A New Trip down Memory Lane

Der Vorteil von ersten Malen ist, dass man meist nicht genau weiß, was auf einen zukommt.
Der Nachteil von Wiederholungen ist, dass man meist ziemlich genau weiß, was auf einen zukommt.

Nun hatte ich ja das Problem, dass ich von der Geburt des Großen nicht mehr allzu viele Details wusste. Zum einen, weil das mittlerweile 5 Jahre her ist und zum anderen, weil ich in der entscheidenden Phase ziemlich umnebelt von einer schmerzlindernden Morphinspritze war. Hinzu kam noch die generelle Aufregung. Ich nahm mir also für die zweite Geburt vor, so viel wie möglich mitzuschreiben und hier ist er nun, der umfassende Bericht:

8:50 – erste heftige Wehe, die mich die Luft anhalten lässt, 2 Buscopan zum Überprüfen genommen [Buscopan entspannt den Unterleib, so dass Übungswehen weniger, richtige Wehen aber verstärkt werden, wird auch in Kliniken bei Geburten eingesetzt]

9:00 – die nächste Wehe meint es auch ernst, abwarten

9:10 – ok, es scheint ein 10-Minuten-Abstand zu sein

9:17 – da mogelt sich eine Wehe dazwischen

9:25 – ok, das war kein Mogeln, das ist ein neuer Abstand, 7-8 Minuten, Zeit für den Wannen-Check

9:33 – trotz Bewegung und Stehen eine Wehe, das ist neu [sonst sind die Wehen immer weg gegangen], ab in die Wanne

10:30 – wieder aus der Wanne raus, Wehen diesmal geblieben, wenn auch schwächer geworden

10:50 – Frühstück, Wehen sind fast weg

11:30 – Wehen wieder da, und auch wieder knackig, aber unregelmäßiger Rhythmus

11:50 – beim Einräumen des Geschirrspülers reicht es mir, ich kann nicht mehr aufrecht stehen, ich rufe meine Hebamme an, sie will in einer halben Stunde vorbei kommen und nachschauen

12:10 – ich packe die letzten Sachen zusammen und informiere vorsichtshalber den Papa

12:15 – Schleimpfropf geht ab

12:24 – Hebamme klingelt genau dann, als ich eine heftige Wehe habe, ich hoppel so schnell ich kann zur Tür

12:35 – meine Hebamme lauscht nach dem Kind und tastet den Bauch ab, alles gut, danach tastet sie nach dem Muttermund, 2 cm auf, es tut sich definitiv was

12:42 – ich bekomme Wehen-Massageöl, soll den Bauch massieren, danach einen Spaziergang in der Sonne machen, aber nicht zu weit weg und zu lang (muss eh noch zum Briefkasten)

12:45 – Hebamme verabschiedet sich wieder, wir verabreden, in 3 Stunden nochmal miteinander zu sprechen

12:50 – kaum ist die Hebamme weg, kommt die nächste Wehe, während ihres Besuchs war nicht eine

13:10 – ich koch mir Wintertee [Apfel-Zimt-Tee, Zimt ist wehenfördernd], setz mich aufs Sofa und schaue Biathlon, während ich mir den Bauch einreibe, Wirkung fast sofort

13:20 – Wehen aller 2 Minuten, sehr heftig, ziehen gut nach unten

13:45 – ich ruf den Papa an, beorder ihn nach Hause, er will in einer Stunde da sein und er verständigt unseren Freund, das Kind aus dem Kindergarten zu holen

14:00 – ich zieh mich um für den Spaziergang

14:24 – hab dauernd das Gefühl, aufs Klo zu müssen

15:00 – wieder zurück vom Spaziergang

15:10 – Mann kommt nach Hause

15:17 – mein Mann ruft die Hebamme an, wir dürfen ins Geburtshaus kommen

15:35 – Ankunft im Geburtshaus

15:55 – Bett beziehen mit unserer Bettwäsche und es wird nach den Herztönen des Kindes gelauscht

16:24 – Wehen heftiger, mehr nach unten

16:45 – Muttermund bei 5-6 cm

17:08 – vermehrter Pressdrang

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Hier endet mein „Liveticker“ und ich schreib aus der Erinnerung weiter 🙂

12:24 – 15:00 Uhr (ungefähre Zeiten zur besseren Zuordnung zu den Tickermeldungen)
Als meine Hebamme bei mir zu Hause war, meinte sie, dass alles bisher noch in die sogenannte Latenzphase fallen würde und damit auch nicht wirklich zur eigentlichen Geburt gehört. Sie könne auch nicht sagen, wie lange ich schon mit dem etwas geöffneten Muttermund rumlaufen würde und kann deswegen auch keine Aussagen zum weiteren Geburtsverlauf bzw. der weiteren Dauer machen.

Die 2-Minuten-Wehen seit dem Weggang der Hebamme taten zwar schon weh, aber waren für mich noch gut verarbeitbar. Bei meinem Spaziergang hatte ich immer wieder Wehen, aber ich glaube nicht, dass dies einer der zahlreichen Außenstehenden mitbekommen hat. Dooferweise bin ich direkt durch das Einkaufszentrum bei uns nebenan gelaufen, wo sich jede Menge Menschen tummelten und denen wollte ich nun wirklich kein Schauspiel der besonderen Art bieten. Also keine Miene verziehen und einfach weiter laufen.

15:00 – 16:00 Uhr
Als mein Mann dann da war, packten wir noch die letzten Sachen zusammen und ich warf mir kurz vorm Verlassen der Wohnung eine erste Paracetamol ein. Der Taxifahrer bot uns (im Scherz) an, vorm Geburtshaus zu warten, aber ich lehnte das Angebot ab. Im Geburtszimmer tigerte ich ein wenig planlos rum und suchte mir Stellen, an denen sich die Wehen gut aushalten ließen. Zu Hause lehnte ich mich auf meinen Bürostuhl, dessen Lehne die optimale Höhe für mich hatte. Im Geburtshaus probierte ich den Wickeltisch, der eine ähnliche Höhe hatte, aber da nervten mich die Heizdecke auf dem Tisch und der eingeschaltete Heizstrahler darüber, da mir so schon warm genug war.

Das Zimmer selbst war abgedunkelt, alle Vorhänge zugezogen und überall brannten Kerzen und Teelichter. Es war recht heimelig und es schadete auch nicht, dass die Sonne trotz der Vorhänge ins Zimmer schien. Ich lief zwischen den Wehen immer wieder im Zimmer herum, ich wollte mich einfach nicht hinsetzen. Kam eine Wehe, warf ich mich an ein von der Decke hängendes Tragetuch und krallte mich darin fest. Danach lief ich weiter rum. Meine Hebamme animierte mich immer wieder, zwischen den Wehen etwas zu trinken und irgendwann musste das auch wieder raus. Im Geburtszimmer gibt es einen Nassbereich, der mit Vorhängen vom Rest abgetrennt werden kann, aber das war trotzdem nix für mich.

