Vorweihnachtliche Abendgestaltung

Mein Abend mit dem Windows Media Player (WMP).

Unser Standard-Freeware-Brenner weigerte sich aus unbekannten Gründen, die von meinem Mann in monatelanger, liebevoller Kleinarbeit zusammengestellte Weihnachtsmusik-CD ordentlich zu brennen. Dies wurde leider erst festgestellt, als die insgesamt 7 CDs per Post unterwegs waren. Da mein Mann heute den Abend verplant ist und wir morgen die allerletzte Chance haben, die Werke pünktlich zu Weihnachten an den Mann/die Frau zu bringen, habe ich ihm zugesagt, die CDs erneut zu brennen. Soweit, so unkompliziert.

Ich wählte den WMP als Brenner, ich hab den da und der kann das, hat er behauptet. Die MP3-Liste liegt in einem nicht der Medienbibliothek zugehörigen Ordner, was bereits das erste Problem ist, da ich dem WMP nicht direkt mitteilen kann, dass ich diese Musik hören möchte. Per Drag&Drop kann ich zumindest eine Wiedergabeliste erstellen, allerdings in etwas krummer Reihenfolge.

Da mein Mann die Tracks händisch nummeriert hatte, konnte ich diese danach sortieren. Beim Export in die Brennliste ging diese Reihenfolge allerdings verloren, so dass ich alles  händisch neu sortieren muss. Aber na gut. Nach der Sortierung konnte ich brennen, was auch funktionierte, bis die CD automatisch ausgeworfen werden sollte. Durch ein kleines mechanisches Problem geht das bei dem Laufwerk nicht mehr und WMP quittierte dies mit einem Komplettabsturz. Selbst der Task Manager brachte keine Abhilfe. Also Rechnerneustart. 60 Sekunden später war ich wieder einsatzfähig. Der WMP hatte alles vergessen, rief allerdings beim Reimport für einige Titel neue Medieninformationen ab, die nicht mit den unsrigen übereinstimmten. Ich korrigierte die Infos händisch, exportierte in die Brennliste, stellte die korrekte Ordnung her, nahm den Haken aus der Option „nach dem Brennen CD automatisch auswerfen“ und legte los.

Weil mich die Umstände gehörig nervten, suchte ich nach einem Freeware-Brenner. Fand den Deep Burner, den ich in der Vergangenheit bereits erfolgreich verwendet habe. Stellte sich heraus, mein Mann verwendet den auch und Deep Burner kommt mit der Playlist nicht klar, bricht bei mir an genau der gleichen Stelle ab. Also doch wieder WMP.

Ich importierte, transferierte zur Brennliste, checkte die Sortierung und ab dafür. Brennen gelang. Ich wollte gleich die nächste CD brennen, wechselte den Datenträger und startete den Brennvorgang. WMP quittierte dies mit einem neuerlichen Komplettabsturz. Oh Freude. Spätestens jetzt machten sich meine SSD-Festplatte und die Flasche Wein neben mir bezahlt. Ich überprüfte jede CD nach dem Brennen auf ihre Kooperationsfähigkeit und stellte fest, dass eine Scheibe diese verweigerte.

Janeiskla.

Ich checkte nochmal den Rest und nahm dafür meinen uralten CD-Player, der aber immerhin schon MP3 kann – wenn er gut gelaunt ist. Manchmal braucht er mehrere Abläufe, um seine gute Laune zu finden, generell, nicht nur bei diesen CDs. Ich traue aber mittlerweile unseren Rechnern nicht mehr, zu oft haben sie mir in der Vergangenheit Fehler angezeigt.

Also Workaround basteln: CD brennen, WMP schließen, CD wechseln, WMP neu starten, Wiedergabeliste aussuchen, in die Brennliste kopieren, brennen. Repeat.

Nach 4 derart erfolgreich gebrannten CDs bekam ich bei der 5. eine Fehlermeldung. „WMP kann einige Dateien nicht brennen. Klicken Sie auf das Symbol neben den Dateien, um das Problem zu analysieren.“ Klar, gerne, nur sind da keine Symbole. Ich betete mittlerweile, dass der Wein noch ne Weile reicht. Ich startete den WMP zweimal neu, löschte Wiedergabe- und Brennliste, wechselte den Datenträger, fluchte laut, unternahm einen letzten Versuch und plötzlich startete der Brennvorgang doch, obwohl ich nichts anderes als zuvor gemacht habe.

Einstein hatte wohl Unrecht.

Jetzt nur noch eine CD schaffen, dann alle bedrucken, die Booklets ausdrucken und zurechtschneiden. Bin gespannt, was da noch passiert. Stay tuned!

