas Plastik geschützt, wie Bild 2 verdeutlicht. Ich persönlich finde das recht abenteuerlich.

Aber so in freier Wildbahn sieht der Prozessor schon recht hübsch aus:

20180208_133709.jpg

Als nächstes nehme man das Motherboard.

20180208_133146.jpg

Ahhhhh, manche kaufen sich den Playboy oder besuchen irgendwelche Erwachsenenseiten im Internet, ich könnte mir stundenlang solche sexy Schönheiten angucken. Hinter dem 5-eckigen schwarzen Etwas im unteren rechten Bereich leuchtet eine kleine LED und wechselt fröhlich die Farben, was das irgendwo tief in mir drinnen wohnende Mädchen sehr hübsch findet.

Oben mittig befindet sich der Sockel für die CPU. Der Einbau ist denkbar einfach. Den kleinen Hebel unterhalb des Sockels umlegen, den Prozessor auf den Sockel stecken – wobei kleine markierte Ecken sowohl auf dem Sockel als auch auf dem Prozessor helfen, die CPU richtig herum einzulegen. Wenn man die richtige Ausrichtung getroffen hat, gleitet der Prozessor butterweich in den Sockel und der Hebel kann leicht, ohne Widerstand umgelegt werden.

Das Wichtigste beim Basteln am Rechner (wie eigentlich überall): keine Gewalt. Oder wie der Klempner sagt: Nach fest kommt ab. Alle Anschlüsse und Verbindungen sind so gestaltet, dass sie im Normalfall nur auf eine einzige Art passen und sich in der Regel leicht ein- oder ausbauen lassen. Sollte es hakeln, dann ist es nicht der richtige Stecker für den Anschluss oder der Stecker hat nicht die richtige Ausrichtung (unbedingt die kleinen Nasen und Einbuchtungen beachten) oder irgendein Hebel hält noch fest und muss gelöst werden. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gilt für die alten 4-adrigen Stromstecker, die sich nur mit fast unmenschlicher Anstrengung wieder lösen ließen und die mich diverse Fingernägel und Hautfetzen gekostet haben.

20180208_133344.jpg

Riegel, vielleicht nicht ganz kalorienfrei, jedoch eher unverdaulich, aber doch ganz süß. Die zwei 8GB DDR4 RAM 3000MHz Speicherriegel in einem schicken Rot von Corsair finden ihr Plätzchen oben rechts in den Slots neben dem CPU-Prozessor.

20180208_133855.jpg

Das Herzstück sitzt und auch der Arbeitsspeicher glänzt. Auf dem Bild ist gut die goldene Ecke oben links am Prozessorrand zu erkennen.

Als nächstes folgt der einzig wirkliche knifflige Schritt, bei dem man besonders sorgfältig vorgehen sollte: der Einbau des CPU-Kühlers. Mir ist ein kleiner Designfehler unterlaufen, welchen ich vielleicht bei Bedarf noch ändern werde, aber vermutlich bleibt es jetzt so.

20180208_134816.jpg

Noctua, der Hersteller des von mir ausgesuchten Kühlers, bietet den Einbau in zwei Ausrichtungen an, je nachdem, wie das Motherboard designed wurde und der Kühler am besten hinpasst. Aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen entschied ich mich, die langen Montagebrücken zu verwenden und damit den Lüfter horizontal zu stellen. Erst im Nachgang fiel mir auf, dass dadurch der zweite Kühlerlüfter mit der Grafikkarte kollidiert und musste diesen wieder ausbauen. Ein vertikaler Einbau hätte vermutlich Platz für beide Lüfter geschaffen, wobei ich mir beim Betrachten der Bilder gar nicht mehr so sicher bin.

20180208_135225.jpg

Wie auch immer, das Kniffligste ist das Auftragen der (mitgelieferten) Wärmeleitpaste. Da der Klopper von einem Kühler den Zugang zur direkt darunter befindlichen Platine erheblich erschwert, ist übergelaufene Paste nur schwer bis gar nicht zu entfernen und matscht dann für alle Zeiten aufm Board rum und richtet womöglich irgendwelchen Unsinn an. Von daher, am Besten der Empfehlung des Herstellers folgen, welcher einen mittigen, 5 mm großen Klecks empfiehlt (anderer Hersteller, andere Paste, andere Empfehlung). Dann den Lüfter auf die Metallbrücken setzen und festschrauben. Dabei immer mal nach der Paste schauen, ob sie den Rand erreicht oder sogar überläuft. Bei dem Noctua-Lüfter ist zusätzlich ein Mechanismus eingebaut, der verhindert, dass man die Schrauben überdreht. Sehr löblich!

20180208_140004.jpg

So sieht der Kühler mit den 2 mitgelieferten Lüftern aus. Das Board hat zwei separate Anschlüsse für die CPU-Lüfter, aber Noctua hat der Packung einen Adapter beigelegt, wenn man nicht diesen Luxus hat und beide Lüfter auf einen Stecker bringen muss. Man kann hier auch schon wunderbar erkennen, dass der obere PCIe-Slot, der da an der Unterkante des 2. Lüfters vorblitzt, nicht mehr genutzt werden kann. Da meine Grafikkarte der Wahl jedoch so groß ist, kann sie nicht im unteren PCIe-Slot eingesetzt werden und so musste eben der 2. Lüfter weichen. Nach einem knappen Monat Betrieb reicht die einfache Lüftung jedoch völlig aus.

Ich kümmerte mich dann erstmal um etwas einfacheres, dem Einbau der Festplatten und der Energieversorgung. Ich hatte das be quiet! Netzteil mit Kabelmanagement gekauft, wobei ich nicht wusste, was „Kabelmanagement“ eigentlich bedeutet. Netzteile sind für mich immer große schwere Kästen, aus denen eine Menge Kabel ragen, von denen ich noch nie alle gebraucht habe. Genau dieses Thema addressiert das Kabelmanagement, in dem es für jeden einzelnen Strang einen separaten Anschluss bietet. Braucht man einen bestimmten Strang nicht, lässt man ihn weg und hat – schwupps – mehr Platz im Gehäuse. Sehr praktisch!