„Ich kann nicht, wenn jemand guckt“, sagte ich und verschwand aufs Klo überm Gang. (Ich bin da echt ein wenig seltsam und hab davon sogar manchmal Alpträume.) Meine Hebamme guckte etwas erstaunt und fragte mich, ob Kind kriegen in ihrer Gegenwart ginge.
Ja klar, damit hab ich kein Problem 😉

16:00 – 16:45 Uhr
Ich lief immer noch rum und ertrug die Wehen im Stehen, merkte aber, wie mir langsam die Kräfte schwanden. Meine Hebamme bot mir einen Peziball an, den ich auch dankbar annahm. Ich wippte also auf dem Ball rum und krallte mich bei einer Wehe wieder ins Tuch. Das Tuch mutierte zu meiner Rettungsleine, die ich nicht mehr los ließ. Ich krallte und biss in das Tuch, lehnte mich dagegen, zog mich daran hoch. Als ich einmal in einer Wehenpause zum Wasserglas griff, merkte ich, dass meine Hand vom Reinkrallen völlig verkrampft war und so heftig zitterte, dass ich kaum das Glas halten konnte.

16:45 – 17:30 Uhr
Sobald ich auf dem Ball saß, wurden die Wehen heftiger. Sie drückten mehr nach unten und ich hatte auch das Gefühl, als müsse ich mitpressen. Dem entgegen stand aber der Befund der Hebamme, dass der Muttermund erst bei 5-6 cm sei, eine Geburt könne frühestens bei 8 cm, besser erst bei 10 cm stattfinden. Sie sah, dass ich teilweise mitpresste und machte sich entsprechende Sorgen. Sie fragte mich, wo ich die Wehen spüre und ob es weh tut, wenn ich mitpresse und es kostete mich extrem viel Kraft, mich bei den nächsten Wehen darauf zu konzentrieren, wo es ziept und drückt. Die Wehen waren mittlerweile richtig heftig und ich hatte tierische Probleme, überhaupt mit denen klar zu kommen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass es mir zu viel wird, dass meine Nerven überlastet sind und die ganzen Eindrücke mich komplett überfordern. Außerdem waren die Wehenpausen nur noch sehr kurz, oft kamen gleich zwei Wehen hintereinander. Ich fragte, ob es ok ist, wenn ich noch eine Paracetamol nehme. War es, also warf ich mir schnell die zweite Tablette ein.

Ich wechselte irgendwann in dieser Zeit vom Ball auf den Geburtshocker, was ich viel angenehmer fand, da der Hocker von sich aus sicher stand und ich ihn nicht wie den Ball mit den Beinen stabilisieren musste. Bei jeder Wehe versuchte ich, nicht mit aller Macht mitzupressen, immer noch den nicht vollkommen offenen Muttermund im Hinterkopf, aber so richtig gelang mir das nicht. Meine Hebamme versuchte, meine Bemühungen zu bremsen, in dem sie forderte, ich solle wie eine Lokomotive schnaufen. Schoo-schoo-schoo. Super. Jetzt musste ich bei jeder Wehe an Thomas die Lokomotive, Percy und Gordon denken, während ich so vor mich hin schnaufte. Fehlte nur noch der Rauch aus meinen Ohren.

17:30 – 17:50 Uhr
Aber das Schnaufen half tatsächlich, ich konnte den Pressdrang ein wenig zurück halten. Doch auch das war irgendwann vorbei und ich dachte nur noch „fuck this shit, mir reicht’s“ und presste eben mit. Ich merkte, wie sich der Kopf nach unten schob und dabei die letzten Reste aus meiner Blase rausdrückte. Seltsamerweise empfand ich in dieser Phase die Wehen nicht mehr als schmerzhaft, obwohl sie extrem heftig waren.
Bei der nächsten Wehe war der Kopf schon kurz vorm Ausgang.
Noch eine Wehe später und der Kopf wollte endgültig raus. Ich hörte die Hebamme sagen, dass noch das Kinn fehlte und presste weiter und dann war der Kopf da. Jetzt drückten allerdings die Schultern so dermaßen, dass ich einfach weiter presste, Wehe hin oder her. Die Hebamme wollte mich noch bremsen, ich sollte auf die nächste Wehe warten, aber das schaffte ich beim besten Willen nicht mehr.

Ich spürte, wie der Körper aus mir raus rutschte und der ganze große Rest vom Fruchtwasser hinterher. Ich zitterte am ganzen Körper und dann hörte ich mein Mädchen das erste Mal schreien. Während mir die letzten Sonnenstrahlen des Tages direkt ins Gesicht schienen, stand mein Mann auf und holte schnell das vorgewärmte Handtuch vom Wickeltisch. Die Hebamme fragte mich, ob ich das Kind selber aufheben möchte oder ob sie es mir reichen sollte. Da ich immer noch zitterte, traute ich mir nicht zu, sie unfallfrei hoch zu heben und so wickelte die Hebamme das Baby ins Handtuch und legte sie mir in die Arme. Ich schaute noch total ungläubig. War es das jetzt wirklich? Das ist mein Mädchen? Hab ich das gerade alleine geschafft? Mit nur 2 Paracetamol?
Ich glaube, ich habe eine Minute gebraucht, um das wirklich alles zu begreifen, doch dann traf es mich wie ein Schlag.

17:50 – 18:30 Uhr
Ja, das ist mein Mädchen. Ich zitterte immer mehr und fragte, ob ich mich aufs Bett legen könne. Ich wurde also provisorisch auslaufsicher verpackt und schlurfte dann zum Bett, wo ich mich hin legte, das Baby immer noch an meine Brust und auf meinen Bauch gepresst. Höher ging nicht, da die Nabelschnur dafür zu kurz war. Ich kuschelte ausgiebig mit dem Kind, mein Mann machte Fotos, gab mir etwas zu trinken und schaute auch ganz verliebt auf das Kind.
Mit der letzten Wehe hatte es auch die 2. Hebamme zur Geburt geschafft und beide Hebammen besprachen jetzt leise im Hintergrund den Ablauf und füllten erste Formulare aus.

Immer wieder fühlte eine der beiden, ob die Nabelschnur noch pulsierte und so lange sie das tat, ließen sie uns in Ruhe. Irgendwann ging es dann ans Abnabeln und ich durfte die eine Nabelschnurklemme festklemmen. Ich gab mein Bestes, doch ich hatte nur die linke Hand frei und deren Kraft reichte nicht aus, die Klemme richtig zusammen zu drücken, so dass das von der Hebamme erledigt wurde, genauso wie das Durchschneiden der Nabelschnur.

Mein Mann bekam kurz darauf die Kleine auf seinen nackten Oberkörper gelegt, während ich wieder auf dem Geburtshocker Platz nahm und die Plazenta bei einer Nachwehe rauspresste. Leider löste sie sich nicht komplett, sondern hing an einer Ecke fest und meine Kraft reichte nicht mehr, diese Ecke auch noch heraus zu pressen. Die Hebamme meinte, ich könne auch husten, also hustete ich eben. Ich fand die Situation allerdings so absurd, dass ich einen Lachanfall bekam, welcher aber den gleichen Zweck erfüllte. Ich schlurfte wieder ins Bett, während die Hebammen die Plazenta auf Vollständigkeit untersuchten.