P.S.: Mir wurden permanent Fehlermeldungen angezeigt, dass der Brennvorgang nicht passte, oder das irgendwas nicht gelesen werden konnte. Am Ende prüfte ich alle CDs mittels WinAmp und bekam genau 7 funktionierende Scheiben heraus.

Diese habe ich bedruckt, dazu das Booklet ausgedruckt, ein wenig geschnippelt und jetzt haben wir – hoffentlich – 7 funktionierende Weihnachts-CDs. Nach guten 5 Stunden.

Hab ja sonst nix an einem Freitagabend zu tun.

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Treffsicher – nächste Runde

Nach dem Unfall vor zwei Wochen passierte erstmal nicht viel. Letzte Woche war ein TÜV-Gutachter der gegnerischen Versicherung da, vermaß und fotografierte erneut alles, machte hin und wieder ein gewichtiges Gesicht und verkündete am Ende, dass es wohl sehr wahrscheinlich auf einen wirtschaftlichen Totalschaden hinauslaufen würde. Ich fand das gar nicht schön, denn erstens ist das Auto erst etwas mehr als 4 Jahre alt und zweitens seit einem Jahr abbezahlt. Mir jetzt schon wieder eine neue Karre suchen zu müssen, gefiel mir gar nicht.

Etwa zeitgleich mit dem Gutachter trudelte eine Vorladung der Polizei ein, da mir eine Verkehrsordnungswidrigkeit, gemäß § 4 Abs. 1, § 1 Abs. 2, § 49 StVO, vorgeworfen wird.

  • § 4 Abs. 1: Der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Wer vorausfährt, darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.
  • § 1Abs. 2: Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
  • § 49: Ordnungswidrig im Sinne des § 24 des Straßenverkehrsgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen eine Vorschrift über
    • 1. das allgemeine Verhalten im Straßenverkehr nach § 1 Abs. 2 und
    • 4. den Abstand nach § 4 verstößt.

Dunkel erinnerte ich mich daran, vor Jahren beim ADAC eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abgeschlossen zu haben. Also dort angerufen, zwei Anwaltsadressen geben lassen und die mit dem seltsameren Namen ausgesucht. Dort angerufen und es hieß, ich solle einfach mal während der Geschäftszeiten vorbeikommen und alle Unterlagen mitbringen.

Dies tat ich nun heute. Die Kanzlei wird sich um alles in Verbindung mit der Polizei kümmern. Sollte ich allerdings zivilrechtliche Anliegen zu diesem Fall haben, könnte mir offiziell nicht geholfen werden, weil die Kanzlei das gegnerische Taxiunternehmen vertritt.

Warjakla. Von den gefühlt hundertausend Kanzleien in der Stadt such ich mir ausgerechnet die vom Gegner aus. Kannste dir nicht ausdenken.

Nichtsdestotrotz gab die gute Frau am Empfang mir ein paar sehr wertvolle Hinweise. Da jetzt offiziell eine polizeiliche Ermittlung gegen mich läuft, kann sich die Regulierung des Schadens hinziehen, vermutlich bis nach Abschluss des ganzen Verfahrens. Sollte ich aber eine Vollkaskoversicherung haben (yay, hab ich), kann diese erstmal für den Schaden aufkommen. Sollte sich während des Verfahrens meine Unschuld herausstellen, dann kann ich alle zusätzlichen Kosten wie bspw. für einen Ersatzwagen oder die Hochstufung der Schadensfreiheitsklasse von der gegnerischen Versicherung zurückfordern. So müsste ich immerhin nicht die ganze Zeit mit einem kaputten Auto rumfahren.

Halleluja, was für Neuigkeiten.

Zuhause wieder angekommen, griff ich sofort zum Telefon und rief meine Versicherung an. Der nette Hotliner nahm alle meine Daten auf und teilte mir dann mit, dass ich morgen Vormittag einen Anruf erhalten würde von einer Vertragswerkstatt (mein Vertrag hat Werkstattbindung), die mit mir einen Übergabetermin vereinbaren würde. Dabei würde mein Auto vom jetzigen Stellplatz abgeholt und mir gleichzeitig ein Ersatzwagen hingestellt werden. Mein Auto würde mit Originalersatzteilen und 30 Jahren Garantie auf die Reparatur wieder hergestellt. Dies alles komplett kostenfrei für mich, bis auf die Selbstbeteiligung in Höhe von 300€.

