Xayriel orakelt: Eurovision Song Contest 2017

Die beiden Halbfinale sind durch, die ersten Lieder aus dem Wettbewerb verbannt und morgen steigt mal wieder einer der Höhepunkte des Jahres. Höchste Zeit für mich, meine persönliche Einschätzung zu ausgewählten Beiträgen abzugeben.

Wie immer beginne ich mit Deutschland. Die letzten Jahre hatten wir ansprechende Beiträge mit guten Künstlern und trotzdem landeten wir nur auf den ganz hinteren Rängen. Vermutlich wird es Levina ähnlich gehen. Das Lied ist zu sanft, zu farblos, um wirklich eine größere Menge an Zuschauern vom Hocker zu reißen. Daran wird auch die supersympathische Persönlichkeit der Sängerin und ihre tolle Stimme nichts ändern. (Ich hoffe, ich irre mich gewaltig 😉 )

Mein persönlicher Favorit ist Ungarn. Ein in jeder Sicht ungewöhnlicher Beitrag auf ungarisch und romani. Ein Sänger mit Format, der die verschiedensten Stile bunt durcheinander und dennoch stimmig mixt.

Wenn es Ungarn nicht macht, gewinnt Weißrussland. Das Lied hat einen schönen Beat, kommt kraftvoll daher und ich mag es mir gerne öfter anhören.

Aus der Spaßecke stammt der rumänische Beitrag: Yodel it! Titel ist Programm, es wird gejodelt, was das Dirndl hergibt. Dazu ein eingängiger Beat, muss vorne landen, denn wegen solcher Beiträge wurde der ESC überhaupt erfunden!

Die osteuropäische Ecke kommt gewohnt stark daher und so zählt auch Armenien zu meinen Favoriten. Spannende Choreografie mit landestypischen Einflüssen, an denen man merkt, dass der Orient gleich um die Ecke liegt.

Wird gerne auf der Landkarte übersehen, aber Moldau könnte dieses Jahr richtig groß rauskommen. Das Lied macht richtig gute Laune, das Saxophon geht sofort ins Ohr und krallt sich da fest.

Und der Westen? Strengt sich redlich an, aber liefert nicht wirklich was Überzeugendes ab. Portugal startet mit einem perfekten Schlaflied, was immerhin aus der Masse heraussticht. Eventuell kann Österreich dieses Jahr ein wenig punkten.

Positiv bleibt festzuhalten, dass fast sämtliche Balladen die Halbfinale nicht überlebt haben.
Ein Trend, der mir negativ aufgefallen ist, dass ungefähr die Hälfte der weiblichen Interpreten ein Lady-Di-Gedächtniskleid anhatten, welches durch geschickte Beleuchtung viel Bein ohne viel Haut zeigte. Mir ist das zu billig und zu offensichtlich die sex-sells-Schiene geritten.
Die Herren hingegen glänzten durch häufige Abwesenheit ihrer Socken, die durch Hochwasserhosen noch hervorgehoben wurde. Nennt sich wohl Mode, oder so.

In etwas mehr als 24 Stunden sind wir alle schlauer 🙂

Bloß von hier weg …

… so weit wie möglich!

Ging mir ja bei meinem letzten Blogeintrag nicht so dolle und die einzige vernünftige Lösung war, etwas an dem grundlegenden Problem zu ändern. Da ich C3 nicht austauschen kann, habe ich mich aus der Partie entfernt.

Ich bin also am nächsten Tag zu meiner Psychiaterin von vor zehn Jahren gegangen. Zumindest wollte ich das. Die Empfangsdame allerdings meinte, dass die Ärztin von damals verstorben sei. War mir egal, wie so ziemlich alles an diesem Tag. Die Dame meinte auch, ich könne einen Termin machen, in 2,5 Wochen.

Das wiederum war mir nicht egal, denn es ging mir JETZT schlecht. Ob ich denn nicht zu meinem Hausarzt gehen könne. Theoretisch ja, aber ich wollte auch Medikamente und Hausärzte sind dort nicht so bewandert. Dann müsste ich sehr lange warten. Ok, meinte ich, mir wäre es gleich, mir ging es einfach nur elend.