18:30 – 19:00 Uhr
Da alles ok war, kamen sie kurz darauf und gratulierten uns zur Geburt. Ich hatte mein Mädchen wieder auf der Brust liegen, während die Hebammen sich jetzt komplett dem Papierkram widmeten. Sie fragten uns nach dem Namen fürs Kind und füllten die Geburtsurkunde aus.
Danach sollte das Kind bei der U1 untersucht und anschließend gewickelt werden und wir stellten fest, dass die Kleine eine erste Ladung Mekonium auf meinem Bauch hinterlassen hat und munter mit ihren Füßen darin rum strampelte.

Also erstmal Kind sauber machen, dann untersuchen, dann anziehen. Die Untersuchung war bis auf eine eventuelle Hüftfehlstellung ohne Befund. Die Babysachen waren im Wärmeschrank, von dem mein Mann nicht wusste, wo er ist und Hebamme 2 war gerade abwesend, also lief Hebamme 1 los, um die Babysachen zu holen. Als sie nach 5 Minuten nicht wieder da war, schickte ich meinen Mann los, um zu schauen, wo die beiden blieben. Das Kind legten wir in der Zwischenzeit wieder ins Bett. Kurze Zeit später tauchten alle samt Babysachen wieder auf, doch da hatte das Kind die nächste Ladung Kindspech ins Bett gepackt. Hurra!
Kind also wieder sauber machen und dann endlich wickeln und anziehen.

19:00 – 20:00 Uhr
Was noch fehlte, war die Schadensbegutachtung an meiner Person, vor der ich wegen den Erfahrungen bei der ersten Geburt tierische Panik hatte. Die Panik legte sich etwas, als die Hebamme aufs Bett krabbelte und sich eine Stirnlampe, wie sie Höhlenforscher gerne nutzen, umband. Eigentlich war mir zum Heulen zumute, aber bei dem Anblick konnte ich einfach nur lachen und lachte, bis mir die Tränen liefen. Bevor sie endgültig abtauchte, bat ich meine Hebamme noch um einen Gefallen: sie solle doch bitte nicht in die Höhle hinein rufen und versuchen, ein Echo zu erzeugen 😀

Sie gab sich unendlich Mühe, mir nicht weh zu tun und erklärte ausführlich alle ihre Handgriffe. Es war trotzdem alles wund und zwiebelte entsprechend, aber bei weitem nicht so arg wie damals. Ich war wieder gerissen, was mich bei der Heftigkeit und dem Tempo der Geburt überhaupt nicht überraschte, aber auch wieder nicht so arg wie beim letzten Mal und die Abschürfungen fehlten völlig. Sie betäubte die Stelle zuerst mit einem herrlich kühlenden Gel und spritzte dann 2x ein Betäubungsmittel. Das Nähen selbst war schmerzfrei, ich stellte mich aber trotzdem an wie eine totale Memme.

Nachdem das auch erledigt war, wollte ich eigentlich nur noch nach Hause. Also packten wir unsere Sachen zusammen, zogen die Betten wieder ab, zogen uns an, packten das Kind in den Kindersitz. Die Hebammen riefen uns ein Taxi und wir unterschrieben noch ein paar Formulare. Wir bekamen das Kinderheft und die Geburtsurkunde ausgehändigt und wir vereinbarten mit der Hebamme, dass sie am nächsten Tag um 12 Uhr bei uns vorbei schaut.

20:00
Nach einer kurzen Taxifahrt waren wir wieder daheim. Der Papa trug sein Mädchen ganz stolz die Treppen hoch und über die Schwelle. Wir telefonierten noch schnell mit unserem Großen, der noch gar nicht richtig verstand, dass er jetzt eine Schwester hat. Abschließend wurden noch die Großeltern informiert, bevor wir uns alle für eine erste gemeinsame Nacht in unser Bett kuschelten.

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Das Zahlenwerk:

Geburtsdatum: 20.03.2014
Uhrzeit: 17:43 Uhr
Gewicht: 3300 g
Kopfumfang: 34 cm
Länge: 50 cm

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Der Name wieder als Rätsel:

Der Rufname ist lateinischen Ursprungs und ist häufiger im spanischen und osteuropäischen Raum vertreten. So heißt etwa die spanischstämmige Schauspielerin, welche die Tonks in den Harry Potter Filmen verkörpert, so, aber auch die Ehefrau von Vitali Klitschko trägt diesen Namen. Zudem gibt es in meinem Zweitlieblingscomputerspiel eine Protagonistin und eine Rüstung, die so heißen.
Der zweite Name wurde in Anlehnung an eine berühmte antike Seherin vergeben, der niemand ihre Prophezeiungen glauben wollte und was letztendlich zum Untergang einer ganzen Zivilisation führte. Als das Internet noch jung und noch nicht alle schönen Nicknames belegt waren, wählte ich den Namen außerdem als mein Webpseudonym.

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Hebammenvorsorge

Heute hatte ich wieder Vorsorge mit meiner Hebamme und einer Praktikantin.

Mein Bauch wurde wieder vermessen, 106 cm Umfang. Es wurde auch noch die Größe des Kindes bestimmt, aber da wurde mir das Ergebnis nicht gesagt. Mein Gewicht kontrolliert, ist auch ok.

Heute sollte ausführlich CTG geschrieben werden und die Praktikantin gab sich ganz viel Mühe, die beiden Pads an brauchbaren Positionen an meinem Bauch zu befestigen, kam aber nicht so richtig mit den Haltebändern klar. Außerdem musste vorher noch die Lage des Kindes ertastet werden, was heute eine besondere Herausforderung war. Der Krümel hatte sich nämlich letzte Nacht so richtig ausgetobt und hin und her gedreht und ich konnte nicht sagen, wie rum er nur lag. Die beiden Mädels diskutierten ausgiebig und am Ende einigten sie sich darauf, dass er wohl mit dem Rücken meiner Wirbelsäule liegt – also völlig falsch.

Mir wurde darauf hin aufgetragen, jetzt immer brav auf der linken Seite zu liegen und, soweit möglich, den Krümel zu animieren, sich wieder in die stabile Seitenlage zu begeben. Außerdem sollte ich per Strichliste die Kindsbewegungen notieren, üblich wären 10 Stück innerhalb von 2 Stunden. Ich hab heute zwar keine richtige Strichliste erstellt, aber immer mal gedanklich mitgezählt. Passt soweit.

Während ich am CTG lag, konnte ich in  Ruhe alle meine Fragen stellen, die in den letzten Tagen so aufgelaufen sind.
Gestern bei der Akupunktur habe ich Nadeln in den kleinen Zeh bekommen und wollte wissen, wofür die sind. Für schöne Wehen. Und ein bisschen Wehen anstupsen. Was mich wunderte, da nach Aussage der nadelnden Hebamme anstupsen nicht vor ET gemacht wird. Meine Hebamme meinte daraufhin, dass die richtigen Anstupsnadeln an der Hand gesetzt werden und es mit denen auch wirklich losgeht.