Ich führte ein kleines Tänzchen auf, immerhin war mein Auto gerettet. Und sollte ich doch nicht unschuldig sein und ich in der Schadensfreiheitsklasse trotzdem steigen, dann drohe ich mit Versicherungswechsel, da wird es bestimmt wieder einen Nachlass geben – oder eine günstigere Versicherung. Auf jeden Fall alles günstiger als ein komplett neues Auto anzuschaffen.

t.b.c.

Treffsicher

Gibt so Tage, nech?!

Nichts Böses ahnend und eigentlich nur nach Hause wollend, nach meiner heutigen anstrengenden Therapiesitzung, fuhr ich bei schönstem Sonnenschein um die Mittagszeit heim. Auf einer zweispurigen Straße mit erhöhtem Gleisbett an einem und einer dichten Baumreihe am anderen Fahrbahnrand zockelte ich mit den anderen Fahrzeugen gen Stadtmitte. An einer Bedarfsampel musste ich halten. Plötzlich, von irgendwoher ein Martinshorn. Hinter mir ein Großraumtaxi, welches mir fast die komplette Rücksicht versperrte. Ich rotierte in meinem Auto, um herauszufinden, woher der Krankenwagen kam.

Weit hinter mir sah ich es blinken. Nah hinter mir hupte es. Der Taxifahrer meinte, mich durch anhaltendes Hupen von der Straße wehen zu können. Ich jedoch musste mich erst orientieren. Links war keine Ausweichmöglichkeit, rechts fuhren die anderen und einfach nach vorne brettern war auch keine Option. So fädelten sich langsam alle auf der rechten Spur ein, weiterhin begleitet vom Taxifahrerhupen.

Der Krankenwagen fuhr an uns vorbei und auf die nächste Kreuzung zu. Die Autos sortierten sich wieder, diesmal auf die mittlerweile 4 verfügbaren Spuren; ich in die ganz linke, weil ich an der übernächsten Kreuzung links abbiegen wollte und sich zeitiges Einordnen an dieser Kreuzung, eine der größten der gesamten Stadt, bewährt hat.

Auf den drei Spuren neben mir reihten sich diverse andere Fahrzeuge ein, darunter auch ein Transporter oder LKW, welcher mir teilweise die Sicht auf den rechten Teil der Kreuzung versperrte. Es wurde grün, ich fuhr an, ein wegen des Krankenwageneinsatzes auf der Kreuzung verbliebenes, abbiegendes Fahrzeug ebenfalls. Da ich dem anderen Auto die Gelegenheit geben muss, die Kreuzung zu räumen und um einen Unfall zu verhindern, bremste ich ab.

Und bekam einen heftigen Schlag in den Rücken und Nacken.

Der im Rumtönen versierte Taxifahrer hinter mir hatte nicht aufgepasst und war mir volle Kanne hinten drauf gefahren.

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie der „unfallverursachende“ PKW abbog und einfach weiterfuhr. Ich wollte ihm noch hinterherrufen, aber erstens war ich viel zu geschockt und zweitens waren meine Fenster geschlossen, der hätte mich eh nicht gehört.

Da stand nun ich mitten auf der Kreuzung. Ich schaute mich um, wohin ich denn ausweichen könnte, denn da stehen bleiben fand ich aufgrund des doch eher überschaubaren Unfall- und Schadensbild für übertrieben. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine größere Betonfläche zwischen den beiden Richtungsspuren, dorthin setzte ich mich ab und wartete auf den Unfallgegner.

Der kam auch, nachdem er sich seinen Schaden angeschaut hatte, und toffelte mich in gebrochenem Deutsch voll. Joar, das hatte mir jetzt noch gefehlt. Da er außer Toffeln nichts Konstruktives zur Lage beitragen konnte und ich ob der Sprach- und Respektsunterschiede keinen Bock auf eine eingehendere persönliche Auseinandersetzung mit dem Typen hatte, rief ich die Polizei. Sollten die doch die Sache klären, ich war mir keiner Schuld bewusst.

Die Polizei kam nach einer halben Stunde, erkundigte sich über den groben Ablauf und nahm unsere Personalien auf. Ich durfte dem PHK als erstes den genauen Unfallhergang schildern und er bestätigte mir erstmal die grundsätzliche Richtigkeit meines Handelns. Dem anderen Auto ermöglichen, nach dem Krankenwageneinsatz die Kreuzung zu beräumen, steht in der StVO. Gegenseitige Rücksichtsnahme und vorraussschauendes Fahren ebenso. Immer so viel Abstand zu halten, um im Ernstfall ohne Unfall bremsen zu können auch.