Ich wartete geduldig und hatte Glück, ein anderer Patient hatte kurzfristig abgesagt und so konnte ich bereits eine Stunde später mit der Ärztin sprechen. Sie ließ sich kurz meinen Werdegang schildern und den Grund für die jetzige Situation und war wie ich der Ansicht, dass aktuell der einzige Weg ist, mich dort rauszuholen, also krankzuschreiben.

Medikamente würde sie mir geben, denke aber, dass ich sie eigentlich nicht nötig habe, weil die Ursache klar ist und ich durch meine Vergangenheit reflektiert genug bin, um das ohne pharmazeutische Unterstützung hinzukriegen. Sie meinte zudem, dass sie keine Schwierigkeiten hätte, mich bis zum Ende der Befristung aus dem Rennen zu nehmen. Außerdem machte sie einen Vermerk, dass falls ich selbst kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe.
Am Ende des Gesprächs vereinbarten wir, dass ich es vorläufig ohne Medis versuchen sollte, wenn es aber nicht ginge, ich mir jederzeit das Rezept abholen könne. In zwei Wochen solle ich wiederkommen und die Verlängerung der AU abholen. Falls ich Gesprächsbedarf hätte, könnte ich auch zu ihr rein.

Ich fand das alles super, vor allen Dingen, dass sie mir so vorbehaltlos glaubte und meine Geschichte nicht als Befindlichkeit oder Übertreibung abtat. Erst da merkte ich, wie sehr mir dieses mich als Lügner zu bezeichnen zugesetzt hatte.

Seit drei Tagen bin ich nun zuhause und genieße die Zeit. Ich denke immer noch viel über die ganze Situation nach, habe aber für mich die Entscheidung getroffen, nicht wieder in die Firma zurückzukehren, solange C3 dort noch ist.

Die freie Zeit werde ich nutzen, um Bewerbungen zu schreiben und wieder auf die Beine zu kommen. Mir kommt das alles so bekannt vor, vor 10 Jahren ging es mir ganz ähnlich. Ein doofer Job, ein beschissener Chef, Depressionen und Panikattacken. Nur damals habe ich viel zu lange gewartet, habe völlig am Boden eine neue Stelle angetreten und ein Jahr später musste ich den eigentlich coolen und gut bezahlten Job mit sehr gutem Chef aufgeben. Ich befürchte, dass es diesmal wieder so kommen könnte, von daher bin ich sehr dankbar für die Pause.

Meinen Lebenslauf habe ich schon auf Vordermann gebracht, die wichtigsten Unterlagen hatte ich vor ein paar Wochen bereits mit nach Hause genommen. Nächste Woche werde ich eine Email an meine ISO-Kollegen schreiben, in der ich die Situation erkläre und mich entschuldige, sie im Stich lassen zu müssen. Was C2 oder C3 von meiner Abwesenheit halten, ist mir egal, immerhin haben sie es sich selbst zuzuschreiben.

Seit dieser Entscheidung geht es langsam wieder aufwärts. Ich bin neugierig, wo es mich hinverschlägt. Oder vielleicht mache ich mich auch selbstständig, so ein oder zwei Ideen habe ich bereits seit Längerem im Hinterkopf, bislang aber nie dem Mut gehabt, wirklich intensiver darüber nachzudenken.

Oder aber es kommt wieder alles gaaaaanz anders 🙂

Panik

Das Beste zuerst: ich hatte ein fantastisches Wochenende. Eines, dass einem selbst Tage später noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Immer wieder!

Selbst der Zwischenstopp bei meinen Eltern kann den Gesamteindruck nicht gänzlich trüben, obwohl da schon ein paar Wölkchen dabei sind.

Was mich aber richtig aus den Latschen kippt, ist der morgige Tag. Ich schiebe hier die völlige Panik. Das volle Programm. Herzrasen. Weinkrämpfe. Durchfall. Alles, was man eben so braucht, um am nächsten Morgen fit auf der Matte zu stehen.

Ich habe Panik, ins Bett zu gehen, weil ich dann irgendwann aufstehen muss. Den neuen Tag meistern muss. Und alleine die Vorstellung daran macht mich alle. Raubt mir sämtliche Energie.