Mit einer Freundin diskutierte ich die letzten Tage darüber, was man bei einem Nabelschnurvorfall macht. Meine erste Idee war zurückschieben, auch wenn ich mir das Wie nur schwer vorstellen konnte. Da meine Hebamme das in ihrer Praxis bereits einmal erlebt hatte, fragte ich nach.
Sie meinte, Becken hoch lagern, Kind tatsächlich zurück schieben und versuchen, die Nabelschnur am Kopf vorbei zu schieben. Im Extremfall würde nur ein Kaiserschnitt helfen. Und dann erzählte sie ihre Geschichte.

Sie hat eine Weile in Afrika gearbeitet und eine der Schwangeren hatte einen Nabelschnurvorfall. Zum Glück konnte schnell reagiert werden und die Frau landete unverzüglich im OP, wo schon alles für den Kaiserschnitt bereit stand. Meine Hebamme verließ nur ganz kurz den OP, um Tücher für das Baby zu holen und als sie wieder zurück kam, wurde die Frau wieder aus dem OP geschoben und die Ärzte meinten, die Frau könne das Kind doch auf normalem Weg bekommen. Meine Hebamme fiel aus allen Wolken und auch ein wenig in Panik. Sie schnappte sich eine weitere Hebamme, sprach sich kurz mit ihr und der Schwangeren ab und warf sich dann beherzt auf den Bauch der Frau, während die zweite Hebamme bereit stand, das Kind aufzufangen. Ohne Rücksicht auf Verluste drückten sie das Baby aus der Frau raus und schafften es auch irgendwie.
Dem Kind ging es den Umständen entsprechend schlecht und es brauchte eine ganze Weile, bis es sich von der Geburt erholt hatte. Ich erkundigte mich, wie es denn der Frau dabei gegangen ist, ist ja quasi der Horror schlechthin. Meine Hebamme meinte, auf die Frau wird in der Gegend keine Rücksicht genommen, Frauen zählen dort nicht viel. Meine Hebamme hätte aber am liebsten das ganze Krankenhaus zusammen geschlagen, so sauer und fassungslos war sie.

Auch, wenn es in unseren Breiten ein wenig anders zugeht, war ich doch mehr als erleichtert, als mir meine Hebamme mitteilte, dass der Babykopf schön tief und fest im Becken steckt und es keine Gefahr mehr bei einem Blasensprung gibt. Ich müsste nicht mal zwangsweise liegen.

Ich lag ziemlich lange am CTG und es war auch alles unauffällig. Zu unauffällig für den Geschmack meiner Hebamme. Herzfrequenz des Kindes bei 120, es machte ganz gemütlich ein Nickerchen. Aber Schlafen ist nicht, also wurde das Kind immer wieder angeschubst, was es mit mürrischen Tritten und einer erhöhten Herzfrequenz von 140 quittierte. Keine Minute später war der Krümel wieder eingeschlafen und nach 15 Minuten wurde es erneut geweckt.
Ich bin also nicht die Einzige, die das Kindlein ärgert 😉

Mit einem abschließenden Blick auf das CTG meinte meine Hebamme, dass es nicht mehr lange mit der Geburt dauert. Ich fragte, woran sie das erkennt und sie sagte, sie sieht das am CTG, ohne jetzt genau benennen zu können, woran sie das sieht. Es wäre einfach der gesamte Verlauf der Linien. Sowas wollte ich hören, auch wenn ich jetzt doch ein wenig Angst habe. So wie vor einer wichtigen Prüfung, ganz egal, wie gut man gelernt hat.

Ich erkundigte mich als letztes wegen der Rufbereitschaft, da ich durch die Aussagen bei der Geburtsaufklärung ein wenig verunsichert war, wann ich denn anrufen dürfe. Ich hatte die letzten Tage immer wieder mal Wehen, auch regelmäßig und schmerzhaft, teilweise 2 bis 3 Stunden lang und war mir nicht sicher, ob ich da schon anrufen sollte. Immerhin würden sie ja bei Alarm ihre Termine verschieben und das ganze Prozedere anwerfen und ich will da keine unnötigen Umstände machen. Ebenso möchte ich nicht mitten in der Nacht anrufen und meine Hebamme wecken wegen nix.
Sie beruhigte mich aber. Wenn es länger als 3 Stunden dauern und regelmäßig ziepen würde, dann könne ich schon anrufen. Sie würde voraussichtlich eh erst mal bei mir zuhause vorbei kommen und die Gesamtsituation checken, bevor es richtig los geht. Auch nächtliche Ruhestörung wäre kein Problem, sie könne innerhalb von Minuten wieder einschlafen und sie hätte dieses Wochenende Rufbereitschaft, so dass ich mir gar keine Sorgen zu machen brauche.

Tja, und damit waren dann sämtliche Fragen geklärt, alle Werte geprüft, alles für gut befunden worden. Falls es am Wochenende nicht los geht, dann habe ich am Montag den nächsten Termin mit dem CTG, nur um sicher zu gehen.

Aufgeklärt

Wir wurden heute im Geburtshaus aufgeklärt. Nicht über die Sache mit den Bienchen und Blümchen, das wäre jetzt irgendwie schon zu spät gewesen. Aber über die Risiken und Nebenwirkungen einer Geburt im Geburtshaus.

Hauptsächlich ging es darum, was bei einer Geburt so alles passieren könnte, das dann eine Verlegung ins Krankenhaus nötig macht. Und das ist schon eine ganze Menge. Eigentlich so viel, dass ich mich gefragt habe, ob normale Geburten überhaupt möglich sind. Letztendlich wollen die Hebammen sich aber nur gegen alles mögliche absichern und sie sagten uns auch von vornherein, dass sie eher zu früh verlegen lassen und nicht auf Biegen und Brechen jede Geburt dort durchziehen.

Es wurde erklärt, wie eine Verlegung erfolgen kann. Entweder im Taxi, da die Hebamme nicht gleichzeitig Auto fahren und Gebärende betreuen darf, oder falls es einen extra Fahrer gibt, im privaten PKW. Bei bestimmten Situationen muss auch ein Krankenwagen gerufen werden, was aber 10 – 15 Minuten dauern kann und damit fast 3 mal so lang wie die Fahrt mit dem Taxi., aber manchmal geht es eben nur so. Der Mann/Partner hat bei allem ein wenig das Nachsehen, da sich die Hebamme oder auch ein Rettungswagenteam nur um die Frau und/oder das Baby kümmert.
Wir sollten deswegen schon vorsorglich Bargeld fürs Taxi in den Mutterpass legen, damit wir nicht im brenzligsten Moment erst danach suchen müssen.

Im Geburtshaus selbst haben sie natürlich keinen Arzt und keinen OP, könnten aber bei Notfällen das Kind fit spritzen oder die Wehen beschleunigen. Sie werden die Dinge aber nicht bei normalen Geburten verwenden, da sie bei einer etwaigen Verlegung ins Krankenhaus eine mehr oder weniger „jungfräuliche“ Frau übergeben wollen, mit dem vollen Spektrum der Beschwerden und ohne mögliche Kontraindikation, was eine vorangegangene Medikamentengabe angeht.