Was auch drin steht, ist unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, dem sich der Abbieger schuldig gemacht hat. Mein „Verlassen“ des Unfallortes war angesichts der Situation angemessen. Auch, dass ich die Polizei ob des gegnerischen Sozialverhaltens gerufen habe. Der Beamte konnte verstehen, dass ich das nicht alleine regeln wollte.

Der sehr nette Hauptkommissar widmete sich dann dem Unfallgegner. Sein Polizeikollege vermaß und fotografierte akribisch die Unfallstelle und die Schäden an den Autos. Er fertigte eine ausführliche Skizze des Unfallortes an, benutzte viel Kreide und Klebepfeile. Ich glaube, da hat jemand seine Bestimmung gefunden, denn die ganze Zeit lächelte er zufrieden und malte und markierte und knippste.

Mittlerweile stand ich bereits eine Stunde in der Kälte und spürte langsam meine Füße nicht mehr. Dann durfte ich in den Polizeiwagen einsteigen und der Polizist erklärte mir, dass der Taxifahrer angegeben hat, dass da kein Abbieger auf der Kreuzung war. Nicht nur ungeduldig, auch noch blind.

Ich war ehrlich empört. Der Beamte belehrte mich über dies und jenes, erklärte mir das weitere Vorgehen und erläuterte sehr ausführlich, dass sie als Polizei dem Neutralitätsgebot verpflichtet sind und in der Situation Aussage gegen Aussage steht und sie nach aktuellem Stand weder mir noch dem Unfallgegner eindeutig die Schuld zuweisen könnten.
Hmpf!

Der ganze Vorgang würde jetzt an die Sachbearbeitung weiter gegeben und die entscheide dann über das weitere Verfahren. Dabei gibt es 3 Möglichkeiten:

  1. Gegen mich wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet wegen „blöder Fahrweise“ oder wasauchimmer das im Beamtendeutsch heißt.
  2. Gegen den Taxifahrer wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, weil er den Sicherheitsabstand nicht eingehalten.
  3. Sollte ich mich verletzt haben und einen Arzt aufsuchen müssen, dann wird gegen den Taxifahrer noch ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet, unabhängig von der Schuldfrage.

So langsam wich der erste Schock und das Adrenalin aus meinem Körper und ich merkte den bereits initial gespürten Nackenschmerz wieder. Rache ist ja nun eher nicht meins, aber der Typ hatte mich so penetrant angetoffelt, dass ich diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung zog.
Aber zuerst wollte ich nur nach Hause.

Dort versuchte ich, meinen Mann zu erreichen. Immer wieder schön, wenn beim Anrufversuch das Handy auf der anderen Tischseite vibriert. Ok, ich versuchte, seinen Kollegen zu erreichen; der war aber krank. Ich telefonierte dann mit irgendjemand anderem aus seiner Firma, der meinem Mann Bescheid sagen sollte. Tat er auch, kurz darauf meldete er sich bei mir.

Ich bat ihn, etwas früher heimzukommen, da heute die Kleene vom Großelternbesuch vom Opa wieder bei uns abgeliefert wird. Und da die Nacken- und Kopfschmerzen mittlerweile eine sehr anspruchsvolle Qualität angenommen hatten, wollte ich zum Arzt, das abchecken lassen und wollte aber die Kleene, die eh schon völlig überdreht sein würde wegen Heimkehr und Abschied und Gefühlen, nicht mit zum Arzt nehmen. Da Arztbesuche immer ein zeitlich unbestimmtes Risiko bergen, rechnete ich mit verlängerter Wartezeit und deswegen sollte mein Mann eher heim, damit der Opa rechtzeitig genug losfahren kann, um die Oma von ihrer Arbeit abzuholen. Einfach können wir nicht.

Beim Arzt ging es dann unerwartet schnell, nach einer halben Stunde war ich mit der Diagnose „Distortion der Halswirbelsäule“ und einer Portion Schmerzmittel mit Kortison intramuskulär in der linken Pobacke wieder draußen. So konnte ich mit meinem Pa noch ein paar organisatorische Dinge klären, Weihnachtsgeschenke besprechen und generell Neuigkeiten austauschen.

Jeder, dem ich bis dahin von dem Unfall erzählt hatte, sagte mir, dass bei so einem Unfall eigentlich immer der Hintermann Schuld ist. Ich erwiderte, was mir der Polizist sagte und sah mich schon auf nem Batzen Kosten sitzenbleiben.
Die Spritze wirkte spektakulär, so dass ich sogar noch bei meiner Versicherung anrufen konnte, um den Schaden zu melden, wie es mir der Polizist empfohlen hatte.