Mein alter Chef, C1, meint, ich solle durchhalten, um eben keine neue Munition für die Fehltageproblematik zu liefern. Aber ich sehe den Sinn darin nicht. Erstens bin ich in der Tat völlig alle, körperlich, nervlich. Und zweitens gehe ich einfach nicht mehr davon aus, dass ich entfristet werde, dass mein Arbeitsvertrag über den 30.09. hinaus läuft. Warum also sollte ich mir jetzt noch den Arsch aufreißen?

Sollen sie halt ihren Vertreter finden und einarbeiten. Keinen Job zu haben, womöglich sogar im Hartz IV zu landen, alles ist wirklich besser als das, was ich jetzt durchmache.

Das nur als kurzen Zwischenstand von der Front (ja, das ist ein beschissenes Kriegsgebiet hier), wo sich der letzte Rest Kampfgeist in einem trotzigen Ausbruch manifestiert.

Italien, Tag 17: Venedig I

Diese Galerie enthält 13 Fotos.

Ursprünglich veröffentlicht auf 9erblogunterwegs:
Es gibt drei Dinge im Überfluss in Venedig: Wasser, Touristen und Kirchen. Die Jungs waren extra früh wach und haben die Zeit genutzt, um am nahe liegenden Strand Muscheln zu suchen. Ein paar haben sie auch gefunden, hatten aber mit mehr Beute gerechnet. Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir…

Personalgespräch – schon wieder

Ich hatte heute ein Personalgespräch – schon wieder. Diesmal mit C3, weil er den Verlauf unseres letzten Gesprächs nicht sonderlich konstruktiv fand.
Ach, echt?

Am Ende des heutigen Gesprächs fragte er mich, ob ich denn jetzt ein besseres Gefühl als nach dem letzten Gespräch hatte, aber statt ihm meine ehrliche Meinung zu sagen, meinte ich, dass ich neutral in dieses Gespräch gegangen bin und keine Erwartungen hatte, die enttäuscht werden konnten.
Denn innerlich brodelte es schon wieder in mir, ohne jetzt konkret sagen zu können, was mir so gegen den Strich lief. Das wurde mir erst auf dem Heimweg klar, als ich das Gespräch nochmals im Kopf durchging.

C3 ist, obwohl er das Gegenteil behauptet, unglaublich eitel. Kritik an ihm oder seiner Arbeit nimmt er grundsätzlich persönlich. Ich konnte das an seiner Körpersprache ablesen, als er das Protokoll unseres letzten Gesprächs durchging.
Selbiges hatte ich aus dem Gedächtnis im Nachgang erstellt und so neutral wie möglich gehalten. Ich habe sogar einen Kollegen drüber lesen lassen, ob die Formulierungen wirklich sachlich sind, was er bestätigte. Trotzdem reagierte C3 wie ein trotziges Kind. Das Protokoll wäre verzerrend, würde Tatsachen weglassen oder falsch darstellen. Er distanziere sich davon und habe das Protokoll mit eben jenem Distanzierungsvermerk an die Personalabteilung geschickt, damit es in meiner Personalakte landet.

Statt mit mir darüber zu reden, über ein internes Protokoll, das nirgendwo öffentlich abgelegt ist, sucht er die Eskalation. Wie im Kindergarten. Soll er machen, ich poliere im Gegenzug meinen Lebenslauf auf und schreibe Personalvermittler an.

Ganz generell zog er das Gespräch immer wieder auf die emotionale Ebene. Er sprach einen Punkt an, ich schilderte meine Sicht der Dinge, er wurde aufbrausend. Ich atmete tief durch und versuchte nochmals, sachlich meinen Standpunkt zu erläutern. Wumm, wieder eine Explosion. Das war unglaublich anstrengend und ist einer der Hauptpunkte, der mir richtig sauer aufstößt. Denn die Anlässe für die Kawumms waren immer die selben.

Nämlich dann, wenn ich einen anderen Standpunkt als er vertrat, wenn er mit meinen Erklärungen nicht einverstanden war. Wie soll ich mich aber erklären, wenn nicht-konforme Meinungen sofort weggebügelt oder niedergebrüllt werden. Diesmal war es zumindest kein Brüllen, aber schon ein beängstigendes Aufbrausen. Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich neutral angehört zu werden.
Nur dann, wenn ich aufzeigte, dass wir bei bestimmten Themen die gleiche Sicht der Dinge haben, gab es eine normale Reaktion. Wie ich damit in Zukunft umgehen soll, weiß ich nicht.