Es klang alles recht unaufgeregt und ich hatte immer das Gefühl, dass sie das kopflose Umherwuseln einzig den werdenden Eltern überlassen. Es wurde mehrmals betont, dass das Geburtshaus zu allen Krankenhäusern in der Umgebung einen sehr intensiven Kontakt und dort auch einen guten Ruf habe*. Trotzdem kann es mal vorkommen, dass es kleinere Sticheleien gibt, vor allem bei den Krankenwagenfahrern, die das Geburtshaus eben nicht kennen.

Neuerdings gibt es wohl auch eine Vereinbarung mit der Uniklinik, dass ein Kinderarzt, falls nötig, ins Geburtshaus fährt samt Wärmebettchen und dem großen Notfallkoffer und dann die Betreuung direkt vor Ort und bis ins Krankenhaus übernimmt.

Wir dürfen jetzt noch 24 Stunden warten und mindestens einmal ausgiebig über das ganze Thema schlafen, dann startet die Rufbereitschaft. Wir können uns auch jederzeit, ohne Angabe von Gründen, umentscheiden.
Was noch spannend wird, ist, dass meine Hebamme ab 21.3. – meinem errechneten Termin – für 9 Tage in Urlaub geht. Ab diesem Zeitpunkt ist ihre Vertretung quasi alleine. Und wenn es da ungünstig läuft, springt ihre Vertretung ein, die Hebamme, die meinen Geburtsvorbereitungskurs geleitet hat. Und falls sie gerade nicht kann, gibt es noch zwei weitere Hebammen, die bereit stehen. Mal schauen, wie viele Hebammen ich so verschleißen werde 😉

* Den guten Ruf kann ich bestätigen. Als ich vor 5 Jahren in der Uniklinik entbunden habe, wurde ich unter anderem gefragt, wo ich meine Vorsorge und den Kurs gemacht hatte und als ich das Geburtshaus nannte, war das gesamte Team sofort erleichtert und ganz entspannt, weil sie wussten, dass sie eine gut vorbereitete Gebärende vor sich hatten.

Die Würfel sind gefallen

Ich weiß nur noch nicht, wie viele Punkte ich gewürfelt habe 😉

Lange habe ich die Entscheidung, wo ich denn nun entbinden würde, immer und immer wieder abgewogen. Die Uniklinik als vermeintlich sichere Option lag meistens ein Stückchen vorn, das Geburtshaus zog wegen fehlender Schmerzmittel oft den Kürzeren.

Doch je näher der Termin rückte, umso mehr verschoben sich bei mir die Prioritäten. Ich überlegte, wenn ich das Schmerzmittelkriterium mal weg lasse, welche Gründe dann noch gegen das Geburtshaus sprechen. Und da gingen mir ganz fix die Argumente aus. Die Geburt wird dort mindestens genauso überwacht wie im Krankenhaus. Vermutlich sogar besser, da sich meine Hebamme nur um mich, und nicht noch 3 oder 4 andere Gebärende kümmern muss, den Papierkram haben wir schon vorher erledigt und ein CTG für  Wehen und Herztöne gibt’s da auch.

Wenn doch Komplikationen auftreten sollten, könnten wir innerhalb von 5 Minuten in der Uniklinik sein, selbst im dicksten Berufsverkehr. Genauso lange braucht die Klinik, um einen OP für einen Notkaiserschnitt fertig zu machen. Wenn die Hebamme also bei Abfahrt anruft und den Notfall ankündigt, ist die Vorlaufzeit in etwa so lang, als wenn ich schon direkt vor Ort wäre.

Ich spare mir den Schichtwechsel aller 8 Stunden. Und laufe nicht Gefahr, eine doofe Hebamme abzukriegen, die ich nicht leiden kann. Eine Situation, die eine Geburt nur unnötig belastet und außerdem den Geburtsverlauf negativ beeinflussen kann, wie ich leider aus eigener Erfahrung weiß. Auch wenn eine Geburt ein spannendes Ereignis ist, muss ich es nicht unnötig in die Länge ziehen.

Bleibt noch das Problem der Schmerzmittel, was mir wirklich lange heftige Bauchschmerzen bereitet hat. Ich werd sehr schnell sehr stieslig, wenn ich Schmerzen habe und das möchte ich ungern anderen zumuten. Andererseits bedauer ich sehr, dass mir durch das Morphium in der heißen Phase der ersten Geburt ein paar Erinnerungen fehlen, weil ich ziemlich benebelt von dem Zeugs war. Außerdem war der eigentliche Schmerz nicht weg, mir war er nur egal. Ich weiß also ungefähr, was auf mich zukommt. Und es bleibt immer noch die Hoffnung, dass sich eine vertraute Umgebung und eine entspannte Atmosphäre positiv auf das Schmerzempfinden auswirken.

Am Freitag habe ich das Aufklärungsgespräch dazu, wo alle Eventualitäten durchgesprochen werden. Sollte ich danach immer noch bereit sein, im Geburtshaus zu entbinden, beginnt einen Tag später die Rufbereitschaft. Sollte ich nach dem Gespräch doch lieber wieder die Uniklinik vorziehen, so darf ich gerne nochmal würfeln.

Bis dahin muss ich allerdings noch einige Dinge klären. Zum einen sollte mein Mann unbedingt eine Woche nach der Geburt zu Hause bleiben, damit ich auch wirklich im Wochenbett liegen bleiben kann. Es könnte sonst sein, dass meine Hebi wegen der möglichen Komplikationen durch eine zu frühe Überanstrengung die Geburtshausgeburt ablehnt. Zum anderen ist noch nicht klar, ob meine Krankenkasse ganz oder teilweise die Kosten der Rufbereitschaft in Höhe von 450 Euro übernimmt. Das ist schon ein Batzen Geld, der uns auch weh tun würde, aber nur deswegen in die Uni rennen will ich wiederum auch nicht. Und als Drittes brauch ich den Segen des Kinderarztes, dass die Hebamme das Neugeborenenscreening durchführen und der Kinderarzt bei evtl. erkannten Störungen informiert werden darf. Da ich eh noch Fragen wegen der U2 habe, kann ich das in einem Abwasch erledigen.

Bis Freitag muss ich jetzt jede Menge Formulare ausfüllen und Infomaterialien lesen, alles mit meinem Mann besprechen und noch ganz oft ganz tief durchatmen.

Ich glaube, die heiße Phase hat begonnen 🙂

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 5

Nachdem sich mein Puls und Blutdruck nach der Lektüre dieses Kinderdoc-Posts, vor allem der zugehörigen Kommentare, wieder ein wenig normalisiert haben, kann ich mich dem Bericht des letzten Teils meines GVKs widmen.

An  Teil 4 vergangene Woche konnte ich leider nicht teilnehmen, weil der Große mit Bindehautentzündung und nervigem Husten zuhause bleiben musste.

Nach der Begrüßung wurden wir gefragt, ob wir noch brennende Themen hätten, die wir unbedingt noch besprechen sollten, aber alle Teilnehmer waren da wunschlos glücklich. Da mir ein Teil fehlte, wollte ich auch nicht planlos dazwischen quatschen und hielt mich mit Vorschlägen zurück. Die Hebamme hatte allerdings noch das Thema Stillen auf ihrer Liste und es folgte wieder der Erfahrungsaustausch.