20180207_180727.jpg

Im Hintergrund oben links kann man die Einschübe für die Festplatten sehen. Jede Festplatte wird auf ein eigenes Tray geschraubt und das Tray dann ins Gehäuse geschoben. Die SSD wird ganz platzsparend an die Außenseite des Gehäuses gepackt, den Einbauort kann man gerade so noch in der oberen linken Bildecke erkennen. Ich finde dies eine sehr schöne Lösung, da damit die ganze Stromverkabelung der Festplatten auch im hinteren Gehäuseteil bleibt und nicht wie bei den Vorgängern mit vorne am Board rumbaumelt und grundsätzlich im Weg ist.

20180207_174434.jpg

Das Netzteil hat gleich ein ganz eigenes Gehäuse im Gehäuse bekommen, auf dem Bild in der Metallbox mit dem Sharkoon-Namenszug. Das sieht dann gleich viel aufgeräumter aus und mit ner Glasscheibe an der Seite ist Ordnung nicht ganz unwichtig.

Oben rechts die bekannten Einschübe für CD-/DVD-Laufwerke.

Dann wurde es etwas fummlig, als ich das Board ins Gehäuse friemeln wollte. So fummlig, dass ich am Ende den hinteren Gehäuselüfter ausbauen musste, damit sich das Board in die hinteren Gehäusebuchsen schieben ließ. Sobald alles richtig saß, wurde das Board festgeschraubt. Dazu gab es 9 Schraubstellen, aber irgendwie hab ich nur 8 gefunden. Ich glaube, der CPU-Kühler war auch hier zu ausladend.

Am Ende noch die Grafikkarte an den richtigen Platz stehen, den Gehäuselüfter wieder eingebaut, die ganzen Kabel angesteckt und das Kunstwerk bestaunt.

20180208_162719.jpg

Besonders bei der Verkabelung hat das Board-Handbuch wertvolle Dienste geleistet, denn nicht immer war durch den Aufdruck auf der Platine erkennbar, welcher Stecker wohin gehörte.

Und dann kam der spannende Moment: das erste Einschalten. Fliegt mir das Ding um die Ohren? Brennt das Teil ab? Macht es überhaupt irgendwas?

Es machte und begrüßte mich mit einem wunderhübschen BIOS:

20180208_163513.jpg

Ich hab ein bisschen am BIOS rumgefummelt, dann mit den bekannten Schwierigkeiten Windows 10 installiert und fertig!

Zum Ausreizen der ganzen Technik habe ich mir Assassin’s Creed Origins gekauft und spiele das in den allerhöchsten Einstellungen ohne Probleme. Keiner der vielen, vielen Lüfter dreht höher als im Normalzustand, was ich sehr begrüße. Ganz generell ist der Rechner sehr leise.

Und er leuchtet blau ❤ ❤ ❤

High End

Als der Schotte (oder Schwabe) gefragt wird, wie es dazu kam, dass sie jetzt auch noch das 11. Kind bekommen haben, antwortet er: „Alles fing damit an, dass wir noch ein paar Windeln übrig hatten.“

Nun haben wir kein weiteres Kind bekommen und ich bin auch nicht schwanger, trotzdem habe ich ein neues Baby. Und das kam so.

Ich bin ein ruheliebender Mensch. Ich mag es, wenn es still ist. Was mich hingegen auf die Palme bringt, sind nervige Nebengeräusche, die Kreissäge auf dem Hof des Nachbarns, das Klappern loser Teile im Auto, das Rascheln des mitwippenden Fusses, wenn mein Mann mal wieder interessante Musik gefunden hat. Ganz vorne auf der Liste solcher Geräusche sind laute Lüfter bei Rechnern. Da wir unsere Rechner alle im Wohnzimmer haben, lege ich großen Wert auf superleise Rechnertechnik.

Doch dann sabotierte mich mein eigener Rechner. Jahrelang hatte er mir treue Dienste geleistet und das so leise, dass ich immer nachgucken musste, ob denn das kleine Lämpchen brennt, um zu sehen, ob er wirklich eingeschaltet war, wenn ich den Monitor aus Energiespargründen ausgeschaltet hatte. Plötzlich war er laut, irgendeiner der vielen Lüfter drehte auf Hochtouren und wollte sich gar nicht mehr beruhigen.
Ich schaute in diversen Foren nach und stieß auf das Phänomen, dass sich nach bestimmten Windows-Updates die Prozessor- oder Gehäuselüfter nicht mehr regulieren ließen und unter Volllast rotierten. Ich versuchte, die Updates rückgängig zu machen, doch ohne Erfolg. Ich saugte den Innenraum des Rechners mehrmals gründlich aus, denn auch Wollmäuse sind bekannt für Störgeräusche. Leider brachte das ebenso nichts.

Nachdem der Rechner drei Tage lärmte, schraubte ich ihn erneut auf und hielt mein Ohr an alle mechanischen Teile und siehe, es war die Grafikkarte, die sich geräuschemäßig in den Vordergrund drängelte. Nun war der Rechner bereits im 6. Lebensjahr und ich dachte, eine neue Grafikkarte kann nicht schaden. Also ein bisschen gestöbert und geforscht und eine schicke Sapphire RADEON RX 570 8GB GDDR5 NITRO+ geordert. Sie kam auch, wurde eingebaut und mein Rechner war wieder superleise.

Nur doof, dass die Grafikkarte einen PCIe 3.0 Slot benötigt, um mit voller Datenrate übertragen zu können, mein alter Rechner aber nur PCIe 2.0 Slots hat. Das ist irgendwie wie Porsche fahren, aber nicht höher als bis zum 3. Gang schalten zu können. Kann man machen, macht aber keinen Spaß.

Auf meiner neuen Arbeitsstelle hatte ich anfangs einige Probleme mit meinem Rechner, der nur in aller Eile und nicht besonders gründlich für mich vorbereitet worden war. Daher war ich öfter mit einem der SysAdmins zugange und wir quatschten über dieses und jenes und ich meinte, wie toll ich es fände, dass der Rechner so schnell hochfährt und überhaupt schön schnell reagiert. Ja, das liegt an der SSD-Festplatte, die sind einfach irre schnell.
Ich machte mir innerlich eine Notiz, dass wenn ich mir mal einen neuen Rechner zulegen sollte, dann nur mit SSD als C-Laufwerk.