Meine Versicherung allerdings weigerte sich, den Schaden aufzunehmen, da ich nach deren Auffassung keinerlei Schuld an dem Unfall trage. Ich sollte mich an die Versicherung des Unfallgegners wenden. Der freundliche Hotliner erklärte mir auch, dass die Polizei gar kein Schuldurteil fällen darf, sofern es nicht eineindeutige Beweise gäbe. Das Vorgehen wäre völlig normal, würde aber die Versicherungen nicht berühren. Würde ich allerdings jetzt meiner Versicherung den Schaden trotzdem melden, dann würde da automatisch die Haftpflichtregulierung einspringen und ich in der Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft. Und das wollen wir doch alle nicht 🙂

Ich versuchte dann, die gegnerische Versicherung anzurufen, aber da war heute niemand mehr zu erreichen. Nächster Versuch dann morgen.

t.b.c.

Grundgesetz

Und dann redest du zwischendurch und völlig unvorbereitet, weil halt gerade der 9. November ist, mit deinem 9-jährigen Kind über das Grundgesetz.

Woraus es entstanden es, wie fortschrittlich es damals war, welche Bedeutung es heute hat. Und irgendwann fragst du bei deinem Kind mal nach, wie es denn ausgerechnet jetzt auf dieses Thema kommt. Es antwortet, weil das Grundgesetz in verschiedenen Sprachen in der Schule aushängt und es sich wundert, was es eigentlich damit auf sich hat.

Als Ossi ist mir die Geschichte des Grundgesetzes nur mäßig vertraut, dennoch versuchte ich mein Bestes. Damals, nach dem 2. Weltkrieg mit sämtlichen Ungeheuerlichkeiten, wollte Deutschland eine Verfassung etablieren, die eben jene Grausamkeiten, wenn nicht gar unmöglich, so doch sehr schwierig wiederholbar machen sollte. Es wurden schlaue Menschen gefragt, was alles im Grundgesetz stehen sollte und die beauftragten Menschen waren nicht nur schlau, sondern auch sehr weise.

Artikel 1 des Grundgesetzes kennt hoffentlich jeder: die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch wenn dieser Satz eher abstrakt und wenig greifbar ist, fußen doch alle anderen Artikel darauf.

Damals revolutionär und noch ein paar Jahre im Brutkasten der Demokratie inkubiert, steht da auch, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Vor allem dieser Artikel ist wichtig für Flüchtlinge, da leider sehr oft in vornehmlich muslimisch geprägten Ländern das Frauenbild doch einer anderen Realität entspringt.

Post- und Briefgeheimnis. Du darfst halt keine fremden Briefe öffnen, egal, wie sehr dich der Inhalt interessiert und du denkst, hey, das ist nur ein Infobrief, was soll da schon drinstehen. Wir halten es in unserer Familie genau so, direkt adressierte Briefe dürfen nur vom Empfänger geöffnet werden. Da tut es auch nichts zur Sache, dass wir letztendlich keine Geheimnisse voreinander haben und den Inhalt trotzdem erfahren.

Die Unabhängigkeit des Journalismus ist fundamental, eine Zensur findet nicht statt. Ein weiteres, fundamentales Gesetz in einer freien Demokratie. Es muss jederzeit möglich sein, auch unbequeme Wahrheiten zu veröffentlichen.

Dann schwand Juniors Interesse, aber ich denke, er hat den Grundgedanken unserer Verfassung verinnerlicht. Den vorurteilsfreien Umgang mit sämtlichen Menschen hat er schon viel früher gelernt!

Der Teufel im Detail

Ich mache derzeit Großputz bei uns in der Wohnung. Erstens, weil ich da echt gerade Bock drauf habe und zweitens, weil wir die Wohnung in den letzten Monaten doch arg vernachlässigt haben.

Und so putze ich Zimmer für Zimmer, das Bad ist gestern fertig geworden, ab heute ist die Küche dran. Wird vermutlich eine Woche dauern, mit Schränken von der Wand rücken, alle Schränke und Regale auswischen, großzügig entrümpeln und so weiter. Wir sind nun nicht die Riesenputzteufel, aber eine Grundsauberkeit ist uns schon wichtig.

Umso mehr erstaunte mich gerade mein Küchenfund, den ich praktischerweise mit der Innenseite meines kleinen Fingers gemacht habe. Ich kann mich nicht erinnern, wann uns das letzte Mal eine Bierflasche in der Küche runtergefallen und kaputt gegangen ist. Und ich weiß auch nicht, wie oft wir seitdem die Küche gesaugt und gewischt haben. Dennoch bohrte sich gerade eine kleine grüne Glasscherbe in meine Haut, als ich eine große Wollmausfamilie mit Küchenkrepp entsorgen wollte.