Fast alle hatten mehr oder weniger mit entzündeten Brustwarzen zu kämpfen, welche jedoch ausnahmslos mit Lanolin gut behandelt werden konnten. Diverse Mamas hatten schmerzhafte Milchstaus mit Fieber und Schüttelfrost. Ich berichtete von meinem äußerst heftigen Milcheinschuß und dass ich davor aktuell auch richtig Panik habe. Die Hebamme empfahl mir, vorher zu versuchen, eher wenig zu trinken, da viel  Flüssigkeit die Menge des Milcheinschußes beeinflussen würde. Nur immer schlückchenweise an Pfefferminztee nippen und aufs Beste hoffen. Na, ich bin gespannt, ob das hilft.

Dann folgte eine Lockerungs- und Atemübung. Wir sollten uns vorstellen, uns umgebe eine Glaskugel und wir würden diese von innen anmalen. Erst mit einem großen dicken Pinsel für die Flächen, dann ein kleiner Pinsel für die Akzente wie Wellenlinien und zum Schluss viele Punkte. Zu den Bewegungen die entsprechenden Geräusche: swusch, ssssssst, tock tock tock.

Es folgte eine Partnerübung, bei der sich zwei Frauen gegenüber sitzen und sich nur an den Fingerspitzen berühren. Eine macht die Augen zu, die andere führt die Hände und schaut, wie gut das funktioniert. Dann wird gewechselt. Am Ende machen beide Partner die Augen zu und warten ab, was passiert. Entweder jemand übernimmt die Führung oder die beiden lassen einfach bewegungslos ihre Fingerspitzen gegeneinander stehen.

Dann wurde ausgewertet, wie die jeweile Situation empfunden wurde. Die meisten fanden es gut, zu führen, konnten aber auch problemlos die Verantwortung abgeben und sich führen lassen. Beim gleichberechtigten Teil wurde gleichmäßig die Führung verteilt. Nur bei meiner Partnerin nicht. Als ich sie führte, versuchte sie immer, ihren Weg zu gehen und zu „sagen“, wo es lang geht. Ich hab diverse Male dagegen gehalten, aber so richtig aufgeben wollte sie nicht. Beim gemeinsamen Führen hab ich sie dann machen lassen, weil ich nicht mit ihr „streiten“ wollte 🙂
Die Hebamme meinte daraufhin, dass sie wohl eher der Typ sei, der sehr klare und nachdrückliche Führung benötige und man sich während der Geburt darauf einstellen müsse.

Es folgte die berühmt-berüchtige Bauchmalaktion, bei uns zum Glück nur auf dem Papier. Wir sollten überlegen, was wir unserem Kind im ersten Jahr mit auf den Weg geben wollen und sollten dies künstlerisch-kreativ auf einem Stück Papier umsetzen. Wir könnten dazu eine Blume malen und in die Blütenblätter unsere Wünsche schreiben oder eine Hand zeichnen und die Finger beschriften oder aber was ganz anderes.

Ich wählte ein breites Band, welches sich über mein Blatt schlängelte und schrieb darauf Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Lachen, Geborgenheit und Glück. Ich ließ einige Stellen frei für Dinge, die mir später noch einfallen würden. Jede erzählte kurz etwas zu ihren Wünschen, aber letztendlich waren sich alle im Grunde ähnlich. Warum sollten wir auch das (Mutter-)Rad neu erfinden?

Die obligatorische Entspannungsübung schloss sich an und ich hatte echt zu tun, dabei nicht einzuschlafen. Meine Nacht war mal wieder sehr unruhig und ich hatte nur 3 Stunden geschlafen und so eine säuselnde Stimme, untermalt von ruhiger Musik …

Ganz zum Abschluss sollten wir reihum ein Feedback zum Kurs geben und offenbaren, was uns unserer Meinung nach zu einer guten Mutter mache. Uff!
Feedback war ja nicht das Problem, aber dieses gute-Mutter-Ding schon. Ich hab doch sehr oft Zweifel, ob das, was ich mache, richtig ist und ich stelle mir immer wieder die Frage, ob ich denn einigermaßen eine  gute Mutter sei.

Spontan wollte ich antworten: ich bin eine gute Mutter, weil ich mein Kind nicht schlage. Doch ich habe gesagt: ich bin eine gute Mutter, weil ich so gar nicht wie meine Mutter bin. Ich denke, das sagt viel über meine Mutter und mich aus. Und ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, meine Mutter ein wenig mit in meine Richtung, auf meinen Weg zu ziehen und dass sie sich darauf eingelassen hat.
Trotzdem beschäftigt mich diese Frage immer noch und vielleicht werde ich darauf in einem separaten Eintrag eingehen.

Da ich die ganze Stunde, wie sonst eigentlich auch, bei jeder Bewegung gestöhnt und geächzt habe, machte mir die Hebamme noch eine Überraschung. Ich durfte mich nach Kursende auf eine spezielle Liege legen, die eine Aussparung für den Bauch hat, genauso wie ein Loch für das Gesicht. Es war traumhaft. Besonders mein unterer Rücken freute sich und konnte seit Wochen mal wieder locker lassen. Sowas hätte ich gern für zuhause, auch wenn ich nicht weiß, wohin mit so einem Riesending 🙂

Und dann war der GVK endgültig vorbei. Wir trugen unsere Mailadressen noch auf einer Liste ein, wünschten uns gegenseitig alles Gute und zogen dann in eine unbekannte, doch sehr spannende, Zukunft davon.

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 1

Es ist ja noch ein bisschen hin bis zum Stichtag am 21.3., doch der Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus meines Vertrauens startete schon heute. Es ist ein spezieller Kurs für Wiederholungstäterinnen und ohne Männer. Ich war sehr gespannt auf den Kurs, erstens weil die Klientel eines Geburtshaus doch ein wenig anders ist und ich nicht wusste, ob und wie ich mich da jetzt einfügen würde und zweitens weil ich so gar keine Vorstellung davon hatte, was in dem Kurs passieren wird.

Ich war extra pünktlich da, weil die Parkplätze in der Gegend recht knapp sind und zeitiges Kommen, wenn auch nicht die besten, so doch immerhin Plätze sicherte. Ein wenig erstaunt war ich, als ich den Raum betrat und dort einen Stuhlkreis vorfand. Vom letzten Kurs konnte ich mich noch erinnern, dass wir da immer auf Matten auf dem Boden gelümmelt haben. Nachdem der organisatorische Teil erledigt und alle Teilnehmerinnen eingetroffen waren, begann die obligatorische Vorstellungsrunde, die aber ein wenig anders ablief als ich das bisher kannte.