Wenn man sich wie ich arbeitstechnisch öfter auf heise.de umschaut, stieß man die letzten Monate unweigerlich auf die neuen AMD-Ryzen-Prozessoren. Sie sollten leistungsmäßig angeblich den Intels mächtig Konkurrenz machen, dafür im Gegenzug aber nur einen Bruchteil kosten. Die Artikel mehrten sich und ich schaute, was die Ryzen denn in echt können und kosten und welche Voraussetzungen für den optimalen Betrieb nötig sind. Als erstes musste ein entsprechendes Motherboard her. Eines mit den aktuellstens Slots und Anschlüssen, welches die Leistung des Chipsatzes auch ordentlich auf die Straße brachte. Ich entschied mich für ein Asus ROG Strix B350-F Gaming Mainboard Sockel AM4. Denn, und das empfand ich als nicht soooo unwichtig, die Ryzen-Prozessoren können gut und ohne großes Risiko übertaktet werden, um so noch mehr Leistung rauszuholen. Dafür brauchte man allerdings ein entsprechendes Board und das B350 ist so eines.

Als Prozessor wählte ich schlussendlich den AMD Ryzen 7 1800x, bis auf die Threadripper-Serie das Beste, was AMD derzeit anbietet und die Preisunterschiede zwischen 1700, 1700x und 1800x sind so marginal, dass ich problemlos auf das leistungsstärkste Modell zurückgreifen konnte. Gekühlt werden sollte das durch den Noctua NH-D15 SE-AM4 140mm Premium Dual-Tower CPU Kühler. Dieser versprach, dass er ganz leise sei und dennoch ordentlich Leistung bringen würde und man könnte bei Bedarf sogar einen zweiten Lüfter für zusätzliche Kühlung anschließen.

Zur Unterstützung gab es zwei Corsair Vengeance LPX 8 GB DDR4 3000MHz Speicherriegel und wie gewünscht eine Samsung MZ-75E500B/EU 850 EVO interne SSD 500GB Festplatte. Der Preissprung zur 1 TB Variante war mir dann doch zu heftig, zumal ich ja noch 2 normale HDD mit 1 und 2 TB hatte, die vom alten in den neuen Rechner umziehen sollten.

Eingebaut werden sollte all dies auch in ein neues Gehäuse, da durch den Noctua-Lüfter das alte zu klein geworden war. Außerdem waren beim alten Gehäuse sämtliche USB- und Soundanschlüsse auf der Vorderseite ausgefallen, wobei ich mir nicht die Mühe machen wollte herauszufinden, ob dies am Board oder am Gehäuse lag. Denn ich wollte auch das Innenleben endlich adäquat präsentieren. Erst nach dem Kauf der Grafikkarte stellte ich nämlich fest, dass diese leuchtete und ich fand es schade, dieses Gimmick hinter blickdichtem Blech verschwinden zu lassen. So kam dann eben noch ein Sharkoon DG7000-G PC-Gehäuse mit extragroßem Seitenfenster aus gehärtetem Glas dazu. Ich mag Sharkoon, meine Tastatur und Maus sind vom gleichen Hersteller.

Zu guter Letzt bestellte ich noch ein be quiet! Pure Power 10 600W ATX PC Netzteil. Ich hätte zwar auch mein altes be quiet! weiter nutzen können, doch war ich mir unsicher, ob 500W ausreichend sind für das kleine Monster, was ich erschaffen hatte. Zudem plante ich, mein altes Netzteil in den Rechner meines Mannes zu bauen, da seines von xilence viel zu laut war.

Die nächsten beiden Tage schraubte und bastelte ich an meinem neuen Rechner, jede Minute genießend. Zwischendurch war ich mir immer mal wieder unsicher, ob ich alles richtig gesteckt und verkabelt hatte, doch am Ende passte alles zusammen und kein Schräubchen blieb übrig. Dabei half auch, dass alle Hersteller ausführliche Anleitungen ihren Produkten beigelegt hatten.

Das große Finale sollte dann die Installation des Betriebssystems auf der niegelnagelneuen SSD sein. Ich entschied mich für Windows 7, weil ich das sehr gern mag, es unglaublich stabil ist und mir Windows 10 zuviele Daten sammelt. Außerdem stört mich bei Windows 10, dass man die Updates nur verschieben, aber nicht komplett unterbinden kann.
Microsoft hatte jedoch etwas gegen meine Pläne und unterband die Windows-7-Nutzung damit, dass die Installation immer wieder an der selben Stelle abbrach. Erneute intensive Forenrecherche ergab, dass die USB-3-Schnittstellen und Windows 7 absolut nicht miteinander kompatibel sind und so blieb mir am Ende nur die Wahl, auf Windows 10 zu schwenken.
Glücklicherweise gab es vor einiger Zeit ein höchstrichterliches Urteil, dass Software weiterverkauft werden darf und damit konnte ich ein Windows 10 Professional für 1/10. des MS-Preises erwerben.

Die Installation selbst verlief schnell und problemlos und bereits da zeigte sich, dass der Schwenk auf eine SSD-Festplatte einen echten Geschwindigkeitsvorteil bringt. Der ganze Rest war dann nur noch Fleißarbeit und eine halbe Stunde später hatte ich meinen neuen, leisen, superstarken Rechner am Laufen.

Jetzt brauche ich nur noch Spiele oder Programme, die die Leistung meines Babies mal ausreizen können. Empfehlungen Anyone?

Wenn sich eine Tür schließt …

… öffnet sich eine andere.

Es sei denn, man sitzt im Gefängnis, da sind die Aussichten dann eher trüb.

Oder wie ich gerne sage: Für irgendwas wird es schon gut sein.


Vor 11 Jahren nahm ich einen Job in meiner Heimatstadt an, um nach Jahren im imperialistischen Exil wenigstens wieder in meinem Heimatland arbeiten zu können. Ich war frisch verheiratet und hatte die Nase von Wochenendbeziehungen gründlich voll. Doch leider war die Anstellung nicht von Dauer, denn der Firma fiel nichts anderes ein, als mich als Consultant durch die Weltgeschichte zu schicken. Die Grundsituation war also die gleiche, nur dass ich dafür mehr Geld bekam.