Er hat kaum Verständnis für meine Situation bzw. die Einschränkungen, mit denen ich konfrontiert werde, gezeigt. Stattdessen wird mir mangelnde Ergebnisqualität vorgeworfen. Das kam schon ein wenig überraschend, da sowohl C1 als auch C2 – ungeachtet der Fehltageproblematik – mit meiner Arbeit zufrieden waren. Zur Veranschaulichung zog er ein Gesprächsprotokoll von C2 und mir vom November hervor, in dem meine zukünftigen Aufgaben beschrieben sind. Ich hätte schwören können, dass ich dieses Dokument heute zum ersten Mal gesehen habe, aber C3 meinte, da wäre meine Unterschrift drauf. Als ein Punkte stand dort: „Etablierung und Optimierung eines vollumfänglichen Lizenzmanagement bis Ende Q1 2017“.

Als ich das Ding damals unterschrieben habe, hatte ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Würde ich diese Vorgabe mit meinem jetzigen Wissensstand lesen, würde ich mich lieber lachend in die Kreissäge stürzen. Jeder mit halbwegs Ahnung und klarem Verstand hätte erkennen müssen, wie aussichtslos eine solche Vorgabe ist. Selbst wenn wir ein einsatzfähiges Programm zur Erfassung und Unterstützung einer solchen Aufgabe hätten, ich das Thema in Vollzeit angehen könnte und mir nicht alle notwendigen Informationen von x Stellen mühsam zusammen suchen müsste, würde ich allerfrühestens Ende diesen Jahres eventuell ansatzweise in die Nähe der Vorgabe kommen.
Mich jetzt immer noch darauf festzunageln, empfinde ich als frech und anmassend.

Womit er Recht hatte ist sein Hinweis, dass ich beim Erkennen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens das Thema entsprechend hätte eskalieren müssen. Überhaupt mag er gerne Eskalationen. Bei einem anderen Thema, wo ich wiederholt bei den Kollegen nach Unterstützung anfragte, hätte das passieren müssen. Es C2 zu signalisieren, der damals zuständig war, reichte vermutlich nicht als Eskalation aus und weil ich es nicht schriftlich habe, kann ich dies nicht nachweisen.

Überhaupt: ich muss zukünftig alles schriftlich festhalten. Aussagen meinerseits über mündliche Aussagen und Absprachen mit C1, C2 oder der Personalabteilung können jetzt nicht mehr nachvollzogen werden und lassen mich gegenüber C3 als unglaubwürdig dastehen.
Tolle Wurst!
Steh ich also als Lügner da.

Ganz großes Kino war übrigens auch der „ich stelle immer nur Forderungen“ Vorwurf, konkret, dass ich zwei Schulungen angefragt habe. Ernsthaft, ich zweifel ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit C3s.
Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen: Bei dem Meeting mit dem ISO-Chef vorletzte Woche meinte C3, er müsse sich schützend vor seine Mitarbeiter stellen, weswegen er dann ja so ausrastete. Als ich heute meinte, dass ich das eher unschön fand, weil mein Kollege und ich ebenso seine Mitarbeiter sind, wir aber die volle Breitseite abbekommen haben, meinte er, in jenem Moment hatten wir beide den ISO-Hut auf und zählten nicht mehr zu seinem Team.
Dann kam der Vorwurf wegen der Schulungen, woraufhin ich meinte, die eine Schulung hätte ich dann, um in seinem Bild zu bleiben, mit dem ISO-Hut auf beantragt. Ja, das wäre aber was ganz anderes, sagte C3.
Ja ne, is klar.

In diesem Zusammenhang meinte er, er könne gar nicht verstehen, warum jene Besprechung so eskaliert sei, denn er würde ja in seinen Augen immer ganz klare Ansagen machen. Gab aber direkt zu, immer wieder und sehr häufig missverstanden zu werden, so dass es wohl doch an ihm liegen würde.

Erkenntnis -> Einsicht -> Besserung? Ich fürchte, wohl eher nicht.