Wir wurden gebeten, unseren Namen zu sagen, und zwar denjenigen, mit dem wir auch angesprochen werden wollen, das konnte der echte oder aber auch ein Spitzname sein. Dazu sollten wir noch die Entstehungsgeschichte erzählen, wie unsere Eltern denn genau auf diesen Namen gekommen sind. Ungefähr die Hälfte hatte biblische Vornamen, weil die Eltern gläubige Christen sind. Die andere Hälfte hatte Vornamen nach Schauspielerinnen, Sängerinnen oder den Namen aus einem Filmabspann. Niemand hatte und wollte einen Spitznamen, jeder war mit seinem Namen zufrieden.
Außer mir. Mein echter Name war eine Notlösung meiner Mutter. Sie wollte mich ursprünglich ganz anders nennen, aber im Krankenhaus wurde ihr gesagt, das wäre kein richtiger Name und sie solle doch einen anderen aussuchen. Daraufhin wählte sie einen Allerweltsnamen, den ich dann im Gymnasium in unserer 20er Klasse mit 3 anderen Mädels teilte. Wenige Jahre später hab ich mir bei meinen ersten Gehversuchen im Internet einen Nickname ausgesucht, aus dem sich ein Spitzname entwickelte, mit dem mich heute alle anreden außer meinen Eltern und Arbeitskollegen.

Dann wurde geschaut, woher wir alle kamen und wo wir wohnten. Nicht eine Einzige wurde hier in der Stadt geboren, einige kamen es dem Umland, viele aus einem ca 150 km Umkreis, zwei von ganz weit weg. Wohnhaft sind bis auf einen „Wessi“ alle im Osten, Südosten oder Süden der Stadt.

Spannend war dann die Aufteilung nach Geschwistern. Als erstes die eigenen Kinder. Bis auf eine 3-fache Mutter haben alle nur ein Kind. Von den bereits vorhandenen Kindern sind zwei Mädchen, der Rest alles Jungs. Die Verteilung der „neuen“ Kinder wurde nicht erfragt, aber die errechneten Termine und die erstreckten sich vom 1.3. bis zum 14.4. Wir sind jetzt alle gespannt, wie gut diese Reihenfolge eingehalten wird und haben zur Erinnerung ein Foto gemacht.
Die Aufteilung „unserer“ Geschwister folgte. Ich war das einzige Einzelkind, die eine Hälfte war große Schwester, die anderen Hälfte hatte mindestens einen großen Bruder oder eine große Schwester, viele auch mehrere Geschwister (ich glaube, der Rekord lag bei insgesamt 7 Kindern).

Hier erzählte ich dann auch das erste Mal etwas recht persönliches, da meine Familiengeschichte minimal kompliziert ist. Denn mein leiblicher Vater hat noch 3 andere Kinder, meine Halbgeschwister. Ich kenne meinen leiblichen Vater aber nicht, da den Job mein Papa übernommen hat, welcher meine Ma kennenlernte, als ich 4 Monate alt war. Durch diese Konstellation habe ich auch keine Geschwister, da meine Eltern, allen voran meine Ma, befürchteten, dass sie ein gemeinsames leibliches Kind mir vorziehen würden und das wollten sie mir nicht antun. Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Befürchtung leider auch nicht, denn die Schwester meiner Mutter hat nämlich genau dies getan. Meine Cousine stammt aus der ersten Ehe, ihre beiden Schwestern aus der zweiten Ehe und der Stiefvater hatte absolut keine Liebe übrig für sie und behandelte sie auch entsprechend. Ich fand das als Kind immer recht seltsam, begriff aber zu diesem Zeitpunkt die Zusammenhänge nicht.
Ich wollte immer Geschwister haben, weil ich dies von meinen Klassenkameraden kannte und ich auch einen Verbündeten gegen meine Eltern haben wollte. Aus genannten Gründen wurde mein Wunsch nicht erfüllt und ich bin mir auch des Opfers bewusst, das meine Eltern für mich gebracht haben, wenngleich ich die tatsächliche Gefahr des Vernachlässigtwerdens als sehr gering einschätze allein durch die Tatsache, dass meine Eltern sich genau dieses Umstands bewusst waren und alles getan hätten, um dies zu vermeiden. Aber dies ist nun nicht mehr zu ändern.

Die Geschichten der Geschwisterkinder waren auch sehr spannend und reichte von innigen Verhältnissen über erbitterte Konkurrenzkämpfe bis hin zum teilweisen Übernehmen der Mutterrolle für kleinere Geschwister. Bei einigen Geschichten merkte ich, dass sich damit schon intensiv auseinandergesetzt wurde, es aber immer noch einiges an Hadern mit dem Schicksal gibt. Ich finde, dass es für die generelle gute Atmosphäre in der Gruppe spricht, dass bereits beim ersten Termin so offen über augenscheinlich sehr emotionale Aspekte gesprochen wurde.

Nach diesem ersten Kennenlernen brauchten wir alle eine Verschnaufpause und so machten wir ein paar Bewegungsübungen. Beckenkreisen, Beckenkippen, Schultern lockern, mit den Armen schlenkern, räkeln und strecken. Alles Sachen, bei denen man so herrlich dusslig und ungelenk aussehen kann 🙂

Gleich darauf ging es wieder ans Eingemachte. Wir sollten von unserer ersten Geburt erzählen, wobei wir den Fokus auf die Dinge legen sollten, auf die wir besonders stolz sind und was uns vielleicht vom ersten Mal noch nachhängt und in die neue Geburt mitgeschleppt wird. So wie jede Geburt waren auch die Geschichten sehr unterschiedlich.

Die erste ging recht blauäugig ran, hatte sie sich doch mit Büchern von Frédérick Leboyer belesen und fühlte sich so ausreichend auf die Geburt vorbereitet. Die Realität hat sie dann ganz schnell ernüchtert, aber sie hat die Geburt trotzdem gut über die Bühne gebracht.
Die nächste fand sich zu sehr von der Klinik zu Schmerzmitteln und Medikamenten gedrängelt und möchte dieses Mal mehr selbstbestimmt sein.
Es folgte eine unkomplizierte Hausgeburt.
Dann eine weitere Klinikgeburt, die übermäßig lange dauerte, nach Vermutung der Mutter, weil sie noch nicht bereit war, loszulassen.
Als nächstes eine dramatische Geburt mit Blasensprung in der 32. Woche und Notkaiserschnitt, Frühchenintensiv und Infektionen, massiven Stillproblemen. Das Kind hat zwar alles gut überstanden, aber man sah der Mama an, dass noch ganz viel unverarbeitetes Trauma und Schuldgefühle dabei waren. Völlig nachvollziehbar, dass sie sich jetzt nichts sehnlicher als eine normale spontane Geburt wünscht, sie aber oft mit dem (Vor-)Urteil „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ zu kämpfen hat.
Die Dreifachmama wünschte sich, dass die vierte Geburt ein wenig länger dauern würde, da ihre bisherigen Geburten alle turbomässig abliefen und keine zwei Stunden dauerten. Dafür waren alle ihre Kinder ca. 2 Wochen übertragen, jedoch ohne negative Folgen.
Die nächste Mama wurde eingeleitet, da bei ihr, zum Glück erst relativ spät in der Schwangerschaft, HELLP auftrat. Die Geburt war trotz Einleitung schön und auch nicht über die Maßen schmerzhaft. Hinterher stellte sich heraus, dass das Kind wohl schon zwei Wochen lang nicht mehr richtig versorgt wurde, es war nicht mehr gewachsen und die Plazenta war völlig verkalkt.
Als letztes noch eine Mama mit Diabetes Typ 1, die nach Einleitung und Geburtsstillstand per Kaiserschnitt entbunden wurde. Das Kind musste danach auf die Frühchenintensiv, aber dies scheint wohl üblich zu sein bei diesem Diabetes-Typ und auch beim jetzigen Kind wird es so sein. Da aber alle Bescheid wissen, ist das letztendliche Risiko für Mutter und Kind überschaubar. Auch dieser Mama merkte man beim Erzählen an, dass sie noch einen ordentlichen Rucksack mit sich rumschleppte.
Und meine Geschichte? Die folgt in einem separaten Eintrag 🙂