Da dies zu den Hochzeiten meiner damals noch unbehandelten Depressionen war, bat ich darum, nach einem Jahr aus dem Arbeitsvertrag entlassen zu werden. Während des kurzen Intermezzo hatte ich aus Gewohnheit die mir besser bekannten Kollegen im Xing als Kontakte hinzugefügt.

Dann war ich erstmal eine ganze Weile mit mir beschäftigt, machte diverse Therapien, bekam das große Kind, fand einen Job und stieg wieder ins Arbeitsleben ein. Dass dies ein wenig turbulenter war, als ich es gerne gehabt hätte, ist hinlänglich bekannt.

Als ich meine letzte Stelle antrat, änderte ich auch auf Xing wie üblich meine Daten und fügte den neuen Arbeitgeber hinzu. Kurz darauf kontaktierte mich ein Kollege von damals und meinte, dass die Firma einen sehr dubiosen Ruf hätte und mit eher unlauteren Mitteln Geld verdienen würde. Ich horchte auf, forschte im Unternehmen nach und fand heraus, dass die „unlauteren“ Mittel das Geschäftsmodell war und sämtliche Kunden darüber Bescheid wussten.
Ich antwortete dem Kollegen entsprechend und vergaß ihn wie schon zuvor.

Mein nächstes Xing-Update rief wieder jenen Kollegen auf den Plan. Mit Begeisterung sah er, dass ich mich mit dem Thema Datenschutz, Informationssicherheit und ISO 27001 befasste. Er wollte mich für sein Unternehmen abwerben, ich hingegen wollte in diesem umfangreichen und recht unübersichtlichen Themengebiet Erfahrungen sammeln. Wenn wir mit der Zertifizierung durch wären, würde ich mich wieder melden, sagte ich ihm.

Anfang des Jahres, als die Situation unerträglich wurde, nahm zur Abwechslung ich Kontakt zum Kollegen auf und fragte, ob denn sein Angebot noch stehen würde. Kurz darauf trafen wir uns zu einem informellen Gespräch, plauderten über alte Zeiten, er stellte die Firma vor und meinte, dass ich mit meinem Profil ganz gut reinpassen würde.

Ich schöpfte Hoffnung, dass ich sehr bald schon nicht mehr in die alte Firma müsse, sondern mich in einer geordneten Umgebung diesem spannenden Thema widmen könnte.
Aber, natürlich, kam wenig später der Anruf des Kollegen, dass die Firma derzeit umstrukturiert würde (wie ich dieses Wort mittlerweile hasse) und man augenblicklich nicht abschätzen könne, wie lange der Umbau dauere und wie danach der Personalbedarf aussieht. Dennoch habe er mein Profil dem Geschäftsführer vorgelegt, bitte aber um Geduld, er würde sich wieder melden.

Während sich mein befristeter Vertrag dem Ende neigte, fragte ich vorsichtig nach, wie denn die Umbauarbeiten voran gingen. Es wurde nach wie vor gebaut. Ich machte gedanklich einen Haken an die ganze Sache und widmete mich intensiv dem Bewerbungen schreiben. Es gab diverse Angebote, seltsamerweise war die Stellenbörse des Jobcenters die beste Quelle, ich wurde zu vielen Vorstellungsgesprächen eingeladen und bekam aus diesen oder jenen Gründen eine Absage.

Dann kam die Horrorwoche, in der sich mein Opa am Sonnabend umbrachte, am Montag mein Großer auf dem Heimweg vom Hort von einem Junkie überfallen wurde, der ihm den Ranzen klauen wollte und in der ich am Dienstag die niederschmetternde Absage für die Traumstelle bekam. In dieses ganze Chaos hinein bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von eben jenem Kollegen, dass der Umbau abgeschlossen und die Stelle, für die er mich im Auge hatte, jetzt von der Geschäftsführung frei gegeben worden sei. Aber vermutlich wäre er eh schon zu spät dran.

Als ob! Ich konnte aber in der ganzen Aufregung nur kurz zurückschreiben, dass meine Welt gerade im Chaos versinkt und ich mich in 2 Tagen melden würde, wenn ich halbwegs wieder geradeaus denken könnte. Und dass er noch nicht zu spät sei.

Am nächsten Tag kam erneut eine Nachricht, ob ich denn am nächsten Dienstag zwischen 10 und 14 Uhr Zeit hätte. Hatte ich, aber nur zwischen 10 und 12 Uhr, da ich um 14 Uhr ein Vorstellungsgespräch hätte, was ich natürlich nicht sagte.
Daraufhin wurde ich für 11 Uhr zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer und Kollegen eingeladen.

Der Dienstag kam, ich packte es gerade noch so pünktlich zum Termin und wurde direkt vom Geschäftsführer in Empfang genommen. Von meinem Kollegen keine Spur, ich war also auf mich allein gestellt. Was aber gar nicht schlimm war, da mein Gegenüber ein sehr angenehmer Gesprächspartner war, mit dem ich über eine Stunde lang plauderte, über meinen Werdegang, die Irrungen und Wirrungen in meinem Lebenslauf, die Herausforderungen auf einem sich ständig wandelnden Markt und sogar privaten Kram.

Die Chemie stimmte auf Anhieb, wie man so schön sagt. Das Beste war allerdings, dass mein kleinteiliger Lebenslauf mal nicht als Nachteil, sondern als absoluter Vorteil angesehen wurde. Der Geschäftsführer sah mich in der Position einer über allen Abteilungen stehenden Stabsstelle, die sich alle Prozesse und Abläufe im Unternehmen anschauen und diese ordnen würde. Zwar seien seine Mitarbeiter hochmotiviert und super qualifiziert, doch fehle ihnen der Blick für das große Ganze. Auch sei die Vernetzung zwischen den einzelnen Abteilungen noch ausbaufähig, denn es sei häufiger so, dass für kurze Zeit in einer Abteilung der absolute Notstand herrscht, während sich nebenan die Mitarbeiter gerade langweilen. Da wäre es doch super praktisch, wenn man die Auslastung gleichmäßiger auf alle Mitarbeiter verteilen könnte, aber das ginge eben nur, wenn jemand den Überblick über alles hätte.