Irgendwann während des heutigen Gesprächs war wieder so eine Situation, wo er aufbrauste und laut loslachte, nur eben völlig humorlos. Ich wies ihn darauf hin, dass ich eine solche Reaktion als respektlos empfinde, worauf er antworte, eine andere Reaktion verdiene meine Aussage nicht.

Ohne mich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber soziale Kompetenz sieht für mich anders aus.

Gegen Ende fragte ich nach, was denn eigentlich das Ziel der Fehltagsgespräche sei. Er konnte hierzu keine anderen Angaben machen, als isso oder kommt eventuell von ganz oben. Bin also auch hier so schlau als wie zuvor.

In all diesem Chaos gab es sogar noch ein paar handfeste Ergebnisse:

  • Es wird ein 8-Augen-Gespräch mit C1, C2, C3 und mir geben, um dieses Wirrwarr aus den mündlichen Aussagen zu entwirren. Mit viel Glück kann ich meine Glaubwürdigkeit so ein wenig wieder herstellen.
  • In zwei Wochen wird es einen Termin mit C3 geben, wo er sich meine bisherige Arbeit zum Thema Lizenzen zeigen lassen wird und wir gemeinsam eine Strategie für die zukünftigen Aufgaben und Ziele erstellen werden.
  • Das Protokoll des heutigen Gesprächs wird C3 erstellen, mir zur Ansicht und Korrektur geben und danach in die Personalabteilung geben.

Was ich mir tatsächlich wünsche, wäre mal ein Gespräch, wo es um meine berufliche Entwicklung, um Gehalt oder ähnliche Dinge geht, nicht immer solcher Mist!

Henkersmahlzeit

Das war es also, das letzte gemeinsame Mittagessen mit meinen alten Kollegen. Ab Montag werden alle komplett an einem neuen Standort arbeiten. Ich werde sie ganz furchtbar vermissen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten waren der Höhepunkt jeden Tages. Es spielten sich Dramen ab, wenn Termine in unsere Essenszeiten gelegt wurden. Und ich habe sie im Laufe der Zeit lieb gewonnen. Alle! Ausnahmslos.

Die Kollegen sind ebenfalls wehmütig, denn am neuen Standort gibt es keine Kantine und der Speiseraum fasst nur 10 Personen. Zuviel für unsere 40-Personen-Abteilung. Auch wenn ständig über das Essen gemeckert wurde, sind die Alternativen am Zielort wenig verlockend. An Döner oder Asianudeln hat man sich eben auch schnell übergessen.

Gestern Abend waren wir alle zum Abschluss gemeinsam Bowlen. Es war herrlich, wundervoll, lustig und tottraurig. Die Stimmung war wie zu den besten Zeiten, ausgelassen und fröhlich, alle lachten, alle waren integriert, niemand saß ausgegrenzt irgendwo am Rand. Es war ein Blick zurück ins Paradies, welches ab nächster Woche verloren ist. Leider konnte ich den Abend nicht geniessen, weil er mir allzu schmerzlich vor Augen führte, was sich in den vergangenen Monaten verändert hat, wie hoch die Fallhöhe tatsächlich ist und was ab kommenden Montag unwiderbringlich vorbei sein wird. Egal, wie sehr alle beschwören, in 2 Jahren wieder an einem gemeinsamen Standort vereint zu sein.

Selbst, wenn es diesen ominösen, bisher nur theoretisch angedachten Standort geben sollte, werden sich die Teams und die Menschen bis dahin so verändert haben, dass es illusorisch ist zu glauben, man könnte wieder zum Anfang zurück. Fast alle Kollegen, mit denen ich die letzten Tage gesprochen habe, signalisierten, dass sie sich anderweitig umschauen, da die Atmosphäre im Unternehmen untragbar geworden ist. Wer weiß, wer von denen in 2 Jahren tatsächlich noch dabei sein wird.

Guten Appetit!

Woah!

Ich bin also zu C3 gegangen und habe das Gespräch gesucht. Und was das für ein Gespräch war. Voller Vorwürfe, Kritik, Zurechtweisungen. Ich muss das noch sortieren, aber ein gutes Gefühl habe ich nicht.

Es gab mehrere Kernthemen.