Aua!

Normal

… ist auch nur eine Einstellung an der Spülmaschine.

Anders kann ich mir das auch nicht erklären.

Der Große begab sich heute wieder per Zug und alleine auf Fahrt zu den Großeltern. Ich hatte diesmal extra viel Zeit eingeplant und ganz entspannt fuhren wir zum Bahnhof und ins Parkhaus. In einem Reflex gab ich dem Großen die Parkkarte. „Halt mal kurz.“ Und das tat er dann.

Ich brachte ihn zum Zug, setzte ihn an einen 4-er Tisch mit 3 Studenten, verabschiedete mich und sah dem Zug nach der planmäßigen Abfahrt hinterher. Den Opa hatte ich schon informiert, er machte sich gerade seinerseits zum Bahnhof. Ich schlenderte zurück zum Parkhaus und freute mich auf meinen kinderfreien Nachmittag.

Bis zum Kassenautomaten. Denn dort konnte ich die gewünschte Parkkarte nicht vorzeigen. Eine Durchsuchung meiner wirklich kleinen Handtasche blieb ergebnislos. Ich ging zum Auto, durchsuchte dieses und schüttete frustriert meine Handtasche aus. Immer wieder erstaunlich, wie viel Krempel sich selbst auf kleinstem Raum ansammeln kann. Ich nutzte die Gelegenheit gleich zum Großputz, die Parkkarte jedoch blieb verschwunden.

Ich ging zum Kassenautomaten, suchte dort nach einem Karte-verloren-was-nun Schild, fand aber nur einen „Hilfe benötigt?“ Knopf, den ich drückte. Eine schwäbisch eingefärbte Stimme erkundigte sich nach meinem Begehr und erwiderte mein Unglück mit den Worten: „Joar, das kostet dann 15 Euro Bearbeitungsgebühr.“

Uff. Ziemlich heftig, wenn man bedenkt, dass das Tagesmaximum in diesem Parkhaus bei 5 Euro liegt. Ich verabschiedete mich stammelnd und lief noch einmal zum Bahnsteig, vielleicht hatte ich ja beim Handy aus der Tasche fummeln gleich die Karte mit rausgeworfen. Doch auch diese Suche blieb ergebnislos. Vermutlich war die Parkkarte immer noch in der Hand des Großen und wollte auch Urlaub bei Oma und Opa machen.
Da die Kartenausgabeautomaten gewichtssensitiv sind, konnte ich mir auch nicht einfach so eine neue Karte ziehen.

Aber ich konnte andere Autofahrer fragen, ob sie das Gewichtsproblem für mich lösen könnten.

Gesagt, getan, den nächsten Fahrer, der das Parkhaus verlassen wollte, angehalten und freundlich gefragt, ob er mir den Gefallen tun würde, und fix vor die Einlassschranke fahren, damit ich mir eine Karte ziehen könnte. Er lachte diabolisch und meinte, ich solle mich an die Parkhausverwaltung wenden. Als ich erwiderte, dass mich das 15 Euro kosten würde, schalmeite seine Ehefrau vom Beifahrersitz: „Tja, Pech gehabt, mein Mann arbeitet nämlich hier und wird Ihnen nicht helfen.“

Herrgott! Erstens, isses echt zuviel verlangt? Zweitens, musste ich ausgerechnet einen der beiden Parkhausmitarbeiter anhalten?

Frustriert wartete ich auf das nächste Auto. Endlich kam eins und auf den ersten Blick dachte ich, ok, ich warte auf den nächsten. Aber hey, ich wollte heim und hier kennt mich eh keiner. Artig mein Sprüchlein aufgesagt und auch erwähnt, dass ich nicht schwer genug bin, um als Auto durchzugehen. Die durchaus korpulente Beifahrerin quittierte dies mit einem Lachen und knuffte ihren Mann in die Seite, er solle mir fix den Gefallen tun. Das klappte auch wunderbar, ich bedankte mich vielmals und lief mit meiner Parkkarte zum Automaten. Ich bezahlte meine 50 Cent – die ich auch so hätte löhnen müssen – und befreite mein Auto aus seinem Betongefängnis.

Letztendlich war ich zur gleichen Zeit daheim wie mein Sohn bei den Großeltern anlangte 😀

Xayriel orakelt: ESC 2018

Heute nur ein ganz kurzes Orakel zwischen Bundesligaabschluß (ällerbätsch Hamburg), Feiertag und ESC.