Und genau da sähe er mich.

Und ich mich irgendwie auch.

Vom Klang her wäre das genau was für mich. Ich bin in dem Sinne kein Spezialist, sondern eher Generalist. Ich kann vieles gut, aber nichts sehr gut. Ich mag das themenübergreifende Arbeiten und ich liebe es, zu abstrahieren und auch zu improvisieren. Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, miteinander zu kombinieren.

Leider war das Gespräch zu schnell zu Ende, da der Geschäftsführer bereits den nächsten Termin hatte. Er würde sich aber am Montag melden und mir dann auch genau sagen können, wie die Stelle heißt und mit welchem Gehalt ich rechnen könnte. Vielleicht würde es auch eine etwas andere Stellenbeschreibung als die, über die wir uns unterhalten hätten, er müsse darüber noch nachdenken. Auf jeden Fall würde ich aber sehr gut passen.

Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Klar war ich super erfreut, das alles zu hören, aber gefeiert wird erst, wenn die dicke Dame singt.

Mein Kollege erkundigte sich noch kurz bei mir, wie es gelaufen ist und zeigte sich ebenfalls hoch erfreut.

Ich ging heim und bereitete mich auf das nächste Vorstellungsgespräch vor, welches ich meiner Meinung nach völlig verkackte, mit totalem Blackout und Gestammel über ein Thema, in dem ich sonst sehr sicher bin. Abends war noch Weihnachtsbasteln in der Schule, wo ich mich mit meiner seit 2 Wochen andauernden, richtig fiesen Erkältung hinschleppte. Für Euphorie blieb da kein Platz mehr.

Am Donnerstag bekam ich zuerst einen Anruf, dass ein Vorstellungs-/Sondierungsgespräch mittelprächtig erfolgreich war und ich für eine, aber nicht meine gewünschte, Stelle in Frage käme. Wenn ich Interesse hätte, sollte ich mich melden und ich würde erneut eingeladen.
Kurz danach rief mich meine Personalvermittlerin an und meinte, das Gespräch, bei dem ich dachte, ich hätte es verkorkst, sei erfolgreich gewesen und ich würde am Mittwoch zu einem zweiten Gespräch eingeladen.

Ich sagte zu allem Ja und Amen, schließlich war meine Unterschrift unter keinen Arbeitsvertrag gekritzelt. Und es gibt ja immer noch die berühmten kotzenden Gäule in der näheren Umgebung von legalen Drogenhändlern.

Der Montag kam und ging, ohne dass ich eine Nachricht erhalten hatte. Ich machte mir Sorgen. Am Dienstag fragte ich bei meinem Kollegen nach, ob er mal beim Geschäftsführer vorsichtig nachhaken könne, was denn nun sei und ich bekam als Antwort, dass der Entscheider krank wäre. Also weiter warten. Am Mittwoch hakte ich nochmals nach und bekam als Antwort: „Vertragserstellung ist im Innendienst angeschoben.“

Ein leises Jubeln meinerseits.

Am Wochenende darauf bekam ich per Email den Vertragsentwurf zugeschickt. Sah alles soweit richtig gut aus. Das Gehalt war ein klein wenig geringer als gewünscht, aber immer noch mehr, als ich je zuvor irgendwo verdient hatte. Leider waren die Urlaubstage nur mit 25 angegeben. Schon ein bissl mickrig. Ich konsultierte meine Freunde, wie ich es am cleversten anstellen sollte und sie meinten, ich sollte schlicht nach mehr fragen.

Was ich dann auch tat, mit dem Hinweis, dass meine letzten Verträge alle mindestens 28 Tage Urlaub hatten. Ist nur so halb geflunkert, denn beim Radio hatte ich 30, bei der letzten Firma 26, gibt im Durchschnitt 28 😉

Knapp eine Stunde später kam per Email die Antwort, dass die Urlaubstage im Vertrag auf 28 geändert würden und der Vertrag sich demnächst per Post zu mir auf dem Weg befände.

Uff, das war einfacher als gedacht.

So wartete ich nun auch den Arbeitsvertrag, schrieb weiter Bewerbungen und sah nebenbei eine Sendung, bei der erklärt wurden, dass Pferde aufgrund ihrer Anatomie eher seltenst kotzen würden, es aber auch kein nie dagewesenes Ereignis wäre.

Drei Tage vor Weihnachten kam der Vertrag. Zwei Tage vor Weihnachten meldete ich mich der Agentur für Arbeit ab. An Silvester unterschrieb ich den Vertrag.

Und am Donnerstag war mein erster Arbeitstag!

Gut Ding will Weile haben. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es wirklich ein gutes Ding ist.

Ich werde berichten 🙂

Es war einmal …

… das beste Jobangebot der Welt.

Das Märchen vom verzweifelten Hoffen

Eine Frau, weder hübsch, noch jung noch Prinzessin, suchte intensiv nach einer neuen Arbeitsstelle, weil es bei der alten nicht so gut gelaufen ist. Ihr wurden vom Jobcenter viele tolle Angebote geschickt, auf die sie sich brav bewarb. Bei einem Angebot allerdings war sie unsicher, ob sich die Mühe überhaupt lohnen würde, denn es war eine Assistentenstelle an einer privaten Hochschule ausgeschrieben und vom Assistentinnendasein hatte die Frau eigentlich die Nase voll.

Bevor es jedoch Ärger mit dem Arbeitsamt geben würde, schusterte die Frau schnell ein Anschreiben zusammen, packte Lebenslauf und Zeugnisse dran und schickte alles ab. Da die Frau mittlerweile sehr viel Übung im Verfassen von Anschreiben hatte, war die ganze Angelegenheit in 20 Minuten erledigt.

Zwei Tage später trudelte eine Email ins Postfach der Frau, die sich verwundert die Augen rieb, denn mit so einer schnellen Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Ein Professor an der Hochschule wollte die Frau auf einen Kaffee einladen, um sie in einem informellen Rahmen näher kennenzulernen, bevor es zu einem richtigen Vorstellungsgespräch mit Vorstand und Verwaltung kommt. Da die Frau offen für Neues ist, ging sie auf das Gesprächsangebot ein und bereits zwei Tage später irrte sie ein wenig verloren durch die Flure des Hochschulgebäudes, auf der Suche nach dem Büro des Professors.