Es konnte nicht nachvollzogen werden, warum ich zwei Weiterbildungen für die ISO 27001 Zertifizierung beantragt habe. Das wurde immer und immer wieder angebracht, bis ich schon nachfragen wollte, ob C3 wisse, dass ich zu 50% in dem Thema bin. C3 erwähnte es dann selber, Zitat: „Sie werden mir ja die Hälfte Ihrer Arbeitszeit weggenommen.“ Ich erklärte, dass alle bei der Zertifizierung Involvierten nur eine knappe Grundbesohlung erhalten haben und wir uns jetzt nach bestem Wissen und Gewissen durch die Themen wurschteln. Weil es aber nicht mein Anspruch ist, mich durch Themen zu wurschteln, sondern ich lieber fundiert arbeite und wir uns außerdem wegen der Kürze der Zeit ein Herumwurschteln gar nicht leisten können, bat ich um Teilnahme an einer Schulung, die genau die praktischen Schwierigkeiten zum Thema hat. Der ISO-Chef ist zusätzlich der Ansicht, dass ein weiterer Auditor für interne Audits unbedingt benötigt wird, was wiederum die zweite Schulung begründet.
Daraufhin wurde mir vorgehalten, warum ich denn C2 um die Schulungen bat und nicht den ISO-Chef, was ich damit begründete, dass der ISO-Chef dafür kein Budget von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich es – in direkter Absprache mit dem ISO-Chef – über C2 versuchen wollte.

Ich würde nur Forderungen stellen. Nach dem höhenverstellbaren Tisch, nach einem ruhigeren Zimmer, nach Schulungen, etc. Worauf ich erwiderte, dass wenn mir Ausfallzeiten vorgeworfen würden, die unter anderem wegen zweimal eines Bandscheibenvorfalls herrühren, denen ein höhenverstellbarer Tisch vorbeugen könnte, der mir seit Dezember genehmigt wurde und ich nachfrage und niemand etwas weiß oder sich darum kümmert, ich dann sehr wohl mal bei C3 nachfrage, was mit dem Tisch ist. Ich erzählte dann, wie C2 zu mir meinte, dass der Tisch ja genehmigt worden sei und er diese Information augenscheinlich aus der Personalabteilung haben muss, bei meiner Nachfrage dort aber niemand je etwas davon gehört haben will und das mich eben misstrauisch macht. Direkt im Gegenzug warf mir C3 vor, ich würde C2 unterstellen, dass er mir den Tisch unterschlägt. Was ich wiederum sofort verneinte, dass ich C2 das mitnichten unterstelle und das auch nie getan habe. Daraufhin folgte der Vorwurf, dass ich doch nur wieder von den eigentlichen Themen ablenken würde. Wenn ich aber bei ihm, meinem Chef, diese Themen nicht anbringen kann, wo denn dann?

Er sagte dann, dass mir nicht unterstellt würde, dass ich blau machte, aber es ist Tatsache, dass ich viele Ausfallzeiten habe, dieses Jahr eben diese 3 Wochen am Stück und letztes Jahr noch viel mehr. Ich meinte daraufhin, dass es doch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, dass Menschen ausfallen und erwähnte den berühmten Busfaktor. Es kann jederzeit ein Mitarbeiter (theoretisch) vom Bus angefahren werden und für unbestimmte Zeit ausfallen und dass es ein grundlegendes Problem im Unternehmen sei, keine Vertreter für wichtige Positionen zu schaffen. Ja, den Bus kann man in der Tat nicht vorhersehen, sagte C3, aber andere Ausfallzeiten müssten minimiert werden. „Dann“ sagte ich „sind wir direkt bei der vielzitierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wenn meine Kinder krank sind, dann werde ich mich um ihre Betreuung kümmern.“ Worauf C3 sagte, dass er auch ein kleines Kind habe und dann eben auch mal 10 Tage ausfalle. Ich erwiderte, durchaus trotzig, dass ich zwei Kinder habe und dementsprechend 20 Tage fehlen könnte. Worauf er mich entsetzt ansah.