Gewinnen wird Tschechien, dicht gefolgt von Ungarn. Deutschland und Großbritannien streiten sich um Platz 3. Israel, Moldau, Slowenien und die Niederlande folgen auf den nächsten Plätzen.

Der große Favorit Zypern und der unvermeidliche Alexander Rybak für Norwegen runden die Top 10 ab.

Wenn einer eine Reise tut …

… dann kann er was erzählen, sach ich dir!

Wie bereits öfter erwähnt, wohnen meine Eltern 120km von uns entfernt, wollen aber dennoch ihre Enkel so oft es geht, sehen. Das finde ich grundsätzlich ok, bringt aber ein paar Schwierigkeiten mit sich.

So kann der Große nur noch in den Schulferien, oder wenn mal ein langes Wochenende ansteht und die Schule (oder das Land) passenderweise einen Brückentag einlegt, seine Großeltern besuchen. So geschehen am 1.-Mai-Wochenende. 4 Tage, in denen die Großeltern doch die Enkel bespaßen könnten. Aber bitte nur, wenn ich die Kinder zu ihnen karre; die Rückführung würden sie übernehmen.

Na gut, 4 Tage kinderfrei klangen schon verlockend. Die Fahrt dorthin allerdings nicht. Langes Wochenende, die Heimkehrrichtung Tausender Wochenendpendler, eine supergünstig gelegene Baustelle direkt nach einem Autobahndreieck. Selbst die Automobilclubs warnten vor langen Staus.

Aber hey, kinderfreies Wochenende.
Die Kinder ins Auto gepackt, losgefahren, zweimal einem Beinahe-Crash entkommen, dem Stau ins Auge blickend noch von der Autobahn gefahren und mit nur einer Stunde Verspätung, aber dennoch reichlich geschafft, bei meinen Eltern angekommen. Nach 2 Stunden Regeneration wieder den Heimweg angetreten, entgegen dem Strom, echt relaxed.

Dieses Wochenende sollte das nächste Großelternwochenende stattfinden, diesmal nur mit dem Großen. Kann ich sehr gut verstehen, beide Kinder zusammen sind wie Uran und Plutonium: jedes Element für sich ist harmlos, zusammen erreichen sie eine kritische Masse und Bumm! Totales Chaos.

Nur hatte ich so gar keinen Bock, mir schon wieder diese Strecke anzutun, zumal die Vorzeichen genau gleich, vielleicht sogar ein wenig schlimmer als beim letzten Mal, waren. Immer noch Heimreisependelverkehr, immer noch Baustelle.
Zum Glück fiel mir rechtzeitig zur Verabschiedung ein, meine Eltern zu fragen, ob es in Ordnung wäre, wenn ich den Großen in den Flixbus setzen würde, um mir diese olle Fahrerei zu sparen. Sie waren einverstanden und der Große auch.

Kaum zuhause angekommen, schaute ich auf der Flixbus-Webseite nach und es gab sogar noch eine halbwegs passende Verbindung für Kinder, wo der Fahrer auf minderjährige Fahrgäste aufpasst. Schnell meine Eltern angerufen und nachgefragt, ob sie um die angegebene Ankunftszeit den Großen auch abholen könnten.

Um es mit Sender Eriwan zu sagen: im Prinzip ja!
Aber, meine Eltern fanden nicht zu unrecht, dass einem Bus ein ähnliches Schicksal drohte wie einem PKW, also Stau und eine unbekannt lange Verzögerung. Ob es denn nicht besser wäre, den Zug zu nehmen.

Gut, ich also die Seite der Bahn aufgerufen und nach Verbindungen geschaut. Es gab eine ICE-Verbindung, die knapp eine Stunde benötigte, im bevorzugten Zeitfenster ankommen würde und für die es noch Sonderangebote gäbe. Na dann, gesucht, gebucht, mit Sitzplatzreservierung, weil meine Eltern unbedingt darauf bestanden. Mit 18 Euro ungefähr so teuer wie die Benzinkosten für die Fahrt. (Die rückwärtige Leerfahrt fahre ich gerne ein wenig schneller, kann aber dann das gierige Schlürfen des Benzintanks hören.)