Plötzlich hörte die Frau hinter sich schnelle Schritte und drehte sich erschrocken um. Ein großer, schlanker Mann in ihrem Alter flitzte über den Flur und fragte die Frau, ob sie denn sie sei, für die er sie halte und die er erwarte. Die Frau bejahte und beide machten sich auf den Weg zum Büro des Professors. Der Mann war sehr nervös, vermutlich war er sehr aufgeregt und führte solche Gespräche nicht häufig. Die Frau hingegen war unaufgeregt entspannt, hatte sie doch keinerlei Erwartungen an das Gespräch oder die Stelle.

Schnell entspann sich zwischen dem Mann und der Frau ein angeregtes Gespräch über Datenschutz und Datensicherheit, Cloud Computing, Brexit, Safe Harbor und mögliche zukünftige Entwicklungen auf diesem Gebiet. Beide merkten schnell, dass sie ein ähnliches Verständnis der Materie hatten und sich wunderbar ergänzten. Der Mann hatte das theoretische Wissen und Erfahrungen in der Forschung, die Frau konnte mit allerlei praktischen Erfahrungen glänzen.

Der Mann bemühte sich, ausführlich zu erklären, dass die Stelle mitnichten eine Assistentenposition ist, sondern mehr einer Dozentenstelle glich. Die Frau sollte bestimmte Seminare und Vorlesungen übernehmen, Forschungs-, Bachelor- und Masterarbeiten betreuen, Kursarbeiten korrigieren, Ansprechpartner für Studierende sein. Dabei sollte sie die Themengebiete übernehmen, bei denen der Mann nicht so firm war.

Die Frau traute ihren Ohren kaum. Was für wunderbare Aussichten. Der Mann jedoch zählte die Punkte auf, die gegenwärtig gegen die Frau als Idealbesetzung sprechen würden. Erstens ist die Stelle auf zwei Jahre befristet und die Frau hatte mehrfach erwähnt, endlich eine Arbeit haben zu wollen, wo sie sich langfristig engagieren kann. Der Mann beeilte sich, zu betonen, dass er davon ausginge, dass es nach den 2 Jahren mit 99%iger Sicherheit weitergehen würde, weil die aktuelle Phase nur ein Testlauf ist, der bei entsprechendem Erfolg in eine permanente Arbeit umgewandelt würde. Der Vorstand trieb das Projekt massiv voran und der Mann selbst war ebenso sehr davon überzeugt, dass er sich sogar ein Häuschen in der Stadt gekauft habe, obwohl er von wo ganz anders her stammte.

Zweitens hatte die Frau nur ein FH-Diplom, was nach der Bologna-Reform des Studienwesens einem Bachelor-Abschluss mit 7 Semestern entspräche. Um aber tatsächlich richtige Vorlesungen halten zu können, ist zwingend ein Masterabschluss notwendig.

Die Frau sackte innerlich zusammen. Der Silberstreif am Horizont verblasste zu einem tristen Grau. Noch im gleichen Atemzug sagte der Mann, dass es gar kein Problem wäre, wenn die Frau bei ihm seine Datenschutzvorlesung besuchte und innerhalb eines Jahres den Masterabschluss nachhöle. Das Herz der Frau machte einen kleinen Hüpfer. Der Mann meinte, dass sogar noch mehr drin wäre. Wenn die Frau in der Forschung aktiv tätig ist, dann erwarte er auch regelmäßige Publikationen und nach einigen Jahren könnte man diese Dokumente zusammentackern, ein schönes Vorwort dazu schreiben und letztendlich mit wenig Aufwand eine Dissertation daraus machen. Und mit einem Doktortitel, so meinte der Mann, stünde sogar einer richtigen Professur nichts im Wege. Natürlich würde dies ein paar Jahre dauern, aber der Mann war zuversichtlich, dass dies durchaus realistisch sei.

Das Herz der Frau führte einen Freudentanz auf, das Hirn sang Halleluja in Dauerschleife. Die Frau konnte ihre Freude und Aufregung nicht verhehlen, was der Mann mit einer ebensolchen Freude zur Kenntnis nahm.
Auf den finanziellen Aspekt angesprochen – immerhin hatte sich die Frau eine Familie und einen gewissen Lebensstandard aufgebaut – meinte der Mann, dass die Frau während der ganzen Zeit bei der Firma mit dem großen, magentafarbenen Buchstaben angestellt wäre und diese Firma überdurchschnittlich gut zahlen würde. Wie hoch genau das Einkommen wäre, konnte er nicht sagen. Die Frau erzählte von ihren letzten Einkommen, der Mann lächelte milde und meinte, dass die Frau mit wesentlich mehr Geld rechnen könnte.

Mehrmals versuchte der Mann, die Frau aus der Fassung zu bringen, indem er völlig unvermittelt aus dem Zusammenhang gerissene Fragen stellte.
Der Mann sagte, dass die Frau im Anschreiben erwähnte, dass „Kommunikation und Deeskalation selbst mit schwierigsten Charakteren in einem spannungsgelandenen Umfeld“ für die Frau kein Problem darstellte. Die Frau führte aus, dass ihr nach drei Jahren in einer PC-Hotline nichts menschliches mehr fremd ist. Jegliche Geschichten oder Urban Legends, die man über Hotlines gehört hat, sind real und ihr genauso passiert. Die Frau habe tatsächlich kein Problem, wenn jemand völlig spannungsgeladen vor ihr steht, weil der Chef demjenigen im Nacken sitzt und just in diesem Moment der Rechner oder Drucker ausgefallen ist. Die Frau konnte diese Personen immer wieder beruhigen, herunterbringen und innerhalb kürzester Zeit eine praktikable Lösung herbeiführen.
Die Frau erwähnte, dass solche Wutausbrüche normal seien und sogar ihr passieren. Sie ziehe allerdings die Linie, wenn die Person am anderen Ende persönlich und beleidigend würde. Der Mann nickte verstehend.