Und dann noch die Schöffentätigkeit. Wieder der Vorwurf, ich würde mir da einfach 4 Tage frei nehmen. Ich erklärte, dass ich mich 2013 für die Tätigkeit beworben habe, als ich noch in einem anderen Unternehmen tätig war. Ich könne die Termine nur mit triftigem Grund ablehnen und nur Arbeit ist kein triftiger Grund. Was C3 völlig anders sah. Zitat: „Dann müssen Sie dem Gericht mitteilen, dass Sie nicht an den Terminen teilnehmen können, weil dadurch Ihr Arbeitsvertrag gefährdet ist.“
Ich zitierte also die entsprechende Gesetzespassage, dass einem Arbeitnehmer durch die Ausübung seiner Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile entstehen dürfen. Und ob er mir jetzt wirklich vorwirft, mich ehrenamtlich zu engagieren und meine demokratische Pflicht zu erfüllen. Dann könnten wir ja auch die Freiwilligen Feuerwehren einstampfen, für die nämlich ähnliche Regelungen gelten. Er tiradierte dann, was er so alles machen würde und dass seine Freizeitgestaltung eben seine Freizeit ist und was ich ihm jetzt mit Ehrenamt komme. Und überhaupt würde ich ja wieder nur vom Thema ablenken.

Mir wird vorgeworfen, dass ich als Wirtschaftsinformatikerin doch über die Basics der Lizenzierung insbesondere bei Microsoft Bescheid wissen müsse und auch wissen müsse, wie massenhaft Softwareinstallationen vorgenommen werden und wie das dort mit den Lizenzschlüsseln geregelt ist. Könnte ich wissen, wenn ich dies tatsächlich in meinem täglichen Berufsleben machen würde. Ich habe bisher aber als Wirtschaftsinformatiker, durchaus auch erfolgreich, gerarbeitet, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Lizenzen konfrontiert worden zu sein. In diesem Zusammenhang bat ich darum, eine generelle Lizenzmanagementschulung besuchen zu dürfen, da ich merke, dass ich mich nur durchwurschtel und es wie gesagt nicht mein Anspruch ist. Er meinte, eine solche Schulung gibt es nicht, worauf ich widersprach und sagte, doch, bei Bechtle oder Comparex wird das angeboten. Er wüsste auch gar nicht, was für Inhalte eine solche Schulung hätte. Es war ihm unverständlich, dass es so viel Erklärungsbedarf zu Lizenzmetriken oder Volumenlizenzen oder Best Practices gibt.
Die Schulung werde ich mir wohl abschminken können.

(So ganz nebenbei: Wenn ich diese Basics wissen muss, dann erwarte ich aber im Gegenzug von meiner Führungskraft aber auch, dass sie die Basics des Arbeitsrecht kennt und dazu zählen auch ehrenamtliche Tätigkeiten, seien es Schöffendienst oder Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.)

Er versteht auch nicht, warum ich für manche Themen so lange benötige. Er hätte bei einem aktuellen Thema nur zweimal telefoniert und schon hatte er alle nötigen Informationen. Ich erklärte, wie ich mir die Knie zerschunden habe, weil ich die IT-Mitarbeiter so oft bekniet habe, mir diese Informationen zu geben. Und ich sagte, wie er, C3 vor einer Woche ganz richtig erkannt hatte, dass solche Informationen schon lange, auch schon lange vor mir, hätten ordentlich dokumentiert werden müssen.  Und dass es mir bei so vielen Themen so geht. Dass ich im Zweifelsfall erstmal rausfinden muss, wer überhaupt Informationen dazu haben könnte. Und ich mir jedes Fitzelchen mühsam zusammensuchen muss, weil nichts, aber auch gar nichts, dokumentiert wurde.

C3 fand es ganz mies, dass ich letzte Woche, einen Tag nach dem sehr ausführlichen Gespräch mit ihm, zu C1 gegangen bin und die Rückkehroption gezogen habe. Meine Einwände, dass dies überhaupt nichts mit dem Gespräch, sondern mit den ganzen Entwicklungen davor und vor allem dem Personalgespräch mit der Personalabteilung zu tun hatte, nahm er gar nicht wahr, sondern pochte immer wieder auf den vermeintlichen Verrat. Er würde auch gar nichts machen, solange ich ihm nicht schriftlich bestätige, dass ich die Rückkehroption nicht mehr in Erwähnung ziehe, was mich direkt zur Entfristung des Arbeitsvertrages brachte.