Nach diesem Trip in die Vergangenheit erstmal wieder was unverfängliches und so besprachen wir die möglichen Kursinhalte. Was wollten wir unbedingt noch wissen, was ist uns wichtig, was musste aufgefrischt werden, was kann aber auch weggelassen werden. Am Ende unterschied sich die Liste nicht wesentlich von meinen Erinnerungen aus dem ersten Kurs, aber Wiederholen kann ja nie schaden.

Zum Abschluss entspannten wir noch ein wenig bei meditativer Musik, die Kursleiterin lenkte unseren Fokus mal auf unsere Gedanken, mal auf unsere Atmung, mal auf unsere Bäuche. Es war ein guter Ausklang, wir konnten nochmal über die letzten 2 Stunden reflektieren und wurden nicht ganz so unsanft wieder in die kalte Realität geschubst.
Doch, war ein guter Termin, der noch ein wenig nachwirkt.

Geburtshaus oder Uniklinik

Ich hatte am Dienstag meinen ersten Termin bei der Hebamme. Das Gespräch war sehr angenehm und sie erkundigte sich ausführlich nach meine Vorgeschichte und allen sonstigen relevanten Themen. Sie drückte mir auch was zum Lesen in die Hand und erklärte mir das Vorgehen und was alles zu beachten sei. Ich fühlte mich auf Anhieb wohl und hatte auch keine Probleme, über eher unangenehme Dinge zu sprechen.

Ich habe nur an dem Punkt ein wenig gestockt, als sie meinte, das wäre ja jetzt meine dritte Schwangerschaft. Sie hat ja recht, aber für mich ist dieses Ereignis schon wieder so weit weg, dass es in meinem normalen Denken gar nicht mehr vorkommt. Sie erkundigte sich, wie das für mich war und wie ich diese Geburt erlebt habe. Ich musste eingestehen, dass ich das überhaupt nicht als Geburt betrachtet habe, da es sich nur anfühlte wie eine verspätete Periode. Sicherlich geholfen hat dabei, dass auf dem Ultraschallbild kein Fruchtkörper und erst recht kein Herzschlag zu sehen war. Wäre dies anders gewesen, hätte ich vermutlich auch mehr daran zu knabbern gehabt. Beim drüber reden merkte ich auch, dass für mich dieses Thema wirklich abgeschlossen ist und nicht nur durch die aktuellen Ereignisse überlagert wurde.

Am Ende des Gesprächs fragte mich die Hebamme, ob ich mir schon Gedanken gemacht habe, wo ich denn entbinden möchte. Spontan hätte ich Uniklinik gesagt, wie beim ersten Mal. Ich hätte auch nichts gegen das Geburtshaus, wenn die da auch die etwas härteren Schmerzmittel zur Verfügung hätten. Ich brauch nicht unbedingt eine PDA, aber Paracetamol als stärkste Droge ist mir eventuell zu wenig. Da habe ich Angst, dass es mir dann doch zu viel zu heftig wird.

So beschäftige ich mich also seit Dienstag mit der Frage, ob ich mir eine Geburt im Geburtshaus zutraue oder doch wieder auf die Sicherheit der Uniklinik zurückgreife. Es gibt für beides Pros und Kontras, und im Moment weiß ich nicht, was überwiegt. Zum einen ist noch ein wenig Zeit bis zur Entscheidung, zum anderen hält sie mir den Platz im Geburtshaus noch ein wenig frei und ich könnte mich jederzeit auch noch umentscheiden.

Und sonst so?
Aufregende Ereignisse auf Arbeit, die mich, würde ich noch arbeiten, ziemlich direkt und heftig betreffen würden. So aber bleiben anderthalb Jahre, in denen sich die Dinge immer noch ändern können.
Körperlich geht es mir besser, nur aufrechtes Sitzen wird immer schwieriger. Werde mir deswegen die nächsten Tage ein neues Notebook fürs Sofasurfen zulegen.
Psychisch ist es eher so lala. Ich kann total schlecht einschlafen, bin viel am Grübeln, obwohl ich eigentlich keinen echten Anlass dazu habe. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Achja, der Krümel turnt fleißig in mir rum und mittlerweile spüre ich ihn auch von außen ❤

Hebamme

Ich hab seit heute eine Hebamme, weiß nur noch nicht, welche es denn genau sein wird 🙂

Ich war beim Großen in einem Geburtshaus hier ganz in der Nähe und hatte dort eine wundervolle Hebamme für die Vor- und Nachsorge. Geburtshaus klang für mich damals voll esoterisch und abgedreht und wasweissich nicht alles, aber als ich mir das angeschaut habe, war es wirklich ganz toll. Klar lag noch ein Hauch von Räucherstäbchen in der Luft, aber das war dann auch schon das Exotischste dort. Im Grunde ist dieses Geburtshaus ein Verbund mehrerer Hebammen, welche eine Rundumbetreuung für Schwangere und Mütter anbieten. Da gibt es den normalen Geburtsvorbereitungskurs genauso wie das Yoga und die Rückbildungsgymnastik.

Wer möchte, kann dort im Haus entbinden oder auch bei sich zu Hause. Es wird aber keine Frau schief angeguckt, wenn sie sagt, dass sie lieber im ultramodernen Uniklinikum mit allem möglichen technischen Schnickschnack entbinden möchte. Für mich war diese Vorbereitung ideal, denn so erfuhr ich von der Möglichkeit der ambulanten Entbindung. Ohne das wäre ich vermutlich die üblichen 3 Tage im Krankenhaus geblieben und hätte mich über meine ganz furchtbare Zimmergenossin aufgeregt 😉

Als ich also wieder schwanger wurde, war für mich sofort klar, dass meine Hebamme wieder aus diesem Geburtshaus kommen würde. Leider ist meine von damals nicht mehr an Bord, aber ich bin zuversichtlich, dass die neue auch eine ganz Liebe sein wird.

Die zu betreuenden Schwangeren werden in 3er Teams betreut, wobei eine Hebamme die Hauptansprechpartnerin ist, die anderen aber als Vertretung einspringen können. Jeden Montag wird in der Teamsitzung besprochen, welches Team welche Schwangere bekommt. Also warte ich nun auf nächsten Montag und die Nachricht, wen ich die nächsten Monate an meiner Seite haben werde.

Aber immerhin: ich habe eine Hebamme!