Beim nächsten Versuch meinte er, was die Frau denn sagen würde, wenn der Mann ankäme und der Frau offerierte, sie müsse seine Vorlesung halten. Wäre es eher „ok, gut“ oder „oh Gott!“. Die Frau sagte: beides. Sie würde natürlich versuchen, anhand der Folien und Unterlagen des Mannes eine gescheite Vorlesung zu halten und würde sich, je nach Vorlaufzeit, über Randthemen informieren, um den Studierenden Rede und Antwort stehen zu können. Letztendlich würde die Frau die Vorlesung halten, aber würde sich wohl nicht sonderlich wohl dabei fühlen.

Der letzte Versuch, die Frau aus der Fassung zu bringen, begann damit, dass der Mann meinte, was sie denn sagen würde, wenn er ihr die Aufgabe übertrage, 200 Klausuren zu korrigieren.
Innerhalb von 4 Wochen.
Die Frau lachte und meinte, dass dies doch verdammt viel Zeit sei. Sie hätte eher mit drei Tagen gerechnet.
Der Mann staunte. Er konnte die Frau wirklich nicht nervös machen.
Der Mann wusste allerdings auch nicht, welchen Mist die Frau die vergangenen Jahre so mitgemacht hatte und das all dies in ihren Ohren wie Kindergarten klang.

Nachdem die Frau und der Mann noch ein wenig Smalltalk über Interessen jenseits der Hochschule gesprochen hatten und dabei viele weitere Gemeinsamkeiten feststellten, näherte sich das Gespräch dem Ende. Der Mann meinte, er hätte noch zwei andere Kandidaten, welche er interviewen würde und bis auf den fehlenden Masterabschluss könnte er keine negativen Punkte in der Vita der Frau festmachen. Er müsste dann eben entscheiden, ob er das eine Jahr mit Seminarbetreuung und Handlangerarbeiten überbrücken kann oder ob er auf jemanden angewiesen ist, der dringend und sofort komplette Vorlesungen übernehmen könne. Die Frau wäre aber sein haushoher Favorit.

Die Frau konnte ihr Glück kaum fassen. Beschwingt ging sie zum Auto und fuhr heim, immer wieder Doktor und Professor im Ohr. Die ganze Welt war mit einem rosa Schleier umrandet, dabei konnte die Frau rosa eigentlich gar nicht leiden. Sie wollte der ganzen Welt von diesem Gespräch berichten, zusammen mit anderen von der Zukunft träumen, von einer Karriere, die sie längst verloren glaubte. So oft hatte die Frau überlegt, ob sie nochmal studieren sollte, sie fühlte, dass sie mit diesem Thema noch nicht durch war. Aber Studium und Familie ließen sich nur unter hohen Entbehrungen vereinen, weswegen die Frau immer wieder Abstand davon nahm.

Einige Tage schwebte die Frau auf Wolke Nummer 7, bis sie eine nüchterne Email bekam, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sich der Mann für einen der anderen Kandidaten entschieden hatte.

Wäre die Frau eine junge, hübsche Prinzessin gewesen, hätte sie die Stelle wohl bekommen und glücklich bis ans Ende ihrer Tage gelebt. So nahm die Frau Schaufel und Besen und kehrte den Scherbenhaufen ihrer zerbrochenen Hoffnungen routiniert zusammen.

Vorahnung

Am 30. Oktober feierte mein Opa seinen 98. Geburtstag. Da durch den bundesweiten Feiertag am 31.10. der Montag davor schulfrei war, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, zu eben jenem Geburtstag in meine Heimatstadt zu fahren und am Ehrentag dabei zu sein. Schließlich ist in dem Alter die Anzahl zukünftiger Geburtstage recht überschaubar.

Ich rief meine Eltern an, ob es ok wäre, wenn ich mit dem Großen vorbeikommen und auch gleich dort übernachten würde. War es nicht. Weil meine Ma Frühschicht hatte und bis 14 Uhr an diesem Tag arbeiten musste. Außerdem war der Tisch in der Gaststätte, in der gefeiert werden sollte, nur für 12 Personen ausgelegt und lag in einer Nische, so dass zusätzliche Personen schlicht keinen Platz daran gehabt hätten. Mein Vorschlag, doch zum Essen selbst an einen Nebentisch zu gehen und zum Quatschen, wo Armfreiheit nicht so wichtig ist, an den großen Tisch zu kommen, fand keinen Anklang.

Ich war einigermaßen sauer, weil ich beides für bloße Ausreden hielt, die meiner Ma zusätzlichen Aufwand vom Halse halten wollte. Ich überlegte, ob ich auf gut Glück fahre, als special guest, aber auf den Stress mit meinen Eltern hatte ich irgendwie auch keine Lust.

Eigentlich wollte ich direkt am Geburtstag meinen Opa anrufen und gratulieren, war aber mit dem Großen in der Stadt unterwegs. Als ich anrufen wollte, war mein Opa bereits in der Gaststätte, so dass ich den Anruf verschieben musste.

So rief ich denn am nächsten Tag an und ließ mir ausführlich von der Feier erzählen. Mein Großer gratulierte ebenfalls, schließlich sind die beiden ganz dicke miteinander und immer, wenn sein Urenkel zu Besuch bei den Großeltern war, musste der Uropa besucht werden, der sich jedes Mal sehr darüber freute.
Außerdem fragte ich, wie es ihm ginge, was mein Opa etwas unverbindlich mit „geht so“ beantwortete. Bei der Verabschiedung meinte ich, dass wir uns bestimmt zu Weihnachten sehen. Dies hat sich in den letzten Jahren zur Tradition entwickelt, dass er für einen Nachmittag zu meinen Eltern kam oder wir zu ihm, je nach Laune und Verfassung.

Leider teilte er meine Vorfreude nicht, sondern meinte, dass er sich gar nicht sicher sei, ob er zu Weihnachten noch da wäre. Ich erwiderte, er solle nicht so etwas sagen, er ist doch noch fit für sein Alter und so lange ist es auch nicht hin. Er sagte erneut, dass er sich nicht sicher sei, dass Leben sei schon sehr beschwerlich und die Einsamkeit machte ihm sehr zu schaffen. Ratlos, was ich dazu sagen sollte, verabschiedete ich mich.