Da vertritt er nämlich die Meinung, dass eine Entscheidung kurz vorm Auslaufen des Vertrags völlig ausreiche. Mit viel Gnade sagt er sogar so zeitig Bescheid, dass man sich immerhin nicht beim Arbeitsamt melden muss, so man denn verlängert würde. Er könne auch nichts zu früher gegebenen Versprechungen sagen, davon wüsste er nichts und er fühle sich denen auch nicht verpflichtet.

So.Ein.Arsch!

Abgerundet wurde das Gespräch mit dem Hinweis, dass er bei seinen Entscheidungen an die Vorgaben von C2 gebunden ist und mit ihm in regem Austausch stehe.

Heißt also für mich, dass ich jetzt zwei supertolle Chefs auf einmal habe.

P.S.

Woah!

Ich komme gerade aus einem Meeting, wo sich C3 zusammen mit dem ISO-Team und den unterstützenden Admins über den aktuellen Stand eines wichtigen Programms informieren wollte. Die Diskussion eskalierte nach der Hälfte der Zeit, weil C3 einen Rundumschlag an Vorwürfen in alle Richtungen verabreichte, gegen den sich unser ISO-Zertifizierungschef versuchte zu wehren und die Diskussion von der emotionalen zurück auf die Sachebene zu lenken. Es endete damit, dass C3 wütend den Raum verließ und der ISO-Chef eine Email an die Geschäftsführung schreibt, worin er darum bittet, nicht mehr mit C3 zusammen arbeiten zu müssen.

Für mich persönlich war diese Diskussion 1:1 so, wie das Gespräch, dass ich eine Stunde zuvor mit ihm hatte. Es sind grundsätzlich die anderen Schuld, alle arbeiten gegen ihn, jeder regt sich auf und beschimpft die IT und überhaupt. Mir wurde Wahrnehmungsverzerrung vorgeworfen, obwohl C3 derjenige ist, der darunter leidet. Dies wird ganz wunderbar an einem Beispiel deutlich:

Wir wissen, dass es bei der Implementierung des wichtigen Programms einige Schwierigkeiten gab. Der zuständige Kollege hat sich mit viel Einsatz darum gekümmert und den Fortschritt ausführlich dokumentiert. Mein Kollege und ich haben diese Kommentare aufmerksam verfolgt, der ISO-Chef leider nicht. Verständlich, dass er sich hin und wieder (also einmal in zwei Wochen oder länger) erkundigt, wie der aktuelle Bearbeitungsstand ist. Diese Nachfrage, die ohne jegliche Kritik oder Untertöne erfolgte, wurde von C3 als Gängelei gewertet und dass ständig (!) Kritik an seiner Abteilung geübt würde.

Wenn es mich nicht persönlich betreffen würde, täte ich mir ne Schüssel Popcorn holen und das Drama weiter beobachten.

Ende der Fahnenstange

Boah! Ich bin gleichzeitig sprachlos und könnte ausflippen. Und worum geht’s, um die Arbeit. Natürlich!

Ein Kollege aus dem IT-Bereich, der mit mir angefangen hat, fragte die letzte Zeit immer öfter nach, wie es denn mit der Entfristung seines Arbeitsvertrages aussieht. Erst wurde ihm empfohlen, sich doch drei Monate vorm Vertragsende beim Arbeitsamt zu melden, könne ja nicht schaden. Dann wurde ihm gesagt, dass man noch nicht einschätzen könne, ob er tatsächlich ein Zugewinn fürs Team ist und sie noch mehr Zeit benötigen – nach 1,5 Jahren Firmenzugehörigkeit. Dann wurde ihm gesagt, sie würden die Teams neu zusammenwürfeln und sie müssten schauen, ob er von seinen Qualifikationen in eines der neuen Teams passe.

Super Aussagen, die mich sehr hoffnungsvoll gestimmt haben, denn auch bei mir geht es um die Entfristung. Da bei mir aber die gleichen Leute die Entscheidung fällen, erwarte ich keine anderen Aussagen und habe mir Nachfragen bislang gespart.

Jetzt allerdings meinte eine Kollegin, dass neuerdings eine Stellenanzeige auf der Firmenhomepageaufgetaucht ist, die genau meine jetzt von mir besetzte Position beschreibt. Veröffentlichungsdatum: heute, 30.03.2017.

Ich koche innerlich und weiß nicht, was ich dazu sagen soll!