Nun meinten meine Eltern nicht zu unrecht, dass ich dem Großen doch für sein Handy eine SIM-Karte holen sollte, nur für den Fall der Fälle, man weiß ja nie, die Züge halten immer so kurz an den Bahnhöfen und ein Stromausfall kann jederzeit passieren. Oder so.
Da mir früher Prepaidkarten förmlich hinterhergeworfen wurden, (ich glaube, ich hab noch 2 oder 3 ungenutzte ca. 8 Jahre alte Prepaidkarten in irgendeiner Schublade rumfliegen) fand ich das nicht den größten Aufwand und versprach, mich darum zu kümmern.

Heute hatte ich im benachbarten Einkaufszentrum zu tun und jenes beherbergt auch einen Handyladen für alle Anbieter. Ich stapfte also hinein und verlangte eine Prepaid-SIM-Karte. Sowas verkaufen sie nicht, bekam ich als Antwort. Ich schaute sparsam und die Verkäuferin erklärte mir, dass Prepaidkarten seit Inkrafttreten des Antiterrorgesetzes nicht mehr einfach so gekauft werden könnten.
Der Kiosk keine 20 Meter weiter würde aber welche verkaufen, und ich müsste mich entsprechend legitimieren, Ausweis oder so.

Nun gut, ich kannte den Kiosk und seine Mitarbeiter als freundlich und hilfsbereit und steuerte dorthin. Da war auch ein Ständer mit Prepaidkarten aller gängigen Mobilfunkanbieter und ich suchte mir eine Karte mit einer einprägsamen Nummer meines Anbieters aus und ging zur Kasse.
Dort erklärte mir der Verkäufer, dass ich die SIM-Karte noch aktivieren müsse. Entweder über Post-Ident mit langwierigem Hin- und Hergeschicke von irgendwelchen Ausweiskopien oder aber Online per Videochat mit meinem Ausweis.

Postweg schied schon mal aus, ich brauchte die aktivierte Karte morgen. Dann also online.
Ich loggte mich bei meinem Provider ein und wollte über mein Konto die SIM-Karte aktivieren. Ging aber nur für postalisch bestellte Karten, nicht für in Hintertupfingen am Kiosk erworbene.
Ich rollte genervt mit den Augen, folgte dann aber den Schritten in der Bedienungsanleitung. Webseite aufgerufen, Karte verifiziert, fehlte nur noch die Aktivierung.
Wieder die Auswahl zwischen Post-Ident auf dem Postweg oder Online per Videochat.

Dazu musste ich nur eine App runterladen, den 12-stelligen Code eingeben, ein Foto meines Persos machen und einem, in gebrochenen Deutsch sprechenden Videoagenten im (wörtlichen Sinne, doofe Dachgeschoßwohung) Schweiße meines Angesichts mein Angesicht und zum Vergleich jenes auf meinem Personalausweis in meine Handycam halten.

Der Agent klickerklackerte meine Daten ins System, bedankte sich für die Nutzung dieses Services und würde die nun verifizierten Daten an meinen Mobilfunkanbieter weiterleiten. In bis zu 24 Stunden würde meine Karte dann aktiviert.

Uff! Das könnte knapp werden.

10 Minuten später checkte ich meine Emails und tatsächlich war da bereits die Prepaidkarte aktiviert. Fand ich gut. Ehrlich!

Ich hab dann die Karte in das Handy des Großen gebastelt, habe alle wichtigen Telefonnummern (Mama, Papa, Oma, Opa, Großeltern Festnetz) eingespeichert, den ganzen anderen Rotz, den SIM-Karten so mitbringen gelöscht, dem Kinde die Benutzung des Telefons erklärt und die Telefonnummer an alle Beteiligten verteilt.

Die Großeltern mussten natürlich sofort anrufen, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich die richtige Nummer übermittelt hatte.
Hatte ich. Überraschung!

Wir besprachen noch letzte Details, nahmen dem Großen etwaige Ängste („ist eh Endstation, dich kehrt das Bordpersonal raus“), verabredeten die Situationen, wo SMS oder Anrufe sinnvoll wären (vornehmlich Verspätungen auf der einen oder anderen Seite [man weiß ja nie, wann der „berühmte“ Personenschaden eintritt]) und das schon alles gut gehen wird.

Ich glaube, wir Großen sind viel aufgeregter als das Kind.
Beispielsweise habe ich sämtliche Szenarien im Kopf durchgespielt und rechne fest damit, zufällig bis zur einzigen Zwischenhaltestelle auf der Strecke mitzufahren, weil ich es nicht geschafft habe, nach Platzierung des Kindes den Zug rechtzeitig zu verlassen.

Wie auch immer, es wird nicht langweilig bei uns.
Wobei ich diese Art Abenteuer all den anderen, eher ungewollten, vorziehe.

Was soll denn da auch schief gehen? 😉