Die nächsten Tage wuchs meine Sorge. Am Telefon hatte mein Opa gemeint, dass er mir zu meinem Geburtstag einen Tag später eine Karte per Einschreiben schicken würde, diese aber wegen des Feiertags wohl ein wenig verspätet ankommt. Ich sagte, dass dies überhaupt kein Problem sei. Bis zum Ende der Woche war keine Geburtstagskarte im Briefkasten. Ich kontaktierte meine Eltern, ob sie denn Neuigkeiten vom Opa hätten, hatten sie aber nicht. Am Dienstag bat ich meine Eltern, beim Opa anzurufen oder vorbeizuschauen, ich hätte so ein ungutes Gefühl, da die Karte immer noch nicht da sei, was äußerst ungewöhnlich war, da mein Opa an sich sehr zuverlässig ist.

Sie riefen mich an, sagten, sie hätten Opa erreicht und die Karte wäre wegen einer falschen Hausnummer zurückgekommen. Sie würde die nächsten Tage erneut, diesmal mit richtiger Hausnummer, losgeschickt. Zudem erzählten sie, dass der Neffe meines Opas jeden zweiten Tag bei ihm vorbeischauen würde und er sofort Bescheid sagte, wenn etwas nicht stimmte.

Ich war erleichtert und beruhigte mich ein wenig. Meine Sorge war nicht unbegründet, gab es in der Vergangenheit doch mehrere Episoden, wo mein Opa versucht hatte, sein Leben zu beenden. So wurde er mehrfach von der Bahnpolizei aufgegriffen, weil er im Gleisbett in der Nähe von Bahnhöfen herumirrte, um sich im passenden Moment vor einen Zug zu werfen. Zum Glück waren die Polizisten immer schneller als der nächste Zug.

Erst als meine Cousine, die als Rettungsassistentin arbeitet und bereits mehrfach menschliche Überreste von Triebwagen und Gleisen kratzen musste, ein Machtwort sprach, hörte er damit auf. Sie meinte, dass wir alle es nicht verhindern könnten, wenn er sich unbedingt etwas antun wolle, aber er solle doch bitteschön darauf achten, keine anderen Menschen in Mitleidenschaft zu ziehen und es gäbe bereits genug Lokführer, die mit einem lebenslangen Trauma klarkommen müssten, weil jemand keine andere Lösung gefunden hatte.

Als wieder einige Tage später immer noch keine Karte im Briefkasten war, wuchs meine Unruhe erneut. Besonders der angesprochene Punkt Einsamkeit beschäftigte mich. Die letzten Jahre waren wahrlich nicht optimal verlaufen. Nicht allzu lange nach dem Tod meiner Oma vor knapp 8 Jahren enthüllte mein Opa ein lange gehütetes Geheimnis. Er habe vor 40 Jahren eine Affäre gehabt, aus der eine uneheliche Tochter entstanden ist. Jetzt würde er die Beziehung zu eben jenem Kind intensivieren wollen.
Seine große Tochter war außer sich. Sie brach für lange Zeit jeglichen Kontakt ab und auch ihr Kinder verringerten ihre Besuche. Sein Sohn war bestürzt, hielt aber den Kontakt so gut es ging aufrecht, was sich in der Vergangenheit eh bereits auf 2-3 Besuche im Jahr beschränkte, da sie ziemlich weit weg wohnten.
Meine Ma nahm die Geschichte gelassen. Sicher war sie gekränkt, dass ihre Mutter betrogen worden war, aber kannte sie das Leben im Allgemeinen doch so gut, dass sie auch diese Wendung mit einiger Gelassenheit hinnahm. Sie war auch die erste aus der Familie, die die Halbschwester begrüßte und ein normales, wenn auch nicht inniges, Verhältnis anstrebte.

Ich bin eh die Allerletzte, die andere Menschen verurteilte und so war es mir von Anfang an gleich. Ich kenne alle Facetten des Lebens und weiß auch, wie schnell es mit so einer Affäre gehen kann. Deswegen hatte ich auch keinerlei Probleme damit, weiterhin engen Kontakt mit meinem Opa zu halten. Schließlich gab es viele gute Erinnerungen, an gemeinsam verbrachte Ferien, Feiertage, Urlaube, Wanderungen und Ausflüge. Meine Großeltern, beide, konnten wundervoll kochen. Sie waren beide Naturfreunde, brachten mir die Grundzüge des Kletterns bei (nicht auf den Knien), zeigten mir die Schönheiten der Natur und waren ganz generell viel weniger streng als meine Ma.

Heute nun kam der Anruf meines Papas, den ich so lange befürchtet hatte. Mein Opa habe sich in der letzten Nacht das Leben genommen, indem er sich von einer Brücke stürzte. Meine erste Frage war, ob dabei andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wurden sie nicht.
Ich konnte nicht lange mit meinem Pa reden, da ich den Großen von einer Geburtstagsparty abholen musste. Auf dem Weg dahin fragte ich mich immer und immer wieder, ob ich hätte mehr tun müssen. Ich war traurig, dass ich nicht meinem Impuls gefolgt bin, ihn zu seinem Geburtstag zu besuchen. Und ich war wütend. Ich wollte meinen Opa anschreien, was er doch für ein Idiot sei. Aber gleichzeitig hatte ich tiefes Verständnis für ihn. Doch auch dies konnte nicht verhindern, dass ich einen totalen Heulkrampf im Auto hatte. Ich war selber überrascht, dass mich sein Tod so sehr mitnimmt. Mit 98 Jahren sollte ein Tod nicht mehr plötzlich und unerwartet sein. Aber dieser ist es!

Am Abend telefonierte ich mit meinen Eltern. Sie waren ebenso wenig überrascht wie ich, vielleicht hatten sie sogar schon eher geahnt, dass dies kommen würde. Meine Ma erzählte, dass mein Opa, der Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Autofahrer war, in letzter Zeit einige leichtsinnige Unfälle gebaut habe und sein Führerschein vermutlich in naher Zukunft eingezogen worden wäre. Er hatte bereits vorher angekündigt, dass wenn dies passieren würde, er sich da Leben nähme.

Nun war es anscheinend soweit 😥